BEL vs. JPN 3:2

Gesehen: 90 Minuten, tolles Spiel

Das Spiel: Ein Leckerbissen. ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckte, japanische Kampfkraft, mannschaftliche Geschlossenheit und konditionelle Leistung, oder belgische Offensivgenalität, individuelle Klasse und der unbedingte Siegeswille der roten Teufel. Der Umkehrpunkt der Partie war Vertongens so nicht beabsichtigter Kopfball zum Anschlusstreffer für Belgien, vielleicht das bizarrste Tor des Turniers bisher. Trotzdem kämpfte Nippon weiter. Dieses Spiel sollte sich die deutsche Mannschaft demnächst bei jedem Lehrgang anschauen: 2 Mannschaften, die niemals aufsteckten, kämpften bis aufs Messer, ohne unfair zu spielen, mit einem verdienten Sieger, der in der Nachspielzeit die eigenen Vorteile ausspielte. Dieser letzte Angriff der Belgier war ein Musterbeispiel, wie attraktiver Angriffsfußball aussehen muss. Vom Torwart bis zum Schützen des Siegestors perfekte Annahmen und Abspiele, die Finesse von Lukako und der nervenstarke Abschluss des Nacer Chadli. Die Brasilianer sollten sich warm anziehen.

Ergebnis gerecht?: Ja, Belgien war das psychologisch und fußballerisch stärkere Team von zwei Klassemannschaften.

Mann des Spiels: Trotz der Niederlage Takashi Inui. Tolles Tor und japanischer Offensivmotor. Seine Tränen nach dem Abpfiff rührten mich.

Spruch des Spiels: vergessen.

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URU vs. POR 2:1

Nein, ich habe Argentinien gegen Frankreich nicht gesehen, ich habe gearbeitet (überhaupt habe ich in letzter Zeit vor allem gearbeitet). Nach den Toren in der Zusammenfassung muss es aber ein ziemliches Spektakel gewesen sein. Mein Weltmeistertipp bleibt immerhin intakt.

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Das Tor in der 7. Spielminute für Uruguay war ein kleines Kunstwerk. So was hat man lange nicht gesehen. Cavani – Suarez – Cavani: drin. Jetzt mussten die Portugiesen kommen und das bei bereits erwiesener Defensivstärke der Südamerikaner. Und die machten es wirklich gut, standen dem Europameister auf den Füßen, machten die Räume dicht und kamen selbst weiter zu gefährlichen Vorstößen. Portugal machte zu wenig aus seinen Standardsituationen und ging daher mit Rückstand in die Kabine. Eine schnell ausgeführte kurze Ecke führte dann zum portugiesischen Ausgleich in der 55. Minute. Nicht unverdient, auch wenn es den Europäern bis dahin an Präzision und Ideen gemangelt hatte. Portugal drehte jetzt auf und versuchte das Momentum zu nutzen. Aber Edinson Cavani schlug ein paar Minuten später zurück. Wunderbarer Schlenzer mit der Innenseite des rechten Fußes ins lange Eck, unwiderstehlich. Portugal war weiter fleißig, aber so richtig gefährlich wurde es nicht mehr. Das Spiel blieb fair und flüssig, weil der Schiedsrichter eine ausgezeichnete Leistung bot.

Ergebnis gerecht?: Ja, Uruguay hatte die besseren Situationen hinten und vor allem vorne.

Männer des Spiels: Louis Suarez und Edinson Cavani. Einfach sehr sehr beeindruckend.

Spruch des Spiels: „Er nimmts mit Humor, gefällt mir.“ (Tom Bartels über Christian Ronaldo)

GER vs. KOR 0:2

Gesehen: die (aller)letzten 70 Minuten im „Grillhaus“ in Geilenkirchen mit Fernseh- und Radiokommentar gleichzeitig, auf einem Fernseher, der zweimal ausfiel und direkt neben einem kaputten, flackernden Deckenspot angebracht war, verschwitzt und versifft von der Arbeit, die noch lange nicht zu Ende war. Ja, es passte alles zusammen.

Das Spiel: Blutleer, langsam, ohne Ideen. So agierte die N11 gegen Koreaner, die es so machten, wie in den Spielen zuvor. Hinten drin stehen und lauern. Für den deutschen Torso reichte das. Ja, es gab Chancen, sie wurden teils kläglich vergeben. Wer gehofft hatte, der späte Sieg gegen Schweden wäre eine Initialzündung gewesen, sah sich getäuscht. Dass die Herren Nationalspieler kicken können, weiß man. Warum sie diese Leistung in keinem der drei Spiele abrufen konnten, kann ich mir nicht erklären.

Es ist Zeit für einen Neuanfang. Einige Spieler sind über ihren Zenit hinaus und das System Löw hat sich verbraucht.

Ergebnis gerecht?: Klar.

Deppen des Spiels: Die N11

Spruch des Spiels: „Aus!“ (Der Typ hinter uns, dem beim ersten Tor der Koreaner fast der Döner aus dem Gesicht gefallen wäre)

ARG vs. NGR 2:1 / ISL vs. CRO 1:2

Gesehen: 80 Minuten parallel

Die Spiele: Im Gegensatz zu den Nachmittagsspielen war es am Abend spannend und sehenswert. Als Victor Moses für Nigeria den Elfer cool verwandelte, dachte ich mir „Das könnte es gewesen sein“. Zwar hatte Messi zuvor ein wunderbares Tor erzielt und Argentinien tat mehr fürs Spiel, aber Nigeria war mutig und ziemlich clever. Und sie stellen sich halt nicht hinten rein. Die Südamerikaner wollten es unbedingt, aber zeigten ungewohnte technische Fehler und waren zu überhastet in der Box. Gonzalo Higuaín fand nicht statt. Messi tauchte ab. Dann muss ein Innenverteidiger ran, Marcos Rojo. Der machte es richtig gut, gekonnt aus der Luft und mit Schmackes, und Nigeria war dann zu platt, um noch mal zuzuschlagen. Argentinien muss nun gegen Frankreich ran. Hmhmhm. Das andere Spiel hatte eine andere Charakteristik. Kroatien, bereits qualifiziert, spielte mit der B-Elf, Island griff nach dem Strohhalm. Und obwohl die abgezockten Kroaten in Führung gingen, kämpften die Nordmänner aufopferungsvoll. Und sie hatten Chancen, das Spiel zu drehen. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch einen berechtigten Handelfmeter, aber Ivan Perisic erzielte dann das Tor zum Endstand. Kroatien wird gegen Dänemark antreten. Die Jungs vom Balkan haben noch eine Menge vor. 

Ergebnisse gerecht?: Zweimal ja. Tut mir ein bisschen leid für Island, die wirklich nah dran waren und alles gegeben haben. Auch Nigeria hatte es in der Hand.

Männer der Spiels: Rojo nicht Messi bei Argentinien. Alle Kroaten, die erste Mannschaft mit 9 Punkten nach der Vorrunde.

Spruch der Spiele: „Der dreht sich doch rein! Ja, er dreht sich rein.“ (Gerd Gottlob will keinen Strafstoß für Nigeria)

FRA vs. DEN 0:0 / AUS vs. PER 0:2

Gesehen: 90 Minuten parallel

Die Spiele: Dänemark müsste verlieren, Australien mit drei Toren Unterschied gewinnen, so wenig spannend war die Ausgangslage. Folglich spielten Franzosen und Dänen in Wirklichkeit um den Gruppensieg, Australien gegen Peru um die goldene Ananas. Die Peruaner schossen ein schönes Tor, Australien arbeitete Fußball, ohne die sich bietenden Chancen zu nutzen. Naja. Die Franzosen zeigten das kultiviertere Spiel, es gab auch mal schnelle Angriffe, die Dänen fuhren eher die Kontertaktik, aber reichlich unpräzise. Insgesamt ein lauer Kick So viel zu den ersten Hälften. Direkt nach der Pause legte Peru sehr glücklich nach: Der Pass abgefälscht, der Schuss abgefälscht. Steckste einfach nicht drin. Die Dänen waren somit endgültig qualifiziert und hätten jetzt befreit aufspielen können – sie taten es nicht, sondern blieben weiter defensiv. Und Frankreich schlief mehr oder weniger ein. Als das ganze Stadion zu pfeifen begann, versuchten sie den Schalter umzulegen. Die Australier hatten derweil aufgegeben. Ihre Fans weinten.

Ergebnisse gerecht?: FRA vs. DEN hatte keinen Sieger verdient. Der Sieg der Peruaner geht in Ordnung.

Männer der Spiele: André Carrillo, Torschütze für Peru. Im anderen Spiel gab es nur Deppen.

Sprüche der Spiele: „Im Moment die Stimmung fast wie im Theater“ (Tom Bartels). „Fieldgoal von Giroud!“ (Tom Bartels, der Franzose drosch ihn in den russischen Himmel) „Mann hofft einfach nur, dass die Nachspielzeit sich in Grenzen hält.“ (Tom Bartels)

IRN vs. POR 1:1 / ESP vs. MAR 2:2

Von den ersten beiden Spielen des Tages fast nix gesehen. Bei KSA vs. EGY war das wohl auch besser so. Dass Uruguay die Russen hochverdient schlug, hatte wohl jeder erwartet, bis auf einige Mitglieder unserer Tipprunde.

Gesehen: 90 Minuten mehr oder weniger parallel

Die Spiele: Ein ziemlich dummer Fehler von Sergio Ramos und ein sehr schönes Tor für Portugal, dass nicht durch Ronaldo, sondern durch Quaresma erzielt wurde. Viel mehr blieb bei mir nicht hängen von der ersten Halbzeit. Marokko packte die Kettensäge aus,  erzielte aber auch das erste Tor bei dieser WM ausgerechnet gegen die Spanier, die dann überlegt und cool zurückschlugen, der Iran war aber insgesamt der bessere Underdog. Es war nicht CR7 sein Abend. Er wollte den Elfer unbedingt, bekam ihn und verschoss, darauf drehten die Iraner mehr oder weniger ab, es gab hässliche Szenen. Im anderen Spiel traf Marokko das Lattenkreuz und machte Druck. Die zweiten Halbzeiten waren geprägt von Provokationen, Rudelbildungen, Video-unterstützten Abseits- und Elfmeterentscheidungen. Festzuhalten bleibt, dass Marokko zwischenzeitlich durch einen tollen Kopfball in Führung ging, woraufhin sich das Stadion kurzzeitig in die Place Djemaa El Fna verwandelte, aber Spanien sehenswert per Hacke ausglich. Weiterhin schlug Ronaldo seinem Gegenspieler den Unterarm auf den Kehlkopf und hätte vom Platz gestellt werden müssen. Iran verwandelte einen nicht berechtigten Handelfmeter. Die iranischen Betreuer feierten, als wäre Khomeini wiederauferstanden. Dann war Schluss.

Ergebnisse gerecht?: Teils teils. Marokko hätte wirklich gewinnen können, die Chancen waren da, Spanien war beeindruckt. Iran profitierte von einer Fehlentscheidung des Schiedsgerichts, aber Portugal überzeugte nicht.

Männer der Spiele: Die Videoschiedsrichter

Spruch der Spiele: „Auch der Chef darf sich so eine Fahrkarte mal erlauben.“ (Claudia Neumann und der verschossene Strafstoß)

POL vs. COL 0:3

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Von Anfang an merkte man, was für beide Mannschaften auf dem Spiel stand. Polen versuchte sich durch körperliche Härte Respekt zu verschaffen, war aber nicht mal bei Ecken gefährlich. Kolumbien kombinierte gekonnter, schaffte aber zunächst auch keine guten Abschlüsse. Die Südamerikaner übernahmen aber die Initiative und setzten mit Cuadrado und James offensive Akzente. In der Defensive konnten sie sich gegen im Durchschnitt größere und schwerere Polen gut behaupten. Nach knapp 40 Minuten die verdiente Führung durch eine prima Flanke von James, die vom freistehenden Mina sauber reingenickt wurde. Mit diesem Halbzeit-Ergebnis war Polen draußen. Trotzdem blieben sie ab der 46. eisern mit fünf Leuten hinten. Zwischen den drei offensiven Polen um Lewandowski und dem Rest der Mannschaft klaffte eine riesige Lücke. Torabschlüsse blieben auf beiden Seiten Mangelware, bis Falcao in der 69. nach einem schnörkellosen Konter mit dem rechten Außenrist flach ins linke Eck traf. Ganz ähnlich das 3:0 in der 75. durch Cuadrado nach Zauberpass von James. Der Fisch war geputzt.

Ergebnis gerecht?: Ja. Polen bieder und hilflos, Kolumbien sehenswert.

Mann des Spiels: James Rodruigez, Kolumbiens heimlicher Kapitän

Spruch des Spiels: „Der war mit viel Humor gespielt von Bednarek.“ (Steffen Simon)