Freedom’s just another word…

…for nothin‘ left to lose. So textete einst Kris Kristofferson und richtig bekannt machte diese Zeile dann Janis Joplin. Ich bin da prinzipiell anderer Meinung, aber klar ist: Freiheit muss man aushalten können, nicht nur die der Anderen, sondern auch die eigene. Dazu eine kleine Anekdote aus dem harten Berufsleben eines IT-Supporters:

In der Bundesrepublik Deutschland gilt seit dem Inkrafttreten desTK-Endgerätegesetzes am 1. August 2016 die sogenannte Routerfreiheit. Das bedeutet, dass ein Anbieter von Internet- und Telefonanschlüssen seinen Kunden nicht mehr ein eigenes oder irgendein anderes gelabeltes Endgerät („Fritzbox! Netcologne Edition“) mit dem abgeschlossenen Vertrag vorschreiben darf. Für die Kunden hat das große Vorteile, denn entweder mussten sie vorher monatlich für das Gerät ihres Vertragspartners Miete entrichten, was sich bei längeren Laufzeiten ganz erheblich zusammenläppern konnte, oder sie erhielten ein Gerät, das entweder nicht den benötigten Funktionsumfang aufwies oder technisch minderwertig war. Ich selbst durfte mich jahrelang mit den Unzulänglichkeiten der „Starterbox“ der Firma Arcor rumschlagen, die zwar alles „so ein bisschen“, aber nichts wirklich gut beherrschte.

Vor ein paar Tagen erhielt ich nun einen Anruf eines Kunden, der mich damit beauftragte, seine Telefonie wieder in Ordnung zu bringen. Nur eines seiner Geräte funktioniere, das Problem hätte er gerne behoben. Nun gut, kein Thema. Ich erinnerte mich an seine ältere Fritzbox! und vermutete einen Defekt oder ein Softwareproblem dieses Kästchens.

Vor Ort stellte ich dann folgendes fest: Der Kunde hatte den Anbieter gewechselt und war nun bei dem lokalen Kabelmonopolisten (Der Firmenname fängt mit U an). In diesem Zusammenhang: Meine berufliche Tätigkeit bringt es mit sich, dass ich zu jedem Internetanbieter wahre Horrorstories erzählen könnte, dies soll also kein Rant gegen die Firma mit dem U sein. Ich muss allerdings sagen, dass dieser Laden mir aus folgenden Gründen negativ aufgefallen ist: Die von ihm ausgereichten Endgeräte hatten in der Vergangenheit extrem hohe Ausfallquoten, sind von den Konfigurationsmöglichkeiten sehr stark beschränkt und dieser Anbieter verschweigt potentiellen Kunden vor dem Vertragswechsel gerne ein paar Unappetitlichkeiten, zum Beispiel, dass nur teure Businessverträge eine IPv4-Adresse beinhalten, was VPN-Anwendungen mit den Basistarifen unmöglich macht.

Als mich also die Connect-Box jenes Anbieters mit dem U im Arbeitszimmer meines Kunden grüßte, wusste ich genau, was Sache war: Die Kiste kann kein DECT, also keine Schnurlostelefonie und der Techniker der Firma mit dem U hatte halt das nächstliegende Telefon per Kabel angeklemmt und sich dann vom Acker gemacht. Da musste also ein neues Endgerät her. Damit konfrontierte ich den Kunden, nannte auch den Preis für das neue Gerät (Begeisterung!) und zog von dannen, nicht ohne vorher mit dem Support des Internetanbieters zu telefonieren, um die Randbedingungen des Endgerätewechsels zu ermitteln. Die Ansage: Sie kaufen, geben die Seriennummer und die Hardwareadresse des Kabelmodems per Telefon durch, wir schicken Ihnen die benötigten Daten per Post. „Ein bisschen umständlich“ dachte ich mir, aber was sollte ich machen?

Die Box traf bei mir ein, ich kontaktierte den Anbieter, betete die oben erwähnten Angaben herunter und diesmal wurde mir dies beschieden: „In zwei Stunden können Sie die Anschlussdaten in unserem Webportal nachschauen.“ OK, zwar hatte mein Kunde noch gar kein Konto auf eben diesem Webportal, aber wozu hat man einen IT-Supporter? In genau diesem Moment ging meine Mobilfunke und wer war dran? Mein Kunde. Und wer war ziemlich erbost? Mein Kunde. Denn jetzt ging überhaupt keine Festnetztelefonie mehr. Die Firma mit dem U hatte ihn abgeklemmt. „Keine Sorge“ sagte ich. „In zwei Stunden bin ich bei Ihnen und beseitige das Problem“. Zwar hatte ich ganz andere Pläne für diesen Tag, aber was sollte ich machen?

Auf dem Weg zum Kunden fragte ich mich, warum die Dame von der Firma mit dem U mit keiner Silbe erwähnt hatte, dass die telefonische Anmeldung eines eigenen Endgeräts mit sofortigem Festnetz-Entzug bestraft wird. Nun gut, ich würde meinen Kunden schon besänftigt bekommen. Zweieinhalb Stunden nach dem Anruf stand ich bei ihm auf der Matte.

Natürlich hängte ich mich sofort ins Webportal, um die benötigten Telefonieparameter zu ermitteln, allein, es war immer noch das alte Endgerät eingetragen und von den Parametern war nichts zu sehen. Erneuter Anruf beim Support. Der Kollege hatte alles sofort auf dem Schirm, aber die benötigten Angaben konnte er auch nicht liefern, denn diese würden im Nachtgang erzeugt. „Wie meinen Sie das, im Nachgang?“ frug ich. „Nicht im Nachgang, im Nachtgang“ sagte er „unser System erzeugt diese Parameter automatisiert heute nacht.“

Ich muss, wie viele andere auch, beruflich sehr viel telefonieren. Dabei habe ich gelernt, dass es in der Regel nichts bringt, den Menschen am anderen Ende der Leitung anzubellen, zumal der meist Entscheidungen seiner Firma verkaufen muss und völlig schuldlos ist. So beendete ich das Gespräch freundlich aber innerlich kopfschüttelnd. Der Kunde hat kein Festnetz, bis morgen, er droht zu platzen. Der Support der Firma mit dem U hat mir gegenüber dreimal unterschiedliche Angaben zu einer doch ganz einfachen Sache gemacht. Und wer badet das aus? Natürlich fahre ich morgen wieder vorbei. Morgen ist Samstag, aber was soll ich machen?

Freedom’s just another word for nothin‘ left to lose.

Note to self: Mit dem Mai kommen 7 freie Tage, yeah! Musik: Devin Townsend, Paroxysmal Butchering, Show Me the Body, Rotting Christ.

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