Kleine Computer

Vor ein paar Wochen hat Apple einen neuen Mac mini vorgestellt und damit das alte Modell, das technisch schon seit Jahren vollkommen überholt war, endlich ersetzt. Das ist insofern erfreulich, als es damit wieder einen stationären Mac gibt, den man seinen Kunden ohne Einschränkung empfehlen kann. Inzwischen ist dieser neue Kleincomputer von den Netzexperten auf Herz und Nieren getestet, auseinandergenommen, aufgerüstet und bewertet worden. Höchste Zeit also, dass ich meinen Senf dazugebe. Was mir bislang noch fehlt, ist ein Vergleich mit gängigen kleinen Office-PCs, die sich großer Beliebtheit erfreuen, weil sie für den durchschnittlichen Nutzer einen guten Kompromiss zwischen Leistung, Preis, Stromverbrauch und Stellfläche darstellen, und eine Betrachtung der Kosten pro Office-Arbeitsplatz. Nun denn:

Der neue Mini hat Vorzüge, aber auch ein paar Apple-spezifische Nachteile. Das hat vor allem damit zu tun, dass Cupertino diesen Rechner nicht nur als günstige Standard-Büromaschine, sondern als kompakte Workstation vermarktet. Kurz zusammengefasst:

„Pros“

  • Moderne Intel-Architektur vom 4Kern-i3 bis zum 6Kern-i7
  • Bis zu 64 GB RAM, nicht verlötet, Grundausstattung mit 8GB völlig in Ordnung
  • Typ-A USB Schnittstellen und Thunderbolt-3-Buchsen
  • optional schneller 10 GBE-Netzwerkanschluss

„Cons“

  • SSD fest verlötet
  • Einstiegsmodell mit nur 128 GB Massenspeicher
  • Einstiegsmodell kostet 899,- €

Würde Apple das kleinste Modell mit einer gesteckten PCIE-SSD mit 256 GB Kapazität anbieten, wären wirklich alle zufrieden, dann ginge auch der Preis halbwegs in Ordnung. Das wäre technisch gar kein Problem, das Design des Kistchens an dieser Stelle ist also eine politische Entscheidung, die die Obstfirma als blutsaugende Halsabschneidertruppe entlarvt. So hart muss man das kommentieren.

Der Vergleich mit gängigen, kompakten Büromaschinen macht diesen Befund recht deutlich:

Lenovo ThinkCentre M720q

Wenn man dieses Kästchen so konfiguriert, dass es dem Einstiegs-Mini möglichst ähnlich ist, dann erhält man für 619,- € immerhin 256 GB Massenspeicher (allerdings nur SATA, kein NVMe), eine 3-Jahres vor Ort Garantie und Tastatur und Maus sind selbstverständlich im Lieferumfang.

Dell OptiPlex 3060

Auch bei diesem Rechner kann man eine Konfiguration zusammenstellen, die dem kleinsten Mini sehr ähnlich ist, diese enthält dann sogar einen 6kernigen-i5, im Gehäuse ist Platz für ein weiteres 2,5-Zoll Laufwerk. Eine 256 GB M2 (SATA)-SSD ist an Bord und das Paket (mit Maus und Tastatur) geht für 629,- € über die Theke.

Intel NUC-Kit NUC8i3BEK

Der Vollständigkeit halber noch ein Barebone, der gerade erst auf den Markt kam und für ca. 270,- € zu haben ist. Baut man in dieses Kästchen 8 GB Speicher (ca. 60,- €) und eine 256 GB NVMe-SSD (ca. 80,- €) ein und rechnet den Preis für das Betriebssystem dazu (137,- €  für Windows 10 pro 64) landet man bei unter 550,- €. Zugegeben, die interne Grafik ist etwas schwächer.

Jaja, natürlich werden hier Äpfel und Birnen verglichen, das ist mir klar. Aber ein kaufmännischer Leiter, der in seiner Firma ein Schreibzimmer neu ausstatten muss, würde bei der günstigsten Variante pro Arbeitsplatz etwa 350,- € sparen und damit ist der Mac mini dreimal raus.

Und wenn man unbedingt beim Mac bleiben will, aber möglichst günstig fahren will? Na, dann rechnen wir doch mal einen Arbeitsplatz für Home-Office zusammen (kein billiges Gelumpe, vernünftige Qualität):

Mac mini, Grundausstattung 899,- €

Macally USB-Tastatur 50,- €

Logitech M500 USB-Maus 25,- €

Benq 24-Zoll-Display 150,- €

Und wir sehen, dass ein Mac-basierter, stationärer Arbeitsplatz unter 1125,-€ nicht zu realisieren ist. Das ist ja dann schon mal eine Ansage, über die sich meine Kunden sicher ganz besonders freuen werden. Um es ganz deutlich zu machen: Das ist einfach zu teuer. Aber der Preis ergibt aus der Apple-Perspektive durchaus Sinn: Der günstigste iMac, der zwar weder von der Rechenleistung, noch von der Grafikleistung mithalten kann und mit einer mechanischen Festplatte kommt, kostet 1.300,-. Drunter machen sie es nicht.

Note to self: Abstand halten. Alles andere geht auf die Knochen. Musik: Beartooth, Smile A Velociraptor, Abysmal Torment, Seasick Steve.

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Pauls Akathisie

„Geh mir weg!“ Dachte oder sagte er es? Pauls Telefon hatte schon den ganzen Tag verrückt gespielt und gerade lag er in der Badewanne, die er so bald nicht zu verlassen beabsichtigte. Seit einiger Zeit verdingte er sich auf einer Internetplattform, die Dienstleistungen im weitesten Sinne vermittelte, in Pauls Fall ging es um IT-Dienstleistungen, und dafür eine fette Provison kassierte. Diese Form des modernen Unternehmertums hatte er als adäquate Reaktion auf den Verlust seiner Stellung ausgemacht.

Zunächst hatte er sich mit mäßigem Fleiß auf dem gewöhnlichen Arbeitsmarkt versucht. Einige Vorstellungsgespräche waren im Grunde erfolgreich verlaufen, auch wenn dabei schmerzhafte Sticheleien der Form „Ich sehe, Sie werden nächstes Jahr 50.“ oder „Der Sportlichste sind sie eher nicht, oder?“ zu verbuchen gewesen waren. Immerhin, Angebote gab es, aber Paul nahm sie nicht wahr. Wochenlang hatte er sinniert, bis er in einem romantischen Anfall den Deckel draufgemacht hatte: Sein eigener Herr sein, nicht länger fremdbestimmtes Objekt burgeoiser Ausbeutung, darin lag seine sicherlich güldene Zukunft. Ein Gewerbeschein war schnell besorgt, einige schicke Flussdiagramme und die Skizze eines Businessplans gingen ihm leicht von der Hand. Er hatte beim abendlichen Bier im Freundeskreis in flammenden Reden dem Leben als Entrepreneur das Wort gesungen und seine Bestimmung als Businessmann in rosigsten Farben gemalt.

Seitdem hatte er Drucker in Betrieb genommen und vor allem in den 5. Stock geschleppt, mumifizierte Windows-Installationen wieder zum Leben erweckt, an Laptops herumgelötet, defekte Mainboards ausgetauscht, Viren und Würmer entfernt und vor allem beraten, besänftigt, mit Engelsgeduld zugehört und verständnisvoll genickt. Lang waren die Tage und kurz die Nächte gewesen und als er sich nach 4 Wochen zum ersten Mal seinen Stundenlohn ausgerechnet hatte, hätte er am liebsten bittere Tränen geweint. Aber just in diesem Moment, es war an einem Freitag um kurz nach zehn abends, hatte ein Neukunde mit einem abgerauchten Netzteil seine Nummer gewählt. Ehrensache, dass er sich noch in den Skoda warf und die Angelegenheit schnell regelte, auch wenn er dazu mit der Handyfunzel in das dichteste Kabelgewirr unter einem chaotischen Schreibtisch eintauchen musste, dorthin wohin wohl noch nie ein Staubsauger oder Besen vorgedrungen war.

Paul hatte immer schon eine leichte misanthropische Ader gehabt und die neue Betätigung bot großzügige Gelegenheit, dieses zarte Pflänzchen zu einem Mammutbaum heranwachsen zu lassen. Da waren die Saboteure, die ihn stets mit einem munteren „Ich habe doch gar nichts gemacht.“ konfrontierten, weiterhin die Pseudobegabten, die den Hinweis auf das Handbuch mit Schulterzucken quittierten, dazu die Ungeduldigen, die nach fünf Minuten bereits ein „Na hören Sie, das dauert aber“ vernehmen ließen und die Traditionalisten, die immer ein „Unter XP wäre das nicht passiert!“ parat hatten. Aber am schlimmsten waren Spielkinder mit zu viel Zeit, die eine perfekte Installation innerhalb von zwei Tagen in einen Kübel Mist verwandeln konnten. Paul lernte eine neue Seite an sich kennen: Die insgeheim alles verachtende, vorgespielte Gelassenheit, die einen kugelsicheren neutralen Gesichtsausdruck vor sich hertrug. Für alles andere war er meist zu müde.

Das Telefon klingelte erneut. Fluchend arbeitete er sich aus der Wanne, tapste triefend und frierend ins Arbeitszimmer und nahm den Apparat zur Hand. Nanu? Die Nummer kannte er doch. Das war der kaufmännische Leiter seiner alten Firma…

„Computer-Nothife, was kann ich für Sie tun?“

„Mensch Schneider, das ist ja eine Überraschung. Wie gehts denn?“

„Jaja. Selbständig.“

„Ach so. Neue Laserdrucker. Sechs Stück.“

„Das sind die großen mit den Extra-Papierkassetten, oder?“

„Aha, in den Altbau. Einer pro Etage.“

„Nee, geht klar. Schaffe ich bis morgen mittag.“

„OK, bis dann.“

Er ließ die Mobilfunke aufs Sofa fallen. Das enge steile Treppenhaus kannte er noch zu gut. Die Drucker auch. Inzwischen stand er in einer kleinen Pfütze. Er dachte an die Gesichter der ehemaligen Kollegen, die ihn morgen begrüßen und dann sicher die Köpfe zusammenstecken würden. Draußen jaulte ein Hund, als hätte man ihn getreten.