ENG vs. PAN 6:1

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Die Briten überrollten Panama, das konnte man erwarten und so kam es. Die Mittelamerikaner konnten einem leid tun. Andererseits kann man den Engländern nur dazu gratulieren, wie sehr sie sich in den letzten Jahren verbessert haben. Manche Leute behaupten ja, es läge an den kontinentaleuropäischen Trainern in der Premier League. Aber es liegt sicher auch am Mannschaftsgeist und am Nationaltrainer Gareth Southgate. Die 5 Tore der ersten Halbzeit: 2 Strafstöße, 1 Weitschuss, eine sehenswerte Freistoßvariante und ein Klassekopfball nach Ecke. Schon in ihrem ersten Spiel langten die Panamaer ganz schön zu, so auch diesmal. Und sie beschwerten sich ständig, ein einziges Geschimpfe. In der zweiten Hälfte spielte das englische Team dann Feierabendfußball. Panama erzielte den Ehrentreffer, keiner wurde verletzt und das Mysterium der Phantomregel beim Wiederanstoß wurde nach Abpfiff auch entmystifiziert Alles gut.

Ergebnis gerecht?: Logisch, auch in der Höhe.

Mann des Spiels: Harry Kane, diesmal drei.

Spruch des Spiels: „Der Schiedsrichter erklärt jetzt mal den Panamaern, dass es so nicht geht.“ (Gerd Gottlob)

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Keine Angst Frau Berg,

sie haben wahrscheinlich schlecht geschlafen oder so, und dann veröffentlicht man eben auch schon mal substanzlosen Schwachsinn. Ihre Ausführungen sind so oberflächlich, inhaltsleer und krude, dass es schwer fällt, sich damit sachlich auseinanderzusetzen, aber ich gebe mir Mühe, OK?

„Frauen und Homosexuelle werden zunehmend als Lebewesen wahrgenommen. Vielen Männern macht das Angst – sie versuchen, diese Entwicklung gewaltsam aufzuhalten.“

Natürlich darf man in einer Spiegelkolumne provozieren und zuspitzen, aber man sollte sich dabei nicht zum Brot machen Frau Berg. Sehen Sie, selbst die so oft ins Feld geführten „alten weißen Männer“, die einem seit Jahrzehnten überkommenen Rollenbild das Wort reden, sind auch und vor allem von Müttern erzogen worden. Sie können sich darauf verlassen, dass nicht nur die Mütter, sondern auch die Ehefrauen, Freundinnen und Liebschaften, Töchter und Enkelinnen stets und mit großer Intensität als Lebewesen wahrgenommen wurden. Übrigens: Wäre ich homosexuell, würde ich mir verbitten, von Ihnen vor den Karren Ihres neofeministischen Furors gespannt zu werden.

Von einer gewaltsamen maskulinen Kampagne gegen Frauen kann zumindest in den westlichen Demokratien keine Rede sein. Das wissen Sie auch ganz genau. Vielmehr ist es so, dass durch die konfrontative femifaschistische Diktion, die seit einigen Jahren so ungeheuer en vogue ist, sich inzwischen Männer und Frauen nurmehr als Teilnehmer eines brutalen Verteilungskampfes sehen, also letztlich zu einer vernünftigen, angemessenen Bewertung der spätkapitalistischen Verhältnisse kommen. Dabei reklamiert eine Seite stets die Opferrolle, die Rosinen, aber auch die Deutungshoheit für sich.

„Obwohl – würden Männer sich wirklich für Babys interessieren, blieben sie zu Hause und würden sie wickeln. Wären sie an Nachwuchs interessiert, würden männliche Politiker sicherstellen, dass Hebammen gut bezahlt würden, Krippen und Kindergärten flächendeckend angeboten und Alleinerziehende finanziell besser unterstützt werden.“ 

Sprechen Sie doch einfach mal mit einem Vater, der seit Jahren um ein wenigstens anteiliges Sorgerecht für seine Kinder kämpft. Sprechen Sie mal mit einem angehenden Erzieher, der als einziger im ansonsten weiblichen Kollegium eine Wickelerlaubnis braucht. Machen Sie sich klar, dass im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, Jugend seit 1968 siebzehn Frauen das Sagen hatten. Nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Regelungen zur Elternzeit ein Erfolgsmodell sind und dass immer mehr Männer sich eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit zugunsten der Familie wünschen, bzw. diese bereits vollzogen haben.

„Wenn eine Frau auf Gewalt aufmerksam macht, wenn sie fordert, beschreibt, anklagt, werden tausend Stimmen ihre Worte relativieren. Wenn sie zu laut ist, wird sie niedergebrüllt. Wenn sie zurückschreit, ist sie hysterisch. Wenn sie tot ist, herrscht endlich eine Ruhe.“

Was haben Sie geraucht Frau Berg? Kein anderes gesellschaftliches Thema wird, wenn wir den Komplex „Migration“ mal bitte für ein paar Minuten außen vor lassen, mit solcher Intensität und Verve diskutiert, wie die Gleichstellung von Frauen und Männern. Es gibt kaum einen Themenkreis (Kunst, Kultur, Justiz, Arbeit, Familie, Fortpflanzung, Ernährung, Umweltschutz, Medizin, Sprache), der nicht unter diesem Gesichtspunkt verhackstückt wird und der Gewaltbegriff im Sinne von Unterdrückung, Benachteiligung, Missbrauch, Fremdbestimmung ist doch zentraler Punkt feministischer Argumentationsketten. Da wird niemand niedergebrüllt, im Gegenteil hat die anti-männliche Selbstermächtigung inzwischen solch abstruse Ausmaße angenommen, dass beispielsweise der britische Verteidigungsminister zurücktreten muss, weil er vor 14 Jahren einer Frau die Hand aufs Knie gelegt hat.

Physische Gewalt gegen Frauen wird seit Jahrzehnten breit in der Öffentlichkeit thematisiert. In Deutschland existieren deshalb Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und  Dutzende von Frauenhäusern aber nur fünf Männerhäuser mit insgesamt etwa 15 Plätzen. Das ist deshalb so bemerkenswert weil wissenschaftliche Reviews der vorliegenden soziologischen Literatur zur häuslichen Gewalt zweifelsfrei nachweisen, dass Männer mindestens ebenso häufig Opfer wie Täter sind. Im Bereich der sexuellen Gewalt hat insofern eine Umorientierung stattgefunden, als es in vielen Ländern zu einer teils erheblichen Verschärfung der Strafen und zur Ausweitung von Straftatbeständen gekommen ist. Das führt im Extremfall dazu, dass etwa in Spruchkammern amerikanischer Universitäten der vermeintliche Täter seine Unschuld beweisen muss, mitunter ein geradezu kafkaeskes Unterfangen, und nicht die Kammer seine Schuld. Somit ist genau das eingetreten, was Alice Schwarzer damals in ihrer Begleitung des Kachelmann-Prozesses gefordert hat. Wenn ich darüber schreibe, so ist dies kein Whataboutism, sondern konstatiert, was Sie alles aufzugeben bereit sind, um Ihrer Sache dienlich zu sein.

Ach Frau Berg und zum letzten von Ihnen rausgerotzten und von mir zitierten Satz, der in seiner rabulistischen Erheischung wirklich beispiellos ist, ein Zitat von Andrea Dworkin:

„I’ve always wanted to see a man beaten to a shit bloody pulp with a high-heeled shoe stuffed up his mouth, sort of the pig with the apple.“
(Mercy, 1991)

„Der Krieg gegen die Demokratie ist immer ein Krieg gegen Frauen und Minderheiten. Aber nun kommt die gute Nachricht: Wir sind viele. Viele Männer und Frauen, die sich zur Wehr setzen. Die genug haben von Hass, Diskriminierung und den Zerstörungsversuchen aller humanistischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte.“

Warum machen Sie dann nicht dabei mit, sondern verraten die Sache, die sie angeblich betreiben? Ein vernünftiger Diskurs könnte unsere Unternehmnung nach vorne bringen, warum nehmen Sie nicht daran teil? Der Krieg gegen die Demokratie ist in erster Linie ein Kampf gegen die Kümmerer, die leidgeprüften Kompromiss-Sucher, die Hartgesottenen, die wissen, dass es nur in ganz kleinen Schritten vorwärts gehen kann. Wesentliches Kennzeichen des Humanismus ist die Entäußerung, das heißt in diesem Fall vor allem auch die Selbstbefreiung, die Abkehr von Zuschreibung und Etikettierung. Im Idealfall führt sie zu einer Position, die sich aus der Selbstwahrnehmung als Baustein eines unteilbaren Ganzen und eben nicht aus dem „wir gegen die“ speist.

Frau Berg, sie versagen auf ganzer Linie, auch wenn Sie eigentlich das Gute wollen. Das ist das Schicksal aller Moralapostel. Sie müssen auch die mitnehmen wollen, die widersprechen. Der bessere, einsichtige Mensch, von dem Sie träumen, existiert nicht. Und existierte er, würde er vielleicht ausgerechnet Ihre Einsichten nicht teilen. Machen Sie nicht alle, die nicht gehorchen wollen, zu Feinden.

Note to self: Lange schlafen können. Die Wünsche werden kleiner. Musik: Motorjesus, Pantera, Lily Allen, Orange Goblin.

GER vs. SWE 2:1

Gesehen: 90 Minuten, zunächst bibbernd, dann verärgert, dann hoffend, dann abwinkend, dann erlöst, dann fertig.

Das Spiel: Die ersten paar Minuten waren gar nicht mal schlecht. Werner, Reus, Draxler beweglich, gute schnelle Pässe in die Tiefe und Gefahr im schwedischen Strafraum. Dann sortierten sich die Skandinavier und begannen zu lauern. Das lohnte sich, weil in der deutschen Defensivzentrale schon wieder Probleme vorlagen. Dass dann ausgerechnet Herr Kroos mit seinem peinlichen Fehlpass den erfolgreichen Angriff des Gegners einleitete, passt genau ins Bild. Das Tor war sehenswert, aber hätte Neuer nicht völlig falsch gestanden, hätte er ihn locker runtergepflückt. Dann ging der Krampf los und bis zur Pause gelang kaum noch etwas. In der zweiten Halbzeit spielte die N11 so, wie man das von ihr erwarten darf: Gekonnt, mit Biss, mit guten Ideen und einigen, teils hochkarätigen Chancen. Dass Marco Reus traf, hat mich sehr gefreut, nach all der Scheiße in den letzten Monaten. Aber vor allem wurde gekämpft, geackert, sich reingehauen. Das war nicht alles weltmeisterlich, weiß Gott nicht. Und es gab auch einige Spieler, die nicht überzeugen konnten: Müller, Kimmich, Gündogan. Die Hereinnahme von Gomez dagegen positiv, Hector, Werner und Reus mit Pferdelunge, Rüdiger mit Licht und Schatten, Brandt sofort im Spiel. Nach der gelb-roten Karte für Jerome Boateng habe ich nicht mehr dran geglaubt. Dann kam die letzte Minute der Nachspielzeit.

Ich habe das schonmal hier geschrieben: Bei intensiv verfolgten Spielen gibt es Szenen, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis einbrennen. 2006 gegen Polen: Odonkor auf Neuville, Tor. 2010 gegen Argentinien: Schweinsteiger über den grätschenden Verteidiger, Friedrich schiebt ihn rein. 2014 Schürle auf Götze und so weiter. Also:

Kroos legt ihn sich hin. Links, kurz vor der Strafraumgrenze. Er spricht mit Reus, man einigt sich, dass Kroos ihn anschieben und Reus ihn noch mal stoppen wird. Genau so machen sie es. Kroos holt aus, die Flugbahn des Balls ist vielversprechend. Der gute schwedische Keeper fliegt vorbei und der Ball landet neben dem Pfosten oben im kleinen Netz. Ein unhaltbarer Freistoß. Deutschland bleibt im Turnier. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ergebnis gerecht?: Ganz, ganz sicher.

Mann des Spiels: Na?

Spruch des Spiels: „Ich hoffe er macht ihn.“(Tom Bartels vor dem vorletzten Freistoß, der ging nicht rein.)

KOR vs. MEX 1:2

Gesehen: verdammt lange 90 Minuten

Das Spiel: Die Asiaten tiefstehend, nach vorne ohne Ideen und mit vielen kleinen fiesen Fouls. Die Mexikaner nach dem Sieg über den Weltmeister vor Kraft kaum laufen könnend, langsam und ungenau. Es war zunächst eine Qual, dieses Spiel anzuschauen. Dann ein blödes Handspiel von Hyunsoo Jang und ein lässig geschossener Strafstoß: Mexiko ging nach 26 Minuten in Führung. Die Koreaner konsterniert, die Mexikaner beseelt. Viel besser wurde der Kick nicht. In Südkoreas Verteidigung konnte man slapstickartige Szenen beobachten, Mexiko nutzte diese Chancen nicht. Korea suchte die einzige Spitze Son mit langen Bällen, fand ihn zweimal, viel kam nicht dabei heraus. Dann war endlich Pause. Man hätte sich gewünscht, der kolumbianische Trainer Mexikos hätte in der Kabine etwas von dem Marschierpulver aus seiner Heimat ausgereicht, hatte er wohl nicht. Korea versuchte ein bisschen mehr nach vorne zu spielen, verhedderte sich aber ständig. Dass die Mexikaner zwar kontern können, aber dann das Tor nicht treffen, hatte man schon gegen die N11 gesehen. Deshalb brauchten sie auch diesmal einige Versuche bis Hernandez, die „kleine Erbse“, das zweite Tor erzielte. Südkoreas Anschlusstreffer durch Son fiel erst in der Nachspielzeit und damit zu spät.

Ergebnis gerecht?: Och ja.

Mann des Spiels: Chicharito, nervenstark zum 2:0

Spruch des Spiels: „Wenn unser TV-Experte den Süd-Korea-Versteher macht, mache ich den Mexikoverteidiger! (Steffen Simon)

BEL vs. TUN 5:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Nach 17 Minuten stellen beide Mannschaften das Toreschießen erst mal ein. Zuvor hatten die Belgier im Stile einer Klassemannschaft die tunesische Abwehr bereits einmal extrem alt aussehen lassen und einen Strafstoß verwandelt. Die Tunesier ihrerseits hatten nach einem Standard getroffen und zeigten überhaupt keine Bereitschaft, die vermeintlichen Favoriten durchmarschieren zu lassen. Das Spiel blieb offen und sehr ansehnlich. Leider mussten zwei tunesische Verteidiger schon in der ersten Hälfte rausgetragen werden, das lag aber nicht daran, dass die „Roten Teufel“ überhart gespielt hätten. Aber die Umstellungen in der Defensivabteilung der Nordafrikaner begünstigten Lukakus zweiten Treffer in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Direkt nach Wiederanpfiff legte Hazard auch noch einen drauf und das Spiel war entschieden. Alle schalteten einen Gang zurück, die Belgier zauberten noch ein bisschen und übernahmen auch in der Hornzottenwertung die Führung: Michy Batshuayi und Marouane Fellaini wurden eingewechselt. Beide hatten die Haare unglaublich schön. Torreichstes Spiel bisher – konnte man sich gut angucken.

Ergebnis gerecht?: Jaja, die Belgier hätten noch ein paar Tore mehr schießen können.

Mann des Spiels: Schon wieder Lukako, eins mit rechts, eins mit links. Einfach toll.

Spruch des Spiels: „Auch wenn die Sonne scheint, es regnet tatsächlich.“ (Gerd Gottlob)

SRB vs. SUI 1:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Vor der Partie hatte ich die Schweizer stärker als die Serben eingeschätzt, aber die legten los wie die Feuerwehr und führten nach fünf Minuten hochverdient. Die eidgenössische Innenverteidigung wirkte etwas passiv bei den gefährlichen Flanken auf Mitrovic und vorne mangelte es an Geschwindigkeit und Passgenauigkeit. Mit zäher Beharrlichkeit schaffte die Schweiz zum Ende der ersten Hälfte ein Übergewicht, aber man spielte zu kompliziert, verlor viele Zweikämpfe und konnte Serbien, das weiter zu Chancen kam, nicht beeindrucken. Nach der Pause gings eigentlich so weiter, aber gegen den Mordsschuss von Granit Xhaka in der 54. Spielminute aus ca. 30 Metern hätte kein Torhüter der Welt etwas ausrichten können. Eins der schönsten Tore des Turniers bis jetzt und der Ausgleich für die Schweiz aus heiterem Himmel. Direkt danach traf Shaqiri den Pfosten. Beide Mannschaften drehten noch einmal auf. Serbien hätte einen Elfmeter bekommen *müssen*, als Mitrovic von zwei Schweizern zu Boden gerungen wurde. Das Spiel wurde offener und zu einem echten Spektakel. Die Schweiz war in der Schlussphase bestimmend, weil sie konditionell besser war und den Sieg mehr wollte. Und dann setzten sie in der 90. Minute den tödlichen Konter, der das Spiel entschied.

Ergebnis gerecht?: Nein. Den Serben wurde ein Elfmeter vorenthalten, ein Unentschieden wäre leistungsgerecht gewesen.

Mann des Spiels: Xherdan Shaqiri, entschied das Spiel mit eiskalter Präzision

Sprüche des Spiels: „Der wickelt sich sogar ein, so als kleines Präsent!“(Béla Réthy zum Hammer von Xhaka) „Die Stürmer der Schweizer sind einsame, traurige Menschen.“(Béla Réthy zählt die Ballkontakte der schweizerischen Spitzen)