Feucht

Es gibt diese Herbert Knebel Momente. Treffe ich zum Beispiel auf Mitmenschen, die mir entweder mit dem Hintern ins Gesicht springen, oder deren Verhalten ich mir einfach nicht erklären kann, dann denke ich mir im Stillen: „Aber komm, hat sich keiner selbst gemacht, Hauptsache das Herz ist gut.“ Und als ich heute mit meinem Bruder eigentlich zur Gartenarbeit in die völlig verregnete Nordeifel fuhr, mit den Wischern auf höchster Stufe, da fragte ich mich:“Kommt mich jetzt schon Moos aus den Ohren raus?“ Und direkt danach fragte ich laut in Richtung Beifahrer mit Lothar Günther Buchheim: „Herr im Himmel – sollen wir alle ersäuft werden?“

Seit Tagen regnet und gewittert es im Westzipfel, als hätte wirklich jemand beschlossen, dass auch Landratten im Seemannsgrab ihre letzte, nasskalte Ruhe finden sollen. Die Kaiserstadt erwischte es am schlimmsten am letzten Dienstag, als Teile der Innenstadt buchstäblich absoffen und ein guter Teil des Ergusses auch in einen von uns vermieteten Keller eindrang. Man könnte jetzt den Klimawandel konstatieren und die Apokalypse heraufbeschwören, aber das ist mir zu billig. Viel naheliegender ist mir der Satz: „Die Erde schwitzt.“, denn beim Thema „schwitzen“ bin ich betroffener Experte, aber das ist ein Thema für einen anderen Beitrag, der vielleicht niemals geschrieben werden wird, weil man ja als Betroffener auch kaum über juckenden Ausschlag in meist bedeckten Körperregionen oder chronische Durchfälle veröffentlicht. Vielleicht nur so viel: Auch da passt ein Zitat von Buchheim: „Wir hatten vergessen, wie es sich anfühlt, trocken zu sein.“

Die Gartenarbeit musste also heute weitestgehend ausfallen, immerhin wurde die Motorsense geschwungen und die Einfahrt in einen einigermaßen präsentablen Zustand versetzt. Aber Rasenmähen und Einsäen mussten unterbleiben. Das ist umso bitterer, wenn man sich die Tage, an denen diese viel zu lange aufgeschobenen Tätigkeiten erledigt werden sollten, eben nicht aussuchen kann, weil es ja auch noch genügend andere Verpflichtungen gibt. Man wünscht sich manchmal ein wunderbar mildes Herbizid, das das Pflanzenwachstum zumindest auf ein erträgliches Maß reduzieren könnte. Und gelegentlich träume ich von Mährobotern, die heinzelmännchengleich über ein gewisses Grundstück in der Gemeinde Simmerath krabbeln. Ach ja.

Das Schlimmste scheint nun überstanden zu sein. Alles, was auf meinem Balkon im weitesten Sinne sukkulent ist, hat sich gelb verfärbt. Dagegen stehen die beiden Exemplare dieser unbekannten brasilianischen Pflanze, die der Vater einer Freundin dereinst aus Südamerika importierte und die sich in Form von Ablegern inzwischen über die ganze Clique verbreitet hat, in voller Blüte. Wenn das ein botanisches Fußballorakel sein sollte, eine subtilere Fortsetzung der Krake-Paul-Geschichte, dann folgere ich hiermit, dass Saudi-Arabien, Tunesien, Marokko und  Mexico chancenlos in der Gruppenphase ausscheiden werden und die Selecao den sechsten Stern einfahren wird.

Note to self: Wonnemonat, und jetzt ziellos konsumieren. Musik: Melvins, Black Matter Device, Thou, Amorphis.

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