Eifelschnell

Ehrlich gesagt hätte ich das 24h-Rennen auf dem Nürburgring beinahe verpasst, weil ich im Moment wirklich viel zu viel um die Ohren habe. Aber durch Zufall stolperte ich am Freitag über eine entsprechende Meldung, konnte sogar noch das Top30-Qualifying am gleichen Tag sehen und war voller Vorfreude auf ein Wochenende mit Langstreckenmotorsport.

Fristgerecht kam ich am Samstag vom Einkaufen zurück, kochte mir was nettes und saß pünktlich um halb vier vor meinem Life-Stream. Meine Leidenschaft für Multiklassen-Sportwagenrennen ist ja inzwischen Legion und ich sollte nicht enttäuscht werden. Die Ausgangslage vor dem Rennen ließ darauf schließen, dass Porsche diesmal von der BOP (Balance of Performance, Motorsportfans lieben oder hassen sie, meistens beides gleichzeitig) ein wenig bevorzugt wurde. Drei Fahrzeuge aus Zuffenhausen besetzten die vordersten Startpositionen. Die Audi, die mir ja immer besonders am Herzen liegen, rangierten unter „ferner liefen“.

Die ersten Stunden des Rennens hatten sich gewaschen, es wurde richtig hart gefahren und so gab es einige spektakuläre Kollisionen. Zahlreiche Autos mussten mit Gaffa-Tape wieder aufgepäppelt werden, der berühmte Manta mit dem Fuchsschwanz musste nach 2 Runden mit kapitalem Motorschaden aufgeben. Der Vorjahressieger von Land Motorsport lag meist in der Top10, ohne aber wirklich Boden gegenüber dem führenden Werks-Porsche gutmachen zu können. Mercedes kam besser zurecht, BMW enttäuschte. In der Abenddämmerung erwischte es schließlich den Audi Nr. 8, der spektakulär abflog und das Rennen aufgeben musste.

Entgegen meiner Vorsätze nahm ich ab 22 Uhr am Vodafone-Trinkspiel teil und es kam, wie es kommen musste: Um halb 1 war ich dann doch etwas beduselt und legte mich kurz aufs Ohr. Natürlich wachte ich erst gegen 7 wieder auf und siehe: Das bislang brauchbare Wetter hatte sich in eine dicke Suppe von Nebel und Regen verwandelt. Die Rundenzeiten waren folglich nicht  gut und Audi konnte, obwohl man den Regen herbeigesehnt hatte, auch bei diesen Bedingungen nicht wirklich überzeugen. Knapp 5 Stunden vor dem Ende kam es dann zu einem zwischenzeitlichen Rennabbruch wegen der widrigen Witterung. Beim Neustart war noch etwas mehr als eine Stunde zu fahren,

Letztendlich gewann der Porsche, verdient muss man sagen (auch wenn das entscheidende Überholmanöver meiner Ansicht nach nicht ganz sauber war.). Zwar folgte ihm der zweitplatzierte Benz auf dem Fuße, aber er konnte im entscheidenen Moment nichts mehr drauflegen. Die bestplatzierten Audi landeten auf den Plätzen 6 und 7 und zwar mit gehörigem Rückstand und das lag aus meiner Sicht diesmal an taktischen Fehlern (falscher Reifen zum falschen Zeitpunkt) und resultierenden Fahrfehlern. Es hätte noch schlimmer ausgehen können, wenn Christopher Mies bei seinem Einschlag in die Leitplanke nicht mehr Glück als Verstand gehabt hätte. So bleibt nur die Gratulation an Porsche und das schöne Gefühl, ein wirklich episches Rennen gesehen zu haben.

Noch ein Wort zur Übertragung: Inzwischen kann man sich das Rennen aus mehreren, frei wählbaren Onboardperspektiven anschauen. Das ist einfach Wahnsinn. Wenn man mal ein paar Runden durch die Nacht „mitgefahren“ ist, dann kann man die unglaublichen Leistungen der Fahrer auf der Nordschleife erst richtig würdigen. Die Bildqualität hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmals erheblich gesteigert. Wenn man das Gebotene aber mal mit Übertragungen vergleicht, die zum Beispiel von den Leuten von radiolemans,com gemacht werden, dann ist noch Luft nach oben: Man sollte mehr Bilder von den kleinen Klassen zeigen, die Boxencrew wirkt wie ein Haufen pubertierender Blödler, generell wird den Interviews zu viel Platz eingeräumt. Die Internetseite für das Lifetiming sollte mehr Anpassungsmöglichkeiten bieten. Und vor allem: Diese permanente Selbstbeweihräucherung (Grüne Hölle, bestes Rennen, beste Strecke usw.) wirkt irgendwann peinlich. Gerade weil man ein absolutes Topprodukt hat, das Millionen von Menschen weltweit verfolgen, könnte man an der Stelle Zurückhaltung üben.

Note to self: Und schon wieder bis nach 22 Uhr gearbeitet. Ich muss bescheuert sein. Musik: Keine, Glotze.

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