Abseitig

Oh, es hat schon so lange keine Plattenkritik mehr bei „Just Skidding“ gegeben, da muss ganz dringend Abhilfe geschaffen werden! Und da selbst langjährige Leser diesen Beitrag mit einem innerlichen „jaja, langweilig“ wegscrollen werden, kann ich auch ein Album rezensieren, das 99,9% der Weltbevölkerung als extrem nervig und überflüssig empfinden würden. Na, klingt das nicht vielversprechend?

Wenn man früher auf eine neue Band aufmerksam wurde, konnte man in der Regel eine mehr oder weniger gelungene Webseite und damit auch ein paar Hintergrundinformationen zu der Formation finden. Fand ich immer ganz nett: Wer sind wir, was inspiriert uns, was haben wir vorher gemacht, was haben wir in Zukunft vor, wo kann man unsere T-Shirts kaufen. Das ist Geschichte: Wer etwas auf sich hält, hat inzwischen eine Facebook-Seite (schaue ich mir nicht an. Und jetzt mal ehrlich: Angesichts der jüngsten Ereignisse muss man ja wohl komplett bescheuert sein, wenn man seinen Facebook-Account noch nicht gelöscht hat.) und eine Seite bei „Bandcamp“. So ist das auch bei „Aseitas“.

Die spärlichen Informationen zu dieser Kapelle, die gerade das erste, selbstbetitelte Album vorgelegt hat, um das es hier geht, sind folglich schnell zusammengefasst: Ein Quartett aus Portland, Oregon, das sich selbst stilistisch bei „Brutal Deathmetal“ einordnet, was ich so nicht unterschreiben würde, und sich gerne mit komplizierten Rhythmen und schrägen Harmonien beschäftigt, das kommt schon eher hin. Deshalb wurde die Scheibe auch auf einer Webseite, auf der ich gerne nach neuer Musik suche, als „Mathcore“ gelabelt.

Die Musik von Aseitas macht Knoten im Kopf, ist extrem abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Mich überzeugen vor allem die kompositorische Reife und die ausgefeilten Arrangements, die man auf einem Debüt-Album nicht unbedingt erwarten kann. Zwar wird mitunter munter draufgehauen, gerne auch polyrhythmisch, aber es gibt auch Prog-Rock-Anteile, cleane Gitarren und lautmalerisches Schlagzeug. Das Tempo ist oft eher getragen. Um eine Leistungsschau, wie sie von Bands aus dieser Ecke gerne produziert wird, handelt es sich hier nicht. Man lässt sich Zeit, musikalische Ideen im Verlauf der längeren Stücke schlüssig zu entwickeln, und erzielt bei aller Frickelei eine dichte, in sich stimmige Atmosphäre. Vorbilder der Band könnten „Between The Buried And Me“ oder „Animals As Leaders“ sein. Man sieht: Aseitas legen die Latte ziemlich hoch, werden dem eigenen Anspruch aber ganz locker gerecht.

Man hört der Platte an, dass sie von einem kundigen Produzenten behutsam veredelt und nicht mit der Brechstange auf maximale Pegel und Druck getrimmt wurde. Das freut mich ungemein. Für Sound und Mix zeichnet der Sänger und Bassist Nathan Nielson verantwortlich, gemastert wurde das Album von Stephan Hawkes und er hat einen prima Job gemacht. Das Ergebnis ist eigenständig und souverän und klingt insgesamt eher wie ein Spätwerk von Leuten, die schon einige Jahre im Business auf dem Buckel haben. Ein Download lohnt sich. Für mich ist dieses Album das bisherige Highlight des Jahres.

Note to self: Headcrash beim Backup. Es ist wirklich zum Reihern. Musik: Aseitas

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