Das superfaule Ei

Spiele mit luftgefüllten, verlängerten Rotationsellipsoiden gibt es so einige: 15er Rugby (Rugby Union), 13er Rugby (Rugby League), 7er Rugby, Australian Football und eben auch American Football. Gestern war wieder einmal Superbowl, das (an der Zuschauerzahl gemessen) größte Einzelsportevent des Planeten. Schätzungsweise 1 Million Zuschauer gab es letzte Nacht allein in Deutschland. Man fragt sich, wieviele dieser Menschen am heutigen Montag nicht arbeiten mussten.

Ich musste heute arbeiten und habe das Super-Spiel mit dem Super-Ei deshalb auch nicht gesehen. Angeschaut habe ich mir aber eine ca. 26 minütige Zusammenfassung auf youtube heute morgen und ich glaube, dass dies die beste und für einen Menschen, der seine Sinne einigermaßen zusammenhat, einzig mögliche Art und Weise ist, den Superbowl anzuschauen. Warum?

  • Beim American Football passiert immer ca. 10 Sekunden enorm viel und dann nichts mehr. Dann passiert wieder für ca. 10 Sekunden etwas. Am Ende des Spielzugs passiert Werbung. Im Grunde genommen ist es eine Dauerwerbesendung mit ein bisschen Football zwischendrin.
  • Selbst wenn im deutschen Webstream keine Werbung läuft, werden die Pausen mit Füllfunk überbrückt, der vor allem daraus besteht, dem Zuschauer zu erklären, wie epochal der letzte Angriffszug gewesen ist.
  • Besagter Angriffszug besteht nur zu einem ganz geringen Teil aus Football, dazwischen sieht man Großaufnahmen vom Corner Back, der sich am Hintern kratzt, oder vom Tight End, der bedeutungsschwanger guckt.
  • Nach ein paar Sekunden Football, flippen entweder die Spieler der einen Mannschaft oder des anderen Teams so gründlich aus, als hätten sie gerade den dritten Hauptsatz der Thermodynamik gefunden, auch wenn nur ein ganz guter Tackle zu sehen war.

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Dinge, die mich am American Football nerven, dazu später mehr. Fans der Sportart werden mir entgegenhalten, dass ich die Raffinesse des Spiels nicht verstehe, das Schach-artige ausgucken der gegnerischen Verteidigung, die überraschende Wendung, die die Defensive-Line aushebelt und so weiter. Kann sein. Kann wirklich sein, dass Football zu subtil für mich ist.

Ich bin ein Rugby-Fan und habe schon öfters hier geschrieben, warum das so ist. Vergleicht man die beiden Sportarten, dann hat Rugby folgende unbestreitbare Vorzüge:

  • Rugbyspieler verstecken sich nicht hinter einer martialischen Ausrüstung. Allenfalls tragen die Protagonisten einen Zahnschutz und beispielsweise die 1.Reihe-Stürmer einen speziellen Kopfschutz, um zu verhindern, dass ihnen beim Gedränge ein Ohr abgerissen wird. Ein Rugby-Spieler würde niemals Strumpfhosen anziehen. Niemals.
  • Man konzentriert sich nicht auf einen bestimmten Spieler, wie den Quarterback beim Football. Sicher gibt es wichtigere Positionen, wie den Gedrängehalb, oder den Verbinder, aber es zählt die Teamleistung und ein extrem guter Innendreiviertel kann durchaus „Mann / Frau des Spiels“ sein. Beim Football wird nie ein Linebacker MVP werden.
  • Es gibt so etwas wie einen Spielfluss. Dadurch kommt es wesentlich mehr auf den konditionellen Zustand der Teams an. Beim Rugby sieht man Kerle wirklich pumpen, beim Football setzt sich die Offensive-Line nach dem Angriffszug am Rand des Spielfelds auch schon mal Sauerstoffmasken auf. Das ist lächerlich.
  • Rugby lebt vom Abwägen der Spielziele „Possession“ vs. „Territory“. Und selbst die alte Weisheit „wer zu viel kickt, verliert“ gilt nicht, wenn die Kicker extrem schnell und gründlich tackeln. Dagegen ist Football furchtbar eindimensional.

Ach noch was: Würde ein durchschnittlich guter Verbinder so schlecht kicken, wie die so genannten Special Teams gestern beim Superbowl, dann würden die Leute pfeifen und nach Hause gehen. Und würden beim Rugby Union die Tackles so lächerlich ritualisiert ablaufen, wie beim Football, würde kein Zuschauer hingehen. Rugby is a ruffian’s game played by gentlemen and American Football is a cream puff game played by wimps. Nuff said.

Note to self: Durchgebissen und oben geblieben. Musik: Car Bomb, Bloodshot Dawn, Daughter, Suffer Me.

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