Hasenpfade ins Gebirge

Anfang der Woche hatte ich dann die Faxen dicke. Der Anbieter von „Dropbox“ informierte mich, dass mein Betriebssystem nicht mehr unterstützt würde. Das wiederum gab mir endlich den Tritt in den Hintern, den es schon lange gebraucht hätte: Es war an der Zeit den Berglöwen, also MacOS 10.8, endlich zu verabschieden und ins Bergland aufzubrechen. Seit Jahren hatte ich mit veralteten Browsern rumhantiert, auf praktische Programme verzichtet und mit Darstellungsfehlern in anderen Applikationen gehadert, immer getreu dem Motto erfahrener IT-Supporter „Never touch a running system“.

Wieso habe ich nicht früher aktualisiert? Einerseits aus prinzipiellen Gründen. Ich sehe Apples Strategie bei der Einführung frischer Systemsoftware, die mehr oder weniger im Jahresabstand erfolgt, äußerst kritisch. Immer dann, wenn die gröbsten Fehler des Betriebsystems beseitigt sind, wird bereits das nächste avisiert, das dann natürlich als fehlerstrotzende Frühgeburt daherkommt. Die Unterstützung älterer Systemversionen durch die Softwareentwickler orientiert sich an diesem fatalen Zyklus, so dass aktuelle Programmversionen beispielsweise unter Windows 7 ohne Probleme installiert werden können, nicht aber auf einem Mac OS, das deutlich jünger als das Produkt aus Redmond ist. Ein großer Ärger.

Zwotens handelt es sich bei meinem Hauptrechner um einen Hackintosh. Folglich erfordert eine Aktualisierung gründliche Recherche, das Entwickeln eines Schlachtplans und gute Nerven, wenn besagter Schlachtplan sich als Sackgasse erweist, was die Regel ist. Im Falle von „Moses“ war der Umstieg vom klassischen BIOS auf UEFI und der Einsatz des neuen Bootloaders „Clover“, der die Legacy-Loader wie „Chimera“ in der Hackintosh-Szene abgelöst hat, erforderlich. Jede Menge lesen, verstehen, ausprobieren. Nicht so schön.

Drittens gilt immer noch das Sprichwort, wonach der Schuster die schlechtesten Schuhe hat: Ich löse den ganzen Tag irgendwelche Computerprobleme für meine Kunden. Wenn ich abends nach Hause komme, will ich meinen Privatrechner einschalten, damit fernsehen oder Musik hören und mich dabei auf einen problemlosen Betrieb und gewohnte Abläufe freuen. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich nie im Leben auf Windows umsteigen würde. Das verwende ich auf meinem Service-Laptop, OK. Windows 7 ist auch sicherlich inzwischen ein prima Betriebssystem (von Windows 10 schweige ich mal lieber), aber es riecht immer nach Arbeit und der nächste Ärger lauert stets hinter der nächsten Ecke. Also Ärger wollte ich nicht, bequem wollte ich es haben.

Als ich mich zum Update entschloss und den Boliden auf den Arbeitstisch gewuchtet hatte, baute ich erstmal ein Laptop auf meinem Wohnzimmer-Schreibtisch auf, schloss meine Eingabegeräte, Lautsprecher und Monitore an, um es während des Umstiegs möglichst kuschelig zu haben. Zu Anfang meiner Hackintosh-Zeit war ein Problem, dass ich beim Rumfummeln meistens keinen funktionierenden Rechner zur Verfügung hatte, um zwischendurch auch mal zu entspannen. Entsprechend legte ich Nachtschichten ein und war oft genug wirklich mächtig genervt. Diesmal wollte ich es mit Ruhe angehen und trotzdem eine funktionale Umgebung für Business und Bespaßung zur Verfügung haben.

Mit Glück fand ich einen Installationsbericht von einem User, der exakt meine Hardware verwendete, abgesehen davon dass er eine Nvidia eingebaut hatte und ich eine AMD-Grafikkarte. Dem maß ich keine große Bedeutung zu und las mit Freuden, dass er die Angelegenheit als „straight forward“ beschrieb und seinen Report mit „a cakewalk“ abschloss. Beschwingt machte ich mich ans Werk.

Am Abend des ersten Tages klappte dann irgendwann der Start vom Installationsmedium.

Am zweiten Tag konnte die frische Installation meine Grafikhardware nicht initialisieren.

Am dritten Tag brachte mich der Clover-Configurator fast zum Schreien.

Am vierten Tag entdeckte ich, dass auf der frisch partitionierten (!) SSD irgendwie Reste der alten Installation überlebt hatten (keine Ahnung, mir unbegreiflich) unter anderem auch ein gammeliger Grafikkartentreiber (Aha!).

Am fünften Tag formatierte ich gründlich, installierte nochmals, passte die Treiber an, richtete das OS ein und spielte meine Benutzerdaten zurück. Das ganze dauerte nicht mal 2,5 Stunden und war wirklich bamperl simpel.

So, jetzt rennt die Kiste. Und jetzt will ich wieder ein paar Jahre Ruhe haben und mit dem Rechner arbeiten und nicht an ihm. So, wie es sich auf einem Macintosh gehört.

Note to self: Et hätt noch immer joot jejange. Musik: Blues Pills, Beth Hart, Chiro, Morbid Angel, Thantifaxath.

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