Knick im Chip

Holla, das ist mal eine Nachricht: So ungefähr alle derzeit gebräuchlichen Prozessoren für Computer, Mobiltelefone und Tablets haben zwei Hardware-Sicherheitslücken, die Angreifer nutzen können, um Informationen von fremden Rechnern zu stehlen. „Meltdown“ und „Spectre“ heißen die beiden Szenarien, die sowohl alle gängigen Intel-Core-CPUs, als auch Handy-Rechenwerke betreffen, die auf der ARM-Architektur beruhen. Die Leute von AMD (dem einzigen ernsthaften Konkurrenten von Intel) behaupten zwar, ihre Produkte seien nicht betroffen, aber da möchte ich mal leise Zweifel anmelden (Denn an den entscheidenden Stellen unterscheidet sich ein Ryzen wenig von einem i5).

Die Lücken sind seit Monaten bekannt und an ihrer Behebung wird intensiv gearbeitet. Apple und die Linux-Leute haben bereits Updates veröffentlicht, Microsoft wird bald nachziehen. Allerdings sitzt der Fehler in der Hardware, bzw. im Microcode der CPU (also ihrer Firmware). Beides ist nicht veränderbar. Wenn man sich anschaut, wie langfristig die CPU-Entwicklung angelegt ist (Intels Roadmap schaut zB. immer ein paar Jahre in die Zukunft), dann kann man sich vorstellen, dass das Problem uns noch ziemlich lange beschäftigen wird. Zum technischen Hintergrund wurden inzwischen einige Artikel veröffentlicht, die die Angelegenheit auch für weniger Interessierte verständlich machen.

Interessanter als die technischen Aspekte, sind die gesellschaftlichen Auswirkungen des Debakels:

  • Wenn mich Kunden fragen, wie sie wirklich wichtige Informationen wirklich lange und wirklich sicher aufbewahren sollen, dann empfehle ich immer das Duo „toter Baum“ und Kugelschreiber. Machen die wenigsten, könnte aber wieder Mode werden.
  • Ein Sturm auf die Recyclinghöfe ist erwarten, denn die letzten Prozessoren ohne das Problem heißen Pentium (Windows) und PPC G5 (Mac) und die finden sich wirklich nur noch in uralt Möhren.
  • Wenn man Onlinebanking, sehr private Fotografie, Filmerei und Recherche, Einkäufe und Aktienhandel vernünftigerweise nicht mehr auf dem Smartphone macht, kann man dann nicht gleich seinen alten Nokia-Knochen reaktivieren?
  • Ist das berühmte Wort von Pierre-Joseph Proudhon, wonach Eigentum Diebstahl sei,  tauglich als allumfassendes Narrativ unserer Epoche, wenn auch genau anders herum, als vom Urheber gemeint? Deine Daten sind nicht deine Daten…

Wahrscheinlich werden die wenigsten unter uns irgendetwas ändern. Dazu sind die Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung einfach zu verlockend und wir von ihnen zu abhängig. Aber tatsächlich sollten wir überlegen, ob solche Dinge wie Bargeld, Eigentumsnachweise auf Papier oder Autofahrer aus Fleisch und Blut vielleicht erst mal besser nicht abgeschafft werden sollten.

Note to self: Die Kabelkiste! Jetzt! Musik: Poems For Laila, Enslaved, All Them Witches, The Pierces, Photek.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.