Gott existiert

Es ist Länderspielpause. Die Nationalmannschaften kämpfen um die Teilnahme an der WM nächstes Jahr in Russland. Die N11 hat es geschafft, die Holländer wieder mal nicht, die Amis auch nicht. Und Argentinien schlug gestern in Quito den Gastgeber Ecuador und qualifizierte sich auf den letzten Drücker dann doch noch. Das bewog Bono, der ja kein Sänger einer Band, die zufällig gestern in Argentinien auftrat, sondern inzwischen so eine Art Papst ist, zu der Aussage: „Danke Lionel Messi, Gott existiert.“

Besagter Messi schoss gestern drei Tore. Viele halten ihn für den besten Spieler aller Zeiten. Sicher ist, dass er ein wegen Steuerhinterziehung verurteilter Straftäter ist, aber gut, bei einem Messi-as wollen wir mal nicht kleinlich sein. Der beste Spieler aller Zeiten war übrigens sein Landsmann Diego Armando Maradona, aber das will ja heute keiner mehr hören, seit der alt und fett ist und sein loses Mundwerk nicht halten kann. Bleiben wir beim Thema: Gott mag also keine Chilenen, Ecuadorianer, Holländer, Tschechen, oder wie ist das?

Wenn in, sagen wir, 15.000 Jahren zukünftige Archäologen die Reste unserer Zivilisation ausgraben, werden sie Fußballplätze finden, im kleinsten Dorf in Afrika, in den Steppen der Mongolei, im Hochgebirge und auf entlegenen Inseln. Und sie werden sich fragen, was sie da gefunden haben. Sie werden diese Plätze zu Orten der Anbetung erklären, zu den Weihestätten einer globalen Religion. Und haben sie nicht recht? Nein, haben sie nicht.

Es mag Menschen geben, die glauben in Stadien ihr Seelenheil zu finden, die dort Gelübde ablegen, der Sünde abschwören und dem Bösen entsagen um ein vermeintliches Schicksal umzubiegen. Auf Fußballfeldern wird sich allenthalben bekreuzigt, es wird gebetet. Als könnte man auf diese Weise ein luftgefülltes rundes Plastikding über eine gekalkte Linie auf dem Gras zwingen. All das ist kolossaler Blödsinn.

Ich wiederhole mich, ich weiß: Fußball ist das beste Spiel, das die Menschen erfunden haben. Er versetzt uns in Ekstase, er beschert uns Momente abgrundtiefer Niedergeschlagenheit. Die, die ihn wirklich lieben, träumen von ihm. Aber das Treten gegen einen Ball hat absolut kein religiöses Potential und seine Heiligkeit Bono sollte sich hüten, den Argentiniern zu stecken, sie seien das auserwählte Volk. So was gibt immer Ärger, Kriege und ganz schlechtes Karma.

Wie man sich sehr emotional und berührend mit der Materie auseinandersetzen kann, ohne religiöse Flausen in Köpfen zu platzieren, hat neulich Ayla Mayer, eine Frau, die seit mehr als einem Jahrzehnt Dauerkartenbesitzerin und Anhängerin eines höchst sympathischen norddeutschen Vereins ist, in einem bemerkenswerten Artikel bei SPON unter Beweis gestellt:

„In den Gesichtern las man, dass jeder für eine glücklichen Sekunde genau da angekommen war, wo er immer hinwollte.“

Note to self: Keiner hat die Pflicht sich nur zu bücken. Keiner kommt gehorsam auf die Welt. Musik: Protomartyr, The Black Dahlia Murder, Kadavar, Benjamin Clementine, August Burns Red.

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