Manspreading

Nein, ich wollte wirklich nicht darüber schreiben. Aber nachdem die Süddeutsche heute nachgelegt hat (SPON und Margarete Stokowksi hatten vorgelegt), kann ich nicht anders. Und zwar, weil mich die zugrunde liegende Verächtlichmachung inzwischen nicht nur wütend, sondern auch sehr traurig macht.

Also, es geht darum, dass Männer in öffentlichen Verkehrsmitteln angeblich zu breitbeinig sitzen und damit andere einengen. Einen ähnlichen Begriff für Frauen gibt es auch, das nennt sich dann Shebagging. Zuerst ein paar sachlich, praktische Anmerkungen zum Thema: Tatsächlich sitzt man als Mann mit leicht ausgestellten Beinen bequemer. Das ist doppelt anatomisch bedingt. Erstens werden Sitze in Bussen usw. auf eine Durchschnittsgröße ausgelegt. Der Teil der Männer über diesem Durchschnitt ist beträchtlich. Zweitens haben wir da was zwischen den Beinen, was druckempfindliches.

Aber jetzt zum Kern der Sache und auch zum Grund, warum ich mich so aufrege: Kann man nicht einfach einfordern, dass man in Bussen und Bahnen respektvoll miteinander umgeht, Rücksicht nimmt und so weiter? Muss man wirklich das Geschlecht der Passagiere in diese Diskussion einflechten, so wie es jetzt spanische Feministinnen (und vorher amerikanische Feministinnen) tun? Nein, muss man nicht, es geht auch nicht um Männer, die breitbeinig sitzen. Worum es wirklich geht, folgt weiter unten. Ich fahre häufig Bus. Den Begriff „Manspreading“ kenne ich jetzt seit ca. zwei Jahren.  Seitdem achte ich darauf, wie meine Geschlechtsgenossen sitzen. Keinerlei Auffälligkeiten. Wer in der Regel als erster aufsteht, wenn es darum geht einem älteren Menschen seinen Platz anzubieten, das habe ich auch auch ganz genau beobachtet. Die Frauen sind es nicht.

Ob es die Frauen hören wollen, oder nicht: Dieser Wahnsinn hat Methode. Nehmen wir mal den so genannten Gender-Pay-Gap. Man schaut sich das unkorrigierte Lohndifferenzial an, dann verdienen Frauen angeblich 21% Prozent weniger als Männer. Diese statistische Größe bildet auch ab, dass beispielsweise eine Frau, die halbtags arbeitet, deutlich weniger verdient, als ein Mann, der den gleichen Job auf einer Vollzeitstelle macht (und vieles andere, was mit Diskriminierung gar nichts zu tun hat). Und trotzdem wird der „equal pay day“, der diese 21% zugrunde legt, jedes Jahr mit viel Tamtam begangen. Wenn man jetzt Forderungen stellen würde wie: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ oder „Eltern entlasten, Betreuungsangebote ausbauen!“ oder von mir aus „Gehaltsspreitzung bekämpfen – PflegerInnen und ErzieherInnen tragen unsere Gesellschaft“, dann wäre ich sofort dabei, man hätte eine Gerechtigkeitsdiskussion. Nein, die Feministinnen halten Schilder hoch, auf denen „Gender-Pay-Gap 21%“ steht. Um Gerechtigkeit geht es ihnen nicht.

Also, worum geht es? Es geht darum, eigene Machtpositionen zu errichten und auszubauen. Es geht darum, eine Hälfte der Menschheit verächtlich zu machen. Es geht darum, dass sich jemand schlecht fühlt. Vielleicht hat ja jemand Lust, mal zum Begriff „Hecession“ zu recherchieren. Wieder das gleiche Muster. Ah, offenbar inszeniere ich mich gerade als Opfer. So jedenfalls sieht es Julian Dörr. Der hat seine Lektion schon gelernt. Ich weigere mich beharrlich, daran wird sich auch nichts ändern. Der Artikel von Dörr: Was für ein Haufen Scheiße!

Note to self: Vielleicht lieber gehen? Musik: The Heads Are Zeros, Milking the Goatmachine, Facing The Swarm Thought, The Pretty Reckless.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s