The world’s greatest motor race

Tut mir leid, schon wieder ein Beitrag über Autorennen. Gestern und heute fand die 85. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans statt und die hatte es in sich. Mal kurz zur Einordnung: Was für Autos fahren da? Es gibt zwei Prototypen-Klassen: In der LMP1-Kategorie fahren im wesentlichen Benzin-Hybrid-Autos, die im kombinierten Verbrennungs/Elektrobetrieb eine Leistung von bis zu 1000PS entwickeln. Der Einsatz dieser Fahrzeuge durch die Werke (diesmal nur Porsche und Toyota) kostet die Hersteller mehrere Hundert Millionen Euro pro Saison. In der LMP2-Klasse fahren weitgehend standardisierte Fahrzeuge: Alle mit dem gleichen Motor, alle mit den gleichen Reifen, alle mit der gleichen Elektronik. Die Fahrzeuge selber kommen von vier Herstellern und kosten pro Stück ca. 1,5 Millionen Euro ohne Motor. Der Antrieb ist ein V8-Saugmotor mit ca. 600PS, stammt vom Amerikanischen Hersteller Gibson und wird an die Teams verliehen. Die Miete beträgt ca. 1300€. Pro Betriebsstunde. Außerdem fahren GTs, die annähernd der alten GT2-Konfiguration entsprechen. Diese Autos von Porsche, Ferrari, Aston Martin, Chrysler und Chevrolet kann man also eigentlich auch als Normalmensch kaufen, wenn man mehrere Hunderttausend Euro auf den Tisch legt.

Da Audi nicht mehr in Le Mans am Start ist, wusste ich wirklich nicht, wem ich die Daumen drücken sollte. Aber nach dem äußerst unglücklichen Verlauf der letztjährigen Veranstaltung, als Toyota ein paar Minuten vor Schluss in führender Position mit technischem Defekt liegenblieb, hätte ich den Japanern den Sieg durchaus gegönnt. Und zunächst sah es auch gut aus: Die Nummer 7 setzte sich ab und spulte Runde um Runde ab. Dagegen hatte Porsche schon nach wenigen Stunden mit einer defekten E-Maschine am Wagen Nummer 2 zu tun und musste knapp 1,5 Stunden reparieren. Man lag 20 Runden zurück. Der andere Wagen konnte die Pace der Japaner nicht mitgehen. Also war die Sache eigentlich gelaufen.

Die Nacht in Le Mans stellte dann die Verhältnisse auf den Kopf: Zwei Toyota schieden innerhalb von 30 Minuten aus (Kollision/Defekt). Das dritte Auto hatte ebenfalls Schaden am Hybridsystem. Plötzlich lag Porsche mit der Nummer 1 unangefochten an der Spitze. Die aussichtslos zurückliegende Nummer 2 kämpfte sich Platz um Platz Richtung Spitze vor, hatte aber im frühen Morgen immer noch 18 Runden Rückstand auf das Schwesterauto und 16 Runden Rückstand auf Platz 2. Im Ergebnis sah es so aus, dass zwei Fahrzeuge aus der LMP2-Klasse Chancen auf das Gesamtpodium hatten. Das hatte es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben: Standardisierte „Billig-Autos“ sind ausdauernder und stabiler als die Multimillionen-Euro-Kisten. In den Garagen von Toyota herrschte grenzenlose Niedergeschlagenheit.

Noch 3,5 Stunden zu fahren: Der Porsche Nummer 1 führt mit 11 Runden im Grunde uneinholbar vor den beiden Oreca/Gibsons. Dann versagt sein Benzinmotor und die Batterieleistung reicht nicht zur Rückkehr in die Box. Porsche Nummer 2 liegt immer noch 6 Runden hinter der Spitze, macht aber pro Runde ca. 12 Sekunden gut. Es könnte tatsächlich sein, dass ein LMP2-Auto das Rennen gewinnt, das wäre schier unglaublich. Alle rechnen hoch, wie es ausgehen könnte, die Kommentatoren sind völlig aus dem Häuschen. Knapp eine Stunde vor Rennende überholt Zuffenhausen den schwächeren Gegner und das Auto hält bis zum Schluss. Porsche gewinnt das beste Rennen der Welt mit einem Wagen, der knapp 90 Minuten repariert werden musste. Unfassbar!

„You cannot win Le Mans. Le Mans lets you win.“
(Jacky Ickx)

Note to self: Sektor zwei fertig. Lass Blumen sprechen. Musik: keine.

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