Die Grüne Hölle

Noch knapp eine Dreiviertelstunde zu fahren beim 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring. Bislang eine Veranstaltung die man mit dem Begriff „Favoritensterben“ hätte überschreiben können. Auch mein Favorit, der R8 vom Team Phoenix, war bereits nach wenigen Stunden von einem Renault Clio abgeräumt worden und danach chancenlos. Audi war verdammt stark und führte zum Teil mit 4 Autos, allen voran die Nummer 29 vom Team Land Motorsport aus dem Westerwald. Auto und Mannschaft funktionierten wie ein Schweizer Uhrwerk, bis ca. 90 Minuten vor Schluss Probleme auftraten. Keine Leistung mehr nach einem regulären Boxenstop, das Rennen schien gelaufen. Die Belgier vom Team WRT übernahmen die Führung, ein BMW M6 hing ihnen bedrohlich im Nacken. Der musste zum turnusmäßigen Reifenwechsel mit Mindeststandzeit in die Box, wohingegen die Audi auf Position 1 und 3 in den letzten 30 Minuten der Distanz nur einen kurzen Splash and Dash zu absolvieren hatten.

Das ganze Wochenende war extrem heiß und trocken gewesen, doch fast genau eine halbe Stunde vor Rennende beginnt es über Teilen der Nordschleife wolkenbruchartig zu regnen. Fahrzeuge mit Trockenreifen sind plötzlich chancenlos. WRT und der BMW sind mit Slicks unterwegs, als die Nummer 29 zum Tanken und Reifenwechsel reinkommt. Der Kommentator zählt die Spritmenge mit, die ins Auto fließt, es geht um Sekunden. Dann reißt der Lollipop-Mann zu früh seine Tafel hoch, der Audi zuckt an, dabei ist noch nicht genügend Sprit in der Kiste. Hektisch wird er zurückgeschoben, es wird weitergetankt. Der Kommentator sagt: „Das war es!“ Jetzt ist das Tanken beendet, aber das Auto fährt nicht los, denn die Mechaniker springen plötzlich noch aufgeregter durch die Boxengasse. Die frisch montierten Trockenreifen gehen wieder runter, es kommen Regenreifen auf das Auto. Nach einer gefühlten Ewigkeit fährt der R8 weiter. Auf den dann noch folgenden zwei Runden versägt der Audi den vor ihm liegenden BMW und auch den in Führung liegenden Markenkollegen. Land Motorsport gewinnt das 24-Stundenrennen. Unfassbar. Das waren die besten 30 Minuten Motorsport, die ich bislang in meinem Leben gesehen habe.

Note to self: Nein, keine Trinkspielbeteiligung. Musik: Keine.

Der Teufel ist ein Eichhörnchen

„Ich glaube nicht an Gott.“ Bis zu dieser Aussage war es ein langwieriger, von Auseinandersetzungen begleiteter, hoch emotionaler Prozess, den ich nicht noch einmal durchleben möchte. Einzelheiten dazu werde ich hier nicht kundtun. Mir geht es heute um was anderes. Atheisten und Agnostiker gelten als verbohrte bzw. verkopfte Menschen, denen es an Sinnlichkeit und Spiritualität mangelt. Mag sein. Klar, die Erkenntnis, dass wir Menschen in Wirklichkeit nichts als Genbehälter sind, deren körperliche Hüllen irgendwann in die nächste Stufe des globalen Kohlenstoffkreislaufs eintreten, nachdem sich die Seele im großen Nichts aufgelöst hat, dessen Dimension wir nicht ermessen können, birgt wenig Tröstliches in sich. „Was soll nur aus dir werden?“ fragt die gutkatholische, streng evangelische, traditionell muslimische oder jüdische Mutter ihren gottlosen Sohn und der kann nur achselzuckend „Sternenstaub“ antworten.

Doch wo es keinen Himmel gibt, kein Paradies, kein Hosianna und kein ewiges Frohlocken, existiert auch das Andere nicht: Kein Fegefeuer, keine immer währende Verdammnis, kein jüngstes Gericht, keine Engel der Apokalypse, die die erste bis siebte Trompete blasen. Und natürlich gibt es auch keinen Teufel. Eigentlich. Das bedeutet nämlich: Wenn wir dem Bösen, der Niedertracht, dem Hass in unserer kleinen Welt und in uns selbst begegnen, dann ist das ein DIY-Produkt, etwas Selbstgekochtes aus der Küche unserer eigenen Spezies. Mit Hanns-Dieter Hüsch könnte man vielleicht formulieren: Jeder hat sein Rezeptbuch der Scheußlichkeiten im Tornister. Schön ist das nicht.

Wenn man sagt, dass der Teufel ein Eichhörnchen sei, dann meint man damit, dass das Übel in der Regel in einer niedlichen Verkleidung der Harmlosigkeit daherkommt, vielleicht weil es sich sonst vor sich selbst fürchten müsste. So verbirgt sich Ausbeutung und Versklavung hinter knietiefen Teppichen, chromblitzenden Karossen und Cashmere-Pullis, Massenmord hinter Orden und soldatischer Ehre, Ausgrenzung und Kleingeistigkeit hinter nationalem Stolz. Und wir selbst schaffen es immer noch, uns jede unserer Gemeinheiten, jeden Hieb, den wir führen, nicht nur als Überlebensnotwendigkeit, sondern sogar als Ausprägung einer gewieften Strategie der Lebenskunst zu verkaufen. Danach kuscheln wir uns in unseren samtweichen Kokon ein, nippen an einem Glas Rotwein und blinzeln eichhörnchengleich in den Sonnenuntergang. Dazu hören wir „Disarm“ von den „Smashing Pumpkins“: „The killer in me is the killer in you, my love.“

Das Böse ist durch uns in der Welt, weil wir das so wollen. Und nehmen wir mal kurz an, es gäbe ihn doch, den großen Programmierer, der es anders hätte bestimmen können. Warum hätte er es nicht getan? Agent Smith kann es uns sagen:

„Have you ever stood and stared at it? Marveled at its beauty, its genius? Billions of people just living out their lives, oblivious. Did you know that the first Matrix was designed to be a perfect human world, where none suffered? Where everyone would be happy? It was a disaster. No one would accept the program. Entire crops were lost. Some believed we lacked the programming language to describe your perfect world. But I believe that, as a species, human beings define their reality through misery and suffering. The perfect world was a dream that your primitive cerebrum kept trying to wake up from.“

Note to self. Dickere Haut, Mann, wo ist sie hin? Musik: Blues Pils, Graveyard, The Ting Tings.

Und jedem Ende wohnt ein Zauber inne

Wer dieses Blog regelmäßig liest, hat auch die bereits veröffentlichen Beiträge zum Thema Recycling / Entsorgung mitbekommen. Ich glaube, dass in unserer dekadenten Überflusskonsumgesellschaft ganz besonders große Glücksgefühle dadurch ausgelöst werden, dass man sich von dem materiellen Ballast trennt, der uns mehr beschwert als wir zugeben wollen. Vielleicht sind die Glücksgefühle sogar größer, als die, die durch Neuanschaffungen verursacht werden, mir geht es jedenfalls so. Wer also wirklich glückliche Menschen sehen will, sollte einen kommunalen Recyclinghof aufsuchen.

Unterschiedliche Menschen häufen unterschiedliche Produktgruppen an, je nach Neigung eben. Bei mir sind es nun mal  EDV-Komponenten aller Art. Klar, einerseits sammeln sich bei mir defekte Netzteile, Festplatten und so weiter aus dem Kundenkreis an. Andererseits werden mir oft alte Computer zur Entsorgung übergeben, die eigentlich noch voll funktionsfähig sind. Dann habe ich zuweilen wirklich große Probleme damit, diese Teile auch wirklich wegzuwerfen. Der 10 Jahre alte 08/15-PC mit verkratztem Gehäuse aus dem Haushalt eines rauchenden Hundehalters? Ja, der fliegt natürlich raus. Aber es gibt Grenzfälle. Die Grenzfälle meiner letzten Entrümpelungs-Tour? Hier sind sie:

Da war ein wirklich hässlicher Ex-Bolide in gelb-vergilbtem Beige, mit furchtbaren Aufklebern. Ich hatte in das Riesengehäuse ein Core2Duo-Board eingebaut, das DDR- und DDR2-RAM vertrug, Steckplätze für alle PCI- und PCI-E-Karten und AGP-Grafikkarten besaß und alle USB-Schnittstellen von 1-3 nebst Firewire aufwies. Damit testete ich Hardware, deren Funktionsfähigkeit unsicher war, das große Gehäuse machte Einbauten eben sehr einfach. Weg isser.

Dann einer der ersten Aldi-PCs in Bestzustand (mit Win98- und Pentium-III-Aufklebern!), den ich intern aufgerüstet hatte. Er gefiel mir wegen des Kultfaktors und den kompakten Maßen. Aber er stand rum. Und tschüss.

Ein G4-Cube von Apple, technisch intakt, aber mit total zersplittertem Plexiglas-Gehäuse. Ich habe den gleichen noch mal in gutem Zustand. Netzteil behalten, Rechner entsorgt. Und natürlich wurde er nach zwei Minuten aus der Gitterbox geklaubt, beguckt und wanderte in den Kofferraum eines Entsorgungskollegen. Viel Spaß damit!

25 absolut intake IDE- und SATA-Festplatten mit einer Kapazität kleiner/gleich 160GB. Warum soll man die Teile wegwerfen, die laufen ja einwandfrei? Ja, tun sie, aber man braucht sie nicht mehr. Es liegen außerdem noch rund ein Dutzend Modelle mit Kapazitäten ab 320 GB herum, die reichen. Fort damit.

Gleiches gilt für 10 optische Laufwerke, die heute niemand mehr einsetzt, sämtliches SCSI-Geraffel aus den ganz alten Macintosh-Tagen, alle DVBT-1-Geräte, zwei intakte SW-Laserdrucker und meinen treuen HP Deskjet 930c. Ja, der Kofferraum füllt sich.

Woran ich gescheitert bin? Ein Röhren-iMac in indigoblau. Ich benutze ihn nie, aber kann mich nicht trennen. Ein Shuttle-PC mit AMD-Sempron, den ich intern so gemoddet habe, dass zwei Festplatten reinpassen und Windows 7 passabel läuft. Da steckt einfach zu viel Arbeit drin, außerdem ist es der einzige Rechner mit Diskettenlaufwerk, den ich noch besitze. Ja, lächerlich.

Als ich vom Recyclinghof zurück in die Stadt fuhr tat ich das beseelt und zufrieden. Der jetzt frei gewordene Platz wird nicht wieder vollgestellt werden, hab ich mir versprochen. Das wird schwer, aber vorerst gilt:

Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Note to self: Verdiente Distanz oder Kaltherzigkeit? Musik: OTEP, Soundgarden, Jeb Loy Nichols, Stonebride.

In Geiselhaft

Insidern ist das Problem „Ransomware“ nicht erst seit der WanaCry-Attacke am Wochenende sattsam bekannt: Ein Angriff führt zur Verschlüsselung der Daten auf dem eigenen Rechner, der sich damit in einen Ziegelstein verwandelt. Dahinter stecken nicht irgendwelche Scriptkiddies, die Viren und Trojaner aus Internetbaukästen zusammenklicken, sondern semiprofessionelle Seilschaften, die gut verdienen. Denn auch wenn man es natürlich nicht tun sollte, ein Teil der so Erpressten weiß sich nicht anders zu helfen, als die geforderte Summe in Bitcoins zu überweisen. Wir sehen gerade den Beginn einer Besorgnis erregenden Entwicklung, denn die Ursachen für den Erfolg der Erpresser wird man nur mit viel Mühe oder gar nicht beseitigen können:

The Tao of Backup
Eine Datensicherung durchführen? Ein großer Teil meiner Kundschaft hat sich mit diesem Thema noch nie beschäftigt. Man bekommt das mit bunten Aufklebern verzierte Laptop eines Teenagers mit defekter Festplatte auf die Werkbank und im Regelfall ist es das gewesen. Der Kunde hat mit Glück vielleicht noch die Fotos vom letzten Urlaub und die gerade in Entstehung befindliche Diplomarbeit auf einem USB-Stick. Der Rest der Daten ist futsch, denn die Preise der professionellen Datenwiederhersteller sind nicht von schlechten Eltern. Wurden die Daten von WanaCry & Co verschlüsselt, können nicht mal Profis weiter helfen. Man muss allerdings zugeben, dass eine Datensicherung, die professionellen Ansprüchen genügt, für den Brot-und-Butter-User auch nicht so leicht zu realisieren ist. Aus meines Sicht haben es die Benutzer von Apple Rechnern da noch am einfachsten, da Cupertino mit „Time Machine“ eine Funktion mitliefert, die ein Backup mit Versionierung, rotierenden Medien, Überprüfung der Datenintegrität und einfachem Restore ganzer Datenträger aber auch einzelner Dateien ohne viel Aufwand möglich macht: Man besorge sich zwei externe Festplatten, richte sie für Time Machine ein und verwahre eine davon immer außerhalb der eigenen Firma/Wohnung, dann ist man schon ganz gut dabei. Unter Linux muss man basteln, aber die, die es verwenden sind das ja in der Regel gewohnt. Und unter Windows? Ach ja. Natürlich, es geht, aber es geht halt auch oft in die Hose. Schweigen wir davon.

Security through Obscurity
Da beißt die Maus keinen Faden ab: Die Betriebsysteme aus Redmond werden am häufigsten angegriffen, weil die meisten eben irgendein Windows einsetzen und die Trefferwahrscheinlichkeit somit am höchsten ist. Exotischere Betriebssysteme (macOS, Linux, BSD, Solaris) werden seltener attackiert. Das führt aber eben auch bei deren Anwendern häufig zu leichtfertiger Sorglosigkeit. Übrigens: Die heute seltener verwendeten Windows-Varianten (XP, Vista, 8/8.1) gehören natürlich nicht zu den sicheren Systemen, im Gegenteil. Sie werden häufiger von Usern benutzt, die sich mit der Materie nicht beschäftigen können oder wollen. Ganz im Ernst: Auch Otto Normaluser kann sich heute ein Ubuntu aufs Laptop klatschen und damit im Web sicher unterwegs sein, Fotos und Filme verwalten und Briefe an Oma Lisbeth schreiben. Man muss sich ein bisschen mit der Materie beschäftigen, oder man sucht sich jemanden, der das für einen tut. Wer unbedingt bei Windows bleiben will, muss eben vorsichtig sein.

Patch as patch can
Die Updates, die Updates! Man sollte sie unbedingt einspielen und zwar zeitnah, von mir aus auch automatisch. Natürlich hat jeder, der schon eine Weile mit Rechnern hantiert, bereits mindestens einmal den Fall erlebt, dass ein fehlerhaftes Update den Rechner lahmlegt, da sind sich übrigens Microsoft und Apple sehr ähnlich, aber die Unsicherheit, sich auf einem ungepatchten System einen Schädling einzufangen ist einfach inzwischen viel zu groß. Und wenn der Hersteller doch mal Mist gebaut hat, hat man ja ein valides Backup, nicht wahr? Außerdem sollte man sich genau überlegen, ob man bestimmte Softwarekomponenten, deren Anfälligkeit und zahlreiche Sicherheitslücken schon Legende sind, wirklich einsetzten möchte. Das bekannteste Beispiel für so eine Software-Krücke dürfte Adobe Flash sein.

Rabbit and Hedgehog
Immer wieder liest man im Zusammenhang mit Computer-Sicherheit die Empfehlung, man möge doch ein gutes, kommerzielles Antivirenprogramm einsetzen. Daran habe ich erst mal gar nichts auszusetzen, nur wiegen sich viele Anwender dieser Programme in einer trügerischen Sicherheit. Es ist so: Selbst namhafte Hersteller solcher Lösungen können mit der Zahl an neu hinzukommenden Schädlingen aus prinzipiellen Gründen nicht mithalten, denn sie können ja nur auf Bedrohungen reagieren, die schon in freier Wildbahn anzutreffen sind. So gesehen sagen die eben stets zahlreicher werdenden Igel den wenigen Hasen: „Ich bin schon da.“, genau wie es in dem Märchen beschrieben ist.

Laziness and Ignorance
Das Grundproblem der ganzen Angelegenheit ist natürlich die menschliche Unvollkommenheit: Ein Anhang in einer gut gefälschten E-Mail ist schnell im Vorbeigehen angeklickt. Das Backup läuft nicht? Da kümmere ich mich morgen drum. Der Virenschutz ist abgelaufen? Ah, das Konto ist eh schon überzogen, nächsten Monat also. 30 Updates stehen zur Installation an? Jetzt nicht, die E-Mail muss bis heute mittag raus sein. Das alte XP endlich verabschieden? Ich bin ja froh, dass ich es einigermaßen beherrsche. Dauert ja ewig, bis ich Windows 10 gelernt habe. So sind wir und so werden wir leicht zum Opfer.

Sandboxing
Ich wage mal einen Ausblick: Wenn die Situation an der Schädlingsfront sich nicht ändert und das wird sie nicht (s. den vorausgegangenen Abschnitt), dann wird die Nutzung des Internets, so wir sie heute kennen, in wenigen Jahren ad acta gelegt sein. Ein möglicher Ausweg wäre, dass alle Funktionen, die mit der Datenübertragung aus dem und in das weltweite Netz zu tun haben,  in einem besonders geschützten Bereich, einer so genannten Sandbox ausgeführt werden. Dort, wo das nicht möglich ist, müssen die Hersteller von Betriebssystemen Lösungen etablieren, die Kanäle, über die die Daten fließen, abzuschotten und zu kontrollieren. Dann bleibt die E-Mail grundsätzlich auf dem Server des Anbieters,  Anhänge sind nur noch zugelassen, wenn sie von einer vertrauenswürdigen Stelle mit einem gültigen Zertifikat versehen werden, Programme werden nur noch auf Plattformen angeboten, die beispielsweise von Apple oder Microsoft kontrolliert werden. Das alles hört sich gut an, es ist aber mit einem erheblichen Verlust an Privatsphäre und Intimität verbunden, so ähnlich wie die Videoüberwachung des öffentlichen Raums. Ja schade, wird aber nicht anders gehen.

Note to self: Sektor zwei, Sektor zwei. mach schon. Musik: Johann Sebastian Bach.

Rundumschlag

Oh ja, so ein langes Wochenende könnte gut tun. Wenn man es aber mit einer Attacke besonders durchtriebener Magen-Darm-Erreger zu tun hat, die einen alle 20 Minuten an das gewisse Örtchen treiben, wo es dann unten und oben fast gleichzeitig rauskommt, hat man wenig davon. Insofern stimmt es mich versöhnlich, dass heute diesbezüglich eine gewisse Verbesserung festzustellen ist. Das karge Frühstück, trocken Brot und schwarzer Tee, scheint in mir bleiben zu wollen. Das ist schön, da kann ich ja ein paar Themen abhandeln, die zu dieser Jahreszeit immer anstehen:

Gammelwochenende 2017
Ein inzwischen fest etablierter Termin im April ist das so genannte Gammelwochenende nach dem Motto: „Alles kann, nix muss“, das auch in diesem Jahr am beschaulichen Rursee abgehalten wurde. Das Wetter war sehr schön bis einigermaßen brauchbar. Man konnte draußen schon was unternehmen und das haben wir getan. Zu vermelden ist, dass die Seilschaft Anne/Skidman endlich einen Haken hinter den Kermeter gemacht hat. Außerdem, dass die Bogenstaumauer an der Urfttalsperre immer noch spektakulär ist, nicht zuletzt wegen der dort vorhandenen Einlauftassen (!).


Der Obersee bei schönstem Sonnenschein

Einlauftassen ganz in echt

Die andere Seite der Hochwasserentlastung

Die wassersportlichen Aktivitäten nahmen einen breiten Raum ein, auch wenn ich während der gesamten Zeit nicht mal ein Fitzelchen Neopren zu sehen bekam, obwohl die Surfer-und Standup-Paddler-Fraktion im Vorfeld epochale Unternehmungen in Aussicht gestellt hatte. Den Höhepunkt bildete entsprechend der Zusammenbau (durch die Mannschaftsgrade), die Schiffstaufe (mit Kaffee) und die Jungfernfahrt der MS „Foxy Lady“, ein Festboden-Schlauchboot mit E-Motor, das ganzer Stolz von Herrn Fregattenkapitän Schwan und seiner besseren Hälfte, Frau Konteradmiral Marsch, ist.

Der Fregattenkapitän verschafft sich einen Überblick

Moderne Form der Bekohlung: E-Mobilität

Außerdem waren wir mal wieder in Vogelsang, um das inzwischen fertiggestellte Forum zu besichtigen. Dort teilte sich die Gruppe: Einige besuchten die Ausstellung, andere unternahmen eine Radtour. Der Verfasser schloss sich der Speed-Wandergruppe „Die flotten Füchse“ unter der Leitung von Frau Konteradmiral an und bewältigte die Strecke von der Ordensburg, am Urftsee entlang bis zur Mauer und dann nach Rurberg in etwas mehr als 2,5 Stunden, wobei eine gute Viertelstunde für einen lauwarmen Kaffee von der Touristenfalle (kein Rotgeld!) an der Staumauer zu veranschlagen ist.

Vogelsang IP: Neue Terrasse

Neubau von innen

The Jester strikes again
Ja, die Snooker-WM in Sheffield, da kommen wir nicht drumherum. Leider habe ich nicht ganz so viel davon sehen können, wie in den Jahren zuvor. Gewonnen hat den Titel wieder einmal Mark Selby, der sich gegen den Schotten John Higgins in einem denkwürdigen Finale durchsetzte. Higgins führte nach dem ersten Tag immerhin mit 10:7 Frames und spielte sehr solide, aber einen Selby darf man eben nie abschreiben. Den hat man erst besiegt, wenn der Schiedsrichter die Bälle einpackt. Selby hatte am Ende der ersten Session einen üblen Durchhänger und musste sicher auch dem harten Halbfinale gegen Ding Junhui Tribut zollen. Umso beeindruckender, wie sich der alte und neue Weltmeister zusammenriss und sich zurückkämpfte.

Im Finale gab es nicht allzuviele hohe Breaks, auch wegen einiger leichter Fehler beider Kontrahenten, dafür aber taktisch hervorragendes Matchplay-Snooker von zwei Defensivkünstlern, die ihr ganzes Können zeigten. Das Match hätte auch über die volle Distanz gehen können. Letztlich waren es Nuancen, die den Ausschlag für Selby gaben.

Ich würde mir ja wünschen, dass es mal wieder ein Qualifikant ins Finale schafft, oder wenigstens einer der Spieler, die weniger auf Sicherheit spielen, sondern bedingungslos angreifen. Vor diesem Hintergrund ist vor allem das Ausscheiden von Judd Trump in der ersten Runde bedauerlich. Auch Luca Brecel, dem einzigen Kontinentaleuropäer im Feld, hätte ich mehr Erfolg gewünscht. Wenn man aber zur zweiten Session gegen einen Marco Fu mit großem Vorsprung antritt und glaubt, man habe das Match schon gewonnen, dann rächt sich das bitter. Trotzdem: Die ersten 10 Frames dieser Partie waren das Überzeugendste, was ich bisher von Brecel gesehen habe.

Was tönt denn da?
Etwas Musikalisches zum Abschluss? Aber gerne! Natürlich könnte ich darüber schreiben, dass ich die neuen Alben von Joy Denalane und LaBrassBanda gar nicht so schlecht finde, das neue Album von Leslie Feist sogar für mich zu verschroben ist und ich mich mal wieder frage, warum alle die Gorillaz so toll finden. Aber geübte Leser dieses Blogs erwarten natürlich Stellungnahmen zu Veröffentlichung der etwas härteren Gangart. Nun denn:


The Heads are Zeros
Mathcore aus Baltimore, Maryland, der sich gewaschen hat. Ja, man hat bei diversen Größen des Genres abgeschrieben. Ja, es fehlt noch an kompositorischer Finesse. Insgesamt ist dieses Debüt-Album aber sehr sehr vielversprechend. Da kommt noch was.

Hexis – Tando Ashanti
Ein weiteres Debüt, das nach zwei Splits herausgekommen ist. Hexis kommen aus Kopenhagen und zeigen, dass man im hohen Norden auch was anderes kann als traditionellen Black und Death Metal. Das Album ist ein böse grollendes Paradebeispiel, wo es im schwarzmetallischen Bereich gerade hingeht. Dazu bedient man sich diverser Zutaten aus dem Post-Hardcore-Baukasten: Verstörende Scheibe mit Kultpotential.

Oxbow – Thin Black Duke
Wer dieses Album in einem Stück durchhören kann, ohne bleibende Schäden an seiner geistigen Gesundheit davonzutragen, hatte schon vorher welche. Was die Formation aus Frisco hier abliefert, ist an Abgedrehtheit nicht mehr zu überbieten: Eine Einordnung in ein Genre verbietet sich. Sagen wir mal so: Es gibt Bläser auf dieser Platte. Joh!

Note to self: Tribut zollen. Klingt nicht schön, ist nicht schön. Musik: All of the above.