Black Monday

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Das Wochenende war wenig erholsam. Um es mal vorsichtig zu sagen. Der Kaffee schmeckt nach… …Altöl. Heavens. Wetter mies. Handy streikt. Nee, ist klar. Handy streikt beharrlich. Tja, bleibts halt hier. Muss los.

Im Büro Weltuntergang. Servercrash mit Datenverlust beim Kunden. Hektische Fernwartungen. Dazu eine HP-Workstation, die absolut nicht mitspielen will. Defekte Ware reklamieren. „Sie sind in der Warteschlange an Position 13.“ Müsste eigentlich noch dringend ein Datenbank-Update beim Kunden fahren. Komme nicht dazu. Irgendein Kumpel vom Chef bringt seine Medion-Rakete mit, weil er Datensicherung nicht hinkriegt. Antiviren-Programm läuft auch nicht. Ob ich da eine Lizenz besorgen könne? Kommse gegen fünf vorbei, dann ist er fertig. Eigentlich sollten wir heute eine Richtfunkstrecke im Kreis Heinsberg in Betrieb nehmen. Tja. Oh, unser Exchange-Server hat sich weggehängt.

Mein Chef sitzt mir mit sinistrem Grinsen gegenüber. „Heute ist ein schwarzer Montag. Am besten, wir gehen nach Hause.“ Machen wir aber natürlich nicht. Cheffe packt das nagelneue NAS aus und die Platten rein. Und. Das Ding geht nicht. Also, blinkt ein bisschen und das wars. Mehr Reklamationen, mehr Telefonwarteschlagen. AV-Lizenz sollte eigentlich schon lange per E-Mail gekommen sein, oder hat die unser malades Exchange gefressen? Reservelizenz einspielen. Datensicherung einrichten und durchführen. Workstation in den Hintern treten, installieren, Treiber nachziehen. Klappt doch. Chef reklamiert das NAS. Mit Nachdruck.

Immerhin pünktlich Feierabend. Home. Sweet. Home. Handy funktioniert, als wäre nie was gewesen. Ach komm. Einkaufen im Nieselregen. Organisatorisches Brudertelefonat. Entgangene Anrufe beantworten. Nix wichtiges. Morgen muss ein besserer Tag werden. Sonst krieg ich Ausschlag am Würgenippel.

Note to self: Keine hektische Gurtstraffung. Schonung. Musik: Krallice, The Mass, Ion Dissonance, The Burden.

Wir

Wir treffen uns immer hier. Jeden Samstag nach der Sportschau, während das späte Spiel noch läuft. Ein Sky-Abo hat keiner von uns. Der Parkplatz vor dem Discounter ist fast leer. Ein paar von uns kommen mit Baumarkt-China-Motorrollern, ein paar mit ihren alten Fahrrädern, die meisten zu Fuß. Unsere Jacken und Schuhe sind abgetragen, die Jeans ausgebeult. Erst füttern wir den Pfandautomaten, dann holen wir uns einen Wagen und betreten die Filiale, wo das Personal im grellen Neonlicht den Feierabend herbeisehnt. Müllsäcke stehen herum, jemand fährt mit der Putzmaschine an den Regalen entlang. Über den Tag haben Väter, Mütter und Kinder ihren Wochenend-Familieneinkauf erledigt. Deshalb gibt es manches nicht mehr. Das lässt uns kalt. Wir kaufen alle das gleiche: Aufschnitt, Toastbrot, Knabberzeug, Fertiggerichte und billiges Bier in Plastikflaschen. Davon viel. Kein Obst. Kein Gemüse.

Wir sind Männer zwischen 40 und 60. Alleinstehende Männer. Männer, die in der Woche zu viel für zu wenig Geld gearbeitet haben. Die Müdigkeit ist von unseren Gesichtern abzulesen. Wir reihen uns in die Schlange vor der einzigen offenen Kasse ein, werfen uns verstohlene Blicke zu. Wir überlegen dabei, zu wem von uns das Leben ein bisschen besser oder ein bisschen schlechter gewesen ist. Wir zahlen bar. Den Kassenzettel brauchen wir nicht. Wenn es gut läuft, werden wir zum Beginn des Abendprogramms wieder zuhause sein, in unseren kleinen, mäßig aufgeräumten Wohnungen, wo außer dem Fernseher und dem Kühlschrank nichts auf uns wartet. Wir verstauen unsere Einkäufe in Rucksäcken, Packtaschen und Trolleys. Und dann verschwinden wir in der regnerischen Schwärze des frühen Winterabends und nichts wird daran erinnern, dass wir hier gewesen sind.

Note to self: Nicht mehr ansprechbar. Ein elendes Stück Fleisch. Wie lange geht das noch? Musik: Frank Zappa, The Burden, Puscifer.