Arm dran

Ja ich weiß, ich habe mich rar gemacht. Bislang gab es noch keinen neuen Artikel im Monat März, was sich hiermit ändert. Nun ist es ganz bestimmt nicht so, dass in den vergangenen Tagen und Wochen nichts Berichtenswertes vorgefallen wäre, ganz bestimmt nicht. Nein, der Grund für mein zwischenzeitliches Verstummen ist viel lapidarer: Ich habe Mausarm.

Das Repetitive-Strain-Injury-Syndrom ist in den Vereinigten Staaten inzwischen die häufigste Berufskrankheit, etwa 4 Millionen gemeldete Fälle gibt es dort zurzeit, die Dunkelziffer dürfte beträchtlich sein. Bei mir fing es im Handgelenk an, breitete sich dann über den Unterarm, den Ellenbogen, den Oberarm, die Schulter bis in den Nacken aus. Es äußert sich in ziehenden Schmerzen, die tagsüber bei der Bildschirmarbeit gar nicht so auffallen, mir aber zwischenzeitlich die Nächte zur Hölle gemacht haben. Wenn man gar nicht mehr weiß, wie man seinen Arm nun halten soll: mehr oder weniger angewinkelt, mehr oder weniger gestreckt, parallel zum Körper, hinter dem Kopf oder sonst irgendwie und dann noch im Halbstundenrhythmus aufwacht, dann kann von nächtlicher Erholung keine Rede mehr sein. Und das höhlt einen aus, von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht ein kleines bisschen mehr. Dazu kommt regelmäßiges Kribbeln und ein pelziges Gefühl in allen Fingern der rechten Hand, vor allem in den Fingerkuppen.

Inzwischen mache ich vieles am Computer „mit Links“ und versuche den Arm möglichst zu entlasten. Das klappt gut, wenn man im Homeoffice herumwerkelt, oder wenn es bei meinem Arbeitgeber ruhig zugeht. Wenn man aber Stress beim Kunden hat und naturgemäß an einem Arbeitsplatz sitzt, der weder von der Stuhlhöhe, noch von der Mausbeschaffenheit, noch von den Mauseinstellungen den individuellen Bedürfnissen entspricht, dann nimmt man auf die eigene Befindlichkeit in der Regel weniger Rücksicht und das merke ich dann überdeutlich am Abend.

Was ist zu tun? Nun, in den vergangenen Tagen habe ich mit verschieden großen Mäusen und Mauspads mit Handballenauflage experimentiert, die Ergebnisse überzeugen mich jetzt nicht so wirklich. Ich werde wohl nicht drum herumkommen, mir mindestens eine vertikale Maus zuzulegen, eigentlich brauche ich zwei: Eine für zuhause, eine für die Arbeit. So sieht so ein Ding aus:

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Aber vor allem geht es darum, bei der Arbeit achtsamer zu sein: Nicht herumlümmeln, Haltung korrigieren, immer ganzen Unterarm auflegen und so weiter. Und das eben auch, wenn der aufgeregte, gestresste Auftraggeber nervös um den Dienstleister herumtanzt, als könnte er ihn dadurch zu noch schnellerer Verrichtung anspornen. Das klappt übrigens fast nie: Schnell, genau und zielgerichtet zu sein gehört zu meinem Arbeitsethos, da brauchts keine zusätzliche Stimulans.

Note to self: Klappt doch gut in Landesklinikstadt. Musik: Parasol Caravan, Svalbard, Agoraphobic Nosebleed, Lou Reed & John Cale.