Mörtel Meister 5200

Die Baustelle in meiner Nachbarschaft kann mich doch noch überraschen, zum Beispiel beim inzwischen monatelang ausgetragenen Wettbewerb „Das lauteste aller Gewerke“. Bislang führten da seltsamerweise die Fensterbauer mit ihren extremen Bohrmaschinen. Vielleicht weil der Bohrlärm in einer ansonsten vergleichsweise ruhigen Bauphase emittiert wurde und zwar immer sehr überraschend. Da konnte einem schon mal der Kaffee aus dem Gesicht fallen. Nun, seit ein paar Tagen haben ein paar türkischstämmige Jungs den Spitzenplatz in der Wertung übernommen: Das Estrich-Team nämlich.

Ich hätte vorher angenommen, dass der Estrich fertig angemischt geliefert und dann nur noch im Neubau verteilt wird, dem ist aber nicht so. Stattdessen haben die Männer vom Bosporus eine gar nicht so große Mischstation aufgebaut: Den Mörtel Meister 5200, gebaut von der EMS Estrichmaschinen GmbH & Co.KG aus Bielefeld, kein Scherz:

1033
MM 5200, Symbolfoto

Das Prozedere ist folgendermaßen zu beschreiben: Zunächst wurden mal unzählige Paletten mit Zement angeliefert, spätestens da wusste ich, dass der Nachbarschaft Großes bevorsteht. Dann hatte der Kipplaster mit dem Sand seinen ersten Auftritt und machte einen beindruckend großen Haufen in der Baustellenzufahrt. Der Mischvorgang im Einzelnen: Der Obermischer, ein stämmiger Kerl vom Typ „Ölringer“, füllt mit einem Ding, das aussieht wie ein überdimensionierter Schneeschieber, zunächst den Sand in den Vorlagenbehälter, der zum Portinionieren dient, dann werden einige Zementsäcke entleert, ebenfalls in den Vorlagenbehälter. Ich kann leider nicht genau sehen, wie der Obermischer die Säcke öffnet (da sind die Bäume davor), aber er tut es mit rasender Geschwindigkeit. Angesichts seiner Statur würde ich ihm zutrauen, dass er die Säcke einfach auseinander reißt. Wie wir gleich sehen werden, verfügt der Mörtelmeister aber über eine sinnreiche Sägezahn-Vorrichtung für diesen Zweck. Wenn der Behälter gefüllt ist, klappt er nach oben und kippt die Komponenten ins Innere des Mörtelmeisters. Dann setzt ein infernalischer Lärm ein, wirklich sehr beeindruckend. Dieser Film zeigt das Gerät in Aktion, lässt aber den Lärm weg:

Ich würde wetten, dass der Chef meiner Estrich-Truppe vor der Beschaffung genau diesen Streifen angeschaut hat.

Nun haben wir auch gesehen, wie der Estrich in den Neubau kommt: An den Mörtelmeister ist ein Schlauch mit einem Durchmesser von vielleicht 10cm angeschlossen. Tatsächlich haben es die Burschen geschafft, den Mörtel auf diese Weise in das Dachgeschoss des neuen Hauses zu pumpen, das Niveau dürfte etwa 10 Meter über dem Boden liegen. Selbst der unbedarfte Laie vermag sich vorzustellen, welch gewaltiger Druck dazu im vergleichsweise kompakten Gehäuse des Mörtelmeisters erzeugt werden muss. Und daraus ist wiederum abzuleiten, wie leistungsfähig der integrierte Kompressor sein muss. Diejenigen Mitglieder der geneigten Leserschaft, die schonmal mit einem Kleinkompressor für die Werkstatt gearbeitet haben, können vielleicht ermessen, welche Dezibel-Werte von diesem Maschinchen erzeugt werden, aber das beste kommt noch: Irgendwann hat sich natürlich der Bauch des Mischers entleert und die nächste Portion muss vorbereitet werden. Und natürlich ist immer noch Druck auf der Maschine. Die komprimierte Luft entweicht mit solch lauter Heftigkeit aus dem Mörtelmeister, dass ich mir beim ersten mal vor Schreck auf die Zunge gebissen habe, kein Scherz.

So gegen 19 Uhr haben die Jungs dann keine Lust mehr. Das sind folglich 12 Stunden mischen, pressen, entlüften, mischen, pressen, entlüften… . Unterbrochen wird das Prozedere nur, wenn der Laster angefordert wird, um eine neue Ladung Sand abzukippen. Der Wahnsinn ist eine Reise zur Hölle (Danke, Frau Hagen). Zum Feierabend wird der Mörtelmeister hingebungsvoll mit einer Drucklanze durchgespült. Zwar ist auch dieser Vorgang nicht eben leise, aber man weiß dann, dass man es für diesen Tag wieder einmal geschafft hat. 1,5 Geschosse fehlen noch. Das macht nach meiner überschlägigen Rechnung noch etwa 65 Mischvorgänge, 2 Kipplaster und 3 Tage. Damn!

Mit übergroßer Freude habe ich außerdem mitbekommen, dass man nun auch damit begonnen hat, zumindest einen Teil der alten Bebauung mit Bohrhämmern abzutragen. Sollte wirklich der gesamt ehemalige Bürokomplex auf diese Art abgerissen werden (der Einsatz einer Abrissbirne verbietet sich angesichts der Nähe zum Neubau), dann darf ich mich auf weitere laute Monate einstellen. Und wisst Ihr was? Ich bin es inzwischen leid, ehrlich, es nervt gewaltig. Es reicht!

Note to self: Was nicht aufgetragen ist, kann nicht erledigt werden. Soundtrack: Fink, Fantomas, Mörtel Meister 5200, Bohrhämmer.

Advertisements

Lamya Kaddor

Doch, es gibt Sendungen im Fernsehen, die das Anschauen lohnen, sogar wenn es sich dabei im weitesten Sinne um eine Talkshow handelt, sogar wenn es darin um emotionalisierte, hochkontroverse Themen geht. Zurzeit gibt es in der Phoenix-Mediathek noch den Livestream der Sendung „Im Dialog“ „Radikalisierte Muslime aus Deutschland“ (Erstaustrahlung 07. März dieses Jahres). Darin befragt Alfred Schier die Islamwissenschaftlerin und Präsidentin des „Liberal-Islamischen Bundes“ Lamya Kaddor. Bislang habe ich noch keine bessere Sendung zum Thema „Politischer Islam“ gesehen. Wir lernen eine blitzgescheite, eloquente Frau kennen, die mit großer Sachlichkeit Einsichten in die Befindlichkeiten der muslimischen Jugend in Deutschland vermittelt und dabei einen Bogen spannt, der die sozial-psychologischen Mechanismen, die grundlegend für die Verführung und Instrumentalisierung von angehenden IS-Kämpfern sind, entlarvt. Unbedingt sehenswert und der Beweis, dass es in unserer Gesellschaft jenseits von Abstammung und Religionszugehörigkeit einen bürgerlich-demokratischen Kern gibt, der dem Hass widersteht.

Note to self: Rhythmischer werden. Schritt für schritt, Takt für Takt, Nacht für Nacht. Musik: Chaos Echoes, Lamb Of God, Krallice.

Die Wissenschaft hat festgestellt…

… dass Marmelade Fett enthält. Ja, es gibt Lieder aus dem Dunstkreis von „Mundorgel & Co“, die sind so hirnrissig, dass sich der Text und die Melodie abgrundtief in die jungen Hirne auf großer Fahrt eingraben. In dem Fall aber, der in diesem Beitrag diskutiert wird, geht es um einen wissenschaftlichen Befund, der noch viel hirnrissiger ist, als die Sache mit der Marmelade. Zwei Niederländer und Bauphysiker, nämlich Boris Kingsma und Wouter van Marken (beide Uni Maastricht) haben ermittelt, dass Frauen bei der Klimatisierung von Büros „systematisch benachteiligt werden“. Begründet wird dies damit, dass vielfach bei der Festlegung einer zuträglichen Arbeitstemperatur von einem Mann (1,80m, 70Kg) ausgegangen wird, der sich bei etwa 22°C am wohlsten fühlt, wohingegen seine Kolleginnen erst bei 26°C das Optimum ihrer Leistungsfähigkeit erreichen.

Ich habe die Zuid-Limburger bislang als durchaus intelligente und weltoffene Menschen kennengelernt, insofern wundert es mich schon, dass die beiden Herren sich trauen so einen hanebüchenen Schwachsinn zu veröffentlichen. Dies schreibt übrigens jemand, der sich bei Temperaturen oberhalb von 18°C bereits unwohl fühlt. Ein Temperatur-Extremist sozusagen, der heute Abend, bei immer noch 27°C zwar vielleicht nicht mehr hochleistungsfähig ist, aber dennoch nicht an geistiger Eintrübung leidet. Klartext: Wir brauchen gar nicht mit durchschnittlicher Muskelmasse, Unterhautfett, Hautstruktur und ähnlichen biologischen Feinsinnigkeiten anzufangen, stattdessen wollen wir mal kurz subsumieren:

Wer friert, der kann sich wärmer anziehen. Wer schwitzt, kann sich nichts ausziehen, jedenfalls nicht im Büro. Für Personen beiderlei Geschlechts steht eine große Auswahl an Business-Anzügen, Hemden/Blusen, Pullover/Polunder etc. zur Verfügung, die nach Gusto mit geeigneter Unterwäsche zu kombinieren sind. Wer friert, ist selber schuld, wer schwitzt, kann nur sehr bedingt was dagegen tun. Insofern ist die Veröffentlichung der beiden Niederländer peinlicher Bullshit (dass der Online-Spiegel einen Artikel darüber ins Angebot aufnimmt, wollen wir mal in die Rubrik „Sommerloch“ einordnen.). Der Gipfel der Peinlichkeit ist aber, wenn als Ergebnis der Untersuchung eine „systematische Benachteiligung von Frauen“ ermittelt wird, diese Erkenntnis fällt in die Rubrik Mindfart. Punkt. Bauphysiker? Eine Schande für die Zunft.

„Drum essen wir auf jeder Reise, jeder Reise, jeder Reise, Marmelade eimerweise, ei-mer-weise.“

Note to self: Die Stellung halten. Ein Büro namens Höhe 231. Musik: Between The Buried And Me, The Ugly, Milking The Goat Machine.

Gemeinsam abheben

Video

Ja, ich weiß, zu spät, viel zu spät. Ihr habt es ja längst alle gesehen, aber ich möchte dieses Video trotzdem hier einstellen:

Mal abgesehen davon, das „Learn To Fly“ eines meiner Lieblingsstücke von den Foo Fighters ist, wenn ich diesen Film sehe, dann bekomme ich einen Kloß im Hals und muss das eine oder andere Tränchen verdrücken. In den Kommentaren zum Video kann man nachlesen, dass es nicht nur mir so geht. Warum ist das wohl so? Vielleicht weil diese knapp 8 Minuten zeigen, dass es viele viele Menschen gibt, die eine ganz einfache Wahrheit mit mir teilen:

Es gibt in unserem Leben nichts besseres als Musik.

Note to self: Sorry, irgendwie konnte ich einfach nicht mehr. Musik: Foo Fighters: Learn To Fly