Shared Space

Es gibt inzwischen etwa 7 MRD Menschen auf einem kleinen, vorwiegend blauen Planeten in einem äußeren Spiralarm unserer Heimatgalaxie. Das impliziert so einiges: Wasser, Anbauflächen, Rückzugsgebiete für die übrigen Lebewesen und Parkplätze werden allmählich knapp. Wir müssen eben alle ein bisschen enger zusammen rücken. Das kann mitunter drastische Konsequenzen nach sich ziehen und das habe ich heute morgen am eigenen Leib erfahren:

Frisch und voller Tatendrang trat ich nämlich vor unsere Haustüre, die Fortschritte der Tiefbaumaßnahme spektakulären Ausmaßes in unserer Straße sozusagen nebenbei abcheckend (Mann sieht ja gerne Bagger, Planierraupen und ähnlich schweres Gerät in Aktion, davon träumend, selbst mal an den Hebeln der Macht zu sitzen). Dazu braucht man sich nicht groß den Hals zu verdrehen. Im Gegenteil, öffnet man die Tür, dann „badet man“ gewissermaßen „seine Hände drin“ (Wer diesen Spruch zuordnen kann, ist ein alter Sack, bzw. eine alte Säckin.):

baustelltür

Doch kaum hatte ich das Pflaster betreten, wurde ich von hinten scharf angerufen: „Attentie!, Pass op!“ Und noch bevor ich mich umdrehen konnte, zischte bereits ein drahtiger Mittvierziger auf seinem Rennrad, angetan mit Radlerhose, Trikot, Fahrradhelm und Sonnenbrille ganz knapp an mir vorbei. Ihm folgten noch weitere Kumpane in ähnlicher Kluft: Alle sehr schlank, alle sehr schnell und alle sehr darum bemüht, mich nicht umzufahren ohne allzu viel an Geschwindigkeit zu verlieren. Aha, verstehe, einer der zahlreichen Radsportclubs aus Zuid Limburg nutzt die gepflasterten Abschnitte der Burtscheiderstraße zur Vorbereitung auf die höllischen Frühjahrsklassiker. Aber warum ausgerechnet den Bürger*steig* vor unserem Haus? Die Zeit reichte nicht, um aus meinem ohnehin kleinen Vorrat niederländischer Schimpfworte eines auszuwählen, das einerseits meinen deutlichen Unmut hätte illustrieren können und trotzdem sicherstellen würde, dass die bunte Meute nicht kehrtmacht, um mir aufs Maul zu hauen. Also blieb ich stumm, notierte nur eine weitere Rücksichtslosigkeit von Pedalisten auf meiner virtuellen Liste (die inzwischen eine beträchtliche Länge hat).

Als ich jedoch nach getaner Arbeit auf dem Rückweg über die Brücke kam, fiel es mir wie Schuppen aus den nicht vorhandenen Haaren: Die Radsportfreunde waren im Recht gewesen und ich hatte mich ganz umsonst echauffiert: Die Kaiserstadt hat einen ganz neuen Radweg:

Fahrradweg

Jetzt frage ich mich: Muss ich fürderhin wenigstens ein Kickboard pilotieren, um meine Heimstatt regelgerecht verlassen und wieder dorthin gelangen zu können? Wäre angesichts des Gefälles in diesem Abschnitt nicht wenigstens eine Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt gewesen? Wie lange dauert es, bis der erste umgefahrene Anwohner Klage gegen die Stadt einreicht? Oder hat gar ein zweiradbegeisterter Bauarbeiter ohne Rücksprache mit dem Bauamt jenes Schild dort hingestellt (Als Sonderform des „territorial pissings“)?

Note to self: Die Telefonanlage des Grauens, wer auflegt, hat recht. Musik: K’s Choice, Sophie Hunger, Liturgy, Seasick Steve.

A lesson learned

MS

Gestern Abend, kurz vor 9: Ziemlich gelangweilt schaue ich mit einem Auge dem rotbunten Treiben bei der Snooker-WM in Sheffield zu, während ich versuche das Überwachungstool „Zabbix“ auf meinem Server zu installieren. Das klappt sogar: Eine schicke Webseite mit allerlei vielversprechenden Menüs erscheint, ich kann Rechner hinzufügen und aussuchen, welche Parameter und Dienste ich überwachen möchte. Nur werden leider keine Daten angezeigt, weil, wie das Log mir verrät, der Serverdienst keine Verbindung zur eigens erstellten MySQL-Datenbank aufbauen kann. Das wiederum liegt daran, dass der Daemon 8GB Shared Memory möchte und die kann mein kleiner Greis beim besten Willen nicht bieten. Für einen Mac mini mit maximal 1GB RAM ist das Projekt eine Nummer zu groß.

Na gut, naja. Dann wollen wir mal die Reste dieses Experiments rückstandsfrei entfernen. Die Deinstallationsroutine beseitigt alles außer ein paar Konfig-Dateien. Die lösche ich manuell, den Launchdaemon dann auch noch, bliebe noch die Datenbank. Skidman und MySQL, das ist wie Feuer und Wasser. Zwar komme ich auf der Konsole inzwischen einigermaßen klar und habe die essentiellen „Do’s and Dont’s“ dank leidvoller Erfahrungen im Kopf, aber irgendwas scheint bei mir auszusetzen, sobald dieses Produkt von Oracle ins Spiel kommt. Ich mache mich trotzdem mutig ans Werk: Mein Datenbankverzeichnis zeigt viele Dateien, die ich sofort zuordnen kann, aber auch einige traurige Reste früheren Stümpertums. Na gut, als ich 2006 mit meinem Server angefangen habe, da war ich eben noch ziemlich unbeleckt. Höchste Zeit also, diese Reste zu entsorgen. Am schnellsten geht das immer noch mit „Webmin“, einer praktischen Klickibunti-Oberfläche zur Administration von Rechnern.

Während Judd Trump eine lange Rote mit einem sehenswerte Pot versenkt und die dann folgende Schwarze versemmelt, rufe ich den Webmin auf, klicke mich zur Auflistung der Datenbanken durch und wähle die zu löschenden Dateileichen aus. Vor dem Löschen sollte man eigentlich den MySQL-Server runterfahren, aber dazu bin ich jetzt zu faul. Ein beherzter Klick auf den Knopf und weg sind die Platzverschwender. Da ich gerade dabei bin, kann ich auch gleich die nicht mehr benötigten Datenbank-Benutzer löschen. Judd gewinnt den Frame doch noch, ich will als erstes den Benutzer „Test3“ entsorgen. Klick! Und was erscheint? Eine Fehlermeldung: „Tabelle ‚user‘ konnte nicht gefunden werden.“ What the f***? Es ist 21 Uhr 20, mir schwant Übles, ganz Übles.

Die erste und wichtigste Datenbank, die MySQL nach der Installation anlegt, dient der Selbstverwaltung: In ihr werden unter anderem alle Benutzer, ihre Rechte und Kennwörter abgelegt. Diese Datenbank heißt einfach „mysql“. Ich schaue nach: Nein, eine Datenbank mit dieser Bezeichnung ist auf meinem System nicht, oder genauer nicht mehr, vorhanden. Trumps Gegner verschießt eine einfache Rote in die Mitteltasche. „A lapse of concentration“ sagt der Kommentator, als säße er hier neben mir am Schreibtisch. Ich habe tatsächlich gerade den Kern meiner MySQL-Installation ins digitale Nirvana befördert. Das CMS meines Webservers, die lokale Sicherung dieses Blogs, die Daten für die Authentifizierung an meinem Mailserver – alles weg! Nein, eigentlich ist noch alles da, aber eben wie hinter Panzerglas: Ich kann es sehen, aber nicht mehr anfassen. Hätte ich wenigstens die 30 Sekunden investiert und den Server vor dem Löschen sauber runtergefahren, wären die Datenbanken in einem konsistenten Zustand. Ich Riesenheini!

Midsession Interval in Sheffield, ich würde am liebsten meine persönliche Bußgeißel auspacken und mich damit kasteien. Stattdessen gieße ich mir einen maßvollen Whisky ein, stelle die Flasche aber sofort wieder ins Regal. Es gilt jetzt, sich zusammenzunehmen und den Schaden zu begrenzen. Ich befrage Tante Google und zwar ausführlich. Dann spiele ich manuell eine Sicherung der bewussten Datenbank ein, passe die Benutzerrechte an, vergeblich: Der Zugriff wird mir verweigert. Die Zeit schreitet voran, Judd Trump gewinnt Frame um Frame, mein Herumgetippe auf der Tastatur wird hektischer und verzweifelter. Zwischendurch geht gar nichts mehr. Um kurz vor 4 mache ich Schluss, bin der Lösung des Problems aber keinen Schritt näher gekommen.

Ich mache es kurz: Nach einem knappen Frühstück, einer ausführlichen Dusche und einer viertelstündigen Meditation finde ich den heiligen MySQL-Gral: Man kann tatsächlich die Datenbank aus einer Sicherung im laufenden Betrieb wieder herstellen, aber nur, wenn man einen alten Monitor rauskramt, den Server in einer lokalen Session als Admin befummelt und den Time-Machine Client den Job machen lässt. „Danke Apple!“ und das ist diesmal nicht ironisch gemeint. Hat nicht mal 10 Minuten gedauert, die Chose. Die einfachen Wahrheiten wieder mal: Medizin muss bitter schmecken, sonst kann sie nicht wirken.

Note to self: Willy42, wir müssen reden, Chef. Musik: Heitor Villa-Lobos, Iron Thrones, Isaac Albeniz, Iron Maiden.

Die Zone

UZ

Es ist schon merkwürdig: In meiner Stadt gilt seit ein paar Monaten eine neue Brandstättenverordnung. Wer einen einfachen Kaminofen ohne Filter betreibt, muss nachrüsten. Wer nicht nachrüsten kann, muss bei Papa Putin oder bei den mehr oder weniger wahhabitischen Scheichs einkaufen: Vorsicht Feinstaub. In der Kneipe abends zum Bier eine Kippe? Nix da: Vorsicht karzinogene Emissionen. Mit dem Laster über die Wilhelmstraße? Tagsüber gerne, aber nachts kanns ein Bußgeld geben. Feinstaub, Emissionen, Sie verstehen?

Seit gefühlten 10 Jahren stehen die Meßcontainer in der Innenstadt. Und seit sie messen werden regelmäßige, erhebliche Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt. Höchste Zeit also, dass die Stadt entscheidende Maßnahmen zur Reduzierung schädlicher Abgase einführt und Alibipolitik, wie das Vorgehen gegen die paar Kaminofenbetreiber, nicht weiter wie ein Feigenblatt vor sich herträgt. Wir brauchen eine Umweltzone, noch besser wäre eine autofreie Innenstadt. Gut, letzteres ist spätestens seit der Zweidrittel-Ablehnung der Stadtbahn durch uns Bürger (Danke noch mal, ihr habt echt den Durchblick!) Makulatur.

Der Stadtrat jedoch, die westzipflige Variante der GroKo sozusagen, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Einführung der Plaketten und ich frage mich wirklich warum. Wen würde denn diese Maßnahme wirklich treffen, wo doch selbst die so beliebten SUVs neueren Datums mit Leichtigkeit einen grünen Aufkleber kriegen, wenn, ja wenn sie einen Rußfilter haben oder nachrüsten? Die Gegner der Einführung führen den Langstreckentransport der schädlichen Partikel ins Feld, inwieweit eine solche Argumentation angesichts der Tallage des Aachener Kessels zu halten ist, sollen Ökotoxikologen und Meteorologen entscheiden. Aber die Entscheidungsträger befürchten offenbar, dass die Innenstadt für potentielle Konsumenten und Touristen weniger attraktiv sein könnte, wenn die Zone erst einmal etabliert ist.

Die Message ist eindeutig: Ihr könnt ruhig am Feinstaub verrecken, Hauptsache der Rubel rollt. Zum Glück habe ich keine der verantwortlichen Figuren gewählt. Schämen sollten sie sich, auch und vor allem wegen ihrer Betriebsblindheit: So wie es im Moment läuft, werden städtische Ballungsräume langfristig vorrangig Wohnquartiere sein, ihre Bedeutung für den Warenumschlag wird abnehmen. Aber Gewerbesteuer ist eben Gewerbesteuer und eine Stadt, der finanziell das Wasser bis zum Hals steht, greift nach jedem Strohhalm. Pfui Deibel.

Note to self: Zettelwirtschaft? Fass Dir mal an den A**** und schau nach, ob Du noch da bist. Musik: Earshot, Ludovico Einaudi, Leo Brouwer, Foo Fighters, Forgotten Tomb.

Der perfekte Tag

Es gibt sie, diese Tage an denen alles fluppt. Und wenn man ganz viel Glück hat, dann merkt man sogar im Tagesverlauf, dass es so ist. Das ist etwas völlig anderes, als wenn man abends beim Zähneputzen vor sich hin sinniert „War ganz OK, dieser Tag.“ oder „Gar nicht so übel, was heute lief.“ Der perfekte Tag, von dem dieser Artikel handelt, war der vergangene Freitag, also der 17. April 2015:

Schon morgens beim ersten scheuen Blinzeln, huschte es mir durch den Kopf: „Super Wetter, Bauarbeiter leiser als gewöhnlich, richtig gut ausgeschlafen.“ Und als der Tag erst mal ins Rollen kam, wurde es noch besser: Der Bus pünktlich und fast leer, grüne Welle, eine attraktive Rothaarige am Theaterplatz schenkte mir durchs Fensterglas ein Lächeln. Das Arbeitspensum überschaubar, konstruktive, verständige Gesprächspartner, kurze Warteschleifen, ein lange erwartetes Angebot traf ein, andere Rechnerprobleme hatten sich bereits selbst repariert (durch Handauflegen aus der Ferne sozusagen. IT-Support per Telepathie.) und der Chef schenkte mir eingedenk der zahlreichen Überstunden in letzter Zeit einen vorgezogenen Feierabend. Deshalb erwischte ich den Paketboten noch, der mir gerade die „gelbe Karte“ zeigen bzw. einwerfen wollte. Der Nachmittagsimbiss mundete vortrefflich. Fristgerecht erreichte ich den Ungarnplatz, ließ mir dort ein perfekt temperiertes Pilsbier schmecken und freute mich, das eine andere bekannte Gesicht unter den erwartungsfrohen Alemanniafans zu erblicken und hier und da ein paar Worte zu wechseln. Der Marsch zum Tivoli nichts anderes, als ein vorgezogener Triumphmarsch, die Stimmung im gut gefüllten aber nicht zu vollen Block S4 unübertrefflich und dann den Tabellenführer mit zwei zu null von der Platte geputzt und dabei noch sehr gut gespielt. Der Abend klang in gemütlicher und ungewöhnlich harmonischer Runde aus. Und als ich dann zu Hause mit einem wahrlich leckeren Whisky aus den Highlands auf dem nächtlichen Balkon saß und durch und durch zufrieden in mich hineinspürte, da griff die Erkenntnis: Heute, ja heute Alter war wirklich ein perfekter Tag.

Normalerweise rechne ich nach solchen Tagen mit dem Schlimmsten. Auch wenn ich mir einrede, nicht ans Schicksal zu glauben und eigentlich ja weiß, dass vieles im Leben mehr oder weniger zufällig passiert und wir Menschenkinder zwar tun können, was wir wollen, aber nicht wollen können, was wir wollen, bin ich doch oft genug in dem Zusammenhang von Witterung und Essensresten gefangen. Da ist eben diese kleine Stimme in mir, die steif und fest behauptet, dass von nix nix komme und die bange Erwartung, dass jeder Pendelausschlag in die eine Richtung, einen ebenso heftigen Schwung in die andere Richtung bedingt, damit der Kosmos nicht aus der Balance gerät. Bis jetzt ist der vergangene Freitag ohne diese negativen Folgen geblieben. Wollen wir hoffen, dass das so bleibt.

Note to self: Mein Projekt, dein Projekt. Im Grunde kanns mir egal sein. Musik: Melechesh, Liturgy, Arch Enemy, Joseph Haydn.

Just Skidding 2.0

Liebe Leser,

es ist so weit: Just Skidding präsentiert sich ab heute, dem 14, April 2015, in einer runderneuerten Form. Die Gründe dafür sind im vorausgegangenen Beitrag niedergelegt: Ich war es einfach leid, mich mit den Unzulänglichkeiten des „Web-Blog-Basic“ von Strato abzufinden. Andererseits bin ich auch nicht bereit, mir wegen meines Geschreibsels ein teures Webhosting-Paket ans Bein zu binden. Deshalb findet sich „Just Skidding“ nun unter dem URL

https://skidmansblog.wordpress.com

Mit der neuen Umgebung sind einige Veränderungen verbunden, einige sind positiv, andere nicht ganz so schön:

Vorteile:
– Schönes neues Interface mit Titelbild
– Größere Bilder in den Beiträgen
– Größere Schrift für alle Altersweitsichtigen
– Mehrere Gigabyte Speicherplatz
– kürzere Ladezeiten
– „Just Skidding“ ist jetzt Teil der Blogossphäre

Nachteile:
– Beim Absetzen von Kommentaren wird Werbung angezeigt
– Ich musste alle alten Artikel mehr oder weniger von Hand übertragen
– der Umstieg hat mich ca. 12 Stunden Gefriemel gekostet
– Audio-Dateien können nicht mehr eingebunden werden

Noch ist nicht alles fertig. Mir ist aufgefallen, dass viele verlinkte Bilder nicht mehr angezeigt werden. Ich bemühe mich, diese Bilder sukzessive neu einzubinden, wird ein bisschen dauern. Auch sonst klemmt es noch hier und da.

Würde mich freuen, wenn die Handvoll treuer Leser meinen Spaß am Bloggen weiter mit mir teilen würden. Alle bisher registrierten Benutzer (Die Registrierung ist Voraussetzung für das Kommentieren, daran hat sich nichts geändert) müssen sich einen neuen Account zulegen. Sorry, das ging nicht anders. Und nun viel Spaß mit „Just Skidding 2.0“

Euer Skidman

Note to self: Et hätt notch immer joot jejange. Musik: Allan Holdsworth, Deivos, Ufomammut, Negură Bunget.

Frau Schulz am Rohr

Es ist Sonntag Nachmittag und ich möchte einen neuen Beitrag für mein Blog schreiben. Und wieder einmal schmiert mein Artikel-Editor gnadenlos ab. Wie oft ist das schon passiert? 500 Mal? 1000 Mal? Ich habe aufgehört zu zählen. Und wie oft habe ich schon die SQLite-Datenbank gesichert und wieder eingespielt? Auch das weiß ich nicht genau. Aber was ich genau weiß: Es muss sich jetzt was ändern, sonst verliere ich den Spaß an der Sache. Knapp 19 MB hat die Datenbank und jeder Versuch, sie in ein anderes Format zu konvertieren mit dem die Standardversion von WordPress irgendwas anfangen kann, sind bislang fruchtlos geblieben. Das Webportal meines Hosters verspricht technischen Support auch am Tag des Herrn, da rufe ich doch mal an.

Frau Schulz hat eine angenehme Telefonstimme und sie wirkt zunächst auch sehr entspannt. Das ändert sich genau in dem Moment als ich das Wort „Web-Blog-Basic“ in den Mund nehme. „Das supporten wir doch seit Jahren schon nicht mehr!“ (Sie klingt jetzt ein bisschen entrüstet) „Das weiß ich wohl, Frau Schulz, aber die Funktion steht in meinem Paket ja noch zur Verfügung, ich verwende sie fleißig, also fände ich es schön, wenn Sie dafür auch noch Support anbieten würden.“ (An diesem Punkt war ich schon mit etlichen Mitarbeitern der Firma und bin entschlossen, mich diesmal nicht abwimmeln zu lassen) „Wie wäre es, wenn Sie eine Support-Anfrage für Ihre Techniker aufnehmen würden?“ „Worum geht es denn?“ (Ich schöpfe Hoffnung) „Das Export-Werkzeug für die Datenbank fällt aufs Maul, weil in Ihrer PHP.ini ein zu geringer Zeitrahmen für die Ausführung von Scripten eingestellt ist, ich bekomme nach genau 180 Sekunden ein Time-Out“ Jetzt meint Frau Schulz einen Punkt gefunden zu haben, wie sie mir beikommen kann. „Ja dann ändern Sie doch einfach Ihre ini-Datei!“ (Als spräche sie mit einem Hasen, dem man das Prinzip „Karotte“ erklären muss.) „Frau Schulz, PHP ist überhaupt nicht Bestandteil meines Pakets, ich habe keinen Zugriff auf die Konfiguration.“ Schweigen. Ich weiss genau, was jetzt kommt:

„Was haben Sie denn für ein Paket?“ Ich nenne den Namen und vernehme schnappatmungsartige Geräusche am anderen Ende der Leitung. Das liegt daran, dass dieses kleine und günstige Angebot schon seit Jahren nicht mehr angeboten wird. Ich sehe aber überhaupt nicht ein, ein größeres Paket zu buchen, das ich nicht brauche. Daher auch das Dilemma: PHP wird in meinem Webangebot verwendet (Weil der Hoster es ohne nicht mehr kann.), aber ich zahle nicht dafür, weil ich es nie gebucht habe. Genau das scheint sich jetzt auch im Hirn der Frau Schulz zu manifestieren. Sie wirkt  sehr kurz angebunden. „Ja also, ich weiß auch nicht wo Ihre ini liegt!“ „Ich auch nicht, Frau Schulz, denn es ist ja Ihre ini, nicht meine.“ „Wie heißt denn die Webadresse Ihres Blogs?“ Ich nenne sie, nicht ohne genüsslich die Buchstaben PHP am Ende des URLs mit extra deutlicher Betonung vorzulesen. „Aber Sie haben doch gar kein PHP!“ (Jetzt tickt sie allmählich aus.) „Nein, aber Sie haben PHP und mein Blog läuft damit. Was sind jetzt unsere Optionen?“ (Dieses „unsere“ ist ein alter Trick von Menschen, die verzweifelt sind und am kürzeren Ende des Hebels sitzen, aber auf „Cowboys am Lagerfeuer“ machen wollen. Dafür war ich mir noch nie zu schade).

Das Gespräch lief noch eine ganze Zeit, es wurde lauter und von beiden Seiten unhöflicher. „Mit solchen Randproblemen kann ich mich nicht beschäftigen!“ ließ sich Frau Schulz dann irgendwann vernehmen. „Aha, ich verstehe. Ich bin offensichtlich ein Rand-Kunde!“ entgegnete ich „Und Sie können nichts für mich tun.“ Ein hechelndes Geräusch vom anderen Ende der Leitung. Das könnte jetzt medizinisch werden, lassen wir es dabei. „Wissen Sie was, Frau Schulz, vergessen Sie es. Eine ruhige Schicht noch, Sie Randfichte!“ Und aufgelegt. Dann ein paar mal tief durchgeatmet und der Entschluss: Das Blog zieht um, mag es auch Blut, Schweiss und Tränen kosten.

Note to self: Ein bisschen was geht immer. Musik: Thou, La Brass Banda, Melechesh, Steven Wilson.

Die Trommel schweigt

106253-6076546-Grass_Guenter04 Foto: Stefan Volk

„So isses nu mal mit de Kaschuben, Oskarchen, die trefft es immer am Kopp. Aber ihr werd ja nun wägjehn nach drieben, wo besser is, und nur de Oma wird blaiben. Denn mit de Kaschuben kann man nich kaine Umzüge machen, die missen immer dablaiben und Koppchen hinhalten, damit de anderen drauftäppern können, weil unserains nich richtich polnisch is und nich richtig deitsch jenug, und wenn man Kaschub is, das raicht weder de Deitschen noch de Pollacken. De wollen es immer genau haben!“
(Die Blechtrommel)

Günter Grass 16. Oktober 1927 – 13. April 2015