Eines stolzen Recken Ende

Als Apple 2003 den Powermac G5 vorstellte, setzte diese Maschine Maßstäbe: Der erste 64bit-PC für den Hausgebrauch, schnell, schwer, gutaussehend und teuer. Wer ein Modell mit Dual-CPU wollte, war mit mehr als 2000€ dabei. Heute gehen solche Rechner bei ebay schon für 200€ weg. 12 Jahre sind eben 12 Jahre.

Zwar sind die Boliden von einst im Vergleich zu moderner Hardware recht gemütlich unterwegs und verbrauchen dabei mit ihrem 600W Netzteil unglaublich viel Strom, doch gibt es immer noch professionelle Verwender, zum Beispiel solche, die nach wie vor Software einsetzen, die nur in der sogenannten Classic-Umgebung läuft. Auch in meiner Kundschaft gibt es jemanden, der auf die Lauffähigkeit des im Grunde antiken Rechenwerks dringend angewiesen ist. Nachdem sein vorletzter G5 mit Platinenschaden ausgefallen war, baute ich ihm aus insgesamt 3 baugleichen aber maladen Modellen (1x Netzteildefekt, 1x Platinenschaden, 1x CPU-Versager) einen funktionierenden Powermac zusammen, das ist gerade mal ein paar Wochen her. Das Schicksal meinte es nicht gut mit diesem Rechner, gestern Abend bekam ich ihn wieder auf die Werkbank, er fuhr auch mit neuer Festplatte nicht mehr hoch. Also warf ich die Hardware-Test-CD ins Laufwerk und siehe da, alle Tests liefen ohne Fehler durch:

G51

Trotzdem war der SATA-Festplattencontroller ganz offenbar hin. Was immer ich dort anschloss, es wurde nicht gefunden. Da aber das DVD-Laufwerk durchaus funktionierte, konnte ich mich nicht zurückhalten und klemmte mal versuchsweise eine alte Platte mit Mac OS X anstelle des Silberscheiben-Lesers an. Tatsächlich startete der Rechner von diesem Datenträger – hurra! Es war kurz nach 20 Uhr und ich verfiel auf einen verwegenen Plan: Warum nicht das ohnehin kaum benötigte DVD-Laufwerk durch eine IDE-HDD ersetzen, allerdings musste die natürlich auch betriebssicher im Gehäuse angebracht werden.

Kurz von 10 hatte ich dann mit Hilfe von Bohrmaschine und Rundfeile aus dem Bodenblech des optischen Laufwerks und einem Luftpolster-Umschlag einen prima Festplattenträger fabriziert, der sich mit Hilfe der originalen Befestigungsschrauben bombensicher im DVD-Schacht anbringen ließ:

G52

Dann machte ich Feierabend, mit dem schönen Gefühl am nächsten Tag noch kurz das Betriebssystem und die Benutzerdaten aufzuspielen und mich dann den wirklich wichtigen Dingen des Samstags widmen zu können: Der Fußballbundesliga und der Zubereitung meiner berühmten „Spaghetti a la casa“. Der G5 bekäme indes ein zweites Leben geschenkt und würde sicher noch eine Weile seine Pflicht und Schuldigkeit zur Freude seines Benutzers tun. Es sollte anders kommen.

Denn am nächsten Tag konnte von erfolgreichem Rechnerstart per Alternativplatte keine Rede mehr sein. Ein dunkelgraues Stoppzeichen auf hellgrauem Grund war alles, was ich zu sehen bekam. Ich wiederholte den Hardwaretest, checkte die RAM-Module einzeln durch, reaktivierte ein altes Firewiregehäuse zur Kontrolle, wechselte die Kabel aus: Nix.

G53

Ich probierte es weiter, mit der Beharrlichkeit, die ich mir in den vergangenen Jahren im Business aneignen musste. Was man vielleicht wissen muss: Natürlich konnte ich das Gehäuse während meiner Versuche nicht schließen und wenn der G5 offen betrieben wird, dann laufen insgesamt 9 Lüfter auf höchster Umdrehungsstufe. Der Rechner hört sich in diesem Zustand an, wie eine startende Concorde. Ich packte mir irgendwann den Kopfhörer auf die Löffel und gab mir die neue Platte von „Napalm Death“ in maximaler iPhonelautstärke. Das fand ich irgendwie passend. Während der Stunden, die vergingen, konnte ich dabei zusehen, wie sich der Powermac zerlegte, obwohl die Ergebnisse der Hardware-Überprüfung nach wie vor behaupteten, es wäre alles bestens. Zwei, dreimal ließ sich der Rechner tatsächlich noch starten. Immerhin konnte ein Installationsversuch des „Tigers“ sogar zu ca. 90 % abgeschlossen werden. Dann aber wieder Kernelpanic, Freezes oder eben gar nix.

In vielen Filmen gibt es diese Szene: Das Team der Notfallmediziner stellt die Reanimationsversuche ein. Man wendet sich mit Bedauern ab und „legt ein Tuch über den Mann“ (wie es der unschlagbare Hanns Dieter Hüsch dereinst so treffend formulierte). Der G5 wurde gegen 14:30 für tot erklärt, nachdem er eine Festplatte in ein Stück Elektroschrott verwandelt hatte. Obwohl: Eigentlich war es eher so, als würde man bei einem hirntoten Patienten die Beatmung abstellen, denn Netzteil, Grafikkarte und Prozessoren arbeiteten ja noch. Einer weniger, ein Jammer, irgendwie.

Note to self: Gleichmäßiges Röstbild, da kann ich nur lachen. Musik: Napalm Death.

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Opfer der Dummheit

Jetzt mal Klartext: Das gestern in Berlin an Masern verstorbene Kleinkind ist Opfer der Dummheit und verbohrten Ignoranz seiner Eltern. Wäre ich Staatsanwalt, würde ich ein Verfahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge einleiten. Aber auch dieser traurige Fall wird die Impfgegner in Deutschland nicht zur Vernunft bringen. Sie werden weiter ihre verschwörungstheoretischen Pseudoargumente vorbringen, die beispielsweise für die MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln) schon lange widerlegt sind.

Ich könnte jetzt zu einem umfangreichen Faktencheck ausholen, der von Aluminiumhydroxid über Quecksilber bis hin zu Autismus reicht, ich werde es nicht tun. Es hat keinen Zweck. Es ist sinnlos vernünftige Begriffe aus der Ökotoxikologie, wie beispielsweise Expositionsdauer und -intensität einzuführen, gleiches gilt für epidemiologisches Fachwissen, angefangen mit Herdenschutz, bis hin zu gut hinterlegten statistischen Daten zur Entwicklung der Mortalität durch Masern seit Einführung wirksamer Impfstoffe. Wer mit Impfgegnern diskutiert, kann genau so gut gegen die Wand reden. Diese Idioten haben sich einmal eine Meinung gebildet und sie werden nie davon abrücken.

Es ist an der Zeit, eine Impfpflicht in Deutschland und Europa einzuführen. Renitenten Ausrichtern von und Teilnehmern an so genannten „Masernparties“ (wie blöd kann man eigentlich sein?) sollte man das Sorgerecht entziehen und sie hart bestrafen. Denn es geht nicht nur um privates Abwägen von Nutzen und Risiken, es geht um den Schutz der Bevölkerungsanteile, die aus unterschiedlichen Gründen nicht geimpft werden können. Und zum Schluss: Wer sein Kind zur Projektionsfläche der eigenen diffusen Ängste macht, mag entschuldigt sein: Die Menschen sind schwach. Wer aber den eigenen Trotz über Allgemein- und Kindeswohl stellt, sollte diese Zeilen von Khalil Gibran, die anlässlich so vieler Kindstaufen rezitiert werden, noch mal sinnentnehmend lesen:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.

Note to self: 2. OG, kommt dann der Abriss? Musik: LaBrass Banda, Element Of Crime, Astor Piazzolla.

Danke, danke

Erfolg

Im Grunde wusste ich immer schon, dass ich großes vollbringe. Es ist schön, dass ein weltweit tätiger Multimilliarden-Konzern das auch so sieht. Danke Intel. Und sollte ich mich mal beruflich neu orientieren wollen, melde ich mich bei euch. Versprochen!

Note to self: All I could eat, puh. Musik: Björk, Crosby, Stills, Nash & Young, Iggy Pop.

Musik zählen

Es ist an der Zeit, sich zu einer ziemlich merkwürdigen Marotte zu bekennen, die ich mir vor ein paar Jahren zugelegt habe und seitdem nicht wieder los geworden bin. Es geht um den Umgang mit meiner Musik-Sammlung, also meiner iTunes-Bibliothek.

Das Sammeln von MP3-Dateien fing bei mir so an, wie wahrscheinlich bei allen Anderen auch, die die Geburt dieses Audio-Formats miterlebt haben, damals zu der Zeit als man sich noch nicht mal im Traum vorstellen konnte, was alles daraus werden würde. Ich hatte da einen Ordner, da kamen die MP3s hinein und gehört wurden sie mit einem einfachen Player. Das wars. Tja und dann kam irgendwann Apple mit iTunes um die Ecke, damals im Grunde eine reine Datenbank für Audio-Dateien mit Abspielfunktion. Das war der Beginn meiner Obsession.

Während ich bei vielen anderen Daten großen Wert darauf lege, möglichst viel händisch befummeln zu können und die Sortierung im Dateimanager vorzunehmen (Motto: Ich weiß, wo es liegt, jedenfalls ungefähr. Spotlight und Co sind unsportlich!), begab ich mich bei iTunes sofort in den Schoß der automatisierten Datenbank: Ich ließ meinen „Musikordner von iTunes verwalten“, wie es in den Voreinstellungen heißt. Das funktioniert natürlich nur, wenn die so genannten MP3-Tags vollständig und möglichst richtig sind. Meine Bibliothek ist inzwischen 9 Jahre und 7 Monate alt. Ehrlich gesagt kann ich keine genaue Auskunft darüber geben, wie viele Stunden ich seither in die Korrektur von Tags und in das Aussuchen von Cover-Dateien gesteckt habe, es müssen Hunderte sein.

Neben vielen nützlichen Informationen listet iTunes auch für alle enthaltenen Titel auf, wie oft sie abgespielt wurden. Übrigens wird dieser Wert erst aktualisiert, wenn die Datei wirklich zur Gänze wiedergegeben wurde. Kurzes Anspielen zählt nicht. Und spielt man einen Titel ab, der am Ende aus 10 Minuten Stille besteht, wie das früher so gerne gemacht wurde, um die Bonustracks auf der CD abzutrennen, dann wird der Zähler eben auch nur hochgesetzt, wenn man diese 10 Minuten durchhält (oder die Abspielmarke manuell verschiebt). Diese Zählerstände wurden nach und nach mein Heiligtum, sie sind es immer noch.

Dazu muss man wissen, dass es früher gar nicht so einfach war, eine iTunes-Bibliothek auf eine neue Festplatte umzuziehen, ohne die Datenbank neu anlegen zu müssen. Das wäre natürlich für mich nie in Frage gekommen. Meine Sammlung hat jetzt 3 Medienwechsel (Festplatte -> NAS -> Festplatte) hinter sich. Was für Klimmzüge habe ich zur Konservierung der Datenbank unternommen. Unglaublich!

Meine größte Freude war, als mit irgendeinem Update von iTunes die Funktion eingeführt wurde, dass Titel, die über die Privatfreigabe im lokalen Netzwerk abgespielt werden, ebenfalls hochgezählt werden. Seitdem kann ich nämlich auf jedem meiner Rechner Musik hören, „verliere“ aber keine Zähler (Ja, ich weiss, ich bin wirklich bescheuert). Deshalb gibt es auch nur zwei Rechner bei mir, auf denen Musik liegt: Der iTunes-Rechner und mein Server, der auch MP3 ins weltweite Netz streamen kann.

Es gab Zeiten, da wuchs meine Bibliothek mit ungeheurer Geschwindigkeit. Beispielsweise als ich alle meine Audio-CDs in iTunes einfügte. Nun habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, alle in der Bibliothek enthaltenen Titel auch zu hören, oder wenigstens mal gehört zu haben. Und ich erlege mir äußerst skurrile Parameter auf, wann ein Titel gut genug, also oft genug gehört ist. Es würde zu weit führen und auch zu peinlich sein, wenn ich das en detail erklären würde. Jedenfalls hat diese Zwangsneurose zu einem ganz merkwürdigen Verhalten geführt, denn bei mir gibt es zwei Arten von Musik: Musik, die ich (noch oder wieder mal) hören muss und Musik, die ich hören mag. Jetzt wird es richtig abstrus.

Natürlich könnte man auch Titel aus der Sammlung entfernen, aber das tue ich nur bei defekten Dateien. Die iTunes Bibliothek ist für mich eben auch musikalisches Gedächtnis und wer will schon sein Gedächtnis verlieren. Denn natürlich merkt sich iTunes auch, wann ein Titel zur Sammlung hinzugefügt wurde und manchmal schaue ich tatsächlich nach: Herbst 2007? Was habe ich denn da so für Musik gehört?

Und da ich heute mal wieder in der Stimmung bin, ganz besonders gründlich die Hosen runterzulassen, verrate ich hiermit mal ein paar Geheimnisse:

Die drei am häufigsten gespielten Titel:
Shakira – La Pared – 113 Wiedergaben.
Chanticleer – Loch Lomond – 93 Wiedergaben.
Third Eye Blind- Slow Motion – 87 Wiedergaben.

Der älteste Titel in der Sammlung: The Cure – Wrong Number /Crossed line Mix, August 2005.

Zuletzt hinzugefügter Titel: Doombringer – Grand Sabbath Reals Solls, 13. Februar 2015

Note to self: Falten -> Blasen oder Müßiggang -> Blasen? Ach ja. Musik: Liste „Zähler 1, neu ab 2015“, bis Ende Februar will ich damit fertig sein.

300 Liter, das Paradies

Nein, in diesem Beitrag geht es nicht um Bier. Es geht um ein Problem, das sich vor ein paar Monaten manifestierte und erst heute aus der Welt geschafft wurde. Die Geschichte beginnt an einem Morgen im Spätsommer 2014. Da fiel mir zum ersten Mal auf, dass während der morgendlichen Dusche die gewohnte Zumischung kalten Wassers ohne nachteilige Folgen unterbleiben konnte: Das heiße Wasser aus der Leitung war nicht mehr unangenehm, sondern genau richtig. Meine Vermutung: Bei der jährlichen Kontrolle und Justage der kombinierten Warmwasser/Heizungsanlage hatte der Installateur genau meinen inneren Wohlfühlwert getroffen. Ich freute mich ehrlichen Herzens, aber diese Freude sollte nicht lange anhalten.

Von Tag zu Tag, von Woche zu Woche vollzog sich nämlich in der Folgezeit eine allmähliche Verringerung der Wassertemperatur bis schließlich mit dem Einzug von Minusgraden (also draußen, nicht in der Wasserleitung) meine Abhärtungstoleranzgrenze überschritten war. Tatsächlich stand ich morgens bibbernd unter dem nurmehr handwarmen Strahl und das sanitäre Wohlfühlritual verwandelte sich in ein angstbesetztes hektisches Gezappel. So konnte es nicht bleiben.

Ein Anruf beim Vermieter war fällig. Man beschied mir zunächst, ich solle doch meine Duschzeiten von morgens nach abends verlegen, dann sei die Anlage weniger beansprucht. Ich teilte unumwunden mit, dass das keine Option sei. Ein weiterer, nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag bestand darin, mir das Nachwerfen von Münzen in einen gar nicht vorhandenen Kasten nahezulegen, wie man es von Campingplätzen kennt. Ich antwortete, dass ich ja nun bereits für die Bereitstellung von Warmwasser bezahlen würde und zwar nicht Münzen, sondern Scheine und zwar jeden Monat und zwar im voraus. Schließlich wurde ein Ortstermin mit den Vermietern, zu denen ich im übrigen ein gänzlich unproblematisches Verhältnis habe, und einem Fachmann anberaumt und abgehalten. Just zu diesem Termin lag die Wassertemperatur aber weit über dem Durchschnitt und außerdem war es die falsche Tageszeit, nämlich im frühen Abend, wo die Entnahme gegen Null liegt. Die Troika zog also wieder von dannen und ich erwog, mich mit der im Grunde nicht akzeptablen Temperatursituation abzufinden. Man will ja nicht als spleeniger Querulant gelten.

Nun, heute hatte ich nach einem furchtbaren Tag mit Netzwerkausfall beim Stammkunden gestern und den damit verbunden zahlreichen Überstunden tatsächlich frei. Also schlief ich etwas länger, ließ mich von einem Klingeln an der Tür gar nicht irritieren und erhob mich erst gegen halb 10, um mir meinen Kaffee zu kochen. Dem Wasserhahn entwich aber nur ein scharfes Zischen und ein paar klägliche Tropfen. Das schob ich fluchend auf die Tiefbaustelle gigantischen Ausmaßes in unmittelbarer Nachbarschaft. Wenigstens ein Rundschreiben für die umliegenden Wohneinheiten sollte in so einem Fall schon drin sein. Grummelnd zog ich mir was über und machte mich zum Hauptbahnhof auf, um mir dort zwei große Becher des vitalisierenden Heißgetränks zu genehmigen. Ohne Kaffee, das geht bei mir einfach nicht.

Im Nachmittag hatte sich an der Trockenheit im Leitungssystem noch nichts geändert, allerdings ließen Klopfgeräusche aus dem Kellergeschoss vermuten, dass tatsächlich bei uns im Haus gearbeitet wird. Eine halbe Stunde später stand ein Monteur vor der Tür, begehrte Einlass und berichtete vom Einbau eines neuen Boilers, dessen Kapazität mit 300l um ein Drittel höher liegt, als die seines schwächelnden Vorgängers. Tja, was soll ich sagen, natürlich habe ich die Leistungsfähigkeit der Anlage sofort überprüft und nach einigen Minuten Aufenthalts in wohlig-warmer, tropisch anmutender Duschumgebung bin ich nun, was das anbetrifft, wieder mit der Welt versöhnt.

Note to self: Zusehen, wie sich ein Switch zerlegt. 19 Zoll sind mein Format. Musik: Primitive Man, Powderfinger, Periphery.

Spitzenreiter!

AA_RWE

Also gut. Für Fußballkenner und -genießer ist eine Partie der Regionalliga West mitunter eine schwere Prüfung, auch wenn zwei Traditionsmannschaften wie Rot-Weiß Essen und Alemannia Aachen gegeneinander antreten. Trotzdem war das Spiel am gestrigen Samstag, bei schönstem Wetter, aber knackiger Kälte, eine Begegnung, die historische Bedeutung hat. 30.313 Zuschauer sahen das Match auf dem ausverkauften Tivoli. Das hat es in der Geschichte der Regionalliga noch nie gegeben. Man muss sich nur einmal die Dimensionen vor Augen führen: Das vorletzte Heimspiel des FC Kray gegen den SV Rödinghausen in der gleichen Liga sahen 270 zahlende Zuschauer.

Zum Spiel selbst: Die beste Offensive (RWE) trat gegen die beste Defensive (Alemannia) der Liga an. Und der Beginn des Spiels entsprach dieser Statistik. Die Essener starteten mutig und hätten bereits nach 3 Minuten in Führung gehen können, wenn der Aachener Ersatzkeeper Ermes in seinem ersten Pflichtspiel für die Alemannia nicht mit einer sehenswerten Parade das Leder an die Latte gelenkt hätte. Auf der linken Abwehrseite ließ sich Lejan ein ums andere mal überlaufen und sah insgesamt schwach aus. Die Alemannia war eigentlich nur bei Standards gefährlich und so fiel auch das goldene Tor durch Kevin Behrens nach einer Ecke kurz vor der Halbzeit. In der zweiten Hälfte raufte sich die Alemannia zusammen und bot den Essenern Paroli, begünstigt durch eine gelb-rote Karte für die Ruhrpöttler nach Notbremse. Das Spiel blieb bis zum Schluss spannend, in Summe geht der knappe Sieg für die Westzipfler aber in Ordnung.

Ich bleibe dabei: Wer nur den Hochglanzfußball a la Bundesliga und Championleague ansieht, der verpasst einen ganz wichtigen Aspekt dieses Sports. Natürlich sah man gestern manchen üblen Fehlpass, schlimme Schnitzer in der Abwehr und Spielwitz sieht auch anders aus, aber die Kampfbereitschaft und Einstellung beider Mannschaften entschädigte dafür. Auf Seiten der Alemannia war Tim Jerat mit Abstand der beste Mann, der im zentralen defensiven Mittelfeld alles abräumte und die Bälle klug verteilte. Überragend war aber vor allem die Stimmung im Stadion und der respektvolle Umgang der Fans miteinander (Essener und Aachener fuhren in den gleichen Bussen zum Bahnhof, das gibt es nicht so häufig). Tja und jetzt liegen die Aachener vorläufig mal an der Tabellenspitze, da könnte was gehen.

Note to self: Khumbu beeindruckt. Musik: Napalm Death, Marduk, Omara Portuondo, Oliver Mtukudzi.

Pauls Nemesis

Tantapaul

„Endlich wieder Ordnung!“ Zufrieden aber auch einigermaßen geschafft ließ sich Paul in seinen Lieblingssessel fallen. Sein Blick glitt über das frisch abgestaubte Mobiliar, die ordentlich gestapelten Zeitschriften, den absolut fussel- und krümelfreien Teppichboden. Die Wintersonne schien durch die gründlich geputzten Fenster und ein aufgeschrecktes Stäubchen tanzte in ihrem goldgelben Licht.

Knapp 4 Stunden hatte er geschrubbt, gewischt, gefegt, gesaugt, aussortiert und kategorisiert. Jetzt war er des Aufklarens müde. Aber wenigstens würden seine Skatbrüder heute Abend nicht schon wieder darüber ablästern, dass er wohl langsam aber sicher der Verwahrlosung anheim fiele. So war es nämlich im letzten Monat gewesen, als er zuerst einen Grand mit Vieren, danach einen todsicheren Herz Hand in den Sand gesetzt und die Enttäuschung darüber mit viel zu viel Bier heruntergespült hatte. Das Aufwachen am nächsten Morgen, gekrümmt auf seinem verschlissenen Zweisitzer, mit einem Presslufthammer im Kopf und einer Rolle Stacheldraht im Magen war furchtbar gewesen. Und alles nur, weil Rolf gemeint hatte, Paul sei wohl schon ein halber Messi und Timo und Sebastian fleißig dazu genickt und in sich rein gegrinst hatten.

Schon morgen früh würde der paradiesische Zustand himmlischer Ordnung eine Episode sein. Leere Flaschen und Gläser, übervolle Aschenbecher, Chipstüten und Pizzakartons würden die Szene bevölkern und ihn anschreien. So gesehen teilte er das Schicksal Sisyphos‘. Staub, Schmutz und Müll bildeten seinen Felsbrocken, den er immer wieder den gleichen Berg hinaufwälzen musste, ohne Aussicht auf endgültigen Erfolg.

Immerhin, so dachte sich Paul, war Sisyphos bestimmt ein ansehnlicher Mann: Durchtrainiert und sehnig, gertenschlank und gut gebräunt, mit harten Händen und wettergegerbtem Gesicht: Ein Mann auf den die Frauen fliegen. Das sollte er sich bewusst machen, wenn er morgen unter Seufzen und Fluchen die gröbsten Spuren beseitigen würde. Und zur Not konnte man diese Aktion ja auch noch ein wenig aufschieben. Bis zum nächsten Skatabend war es noch lange hin. Paul hangelte sich aus dem Sessel. Die Sonne war inzwischen fast untergegangen. Zeit das Bier kaltzustellen.