Harte Kontraste

Eigentlich steht bei mir gerade ein ganz anderes und nicht schönes Thema ganz oben auf der Agenda, aber das lässt sich an dieser Stelle ganz bestimmt nicht besprechen. Deshalb handelt dieser Beitrag von den Eindrücken einer Baustellenführung am „Adlerhof“ der „Ordensburg“ Vogelsang am vergangenen Sonntag.

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Bei dem zur Zeit vorherrschenden Herbstwetter im Hochsommer wurde unser Grüppchen also von zwei Fachmännern an die Hand genommen und in die Geheimnisse des Umbaus eingeweiht. Dabei kam die hochmoderne Heizungsanlage mit Erdwärmeunterstützung genau so zur Sprache wie die Belange des Denkmalschutzes, die besonderen Schwierigkeiten der Hanglage und des geologischen Unterbaus und natürlich die zu erwartenden Kosten und die heutzutage bei einem Projekt dieser Größenordnung schon fast normalen rechtlichen Probleme bei der Ausschreibung inklusive Vergaberüge. Man befleißigte sich der Verwendung der architektonischen Fachsprache, so dass ich froh war in dieser Hinsicht familiär vorbelastet und mit einer gewissen Affinität zum Bauingenieurwesen ausgestattet zu sein.

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Zugegeben, der zurzeit noch sehr gut sichtbare Beton wirkte auf mich wie ein Fremdkörper in der historischen Bausubstanz. Daran konnten auch die Hinweise auf die spätere Verkleidung aus Stahl und Glas wenig ändern. Natürlich ist das Konzept des Gesamtensembles bestimmt sehr durchdacht und bei Sichtachsen, Fluchtpunkten und anderen bauästhetischen Schmankerln kann ich wahrscheinlich auch nicht mitreden. Trotzdem konnte ich ab und zu ein innerliches Kopfschütteln nicht unterdrücken. Das neue Nutzungskonzept sieht die Unterbringung von zwei Dauerausstellungen, eines Seminarzentrums und eines Bewirtungsbetriebs vor. Es ist klar, dass die technischen und räumlichen Anforderungen diesem Konzept Rechnung tragen müssen. Im Grunde genommen ist das bestimmt langfristig auch besser als an den alten Gebäuden fortwährend herumzuflicken und mit Mühe einen Zustand zu erhalten, den man eben nur anschauen kann.

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Der Ausblick von der neuen Außenterrasse wird bestimmt spektakulär sein, immerhin hat man dafür eigens einen Hügel abgetragen, der im Weg stand. Aber es wird auch etwas verloren gehen, nämlich der improvisierte und irgendwie auch morbide Charme von Vogelsang. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch erinnern, als man Würstchen auf Pappe servierte und die Theke im Besuchercafe aus leeren Bierkästen bestand. Im Grunde genommen ist das derzeitig realisierte Besucherzentrum im ehemaligen Kino mit seiner eben nicht frisch gestrichenen Fassade doch ein gelungener Kompromiss aus würdigem Umgang mit der wechselvollen Geschichte und den Erfordernissen eines touristischen Hotspots.

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Besonders interessant fand ich die Anmerkungen der Fachleute zur Erstellung und zum Zustand der alten Bausubstanz: Mangelhafte Gründung tragender Elemente, Deckenstärken von nur 10cm, Probleme mit dem damals noch neuen Baustoff Stahlbeton. Hier gilt das, was auch schon von anderen Bauten aus dem „1000jährigen Reich“, beispielsweise dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bekannt ist: Die Gebäude wurden mit der heißen Nadel gestrickt und ein Bestand über 1000 Jahre wäre nie auch nur im Ansatz gegeben gewesen. Von da her ist es keine Überraschung, dass auch an den zurzeit nicht von Baumaßnahmen betroffenen Teilen von Vogelsang ganz deutlich der Zahn der Zeit nagt. Die Verschlechterung des Zustands gegenüber dem bei Übergabe des Geländes durch die Belgier ist augenfällig und auch ziemlich erschreckend. Noch ein letztes: Sehr überzeugend fand ich das Finanzierungskonzept für die Umgestaltung: Statt bei Problemen bei der Umsetzung immer neue Mittel zu verbraten hat man einen Deckel drauf gemacht und dafür eine Streichliste von Maßnahmen, die dann eben nicht durchgeführt werden. Diesen Streichungen sind derzeit der Aufzug außen am Burgturm, den ich ohnehin immer für eine hirnverbrannte Idee gehalten habe, und der neue untere Parkplatz zum Opfer gefallen. Genau so muss man es machen.

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Note to self: Nicht ärgern, ändern. Musik: Keine. Championsleague in der Glotze.

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Hardware und Karma

Es sollte nicht so, es sollte anders sein, nämlich als Folge begründbarer Wahrscheinlichkeiten: Wenn etwas kaputt geht, dann gibt es eigentlich dafür zwei Hauptgründe: Entweder es ist fehlerhaft konstruiert bzw. zusammengebaut, oder es unterliegt der unvermeidlichen Abnutzung. Trägt man dann in einem Diagramm die Defekte über die Zeit auf, ergibt sich die typische „Badewannenkurve“.

Ich kann diesen Kurvenverlauf aber überhaupt nicht bestätigen, sondern bin Opfer von Anhäufungen, die in schönster Unregelmäßigkeit aber scheinbar schicksalhafter Verkettung auftreten. Der Anfang dieser Woche war so ein Fall: Montags im Büro lässt sich eine externe Festplatte nicht formatieren, obwohl sie quasi neu ist und der Kundin am nächsten Tag für ihre Datensicherung ausgehändigt werden soll. In solchen Fällen wechsele ich (wirklich sehr) gerne von Windows 8 (ächz) auf einen betagten MacPro, den der Chef ansonsten zum Schneiden seiner Videos verwendet, denn zur Not formatiere ich den Datenträger unter OS X vermittels Konsole. Wenn das nicht geht, ist er wirklich hin. Also den Mac eingeschaltet, Lampe geht an, Gong und dann nur noch ein rhythmisches Klacken, das von einer verstorbenen Festplatte kündet. Meldung an den Chef: „Bootplatte tot!“ Chef wird ein bisschen blass, von wegen der im Datennirvana verschwundenen Videodateien, aber da kann ich ihn beruhigen, habe ich doch (hinter seinem Rücken) eine Timemachine-Sicherung auf der Kiste eingerichtet. Entsprechend problemlos und ohne Datenverlust lässt sich die Kiste wieder in einen operablen Zustand versetzen und auch das Formatieren der Kundenplatte funktioniert.

Am gleichen Tag werfe ich nach Feierabend meinen „Spielrechner“ an, um ein bisschen zu entspannen. Nach dem Windows-Logo erscheint aber nur noch ein Brei aus kleinen farbigen Würfeln auf dem Bildschirm. Na gut, die Grafikkarte habe ich mir gebraucht auf ebay geschossen, sie ist also schon älter, wird immer ganz schön heiß und schluckt 95W bei voller Leistung. Dazu fehlt dem Rechner eigentlich ein Gehäuselüfter, denn er wurde ursprünglich mal als Büro-PC konzipiert. Von einer Hochleistungsgrafik, die nach einer Runde zocken gerne mal auf über 100°C kommt, war damals nicht die Rede. Also ab in die Stadt, neue Karte besorgt. Leider wird die aber nicht von dem schon fast mittelalterlichen OS X 10.6.8 unterstützt, das ich aber unbedingt für einige ältere Softwareschätzchen brauche.

Nun ist es ja zum Glück so, dass ich noch weitere Rechner besitze, also mache ich mir einen Plan, in welches Gehäuse welche Festplatte mit welchem Betriebssystem zu wandern hat. Dabei gilt es auch die maximale Leistung der enthaltenen Netzteile zu berücksichtigen. Doch kaum habe ich PC Nr. 3 hochgefahren ist es wieder da, dieses ominöse Klacken: Eine weitere Festplatte ist verstorben und zwar die für die Sicherung von insgesamt 4 Betriebsystemen. Hömpf!

Eigentlich kenne ich das ja schon: Ich sollte lieber spazieren gehen, oder bei einem schönen Glas Wein entspannen, aber ich neige dazu mich bei diesen Gelegenheiten in Rage zu basteln. Zwei Stunden später sieht es so aus: Die Bude ist eine Anhäufung von ausgebauten Computer-Komponenten, leeren Gehäusen und Kabeln und eigentlich unbewohnbar. Ich habe ein altes Netzteil, ein Frontpanel und einen DVD-Brenner geschrottet. Wesentliche Teile des Gesamtdatenbestandes sind ohne aktuelle Sicherung. Das wird heute nichts mehr. Grummelnd verziehe ich mich Richtung Koje.

Wie zu erwarten: Der nächste Tag ist ein Tag mit besserem Hardware-Karma. In einer meiner Kisten finde ich ein neuwertiges Netzteil, in der Firma steht noch ein altes, aber funktionales PC-Gehäuse, das ich abstauben darf und DVD-Brenner habe ich noch einen ganzen Stapel. Nach zwei Stunden ist der „neue“ PC Nr. 3 montiert, getestet und für gut befunden. Während ich ich PC Nr. 2 fertig mache läuft die Sicherung. Danach erst mal durchatmen und als Krönung die neue schicke Grafikkarte einbauen. Als alles läuft werden die Teile für den E-Schrott aussortiert, das Werkzeug und die Kleinteile verstaut und die Ersatzteilkisten wieder unter dem Hochbett einquartiert. Jetzt könnte ich eigentlich ein Ründchen zocken, nur kann ich gerade keine Computer mehr sehen. Und das ist eigentlich auch gut so.

Also: Wenn eure persönliche Badewannenkurve der Ausfallwahrscheinlichkeit auch hin und wieder wolkenkratzerhohe Ausschläge nach oben hat, nehmt es locker. Wahrscheinlich wart ihr in einem früheren Leben nicht brav und so müsst ihr das ertragen, was die Inder als die „Früchte der Taten“ bezeichnen. Oder wie Otto Normalverbraucher sagt: Von Nix kommt nix.

Note to self: Zettelchen, wallandergleich? Musik: Manic Street Preachers, Opeth, Creation is Crucification, Corrosion Of Conformity.

„Es“

Vor ein paar Monaten ließ ich mich mit einem Freund (oder sollte ich „Bekannten“ schreiben?) auf einen heftigen E-Mail-Diskurs ein. Es ging wie immer um das Thema Nahost-Konflikt. Seine Position ist 100% pro Israel, ich sehe das Ganze etwas differenzierter. Wie das so ist: Wir gerieten übel aneinander. Als er mich einen Antisemiten schimpfte, brach ich die Sache ab und habe seit dem auch nicht sehr viel mit ihm gesprochen. In einer seiner letzten Mails meinte er, ich könne eben doch nicht ausschließen, dass „Es“ in mir arbeitet. Dieses „Es“ soll einen antijüdischen Reflex beschreiben, dem insbesondere linke Intellektuelle immer dann erlägen, wenn es um Kritik am Staat Israel geht. Dieses „Es“ ist inzwischen ein geflügeltes Wort geworden, vergleichbar mit dem Begriff „Kultur-Bereicherer“, den die Faschistenschweine für Migranten und Deutsche mit ausländischen Wurzeln (nein, keine schwedischen) verwenden (den Ursprung dieses Begriffs mag der Interessierte selbst googeln, mir ist das heute zu langatmig).

Nun denn: Vor ein paar Tagen hat Dieter Graumann den aufkeimenden Antisemitismus in Deutschland gegeißelt, er machte dies unter anderem an den furchtbaren Parolen fest, die anlässlich der Anti-Israel-Demonstrationen von einem kopflosen Mob skandiert wurden. Übrigens, dass wir uns an der Stelle nicht falsch verstehen: So weit diese Schmährufe von arabisch-stämmigen Menschen mit deutschem Pass gebrüllt wurden, ist dies tatsächlich ein deutsches Problem. Man sollte nicht der Versuchung erliegen, diese Entgleisungen sozusagen xenophobisch zu bemänteln, nach dem Motto, sie würde doch meistens keine (Bio-)Deutschen (auch wieder so ein ätzender Kampfbegriff) betreffen, dann macht man es sich ein bisschen einfach, jedenfalls wenn man konsequent sein möchte. Graumann hat die Ansicht geäußert, die gegenwärtige Situation sei für seine Glaubensbrüder und -schwestern die schlimmste seit der Nazi-Diktatur. Das ist, um es ganz deutlich zu sagen, eine bodenlose Unverschämtheit und deshalb ist Graumann inzwischen auch zurückgerudert. Seine Einlassungen sind deswegen so bedauerlich, weil er ein paar Tage zuvor in einem sehr emotionalen aber auch gescheiten Artikel die Situation im aktuellen Gaza-Konflikt trefflich analysierte.

Es gibt Gruppierungen, mit denen kein friedliches Auskommen, keine Aussöhnung möglich ist. Dazu gehören einige besonders üble Vertreter des radikalen politischen Islams: Boko Haram, IS, die Schabaab-Milizen und eben auch die Hamas. Auch wenn ich radikal-pazifistisch bin: Diese Gruppen können sich nicht selbst in eine gemäßigte Richtung bewegen, jedenfalls nicht kurz- und mittelfristig. „Sie oder wir“ ist ihr Programm und Kern ihrer Identität. Eine Auseinandersetzung mit ihnen kann folglich vorläufig nur militärisch sein. Deshalb befürworte ich das israelische Vorgehen im Gazastreifen. Die bedauernswerten zivilen Opfer sind Opfer der Hamas, genau das hat Graumann sauber herausgearbeitet. Und alle Einwohner Gazas, die keine Hamas-Anhänger sind, scheinen mir zurzeit leider Kollateralschäden zu sein. Ich will das Sterben und Leiden dieser Menschen nicht ins Lächerliche ziehen, aber mir fällt an der Stelle die Frau in Monty Pythons „Der Sinn des Lebens“ ein, die sterben muss, obwohl sie gar nicht von der Lachsschaumspeise gegessen hat. Die Menschen in Gaza können sich nur selbst von ihrer Geißel befreien, oder sie werden den Weg gehen müssen, den auch die Deutschen am Ende des zweiten Weltkriegs gehen mussten: Der Weg in den fast vollständigen Untergang. Nebenbei bemerkt: Es stünde den gemäßigten, aufgeklärten Muslimen in Deutschland und in vielen andern Ländern der Welt, die zweifellos die ganz überwiegende Mehrheit dieser Religionsgemeinschaft darstellen, gut an, wenn sie ihre fundamentalistischen Glaubensbrüder ein wenig deutlicher maßregeln würden als dies Aiman Mazyek in einem Interview in der FAZ neulich getan hat. Da ist noch jede Menge Luft nach oben.

Noch mal kurz zum „Es“: Wir sollten nicht der Versuchung erliegen, die radikalen Israelis der Siedlerpartei und verwandter Gruppen, die zum Teil nicht weniger als die Ausrottung der arabischen Bewohner Palästinas im Sinn haben, um ihren Traum von Groß-Israel zu verwirklichen, als typische Juden zu verstehen, auch wenn ihre Sache in den letzten Wochen innerhalb der israelischen Bevölkerung starken Zulauf erhalten hat. Alle Menschen wollen im Grunde das Gleiche, egal welcher Religion oder Ethnie sie angehören mögen: In Frieden leben und ihre Ruhe haben.

Note to self: Daumen drücken für den Chef. Musik: Japanische Kampfhörspiele, Abnormality, Mayhem, Nocturnal Breed.

Das Uschi-Prinzip

Auch wenn frau hochgebildet, stilsicher, selbstbestimmt und in jeder Hinsicht Herrin der Lage ist, eine Waschmaschine ist eine Waschmaschine und die vierte Etage ist die vierte Etage. Genau deshalb hat Meike Rensch-Bergner ihr Buch „Das Uschi-Prinzip“ geschrieben. Der Inhalt kurz gefasst: Frauen wickeln Männer jederzeit um den Finger, sie müssen nur hilflos und schutzbedürftig rüberkommen und tief ausgeschnittene Blusen tun ein übriges. Dann ruft er zur Not seinen besten Freund an und dann klappt das auch mit der Waschmaschine.

Uschi (sie arbeitet für eine andere Firma im gleichen Gebäude, man ist sich schon auf dem Weg zur gemeinsamen Teeküche begegnet) klopft im späten Nachmittag an die Bürotür. Ich habe ein ganzes Bündel an Sachen, die noch zu erledigen sind, vor dem Bauch. Wird heute nix mit pünktlich Feierabend machen. Bevor ich „herein“ rufen kann steht sie schon im Zimmer. Ob mir das kleine rote Auto im Hof gehören würde? „Isch abe gar kein Auto Sinorina“ gebe ich zu Protokoll. Sie lacht ein bisschen zu laut und ein bisschen zu lange. Noch was anderes: Sie hätte Probleme mit ihrem Laptop, ob ich vielleicht Zeit hätte mal kurz zu gucken. Irgendwas mit der Anmeldung in ihrem Microsoft-Account funktioniert nicht. „Kann ja nicht die Welt sein“, denke ich mir. „Na gut, brings mal rein.“ „Geht das jetzt gleich? Ich habe es heute extra mitgebracht.“ Die unlogische Komponente im letzten Satz hätte mir Warnung sein sollen. Andererseits will die Telefonanlage, die ich auf der Werkbank habe, sowieso nicht mit mir sprechen. „OK, ich schau mal.“

Uschis Laptop entpuppt sich als schicker Renner und ist erst vier Wochen alt. Also sicher nur eine Kleinigkeit. „Also, langsam ist die Kiste auch. Und im Internet gehen immer so viele Fenster auf und die Internet Kachel ist nicht mehr blau und ich habe einen neuen Benutzer angelegt, weil ich nicht mehr reingekommen bin.“ Dieses „nicht mehr reinkommen“ wird sich in den folgenden Stunden und Tagen als Uschis Kernproblem entpuppen: Skype, AppStore, E-Mail, Benutzerverwaltung, WhatsApp, WLAN: Uschi kommt einfach nicht mehr rein. In der Anmeldemaske sind nicht weniger als 6 Benutzer aufgeführt: Uschi, Ursula, Ulla, David („Das ist mein Junge“), Disign (sic! „Das ist mein Pferd“), Gerd und Hans-Gerd (…und das ist dein Macker, denke ich mir. „Und das ist mein Ex.“ Sagt sie). Keines dieser Konten ist lokal, alle sind Microsoft-Online-Konten und alle sind mit einer eigenen E-Mail-Adresse verknüpft. Ich melde den Benutzer „Ursula“ an. Auf der Metro-Kacheloberfläche sind ca. 120 Kacheln vorhanden, darunter so ziemlich jede Mal- und Spyware, die ich kenne. Das Virenprogramm ist veraltet, der Druckertreiber schreit was von „nicht richtig installiert“. Ich merke, dass ich innerlich zusammensacke, derweil Uschi weitere Probleme mit ihrem „Schleppi“ aufzählt. Ich fahre dazwischen: „Und was soll jetzt alles gemacht werden?“ „Alles“ sagt sie leise und guckt dabei wie die Milka-Kuh.

Ich entseuche, räume auf, deinstalliere und installiere, passe Bildschirmhintergründe an, durchforste die Benutzerkontenverwaltung. Das Administrator-Konto hat eine ungültige E-Mailadresse. Die vom Betriebssystem verschickten Bestätigungsmails verschwinden im Nirvana. „Ist Dein Postfach vielleicht voll? Die Mails kommen nicht an.“ „Welches Postfach?“ „Das von web.de“. „Ach da habe ich gar keine E-Mail. Ich habe da einfach was reingeschrieben, weil ich nicht mehr reingekommen bin.“ In meinem Bauch zieht sich was zusammen. „Du verwendest eine E-Mailadresse, die gar nicht existiert, für Deinen Admin-Account?“ „Ist das schlimm?“ Und bevor ich antworten kann: „Wie geht das eigentlich mit dem Scannen? Ich komme da nicht rein.“ Noch bevor ich Modell und Anschlussart des Scanners erfragen kann: „Und dieses Ding da in der Ecke (Sie zeigt auf ein Icon), wie krieg ich das weg?

Irgendwann am nächsten Tag habe ich das Laptop dann fertig. Ein frisches Benutzerkonto mit eigens angelegter Mailadresse funktioniert. Viren, Würmer und Trojaner sind entfernt, nicht mal der Druckertreiber muckt noch. Ich rufe Uschi an: „Kannst Dein Laptop abholen. Ist fertig“ Als sie zur Tür reinkommt, strahlt sie: Ich befürchte das Schlimmste. Sie legt ein nagelneues iPhone auf den Tisch. „Sag mal, kannst Du mal eben nach dem iPhone gucken?“ „Du kommst da nicht rein?“ „Genau!“ Dieses „Genau“ ist mehr ein vergnügtes Quietschen. Das iPhone ist auf die AppleID ihrer Schwester registriert (warum?) „Und wenn ich E-Mail schicke, dann bekommt meine Schwester die Antwort (Ach nee?).“ Weitere zwei Stunden später ist iTunes installiert, eine Apple-ID angelegt und das iPhone-Backup konfiguriert. Klar ist inzwischen auch, dass die gekauften Apps („Nur ein paar Kleinigkeiten“) ihrer Schwester gehören (die den Kram ja auch bezahlt hat, ohne es zu wissen.). „Sag mal, gibst Du mir Deine Handynummer, falls ich ein Problem habe?“ Alle Warnlampen gehen in mir an. „Und wie ist das mit Online-Banking, kannst Du mir das mal zeigen?“ Ganz kurz überlege ich mir, den gesamten Inhalt von Uschis Girokonto an die Deutsche Aidshilfe zu überweisen. Sie würde es wahrscheinlich nicht mal merken. „Also, mit der Handynummer ist das schlecht, das mache ich nicht so gerne.“ Puh, gut gemacht Alter und sie scheint auch gar nicht überrascht zu sein. Ich überreiche meine (viel zu kleine) Rechnung und hoffe, dass damit dieser Kundenkontakt abgewickelt ist. „Das mit dem Online-Banking würde ich lassen, ist zu unsicher!“ „OK. Ich gebe es dir bar. Warte eine Sekunde, ich habe nicht genug dabei. Ich frage mal kurz, ob meine Kollegin mir was pumpt.“ Gesagt, getan. Die Tür fällt ins Schloss. Entkommen, bin ich froh.

Ich weiss, dass diese Erleichterung nur vorübergehend ist. Spätestens in ein paar Tagen wird Uschi wieder irgendwo nicht reinkommen. Immerhin habe ich gelernt, dass ein Laptop eine Waschmaschine ist. Damn!

Note to self: Wenn Du den gleichen Fehler wieder gemacht hast, musst Du wieder Du das Tränental. Du musst! Musik: Belphegor, Fallujah, Abnormality, Austin Lucas, Eels, Aborted.