Danke Rolf-Dieter Krause,

Ihrem heutigen Kommentar in den Tagesthemen zum Geschacher um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten ist nichts hinzuzufügen:

„Das ist mir noch nie passiert, dass ich der Bundeskanzlerin in einer Pressekonferenz gegenüber saß, und so langsam die Fassung verlor.

Denn Frau Merkel plant in aller Offenheit einen Betrug. Betrug nicht im Sinn des Strafrechts, aber politischen Betrug. Betrug an Ihnen, den Wählern.

Jahrzehntelang haben die Parteien uns angebettelt, bei der Europawahl wählen zu gehen. Sie mussten betteln, weil nicht so recht klar war, über was wir Wähler da entscheiden sollten. Das sollte diesmal anders sein. Deshalb haben die großen politischen Parteifamilien europäische Spitzenkandidaten aufgestellt. Wir Wähler sollten entscheiden, wer Chef der Brüsseler Kommission wird.

Schon wahr: Formal muss der von einer Mehrheit der Staats- und Regierungschefs noch vorgeschlagen werden. Aber das sollte kein Problem sein: Fast alle Regierungschefs waren daran beteiligt, die Spitzenkandidaten zu nominieren. Nur die Briten haben nicht mitgemacht.

Rückzieher aus gesundheitlichen Gründen?

Sie wissen ohnehin nicht, ob sie unserem Verein, der EU, weiter angehören wollen. Aber den Vorsitzenden, den wollen sie jetzt bestimmen. Darauf will Frau Merkel Rücksicht nehmen. Es gibt schon Überlegungen, dass Jean-Claude Juncker aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug erklären könnte, um das möglich zu machen.

Ja, geht’s noch?

Cameron ist wichtig, die Wähler sind wichtiger

Ich fände es zwar todtraurig, verließe Großbritannien die EU, aber damit darf es uns nicht erpressen. Herr Cameron ist wichtig, 370 Millionen Wähler sind wichtiger. Die Spitzenkandidaturen waren ein politisches Versprechen. Wenn das gebrochen wird, muss sich niemand wundern, wenn die Bürger sich von Europa abwenden.

Das Spiel der Kanzlerin treibt den Europagegnern die Wähler zu. Dieses Spiel ist nicht nur eine Schande: Es ist ungewöhnlich dumm.“

Rolf-Dieter Krause, ARD-Studio Brüssel

Note to self: Das Glück dieser Erde liegt offenbar nicht in Kohlscheid. Musik: ArchEnemy, Kitty Bohemia.

Elliot, Soraya, Chris

Elliot Rodger hat bei einem Amoklauf in Isla Vista (CA) 6 Menschen umgebracht und 13 teils schwer verletzt. Er war Asperger-Autist, nahm regelmäßig Psychopharmaka, hatte das Trauma der Scheidung seiner Eltern nie überwunden, hatte ein extrem gestörtes Verhältnis zu Frauen und tauschte sich darüber auf Internetseiten aus, die von amoralischen Extremisten betrieben werden. Elliot Rodger war ein kranker, hassgesteuerter Mensch, der in eine geschlossene Abteilung gehört hätte.

Soraya Chemaly verfasste als Reaktion auf diesen furchtbaren Vorfall einen Tweet, diesen hier:

#notallmen practice violence against women but #YesAllWomen live with the threat of male violence. Every. Single. Day. All over the world.

Diese Aussage ist objektiv falsch, sie ist eine grobe Vereinfachung und sie ist aus billigem Kalkül entstanden, das zwei wichtige Tatsachen ausblenden soll: 1.) Menschen sind Täter und Opfer, sie sind nicht Täter oder Opfer. Sie machen sich von Geburt an schuldig und erleiden von Geburt an Unrecht. Wir alle fühlen uns bedroht und ohnmächtig, selbst den allergrößten Drahtziehern geht es so, Männern wie Frauen. Menschen sind Primaten. Primaten leben in Hackordnungen. 2.) Körperliche und psychische Gewalt in Ehe und Partnerschaft, aber auch im Alltag auf der Straße ist nicht geschlechtsspezifisch, was Täter- und Opferrollen anbelangt. Zu diesem Ergebnis kommt Martin Fiebert, der im Jahr 2012 annähernd 300 wissenschaftliche Untersuchungen, mehr als 200 empirische Studien und 65 Reviews (Stichprobengröße insgesamt: 371600) zu diesem Thema ausgewertet hat und überzeugend darlegen kann, dass Frauen genau so häufig Männer schlagen, wie Männer Frauen (ja, eine unbequeme Wahrheit, die frau gern unter den Tisch fallen lässt). Nur sprechen Männer eben sehr viel seltener darüber.

Chris Köver, Chefredakteurin des Missy Magazins, berichtet voller Begeisterung im Spiegel über den Hass-Tweet und die wachsende Zahl von Tweets mit dem unsäglichen Hashtag #YesAllWomen. Die psychische Erkrankung des Attentäters („Ein 22jähriger Mann“) blendet sie völlig aus, sie passt nicht ins Weltbild. Es sind solche dümmliche Artikel, die die Kluft vertiefen und eine sachliche Diskussion zu diesem Thema unmöglich machen. Eine „Journalistin“, die sich nicht entblödet, der Unvernunft und offensichtlichen Stimmungsmache das Wort zu reden und den Amoklauf als „militante Misogyne“ (sic! Das Substantiv, das Sie verwenden wollten, Frau Köver, heißt Misogynie) bewertet, schießt aus niederen Motiven und aus der Hüfte. Sie beendet ihr Geschreibsel mit dem Satz:

„Es wäre eine schöne Wendung, wenn ausgerechnet ein gewalttätiger Frauenhasser wie Elliot Rodger zum Anlass für eine neue Welle des Feminismus würde.“

Sechs Menschen sind qualvoll gestorben. Wissen Sie was, Sie sollten sich schämen, Frau Köver.

Note to self: Hölzer, ja warum nicht. Positiv bleiben, Däumchendreher. Musik: Arch Enemy, Ben Howard, Animals as Leaders.

Kleine Gemeinheit am Rande

Keine Frage: Die wohl verfahrenste Situation, was politische Themen anbelangt, finden wir bei der Diskussion um Steuern, Steuergerechtigkeit, Steuerhinterziehung und Steuererleichterung vor. Seit Jahren wird um Vereinfachungen und Subventionsabbau gestritten, die Ergebnisse sind bescheiden, hat sich doch jede Klientel im Laufe der bundesrepublikanischen Geschichte kleine und kleinste Vorteile auf Kosten der anderen gesichert und verteidigt sie mit Zähnen und Klauen. Daran wird sich auch nichts ändern. Der Traum von der Steuererklärung in Bierdeckelgröße wird ein Traum bleiben, oder will hier jemand auf seine Pendlerpauschale verzichten, seine Berufskleidung selber zahlen oder das teilweise dienstlich genutzte Mobiltelefon zukünftig nicht mehr zum Ansatz bringen? Na also.

Weil heute aber Wahltag ist, und weil vielleicht doch noch der eine oder andere Leser seine Stimme erst im weiteren Tagesverlauf abgeben wird, möchte ich hier eine Meldung kommentieren, die heute als Beitrag zu den Bemühungen um die Vereinfachung im Steuerrecht veröffentlicht wurde. Es geht dabei um die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze. Jedermann weiß, dass Lebensmittel und andere Artikel des täglichen Bedarfs mit einem reduzierten Steuersatz von 7% belegt sind. Und jedermann weiß, dass die Einordnung bestimmter Produkte (Schnittblumen, Windeln, Tiernahrung etc.) vollkommen blödsinnig ist. Wer weiß welcher Artikel aus den genannten drei Beispielen nicht mit dem reduzierten Steuersatz beaufschlagt wird?

Ein neuer Vorschlag fordert nun die Einführung eines einheitlichen Mehrwertsteuersatzes von 16%. Begründet wird dies damit, dass (Zitat) „die meisten Verbraucher ohnehin einen sehr gemischten Konsum haben und somit nicht stärker belastet würden.“ Das ist, bei Lichte besehen, erstens überhaupt kein Argument und zweitens falsch, denn natürlich gibt es eine Gruppe, die wesentlich stärker zur Kasse gebeten würde, nämlich die Ärmsten: HIVs, Alleinerziehende, Kinder. Kurz: Alle die, die einen Großteil ihres Einkommens zum Überleben, zum Einkauf von Nahrungsmitteln verbrauchen, wären die Leidtragenden.

Man sollte denken, dass so ein Vorschlag von der FDP, den neuerdings so neoliberalen Grünen, oder dem Wirtschaftsflügel der Union stammt, tatsächlich kommt er von Ingrid Arndt-Brauer, Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag und Mitglied der SPD. Ja, es ist ein Jammer, wie sehr die ehemals sozialdemokratische Partei Deutschlands auf den Hund gekommen ist. Also: Gut überlegen, wo man heute sein Kreuzchen macht, gell!

Note to self: Verliebt in eine langsame, laute Kiste. Musik: AC/DC, John Lee Hooker, K’s Choice, Led Zeppelin.

Lebt denn der alte…

AJ

…Reviersteiger noch? Wer in den vergangenen Monaten die Homepage von ANNA1 besuchte, musste den Eindruck haben, dass die Kohlenrocker inzwischen im musikalischen Orkus verschwunden sind. Dabei waren wir tatsächlich sogar sehr fleissig und haben uns für die kommenden Herausforderungen in Form gebracht. Die Antwort muss also lauten: Jaaaaa, er lebt noch, er lebt noch, er lebt noch. Nur sein Webmaster (der Verfasser dieses Beitrags, ihr wisst schon) hatte in der letzten Zeit irgendwie nicht die richtigen Eingebungen, die harte Arbeit im Proberaum für die Fans der Combo transparent und erfahrbar zu machen.

Mit einem Paukenschlag kehrt ANNA1 im kommenden Monat auf die „Bühnen der Region“ zurück. Und auch wenn die ersten beiden Gigs der „European Mini-Tour“ mit dem Vermerk „Geschlossene Gesellschaft“ versehen sind, hat es eine solche Anhäufung von Gastspielen seit mindestens 15 Jahren nicht mehr gegeben. Immerhin präsentieren wir zwei völlig neue Stücke und eine runderneuerte Version des alten Heulers „So Low“. Ich wette, dass keine Sterbensseele innerhalb der überschaubaren Leserschaft von „Just Skidding“ die Uraufführung dieses Stücks bei jenem berüchtigten Sommerfest des Kinderheims Branderhofer Weg miterlebt hat. Seitdem hat sich viel geändert und auch irgendwie gar nichts. Klar, der Sänger wog 30 Kilo weniger, aber gegen Ende des erwähnten Auftritts wurde zum ersten Mal das Erscheinen der Polizei angekündigt, so wie es inzwischen fast immer geschieht, wenn die ANNAs auf der Bühne stehen.

Also, wir werden unser Bestes geben, die Bandkasse plündern, um noch ein paar Monitorboxen anzuschaffen und noch ein bisschen lauter und klarer rüberzukommen, das sind wir uns schuldig. Hiermit lade ich alle zum großen Finale unserer „Anthracite June“ -Tour, dem öffentlichen Auftritt am 29. Juni in Eupen ein. Genauere Infos folgen noch. Stay Tuned!

Note to self: Kalle mit Kennwörtern, Admin sei Dank. Musik: The Locust, Murder by Numbers, TangoX, Architects, John McLaughlin, Al Di Meola, Paco de Lucia.

Chapeau Annette,

und Glückwunsch zum neuen Posten: Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland am Heiligen Stuhl. Mag dieser Posten eine hochgebildete Karrierefrau wie Sie, Frau Schavan, auch nicht ausfüllen, immerhin ist er ganz gut dotiert und die Beiträge für Ihre Altersversorgung dürften auch üppig ausfallen und einen auskömmlichen Ruhestand garantieren. Und ist es nicht schön zu wissen, dass ihre ehemalige Chefin und Busenfreundin Angela Merkel sich im geeigneten Augenblick Ihrer erinnert hat und Ihnen das lukrative Pöstchen zugeschanzt hat, obwohl Sie gar nicht die Zugangsvoraussetzung für den auswärtigen Dienst erfüllen. Und das GroKo-Kabinett hat mit Freude zugestimmt, was nicht verwundern kann angesichts der Tatsache, dass die Sozialdemokratie in Deutschland mit dem Kabinett Schröder II ihr Rückgrat verloren und bislang nicht wiedergefunden hat.

Tja, wenn eine ergaunerte Promotion eine grundständige ist und der Betrug auffällt, dann ist man im Normalfall arm dran. Aber Ihr Beispiel, liebe Annette, wird alle die hoffnungsfroh stimmen, die ebenfalls nur das Abitur aber keinen Berufsabschluss geschafft haben. Und wenn man mit Abitur sogar Botschafterin werden kann, dann sollte ich vielleicht auch mal bei der Bundeskanzlerin vorsprechen, denn im Unterschied zu Ihnen, verehrte Annette, habe ich sogar einen akademischen Grad, das müsste dann eigentlich aus dem Stand zum Staatssekretär reichen.

Sicher Annette, so ein lukratives Amt ruft Neider auf den Plan, das ficht Sie sicher nicht an. Aber vielleicht fassen sich jetzt ein paar mehr Menschen an den Kopf, die bei der letzten Wahl ihr Kreuzchen bei der pseudochristlichen Patronatsgesellschaft gemacht haben. Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Irgendwann hat es sich ausgemerkelt.

Note to self: Rechner am Fließband, flupper. Musik: Aborted, Austin Lucas, Ellbow, The Locust.

La Rochette

LR1

Die Wikipedia weiß, dass die Ardennen Teil des rheinischen Schiefergebirges sind und ihre bewaldeten Höhenzüge ohne sichtbare geographische Grenze nach Osten in die Eifel übergehen. Warum also in die Ardennen fahren, wenn doch die Nordeifel fast in fußläufiger Entfernung liegt? Nun, die Antwort lautet „Tapetenwechsel“ und so nötig wie vor dem langen Wochenende habe ich ihn, glaube ich, noch nie gebraucht.

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Und was macht man so in den Ardennen? Nun, man schläft ziemlich lange, frühstückt sehr ausführlich, dann geht man wandern, durchstreift die Nachbarschaft, sucht Holz fürs Feuer, legt sich in die Sonne, schaut in den Live-Stream von der Snooker-WM in Sheffield und lässt die Seele baumeln.

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Abends wird fantastisch gekocht und groß aufgetischt: Spargel mit Schinken, Raclette, Mixed Grill und Bolognese a la Schwan. Dazu gibt es Wein aus Spanien, Bier aus Bitburg, Wodka aus Russland und wenn die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, kommt es zur intensiven Verkostung von Brennereiprodukten aus dem schottischen Hochland und aus Irland. Bis spät nachts sitzt man am Lagerfeuer, dessen meterhohe Flammen gegen die Kühle aus den Bergen kämpfen und der Geruch von verbranntem Kirschholz bleibt in den Klamotten hängen und hält sich bis nach Hause.

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Die Ourthe ist quasi omnipräsent: Als ruhiger kleiner Fluß auf dem Weg von Lüttich nach Süden und als größerer Bach beim Zusammenfluss in La Roche en Ardenne, ein im Grunde winziges Nest mit einer enormen Burgruine und einer noch enormeren Kirche, wo die Kanuten aussteigen und schieben müssen. Und da schließt sich der Kreis, denn La Roche kommt genau so rüber wie eine typische Touristenfalle in der Eifel.

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Wer „Ardennen“ hört, dem fällt häufig direkt noch ein angehängtes „-offensive“ ein. Tatsächlich wurde die Burg in La Roche erst während dieser höchst überflüssigen Veranstaltung von der deutschen Wehrmacht schwer beschädigt und ist nicht zuletzt deswegen ein nationales belgisches Symbol. Und wenn man am Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt vorbeikommt, dann kann man fühlen, wie sehr das Land zwischen Dinant und La Roche, zwischen Ypern und Arel darunter gelitten hat, von zwei europäischen Großmächten eingekeilt zu sein und ständig überrannt zu werden.

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Als Jugendlicher aus dem Dreiländereck mochte ich eigentlich die Niederländer lieber, ihre aufgeräumte evangelische Art, ihre zupackende Offenheit und Weltgewandtheit. Inzwischen neige ich eher den Belgiern zu, bin begeistert von ihrer katholischen Sinnlichkeit, die keinen Genuss auslässt und ihre eigene Verschrobenheit feiert. „Tres belge“ bedeutet auch „sehr gemütlich“.

Note to self: Kurt tragen war leichter als gedacht. Musik: Austin Lucas.