Lohn der Angst

Der große Kanton im Norden spricht über die Schweiz. Etwa ein Drittel der Schweizer fürchtet sich so sehr vor weiterer Einwanderung, dass die SVP mit ihrer Abstimmungsvorlage gewonnen hat. Wahrscheinlich würde das Ergebnis in jedem einigermaßen wohlhabenden Land in Europa in etwa dem schweizerischen entsprechen. Und alle, die jetzt mit dem Finger auf die Eidgenossen zeigen, blenden das aus, was im Mittelmeer und an der griechisch/türkischen Grenze passiert.

Wären wir allesamt nur ein bisschen ehrlicher, würden wir zugeben, dass Menschen sich kaum wirklich solidarisch verhalten wollen und vom eigenen Wohlstand zugunsten der allgemeinen Wohlfahrt nur ungern abgeben. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass völlig ausgeblendet wird, dass der Wohlstand zu einem erheblichen Anteil auf der Ausbeutung der Arbeitskraft und natürlichen Ressourcen der Unterprivilegierten beruht. Sei es, wie es sei: Wer etwas zu verlieren hat, der bekommt es mit der Angst zu tun, und je mehr er zu verlieren hat, umso größer wird die Verlustangst. Und natürlich wird das gerne ausgenutzt.

Die professionellen Angstmacher erleben zurzeit einen gewaltigen Aufwind: Wilders, Le Pen, FPÖ und die AfD werden wahrscheinlich bei der kommenden Europawahl einen epochalen Sieg einfahren. Eigentlich versuche ich ja die anonymen Meinungsäußerungen in Webforen nicht mehr zu lesen, wo sich sehr laute und zum Teil erschreckend dumme Menschen auskotzen, aber wenn ich es doch ab und zu mache, dann finde ich es doch zutiefst beunruhigend, wie heftig das Pendel zurzeit auf die Seite der rechtskonservativen Nationalisten schwingt.

Xenophobie ist ein in der menschlichen Seele zutiefst verankerter sozialpsychologischer Mechanismus. Er kann nicht beseitigt, aber seine Folgen können abgemildert werden. Das gelingt umso besser, je mehr das Fremde zum Eigenen wird. Welches Kalkül verfolgen wohl die Populisten, die genau das verhindern wollen? Und worin besteht wohl der Lohn der Angst, die diese Leute beständig schüren? Eine ehrliche Antwort auf diese Fragen lässt es uns kalt den Rücken herunterlaufen.

Note to self: Frauke Petry, das Grauen hat einen Namen. Musik: Fallujah, Behemoth, SATOSA.

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