Wütende Frauen

Joachim Kardinal Meisner kann wahrscheinlich nicht mehr schlafen, seit eine Aktivistin von Femen während einer Weihnachtsmesse im Kölner Dom barbusig auf den Altar sprang und per Bodypainting kundtat, dass in Wirklichkeit sie Gott sei. Fast gleichzeitig verkündeten die nunmehr aus dem Straflager entlassenen Mitglieder der „Punkrockband“ Pussy Riot, dass sie eine politische Zusammenarbeit mit dem ebenfalls frei gelassenen Alexander Chodorkowskij anstreben bzw. sich von ihm sponsern lassen wollen. Von neuerlichen „Punk-Gebeten“ in russischen Gotteshäusern war zunächst nicht die Rede. Insofern kann man schon von einer erzieherischen Wirkung des überharten Urteils wegen Rowdytums ausgehen. Dazu später mehr. Vorerst lässt sich folgendes festhalten: Wütende junge Frauen beherrschen die Schlagzeilen zum Jahreswechsel. Nimmt man noch Frau v.d.Leyens Feldzug nach Afghanistan, das derdiedas-Blog bei der Süddeutschen und die Entgleisungen einer Annette Ramelsberger, ebenfalls in der Süddeutschen hinzu, dann kann man allen männlichen Mitgliedern des Establishments nur dazu raten in den kommenden Wochen den Kopf zwischen die Schultern zu nehmen und sich warm anzuziehen.

Moderne Suffragetten machen keine Gefangenen: Die Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts, Ingrid Schmidt, hat sich für eine gesetzliche Frauenquote auch im öffentlichen Dienst ausgesprochen. Im Wortlaut: „Solange es so ist, dass Frauen vor allem bei öffentlichen Arbeitgebern in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, wird eine solche Quote gebraucht“. Was ich mich dann immer frage: Wenn das obige „Solange“ nicht mehr gilt, also die angestrebte Quote an Quotenfrauen erreicht ist, gilt dann die Quote umgekehrt auch für Männer? Können wir uns darauf einigen, dass bei Kindergärtnern und Grundschullehrern ein katastrophales Missverhältnis von Frauen und Männern vorliegt und zwar mit katastrophalen Auswirkungen für unsere Gesellschaft? Dazu würde ich gerne mal etwas hören. Und ebenso würde ich gerne mal über Frauenquoten bei Kopfschlachtern, Müllarbeitern, Kanalarbeitern, Gerüstbauern und Tiefbauern sprechen. Schwestern, da geht noch was!

Aber zurück zu unseren erbosten Aktivistinnen: Folgendes finde ich extrem bezeichnend und auch entlarvend für die üppige Berichterstattung über Femen und Pussy Riot: Das Primat der selbstgewählten Sexualisierung. Was meine ich damit? Nun, es ist ein offenen Geheimnis, dass bei Femen lange nicht jede Frau sich die Klamotten vom Leib reißen darf, um zu protestieren. Es gibt so etwas wie einen ästhetischen Mindeststandard. Merkwürdig, oder? Merkwürdig auch die Rolle von Viktor Swjatski. Die passt ganz und gar nicht zu einer Organisation, die das Matriarchat einführen und das Blut der Männer fließen sehen will. Für Pussy Riot gilt ähnliches. Man vergleiche mal die Zahl der Google-Hits für Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Maria Aljochina. Tolokonnikowa wurde als Sprachrohr der Band hochstilisiert, nicht weil sie am meisten zu sagen hatte, sondern weil sie attraktiver als die beiden anderen Verurteilten ist. Sex sells und Sex bringt Sendezeit. Und wenn es für eine gute Sache ist, dann bedient frau sich eben der Mechanismen, von denen sich keiner freisprechen kann, weil sie wirksam sind seit wir wohlbehaart in den Bäumen gehockt haben.

Noch ein abschließendes Wort zu den gewählten Protestformen, geschrieben von einem antireligiösen Agnostiker: Auch wenn man die religiösen Gefühle seiner Mitmenschen nicht nachvollziehen kann, so sollte man trotzdem die armen Verwirrten in Ruhe machen lassen. Das gehört sich einfach so. Und die, die sich nicht daran halten, haben eine gerechte Strafe verdient, zum Beispiel ein halbes Jahr lang täglich die Kirche durchfeudeln, dann ist es aber auch gut.

Note to self: Rührend, wirklich! Musik: Jahressampler 2013, Alin Coen Band.

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