Spalter und Rosinenpicker

Sie machen ernst: Den Schotten reichen kulturelle Selbstbestimmung und ein eigenes Parlament nicht aus. Die zurzeit regierende SNP möchte sich weitgehend aus dem Vereinigten Königreich verabschieden, wobei die Queen aber Staatsoberhaupt bleiben soll. Ja, sie sind merkwürdig drauf auf der Insel.

Besonders lustig sind die Reaktionen der Spiegel-Foristen: Neben den durchschnittlichen Euro-Hassern, die auch diesmal unter ihren Steinen hervorkriechen, fallen vor allem Bayern auf, die die Abspaltung des Freistaats von der restlichen Bundesrepublik fordern. Des is a Gaudi, gell! Unisono wird ins Horn der regionalen Selbstbestimmtheit und kulturellen Identität gepustet, schnell solidarisiert man sich mit Katalanen, Flamen, Basken und Südtirolern. Eine Rückkehr in die vormoderne Kleinstaaterei, aber warum nur?

Die Spalter sollten ehrlich sein. Kulturelle, stammesgeschichtliche, sprachliche, religiöse und sonstige Gründe für ein besonders starkes, regionales Zusammengehörigkeitsgefühl sind schnell zusammengeklaubt, doch sind sie allesamt vorgeschoben. In Wahrheit geht es darum, dass sich die Separatisten einen wirtschaftlichen Vorteil erhoffen. Um es drastisch zu sagen: Man möchte die weniger wohlhabenden Landsleute nicht mehr mit durchfüttern. In Schottland ist es das Nordseeöl, in Flandern der Hafen von Antwerpen, in Südtirol die Touristen und in Bayern die verfilzte Amigowirtschaft, die sich gegenseitig den Gamsbart streicht. Die wirtschaftlich starken Katalanen zahlen schon immer für die spanische Variante des Länderfinanzausgleichs, die Zustimmung zu den Autonomiebestrebungen war trotzdem immer nur marginal, bis die Krise kam. Was im kleinen Rahmen regelt, bestimmt auch den supernationalen Zusammenhang, oder warum wollen die Isländer seit ein paar Jahren unbedingt in die EU, die Türken zurzeit aber gar nicht mehr so sehr und die Norweger überhaupt noch nie? Aha.

Mir wäre es sehr recht, wenn diejenigen, die mit der Begründung des Schismas so schnell bei der Hand sind, noch einmal in sich gehen würden. Eine Unterdrückung von kulturellen oder ethnischen Minderheiten findet in der EU nicht statt. In schottischen Schulen wird auch gälisch gesprochen, in Katalonien katalanisch, in Flandern flämisch und in Bayern bayerisch (das stimmt wirklich!). Man kann ohne Probleme Sarde, Sorbe, Friese, Baske, Korse, Franke, Bretone oder Waliser sein. Die EU fördert das „Europa der Regionen“ mit zahlreichen Programmen zur Pflege der kulturellen Identität.

Nationalismus und Separatismus sind Ausfluss eines idealisierten Selbstbildes. In einer hochvernetzten Globalwirtschaft ist eine ökonomische Mehr- oder Minderleistung vor allem eines: Für gewöhnlich zeitlich eng begrenzt. Wer daraus versucht identitätsstiftenden Honig zu saugen, wird sich eher früher als später wundern. Die Widerborstigkeit der Schotten mag uns möglicherweise aus dem gleichen Grund sympathisch sein, aus dem man als neutraler Zuschauer beim Fußball immer zum Underdog hält. Römer, Angeln, Sachsen, Wikinger, Normannen und Engländer konnten die Kelten nicht kleinkriegen. Aber das Versiegen des Nordseeöls würde ein unabhängiges Schottland zum Armenhaus Europas machen, und dann?

Note to self: Doch mehr als Essig und Zucker. Musik: Radiohead, Queens Of The Stone Age, Rage Against The Machine, Origin, Decrepit Birth, The National, Primus, Pete Murray.

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Moribunder Spatz

ds

Das Netz ist groß, unglaublich groß, du kannst dir nicht vorstellen, wie groß es tatsächlich ist. Und darin gibt es unzählige Seiten, die sich mit Musik beschäftigen, Myriaden. Unter diesen Seiten sind zahllose, die in erster Linie Metal, Core, Punk und entsprechende Subgenres berücksichtigen. Ein kleiner Prozentsatz dieser Sites gibt auch wenig kommerziellen, ganz merkwürdigen und extrem harten Tonwaren Raum. Und unter diesen wenigen Webseiten gab es eine, die wirklich auch sehr sehr abseitige Musik völlig unbekannter Künstler vorstellte. Diese Webseite nannte sich Deaf Sparrow.

Ja natürlich, es gibt die Seite noch, man kann sie aufrufen und der dann dargebotene Inhalt hat auch immer noch mit Musik zu tun. Aber nicht nur das Design ist neu, die alten Betreiber sind weg, der Blog ist nicht mehr da und auch die alten Reviews der merkwürdigsten Platten und durchgeknalltesten Musiker sind weg. Nicht mal eine Rubrik „Archiv“ gibt es. Dafür werden auf der Leitseite jetzt Werbeflächen vermietet. Es ist einfach zum Heulen.

Noch letzten Monat konnte man beim tauben Spatz Rezensionen lesen, die sich vom Durchschnitt meilenweit abhoben und auch nicht so rüberkamen, als hätte der Verfasser im letzten Monat den Kurs „Kreatives Schreiben“ besucht. Vielmehr handelte es sich meist um komplett spinnerte Kunstwerke. Ich habe einige sehr schöne Vokabeln beim Durchstöbern der Seite gelernt. So wie die Besprechungen und Beurteilungen der Tonträger angelegt waren, konnte man die interessante Erfahrung machen, dass hoch dekorierte Scheiben überhaupt nicht gefielen und verrissene Erzeugnisse sehr gut ankamen, aber immer fand man das wieder, was in der Kritik verhackstückt worden war. So gesehen waren die Besuche auf Deaf Sparrow Anteilnahmen an kleinen intellektuellen Feuerwerken, die jedoch nie aufgesetzt oder blasiert rüberkamen und meinen eigenen Zugang zur Musik heftig entprovinzionalisiert haben.

Im Blog fand man neben schrulligen Beschreibungen von Sci-Fi-B-Movies aus den 80ern und amüsanten Berichten eines wirklich fanatischen Plattensammlers auch launige Beiträge zu etablierten Musik-Magazinen und zum Musikbusiness insgesamt. Und das schönste an der Schreibe: Auch wenn der Schwerpunkt von DS bei Underground-Metal im weitestem Sinne lag, hatte der Betreiber Arcus doch mit der gesamten Metal-Szene, mit Kutten, Nieten und Motorrädern, mit Dosenbier und diesem ganzen erstarrten, sich fortwährend selbst zitierendem Familie am Lagerfeuer-Feeling (Wackennnn!!!!) absolut nichts im Sinn. Sehr schön.

Klar, die neuen Leute bekommen eine Chance, aber ich befürchte das Schlimmste. Zur Zeit findet sich dort die Rezension einer Platte, die ich Ende des Jahres auch noch besprechen werde (Ihr wisst warum) und ganz ehrlich: Das hätte ich besser hingekriegt. Die Kritik ist in etwa auf Metal-Hammer Niveau. Sie suchen Autoren, aber nur solche mit Erfahrungen im journalistischen Bereich. Und genau so liest sich der Mist auch, den sie bis jetzt veröffentlich haben: Hoher Anspruch aber kein Talent. Anarchie, Wahnsinn und Funkenflug war gestern, jetzt gibts Hausmannskost. Schade auch.

Note to self: Third Screener, alles und nix sehen. Musik: Queens Of The Stone Age, Band Of Sculls.

Tricky Trittin Machine

Beim nächstgelegenen Discounter gibt es zwei. Sie sind in einem eigenen, verglasten Kabäuschen untergebracht und haben so ihre Eigenheiten. Das Modell auf der rechten Seite hat einen ganz besonders sensiblen Sensor: Je nach Umgebungslicht, Luftdruck und -feuchtigkeit kann es zur Aufkündigung der Mitarbeit kommen: Die Stopp-Meldung wird angezeigt und „Bitte Personal verständigen“. Das tut natürlich keiner, jetzt mal im Ernst. Denn es gibt ja noch das Modell auf der linken Seite: Insgesamt robuster, auch ein zwei Jährchen älter und eigentlich unverwüstlich. Kenner der Szene reihen sich deshalb stets auf der linken Seite ein, wenn es eine Warteschlage gibt und wenn ich den fortwährend anwachsenden Ereignis-Stichprobenumfang bewerte, dann hat sich dieses Vorgehen bewährt. Ziemlich häufig steigt die „rechte“ Maschine aus und die dort Angestellten müssen sich unter mehr oder weniger lautem Schimpfen auf die andere Seite bewegen.

Heute ist die Situation völlig entspannt. In der Trittinage (so nenne ich besagtes Kabäuschen, auch wenn das Gesetz zur Rückführung von Getränkeeinwegverpackungen vom letzten Kabinett Kohl eingebracht wurde) befindet sich nur eine Recyclerin: Ca. 60, die blondierten Haare hoch toupiert, mit goldenem Brillengestell, etwas zu grellem Lippenstift und mit Kunstpelz. Sie hat offenbar ihre Tasche schon fast entleert, da macht es auch nichts aus, dass die rechte Machine ihre Fehlermeldung bringt und somit ausfällt. Warte ich eben ein paar Sekunden, höre ein bisschen Progressive Rock von „Karnivool“ und beobachte Frau Kunstpelz bei ihrer Verrichtung.

Man kennt das: Die Behältnisse, die beim ersten Mal vom Automaten nicht erkannt und daher wieder ausgespuckt werden, wandern zurück in die Tasche und werden dann am Ende des Vorgangs nochmals verfüttert, doch was Lady Kunstpelz mit ihren Problemflaschen anstellt, das habe ich noch nicht gesehen: (Ziemlich zerknitterte) Flasche rein, im Schacht geht das Sensorlicht an und die Flasche rotiert auf ihrem kleinen Förderband, dann stockt sie und der Prozess beginnt von vorn. Kenner wissen, dass der Behälter nach dem zweiten Versuch wieder zurückbefördert wird und Madame ist offensichtlich eine Kennerin, denn kurz vor der Retoure langt sie blitzschnell in den Schacht und gibt der Flasche einen Schubs, um den Sensor zusätzlich zu stimulieren. Die Trittine beantwortet dieses Vorgehen mit hektischem Flackern, befördert die Flasche weiter nach hinten, zählt aber den Pfand nicht hoch, woraufhin sie erneut zulangt und die Flasche wieder ein Stück nach vorne zieht. Zwecklos, aber diesmal ist die Maschine schneller und wirft den Behälter aus. Frau Kunstpelz lässt sich nicht entmutigen: Diesmal wird die gleiche arme Flasche mit großer Geschwindigkeit in den Schacht gedonnert. Und es kommt wie es kommen muss: Die Maschine macht ein Bäuerchen, das Display vermeldet den Fehler und das wars. Normalerweise übe ich mich in solchen Fällen in Zurückhaltung, diesmal geht es nicht: Ich stöhne leise und packe mir an den Kopf:

fp

Note to self: 20 statt 15, und das Netzteil? Musik: Manic Street Preachers, Megadeth.

Apocalyptic sofa

Was für eine Nacht! Seit ein, zwei Tagen hab ich ziemlich Rücken. Kein Wunder, wenn man sich zu wenig bewegt und zu viel zu bewegen hat. Ach ja. Im frühen Morgen haue ich mich auf die Couch, versuche mich möglichst nicht von einer Seite auf die andere zu drehen, schalte die Glotze ein und gebe mir ZDFinfo. Dort widmet sich eine Dokumentationsreihe unterschiedlichen Katastrophen globalen Ausmaßes, die jeweils zum fast völligen Aussterben allen Lebens geführt haben.

Vor 250Mio Jahren führte die Freisetzung von Fließbasalt aus dem sibirischen Trapp in kontinentalem Maßstab zum Armageddon für 95% der marinen und 66% der terrestrischen Arten. 50Mio Jahre später, am Ende des Trias zerbrach der Superkontinent Pangea und Mega-Vulkane schafften 80% aller Spezies. Der KT-Impact vor 66Mio Jahren, der den Übergang von der Kreidezeit zum Tertiär markiert, dürfte allgemein bekannt sein. Der Krater im Golf von Mexico beeindruckt noch heute und die Dinosaurier waren Geschichte.

Mit geschlossenen Augen und einem halben Öhrchen folge ich den Ausführungen des Sprechers, der mit angenehm sonorer Stimme Schreckliches erzählt. Immer wieder schlummere ich kurz weg und wenn ich wieder erwache, meist mit einem Stechen in der Lendengegend, höre ich Explosionen, das Brodeln heißer Lava und das Prasseln eines kurzen Ausschnitts des jahrzehntelangen Säureregens. Dazu schreien Riesenechsen, Wälder verbrennen mit Knacken und Zischen und das herzerweichende Geröchel der gesamten Megafauna des oberen Pleistozäns rundet das akustische Bild ab.

Die dazwischen liegenden Traumsequenzen sind auch nicht schöner: Da tut sich der Boden unter meinen Füßen auf und rotglühendes Magma quillt hervor. Eine Herde Triceratops flieht das Feuer, das von einem Ende des Horizonts zum anderen reicht und treibt mich dabei vor sich her. Ein Tsunami rollt aus pechschwarzer See und gleichschwarzem Himmel auf mich zu. Und aus dem Off sagt eine Stimme: „Eselchen, Eselchen, ich will dich durch heiß und kalt führen, bis dir Essen, Trinken und alle anderen Geilheiten vergehen.“

Und wieder wache ich auf. Nur ein leichtes Gluckern begleitet das Aussterben der Trilobiten, die Ammoniten sind dann ein paar hundert Millionen Jahre später dran. Als das Licht des frühen Tages in meine Bude kriecht, erwischt es das Wollhaarmammut. Ich schlafe endlich richtig ein. Und als ich gegen Mittag halbwegs erholt aufwache ist nicht mehr Apokalypse, sondern wieder Koalitionsverhandlungen. Und der achte Engel blies seine Posaune; und Nahles und von der Leyen erhoben ihre Stimmen und sprachen: Siehe Wahlvolk, dir ward der Mindestlohn verheißen und so soll es geschehen. Und der Skidman erhob sich und kochte sich einen Kaffee, der sich gewaschen hatte.

Note to self: Wars das schon mit hohem Kieksen? Musik: Mayhem, The National, maudlin of the Well, Neurosis.

Lieber Sigmar

Warum zur Hölle, schaue ich mir die Live-Berichterstattung vom SPD-Parteitag an, wenn auch nur mit einem Auge auf dem „second screen“? Das hat damit zu tun, dass ich unbedingt erfahren muss, wie der Vorstand die bevorstehende Koalition der Grausamkeiten an die Basis verfüttern will. Und dann interessiert mich natürlich, wie stark die „strategische Wende“ , also die Entscheidung, Bündnisse mit der Linkspartei nicht mehr kategorisch auszuschließen, im Plenum thematisiert wird. Vorläufige Zusammenfassung zu 1: Man muss schwammig bleiben, denn man verhandelt ja noch. Versprochen wird eine Menge, gehalten werden muss nix, man verhandelt ja noch. Gabriel, Kraft und Steinbrück geben bekannt als Tiger abgesprungen zu sein. Und ich befürchte, dass sie als Bettvorleger landen werden. Aber die Basis ist begeistert. Überhaupt Steinbrück: Auch wenn mir seine wirtschafts- und finanzpolitischen Vorstellungen viel zu liberal sind, muss man ihm doch bescheinigen, bis zu seiner heutigen Rede, die den Rückzug aus der ersten Reihe bedeutet, stets er selbst und auf Linie geblieben zu sein. Das würde man manch anderem Genossen auch wünschen.

Zu 2: So leidenschaftlich die Ablehnung der Linken in der SPD in den vergangenen Jahren betrieben wurde, die längst überfällige Kehrtwende in diesem Punkt wird von der Partei in merkwürdiger Gelassenheit vollzogen. Ich hatte mit emotionalen Ausbrüchen gerechnet – Fehlanzeige. Und damit wird die jahrelange Verweigerungshaltung als politische Idiotie entlarvt. Nicht weil die Linke die einzige Alternative zum Gewinn einer wirklichen Gestaltungsmehrheit im Bund ist, sondern weil man sich dann der Marginalisierung, die auch diesmal als Ergebnis der Koalition mit dem Kanzlerinnenwahlverein übrig bleiben wird, entziehen kann. Und die politischen Inhalte? Ja mein Gott, Geld ist keins da, die Macht haben die Banken und vor der Hacke ists duster. Also werden sich immer die pragmatischen Wurschtler durchsetzen und die gibt es in allen Parteien. OK, das war jetzt sehr zynisch und zynisch will ich immer weniger sein. Also: Sollten die Linken ihre abenteuerlichen außenpolitischen Vorstellungen aufgeben und die Sozen sich auf ihre demokratisch-sozialistischen Wurzeln besinnen, dann könnte eine rot-rote Zusammenarbeit fruchtbar und ertragreich sein.

Selten hat man die SPD so geschlossen gesehen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, ob man den Trend stoppen kann, der ein erhebliches Gefälle aufweist. Dabei geht es darum, ob die Partei eine neue Identität formen kann mit einem scharfen, konfrontativen, glaubhaften Profil. Die Duckmäuser wird man nicht gewinnen können, die wählen eh alle Merkel. Also Sigmar, lass jucken.

Note to self: Na komm, werd bloß nicht weich. Musik: Keine, Glotze.

Ein krimineller Wurstfabrikant…

… als Spiritus rector, so hat es Kalle Rummenigge – genau, der alte Uhrenschmuggler- gerade bei der Hauptversammlung des FC Bayern gesagt. Wer wollte da widersprechen. Seien wir mal ehrlich: Wenn die Bayern in der Championsleague eine spanische oder englische Spitzenmannschaft verdammt alt aussehen lassen, dann sind wir doch alle begeistert, oder etwa nicht? Angesichts des Tripple-Gewinns in der letzten Spielzeit und eines nochmals gesteigerten Umsatzes herrscht nun in München offenbar allumfassende Seligkeit. Da kann man über die Straftaten eines Aufsichtsratsmitglieds schon mal hinwegsehen. Uli Hoeneß wurde heute mit lang anhaltenden Ovationen gefeiert und bei Rummenigges Rede hat er ein bisschen geweint.

Als Hoeneß dann selbst das Wort ergreift, spricht er davon, dass er ja eine Selbstanzeige verfasst hat, „wie viele andere Bürger in Deutschland“ und da ist sie wieder: Die Selbstgefälligkeit, das mangelnde Unrechtsbewusstsein, die tapsige Wurstigkeit, die so nur ein Uli Hoeneß hinbekommt. Und der Täter will sich zum Opfer machen, als er die medialen Vorverurteilungen und die schwere Zeit für seine Familie beklagt. Auch das bekommt nur ein Uli Hoeneß hin: Die Finger noch in der Keksdose, aber dann schon losheulen.

Hoeneß hat nie gezögert, wenn es darum ging auszuteilen und selbst zu verurteilen. Jetzt stellt er sich auf die Bühne und lahmt rum : „Ich habe einen Fehler gemacht“. Wäre ich Bayernfan, würde ich mich schämen. Was für eine peinliche und selbstgerechte Figur. Und er wird im Amt bleiben, dazu wird die Inszenierung als tragischer Held beitragen, die er heute abgeliefert hat. Widerlich.

Note to self: So einer bin ich nicht Sportfreundin. Musik: Ruins Of Beverast.

Terminal

PB

Es gab kaum eine andere Band, die mich im wörtlichen Sinne so sehr an der Wurzel fasste. Diese Band gibt es seit heute nicht mehr. Gerade (Sonntagmorgen 2:33Uhr) komme ich vom allerletzten Konzert von Parajubu nach Hause zurück. Im Grunde kann ich es immer noch nicht fassen.

Sicher, die einst vielversprechendste Kapelle aus Aachen ist bereits seit einigen Monaten Geschichte. Man hatte sich eben getrennt, wie das in so vielen Formationen vorkommt, allerdings gab es keine offizielle Verlautbarung und eben auch kein Abschiedskonzert. Das wurde heute nachgeholt, in kleiner Runde im Gehirnstürm-Raum.

Es steht mir nicht an über die Motive, oder gar die Schuld einzelner Mitglieder am Auseinanderbrechen der Combo zu spekulieren, deshalb will ich das auch nicht tun. Man sieht am Schicksal von Parajubu, wie schwierig es ist, sich mit sehr anspruchsvoller, nicht am Massengeschmack orientierter Musik am Kacken zu halten, selbst wenn diese Mucke von charismatischen und in jeder Beziehung vorzeigbaren Menschen präsentiert wird, deren musikalisches Können über jeden Zweifel erhaben ist. Das Produkt von Parajubu war aus meiner Sicht absolut einzigartig, es gibt keine andere Band, die eine derart spannungsreiche Gratwanderung von anspruchsvoller Rhythmik, kompositorischer Reife und unglaublicher Emotionalität in einen weiten dynamischen Bogen fassen konnte.

All das ist nun Geschichte. Als letzte Zugabe spielten sie eine Ballade, die auch beim allerersten Auftritt, seit dem aber nicht mehr zur Aufführung gebracht wurde. Ehrlich gesagt habe ich das eine oder andere Tränchen nicht verdrücken können. Und auch die zahlreichen Bierchen, die vorher und danach flossen, konnten die Bitterkeit nicht wirklich abmildern.

Note to self: Zu blöd fürs Online-Porto, wer nicht klicken kann, muss zahlen. Musik: Parajubu.