The art of bulldozing

BCS

Zu den Wünschen, die alle Menschen, die den Besitz des neusten Smartphones nicht für den Gipfel des Daseins halten, teilen, dürfte das zwischenzeitliche Verlangen gehören, aus Brooklyn zu stammen. Diese Stadt in der Stadt hat in so vielen mehr oder weniger guten Filmen als Kulisse gedient, dass fast jeder sein eigenes Leben zwischen zärtlicher Verschlagenheit, abgefeimter Brutalität, bedingungsloser Loyalität und nackter Angst als photorealistisches Gemälde vor eben dieser Kulisse für sich selbst erzählt und verstehbar gemacht haben möchte. OK, schon gut, zum Thema dieses Artikels:

Unter den Ängsten, die alle Führer kleinerer Wasserfahrzeuge teilen, dürfte diejenige besonders prominent sein, von einem Supertanker mitschiffs getroffen und in Sekundenfrist versenkt zu werden, ohne dass die Besatzung des Supertankers auch nur das geringste Erzittern der eigenen stählernen Hülle mitbekommen hätte. Die Vorstellung auf der Brücke eines Supertankers zu stehen, der wegen der grobfahrlässigen Fehlberechnung des eigenen Bremswegs oder Wendekreises unaufhaltsam einer Pier oder einem Containerfrachter zustrebt, löst ganz ähnliche Beklemmungen aus. OK, schon gut, zum Thema dieses Artikels:

Batillus kommen aus Brooklyn und haben sich in den vergangenen Jahren einen Namen als beachtenswerte Band aus dem musikalischen Ostküstenuntergrund gemacht. Seit ein paar Tagen liegt ihr zweites Album „Concrete Sustain“ vor, zwei Jahre nach dem Full-Length-Debut „Furnace“. Die frühen Veröffentlichungen der ehemals dreiköpfigen Formation enthielten instrumentalen, minimlistischen Doom-Metal, neben der ersten EP (st) ist besonders der 1-Track-Release „Tunguska“ aus dem Jahr 2009 zu beachten. Seit 2011 präsentiert man sich als Quartett mit Gesang, Synths und Samples und hat das Etikett Industrial-Doom verpasst bekommen.

„Concrete Sustain“ ist aus mehreren Gründen eine beachtenswerte Platte. Einerseits ist die gemeinsame Grundstimmung aller 6 Tracks wirklich unfassbar düster und melancholisch, andererseits umfasst das Album ein vergleichsweise großes Spektrum an Tempi, Rhythmuswechseln und dynamischen Brüchen, die Monotonie aus den Anfangszeiten der Band ist einer spannungsgeladenen Forschungsreise in die Weiten jenseits des traditionellen Dooms gewichen. Wenn im Brachialsound hin und wieder Kirchenmusik, Rock’nRoll und der CrossOver der 90er ganz zart durchschimmern, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Dazu kommt, dass die atmosphärischen Beiträge vom Keyboard inzwischen nicht mehr als aufgesetzte Gimmicks, sondern stimmige Abrundungen daherkommen.

Weitere Gründe die Platte zu lieben sind der Bass-Sound am Anfang von „Rust“, der Schlagzeugsound bei „Beset“ und der Gesang im letzten Track „Thorns“. Aus dieser Aufzählung geht auch hervor, dass „Concrete Sustain“ eine ganz schön verbastelte Angelegenheit ist: Ich weiß nicht, wie lange die Kapelle an diesem Werk herumgetüfftelt hat, aber es gibt keine zwei Tracks, bei denen etwa der Schlagzeugsound genau gleich ist. Das sind genau die liebenswerten Verschrobenheiten, die auf einem Release eines Major-Labels natürlich nie zu finden wären. Batillus werden nie ein größeres Publikum für sich gewinnen, dazu ist ihre Musik viel zu kompromisslos und verstörend, eben so wie ein Supertanker, der an einem dunstigen, ganz frühen Morgen unbeirrt und ungebremst auf das Ufer des East River zuhält. Die perfekte apokalyptische Vision.

Note to self: Gegen Ende der Party. Musik: Batillus.

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Wenn der Kreis sich schließen will

RC

Man sagt uns Deutschen nach, dass wir Weltmeister der Mülltrennung und Wiederverwertung seien. In einem Land, wo dem Inhalt gelber Säcke mit einer Art Müllpolizei nachgespürt wird, Einwegbehältnisse mit einem Pfand belegt sind, der höher ist als der Preis des trinkbaren Inhalts und die Zahl, Farbe und ordnungsgemäße Beschickung der Abfallbehälter Gäste aus dem Ausland zur Verzweiflung treibt, geht es wahrscheinlich auch nicht anders. Wer sich dem Gipfel der Absonderlichkeiten beim Thema Entsorgung nähern möchte, der postiere sich an einem Samstagvormittag an der Zufahrt eines durchschnittlichen Recyclinghofs.

Genau dieses Vergnügen habe ich mir eben gerade gegeben. Noch bevor man der Einfahrt zum Gelände aller Köstlichkeiten ansichtig wird steht man. Und zwar im Stau, bzw. im zähfließenden Verkehr. Und zwar länger. Die typische Kombi besteht aus einem Kombi mit einachsigem Hänger, auf dem ein stattlicher Grünzeughaufen transportiert wird. Und man sieht anhand der Nummernschilder, dass etwa jeder Zweite aus dem Kreis, nicht aus der Stadt kommt. Der Hintergrund ist folgender: Viele Gemeinden im Kreis, also im ländlichen Umfeld, nehmen Gartenabfälle zwar an, aber nur in lächerlich kleinen Säckchen und diese offiziellen Grünzeugsäcke werden für ein Heidengeld verkauft. Besitzer eines typischen dörflichen Grundstücks würden sich arm recyceln, wenn sie in der eigentlich vorgesehenen Weise verfahren würden. So packen sie den Grünschnitt lieber in etwas größere Gebinde zusammen, fahren zwischen 35 und 65 km zum Stadtrand und stellen sich am Wochenende in die Schlange vor dem RC. Jetzt rechnen wir mal die Verbräuche der ganzen Autos der ganzen weitgereisten Entsorger zusammen und kommen auf eine albtraumhafte Zahl an Kilogramm CO2/Samstag.

So verbissen der Gesichtsausdruck vor der Einfahrt auch ist, hat man erstmal sein Scherflein zu den babelhaften Grünzeugtürmen beigetragen, sein Eimerchen mit Bauschutt entleert, ein paar Elektrogeräte in die Gitterboxen geworfen, dann wird man des katharsischen Elements der Gesamtveranstaltung teilhaftig. Früher ging man zur Beichte, schwang im stillen Kämmerlein die Bußgeißel, oder brach nach Santiago de Compostella auf. Unser Pilgerziel „Gabco de Kompostella“ ist einfacher zu erreichen, doch ähnlich groß ist die Erleichterung der geplagten Seele, wenn man einen Teil der ehemaligen Konsumsünden und Biomasseüberschüsse losgeworden ist. Ja, wir Menschen sind seltsame Tiere.

Note to self: Thermophile Fassadendichtung, Hauptsache um 7 Uhr aufgestanden. Musik: Kreator, Kings Of Convenience, Ulcer.

Wem Deutschland gehört

MC

„Die Frauen werden immer unwichtiger werden, die Männer unwichtig bleiben.“ So schreibt Heinz Rudolf Kunze in seinem Text „Mehr von dir“, der doch offenbar größeren Eindruck bei mir hinterlassen haben muss, da ich ihn hiermit zum dritten Mal in diesem Blog zitiere. Bei der gestrigen Debatte im Bundestag zum Thema Frauenquote konnte man vor allem eins lernen: Der Zusammenhalt in der parlamentarischen Schwesternschaft funktioniert nicht so richtig. Hätten die Mädels an einem Strang gezogen, dann hätten sie die Quote haben können, sie wollten sie nicht, jedenfalls nicht so, wie im Gesetzentwurf des Bundesrates niedergeschrieben. Schade, dass Frau von der Leyen ihren selbst verordneten Maulkorb bis zum Schluss anbehielt, hätte mich wirklich mal interessiert, mit welchen pseudologischen Korkenzieherformulierungen sie ihr „Nein“, das doch eigentlich ein „Ja“ sein will, unterlegt hätte. Dazu gab es jedenfalls von der Frauenunion und auch von der Bundesfrauenministerin einige schöne Beispiele.

Sehenswert war außerdem, wie unsere Bundeskanzlerin selbst besagter Frauenministerin nach doch sehr mäßigem Vortrag zusprach und den Rücken stärkte, ganz matronenhafte Suffragette. Das ist vielleicht das Geheimnis der Bundesmerkelin: Sie ist schon einen Schritt weiter. Wer es meisterlich wie sie versteht der Macht nachzuspüren, ihre Schwingungen zu antizipieren, Witterung aufzunehmen und die Stellung auf dem Hügel entschlossen zu verteidigen, der braucht keine Quote. Wer nicht zu fassen ist, lässt sich von keiner „gläsernen Decke“ aufhalten. Angela Merkel, die CDU und das Bundeskabinett, im Grunde ist das eine Fabel vom kalt berechnenden Ellenbogenmädchen, das bei Bedarf ganz locker die Männer abschüttelt, die sich allzu heftig in seinen Rockzipfeln verbissen haben.

Irgendeine Form der Quote werden wir wohl bekommen, möglicherweise die gestern beschworene „Flexi-Quote“ (Das klingt wie ein besonders fies zusammengewürfelter Tarif bei einem unseriösen Telekommunikations-Anbieter). So sei es. Angela wird es egal sein, sie hat den Schalk im Stiernacken.

Note to self: 25? Ja, macht nur. Musik: Incubus, In Extrem, Red Hot Chili Peppers.

Reise nach Jerusalem

Kennen wir doch noch alle aus dem Kindergarten: Sobald die Musik aufhört, sucht man sich einen Stuhl, der letzte steht dumm da. Genau so ein merkwürdiges Spiel hatte das OLG München jüngst anlässlich des NSU-Prozesses gespielt. Die Akkreditierung der Prozessbeobachter hatte aber wohl unter nicht ganz astreinen Umständen stattgefunden, so als hätte man einigen Spielern bei der Reise nach Jerusalem schon vor dem Ende der Musik ein kleines verstecktes Handzeichen gegeben. Irgendwie auch klar, dass die stuhllosen Benachteiligten beim Bundesverfassungsgericht Protest einreichten, denn in Karlsruhe sitzt ja bekanntlich der gesunde Menschenverstand unseres Gemeinwesens.

Die Entscheidung des BVG ließ denn auch an Pragmatismus nichts zu wünschen übrig: Drei weitere Plätze sollten im Losverfahren oder nach der Reihenfolge der ursprünglichen Bewerbungen an ausländische Medienvertreter vergeben werden, nichts einfacher als das. Man hätte auch einfach das OLG dazu verpflichten können aus dem ursprünglich vorgesehenen Saal in die nächste freie Mehrzweckhalle umzuziehen (und wer jetzt an die so genannte „Mehrzweckhalle“ in Stuttgart-Stammheim gedacht hat, der bekommt ein Sternchen in jüngere deutsche Geschichte). Zwar wäre ein Fleckchen übrig geblieben, da der Fehler nun mal gemacht war…

Nun aber wird tatsächlich ein ganz neues Sitzplatz-Vergabeverfahren durchgeführt, der Prozessbeginn ist um zwei Wochen verschoben. Die Angehörigen der Opfer, die bereits Flüge gebucht, Urlaub genommen oder bereits angereist sind, gucken in die Röhre. Im SPON wird schön ausgeführt, dass nun diejenigen, die ursprünglich einen Platz hatten, nun aber keinen mehr erhalten, ebenfalls nach Karlsruhe ziehen könnten. Die nächste Stufe beim possenhaften Stühlerücken scheint bereits eingeläutet.

In Deutschland wurden zwischen 2000 und 2006 9 Menschen durch Terroristen ermordet, Ermittlungsbehörden und Dienste versagten auf der ganzen Linie, die Politik hat es bis heute nicht geschafft die Schreibtischtäter zur Verantwortung zu ziehen, tatsächlich ist völlig offen, ob der größte Skandal in der bundesrepublikanischen Verbrechensgeschichte jemals zufriedenstellend aufgeklärt werden kann, nun geben uns auch noch Richter dem Spott der Welt preis. Was für ein Staat, es kotzt mich an.

Note to self: Fürsorge zeigen, abgekanzelt werden, richtig geil. Musik: Kadavar, Milking The Goat Machine, Ben Howard.

Die andere Krise

Gell, hört man Krise, muss man unweigerlich an Banken, Börsen, Anleger, Immobilien und Staatshaushalte denken. Entspannt Euch, in diesem Beitrag geht es um eine andere Krise: Die Krise der IT-Industrie. Im ersten Quartal 2013 sind ca. 14% weniger PC abgesetzt worden, als im vorherigen Berechnungszeitraum. Die Branche ist ratlos, wie kommt das nur? Ich versuche mal eine Antwort aus meiner bescheidenen Sicht als IT-Supporter. Hach, endlich mal ein Computer-Beitrag ohne Apple-Bashing (Denn Apple konnte die Verkaufszahlen in etwa halten).

Die Endlichkeit des Hardware-Mythos
Bis vor ein paar Jahren war es tatsächlich so, dass der ambitionierte Anwender sich alle 2, 3 Jahre einen neuen Rechner zulegte, um einigermaßen up to date zu sein. Und tatsächlich überzeugte die Leistung des neuen Boliden nicht nur beim Zocken von neuen Spielen, sondern z.B. auch beim Starten des Browsers. Das hat sich gründlich geändert. Der Durchschnittsanwender würde sich wundern welch hoher Prozentsatz seiner Brot-und-Butter-Software tatsächlich nicht mal mehrere Kerne der modernen Prozessoren benutzt. Und der Browser startet ungefähr gleich schnell auf einem C2D, C2Q, i3, i5 oder gar i7.

Das Tablett-Dogma
Das letzte heiße Ding der IT-Branche war der Tablet-Computer. Auch wenn jeder professionelle Anwender sich mit Grausen abwendet, bieten die Geräte für viele Menschen, die nur surfen, mailen, Bilder gucken und Musik hören ein entspanntes und betastbares Computererlebnis. Für die Marktforscher und Controlfreaks boten die Handschmeichler zudem die Möglichkeit die Software zentral zu vermarkten und das Raubkopieren im Grunde unmöglich zu machen. Die Leute mochten es und viele kauften sich erst mal kein neues Laptop. Siehste.

Das dialektische Windows-Desaster
Der Kundschaft verklickern, dass das neue Betriebssystem viel viel besser ist als der Vorgänger, das schafft nur noch Apple. Microsoft versucht es zwar auch immer wieder, muss aber inzwischen einsehen, dass fast genau jede zweite Version von Windows ein Ofenschuss ist und zwar schon länger:

Windows 3.11: klicken, geil!
Windows 95: peinlich
Windows 98: geht doch
Windows NT4.0: ab Servicepack 4 einigermaßen erträglich
Windows 2000: brauchbar
Windows ME: überflüssig
Windows XP: wirklich gut
Windows Vista: grottig
Windows 7: gar nicht schlecht
Windows 8: hör mir auf

Bei Windows 8 wiederholt Microsoft den gleichen Fehler, den Apple auch fast gemacht hätte: Ein Betriebssystem für PC und Laptops wird mit Maus und Tastatur bedient. Jeder Versuch ein OS für Computer so aussehen und bedienbar zu machen, wie ein System für Smartphones ist Kokolores.

Die Party ist vorbei
Früher war ein neuer Computer auch immer ein neues spannendes Spielzeug, ein Reiz an sich. Das ist Geschichte. Inzwischen sieht die ganz überwiegende Mehrheit den Rechner nur noch als Werkzeug. Man will eben Fotos verschönern, Briefe schreiben, Informationen einholen, Einkaufen, Bankgeschäfte erledigen usw. Mit welchem Betriebssystem und welcher Hardware man das tut, ist völlig egal geworden. Die Kiste soll keine Probleme verursachen, da sind wir beim Thema: Inzwischen hat jeder mitbekommen, dass der Umstieg auf einen neues Office oder neues OS erst mal Zeit kostet, statt mit neuen Features Zeit zu sparen.

Das Treiberarmageddon
Einen neuen Computer kaufen und in Betrieb nehmen, das ist doch kinderleicht. Aber dann sind da ja noch die peripheren Geräte vom Scanner bis zum Midi-Interface, von der Videokamera bis zum SW-Laserjet von HP, der zwar schon 500.000 Seiten runter hat, aber druckt wie am ersten Tag (diese Qualität kann man heutzutage nicht mehr kaufen, für kein Geld der Welt, es gibt sie nicht mehr.). Wenn man in Google einen Gerätenamen und das Wort „Treiber“ eingibt, dann bekommt man erst mal 150 unseriöse Seiten an den Kopf geworfen, deren Betreiber mit dem Unglück der Menschen Geld verdienen wollen, denn das Treiberunglück ist eins der größten Unglücke, die in der IT existieren. Wenn ein Hersteller sich dazu entschließt keinen Treiber mehr für das neue System anzubieten, dann kann man das Gerät wegschmeißen. Wie viele Geräte mag das weltweit jeden gottverdammten Tag betreffen?

Also, der Markt ist gesättigt, die Neuvorstellung einer neuen Prozessorgeneration haut keinen mehr aus dem Sessel. Wer etwas aufregend Dekadentes sucht, kauft sich ein MacBook Retina für 2800,- €. Wer das alles hinter sich lassen will, installiert Ubuntu. Zum Gähnen, ah Moment, was habe ich da vor Tagesfrist gelesen:

Apple wird in diesem Frühjahr wahrscheinlich einen neuen Mac Pro vorstellen. Für mich ist das die wichtigste Produkteinführung seit 7 Jahren: Mit diesem Rechner können sie nämlich vieles richtig machen und geraderücken, was sie in letzter Zeit versaubeutelt haben. Oder sie setzen sich so in die Nesseln, wie mit dem neuen iMac. Dann ist es allmählich an der Zeit Apple Lebewohl zu sagen.

Note to self: Mist, doch wieder Apple-Bashing. Musik: Neurosis.

FWD: krasse Scheiße

Naja, wenn man eine E-Mail mit diesem Subjekt erhält, ist man zunächst mal vorgewarnt. Aber der Betreff stimmt, schaut Euch das Video an, am besten in HD und Full Screen:

Google Street View Hyperlapse from Teehan+Lax Labs on Vimeo.

Note to self: Unnötige Zeitverschwendung, aber was tut man nicht alles… Musik: Red Hot Chili Peppers, Rose Kemp, Red Fang, Rolo Tomassi.

Bestgeeignete Löcher

AM

„Der Herr Altmaier, der meint es doch nur gut.“ Genau dieser Ruch haftet unserem Umweltminister an: Schwergewichtige Harmlosigkeit, egal ob er sich beim Thema Windkraft/EEG-Umlage von Rösler vorführen lässt, oder im Endlagerstreit von den eigenen Parteigenossen. Altmaier hat sich vorgenommen mit seinem Endlagersuchgesetz (was für ein Wort) einen Gordischen Knoten mit gewaltigen Ausmaßen zu durchschlagen. Ich glaube nicht, dass ihm das glücken wird. Ich bezweifle sogar, dass dieses Unterfangen überhaupt gelingen kann.

Der Entschluss in Deutschland Atomstrom zu erzeugen ohne ein Endager für hochradioaktive Abfälle zu haben entsprach dem damaligen Zeitgeist. Wollen wir also nicht zu hart urteilen. Immerhin verhalf diese Praxis den Anteilseignern und leitenden Angestellten der Atomindustrie, sich ein goldenes Näschen auf Kosten der Allgemeinheit zu verdienen, warum also damit aufhören. Auch der Versturz von tausenden Fässern in die Asse passte ins Konzept. Das klappt schon…

Dann aber änderte sich was in der Republik und ich meine jetzt nicht die „Republik Freies Wendland“. Mit dem Aufkommen der Grünen (von denen man halten kann, was man will. Ende der Durchsage) wurde irgendwann der Atomausstieg konsensfähig und schließlich von einer promovierten Physikerin festgezurrt (fingers crossed). Auf dem strahlenden Haufen sitzt jetzt der sympatisch hilflose Altmaier und sucht ein Loch, ach was sag ich, er sucht das ultimative Loch. Das Loch aller Löcher.

Es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum der Findungsprozess zum Scheitern verurteilt ist, die wichtigsten:

Keine Regierung eines Bundeslandes wird ihren Wählern verkaufen können, dass das bestgeeignete Gebiet im eigenen Teilstaat liegt.

Es wird keine eindeutige Empfehlung der Geophysiker und Geochemiker geben. Jedes Gutachten wird ein Gegengutachten nach sich ziehen. Eine haltbare wissenschaftliche Aussage für einen Zeithorizont von mehreren hunderttausend Jahren ist nicht zu treffen.

In ganz Mitteleuropa gibt es keinen Ort, der so dünn besiedelt wäre, dass man ein Versagen der Endlagerstrategie in der Zukunft hinnehmen könnte. Wollen wir hoffen, dass das auch so bleibt.

Im Grunde bedeutet das, dass irgendwann das Bundesverfassungsgericht in einem dann nicht mehr anfechtbaren Urteil ein Machtwort sprechen wird. Bei dieser Entscheidung werden weniger fachliche Argumente eine Rolle spielen, sondern nur die Verfassungsmässigkeit des Entscheidungsprozesses. Wir haben eigentlich besseres verdient, werden es aber nicht bekommen.

So, jetzt könnte der Ketzer kommen und sagen: Prima, dann nehmen wir doch Gorleben: Die Eignung ist gründlich untersucht, teuer genug war das Verfahren bis jetzt auch und wenn es nicht klappt müssen unsere Urururenkel den Scheiß halt wieder ausbuddeln. Ich nehme Wetten an, dass es genau so laufen wird. Man wird pro forma ein paar Jahre lang suchen, den schwarzen Peter hin und herschieben und irgendwann im kleinen Kreise einräumen, dass man vor einem unauflösbaren Dilemma steht. Dann können die Einwohner des Wendlands Ernst Albrecht, seinen Kinder und Kindeskindern Filzläuse an die Wasauchimmer wünschen, ändern wird sich nichts mehr. Das nennt man die normative Kraft des Faktischen.

Note to self: Schwereres Ignorieren. Musik: Iron Maiden, The Hives, Hellchild.