Mutatis mutandis?

Die Katze ist ansatzweise aus dem Sack. In einem Artikel zur Situation rund um den Hauptbahnhof werden verschiedene Bauvorhaben beschrieben, um das Viertel aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken. Umbau eines maroden Bunkers in der Kasinostraße? Von mir aus. Südlicher Zugang zum Bahnhof in Kombination mit ICE/Thalys-Haltepunkt? Muss wohl sein. Hotelkomplex/Geschäftshaus in der Zollamtsstraße? Naja, alles was da kommen kann, ist besser als der jetzige Zustand. Bau eines 4-5 geschossigen Wohnblocks auf dem Telekomgrundstück Burtscheiderstraße? Moment, wie? Doch doch, da steht es: Ein Investor aus Herzogenrath will zuschlagen. Puh.

Ich kann es verstehen. Ein Schmuckstück ist die Brache, die sich vor meinem Balkon erstreckt bestimmt nicht, aber ich habe mich daran gewöhnt, an junge Birken, wuchernden Knöterich, abblätternden Putz, herunterhängende Regenrinnen. Damit soll dann also demnächst Schluss sein. Das Projekt muss sich angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in der Kaiserstadt rechnen, keine Frage. Und eine Aufwertung kann das Quartier, das in den vergangenen Jahren mehr und mehr geschlossene Läden und gammelnde Bausubstanz aufwies, sicher vertragen.

Also muss ich da durch? Abbruch, Baufeldberäumung, Aushub, Betonierung, Ausbau, Pflasterung. Das bedeutet sicher 18 Monate Lärm und Schmutz. Wie ich das finde? Scheiße finde ich das.

Note to self: Einfach nicht vorhanden sein. Musik: Breach, Breed 77, Body Count.

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In Stavangers Würgegriff

KM

Als 2010 das Debütalbum von Kvelertak (norwegisch „Würgegriff“) auf den Markt kann, überschlugen sich die Kritiker und das Publikum vor Begeisterung. Und gemeint ist hier durchaus das breite Publikum. Während die meisten Erzeugnisse norwegischer Schwermetallkunst nur Liebhaber halb-mumifizierter Schweineköpfe erfreuen, kann man die Musik des Sextetts aus Stavanger durchaus beim Sommergrillfest des Motorradclubs Kuhle Wampe spielen, ohne Ärger zu riskieren. Um was für Musik handelt es sich? Lange Version: Klassischer Hardrock mit Punk-Elementen, ein bisschen Sludge, Stoner und Jungle, ein bisschen extremeres Geknüppel. Kurze Version: Rock’nRoll. Zum Erfolg der Band tragen sicher die ekstatischen Live-Performances bei, das Cover des ersten Albums wurde vom Sänger von „Baroness“ gestaltet, produziert wurde die Platte von Kurt Ballou, ein wirklich überzeugendes Gesamtpaket.

Aber wie das so ist: Wenn das Erstwerk so unglaublich eingeschlagen hat, stehen die Künstler unter einem gewaltigen Druck diesen Erfolg zu wiederholen und so manche Combo ist an diesem Druck zerbrochen. In aller Kürze: Das neue Album „Meir“ wird den Erwartungen mehr als gerecht. Einerseits schaffen es die Norweger zwanglos an das Debut anzuknüpfen, denn die neue Scheibe ist genau so rotzig und setzt wieder auf die ewigen Mitwipp-Wurzeln des Rock’nRoll. Dennoch sind die spielerischen Ausflüge in Richtung Hardcore und Extrem-Metal, aber auch Radio-Rock mutiger und konsequenter als auf dem Vorgänger und führen zu einer stärkeren stilistischen Spreizung. Da kommen Wandergitarren ins Spiel, Saitenkonstrukte, die an Robert Fripp und Brian Eno erinnern, obertonreiche Abschnitte mit Thin-Lizzy-70ties-Sound. Ganz großes Kino. Damit sind wir dann auch schon bei der Produktion. Was ich von Herrn Ballou halte, habe ich hier ja schon mehrfach geschrieben, er hat sich diesmal fast selbst übertroffen. „Meir“ ist schön cremig, die drei Gitarren türmen sich turmhoch, der Gesang ist genau aufs richtige Niveau zurückgenommen: Schön in der Mitte, aber nicht „auf dem Schoß“. Das Schlagzeug hat genau das rechte Maß an Hall in den Höhen, ist aber untenrum schön knackig trocken. Im Gesamtsound ergibt das eben genau diesen Rasierklingenritt zwischen eisiger Klarheit und erdiger Schwere, den nur Kurt kann.

Note-to-self: Abhaken, beruhigen, zukünftig schlauer sein. Musik: Kvelertak.

Zyprer, Zyprioten und Zypridioten

Also gut, wir wissen natürlich alle, wie die Einwohner dieser großen Insel im östlichen Mittelmeer tatsächlich heißen. Es ist ein bisschen unfair billige Scherze auf ihre Kosten zu machen, wo sie doch gerade von der Eurokrise durchgeschüttelt werden. Ist ja auch nix neues, dass die Weltgeschichte der Insel und ihrer Bevölkerung übel mitspielt: Vor Urzeiten Drehkreuz im Mittelmeer-Bronzehandel, danach entwaldet und im Grunde die erste Industriebrache der Welt, von Hethitern, Assyrern, Ägyptern, Persern, Griechen, Römern, Venezianern und Kreuzrittern erobert, von den Osmanen an die Briten verpachtet, den Russen versprochen, schließlich endlich unabhängig bis griechische und türkische Nationalisten begannen, ihr überwürztes Süppchen zu kochen.

Und jetzt auch noch die so genannte Teilenteignung der Sparer, die neoliberale Kommentatoren und ihre eher linken Pendants gleichermaßen auf die Palme treibt. Ist ja auch nicht schön den eigenen Flocken „schöchen“ sagen zu müssen, aber fangen wir mal von vorne an, also gut, nicht in der Bronzezeit, aber vor ca. 20, 25 Jahren. Das war die Zeit als verschiedene europäische Staaten begannen ihre wirtschaftliche Zukunft im wesentlichen im Finanzsektor zu sehen. Damit die Finanzmenschen ein bisschen Masse zum spielen hatten, wurden die Steuern gesenkt: Irland, Island und eben auch Zypern wurden zu Steueroasen. Die Sache ging schief, wir wissen warum: Wer sein Geschick in die Hände gieriger Ellenbogenmenschen mit verkrüppelter Moral legt, verliert erst jeden politischen Spielraum und ist dann einfach pleite, das Geld ist längst auf den Caymans. Die Isländer mussten die Suppe selbst auslöffeln und die Pleitebanken mangels Alternative Pleite gehen lassen, weil sie nicht in der EU sind, die Irländer ließen sich ein bisschen mit EU-Mittlen helfen, retteten ihre Banken und haben heute die höchste relative Armutsquote in ganz Europa. Und die Zyprer?

Die Zyprer beschlossen, noch ein bisschen weiter auf dem Vulkan zu tanzen. Hatte die EU nicht wahnsinnige Summen in das von Grund auf korrupte, desorganisierte, selbstmitleidige Griechenland gepumpt und somit den dortigen Bonzen und Reedern nicht nur ihren unversteuerten Wohlstand belassen, sondern auch großzügig die Kapitalflucht ins Ausland gestattet? Na also. Die Zyprer nahmen sich vor es genau so zu machen und klopften deshalb bei der EU wegen Hilfszahlungen an, hatten aber zwei Kleinigkeiten übersehen: Erstens stellten sich Oppositionspolitiker in Deutschland zunehmend quer, wenn es darum ging durch weitere Hilfspakete den Wohlstand einiger weniger zu sichern, während die normale Bevölkerung in den Krisenstaaten vor die Hunde ging. Und zweitens bestanden die Einlagen auf Zypern zu einem Gutteil aus dem Geld russischer Oligarchen. Jetzt muss man wissen, dass die Westeuropäer das Geld russischer Oligarchen grundsätzlich für illegaler halten, als das Geld amerikanischer, asiatischer und westeuropäischer Oligarchen. Es ist zwar durch den gleichen selbstzerstörerischen Konzentrationsprozess in die Hände weniger gelangt, aber an dieser Stelle hat der durchschnittliche Deutsche oder Franzose immer noch den kalten Krieg im Kopf (no pun intended!).

So, ich komm zu Potte: Die zyprische Regierung hatte jetzt zwei Möglichkeiten ihren Bürgern zu erklären, dass sich ihr auf den Bankkonten eben nicht mehr befindendes Geld auch wirklich weg ist, weil die Banken noch viel pleiter als pleite sind und deshalb alle zur Kasse gebeten werden müssen: 1) Alle verzichten auf ein bisschen vom Ersparten, die EU gibt den Rest. 2) Der Teil der Anlagen, die aus hochverzinslichen Schuldverschreibungen bestehen, werden realiter zu Beteiligungen an den Pleitebanken umgewandelt (asset swap), die Besitzer der Beteiligung haften im Falle der Insolvenz mit. Aus Anlegern werden Schuldner

Möglichkeit 1 sollte umgesetzt werden, ohne Freibetrag für Kleinsparer. Die Büchse der Pandora sollte geöffnet und die Zyprer zu Zypridioten gemacht werden.

Möglichkeit 2 hätte nämlich bedeutet, dass Großanleger nicht augenzwinkernd 10% abgeschrieben hätten, sondern tatsächlich miterlebt hätten, dass ihre Kohle fast komplett zu Spielgeld geworden ist. Wenn die Banken irgendwann wieder auf die Beine gekommen wären, hätten sich Buchwerte wieder in reale Werte verwandeln können.

Inzwischen sind diese Überlegungen zum größten Teil Makulatur, weshalb ich mich entschlossen habe den ursprünglichen Beitrag zu editieren, was ich normalerweise nie tue:

Gut, das zyprische Parlament ist dem Vorschlag der Regierung nicht gefolgt. Wo soll jetzt die benötigte Liquidität herkommen? Von den Russen? Könnte sein, ich traue es Putin schon zu seine eigenen Steuerflüchtlinge rauszuhauen, würde sich bestimmt für ihn lohnen. Von der Kirche? Tatsächlich, die orthodoxe Kirche hat dem Staat ihr komplettes Vermögen angeboten. Das nenne ich mal Nächstenliebe. Von den Europäern? Ja tatsächlich, einige Zyprer im Parlament und auf der Straße fordern den gesamten Betrag ohne eigene Gegenleistung. Mutig, aber sie könnten sogar damit durchkommen (Wer dann noch Merkel wählt, muss komplett plemplem sein). Vielleicht würde es diesem Ansinnen nützen, die Deutschen dann nicht als Nazis und Imperialisten zu beschimpfen. Vielleicht wird es auch einfach zum Staatsbankrott kommen, Zypern fliegt im hohen Bogen aus der EU und die Sparer sehen von Ihrer Kohle allenfalls eine minimale Garantiesumme. Der gestern in den Straßen von Nikosia gefeierte Sieg war keiner.

Note to self: Immer steilerer Winkel des verpickelten unrasierten Kinns. Musik: Van Morrison, Le Pop, Flowerpornoes.

Wechselversager

If we knew what we were doing, it wouldn’t be research.
(Albert Einstein)

Man muss auch mal verlieren können: Mit Anstand, mit Verständnis für die Spötter, mit einem Rest von optimistischer Wut, die einen beim nächsten Mal nicht schon vorher aufgeben lässt. Ich wollte heute mit väterlicher Unterstützung eine defekte Lampenfassung austauschen und war guter Dinge dies in 5 Minuten, en passant sozusagen, zu schaffen. Es sollte anders kommen.

Bereits als wir den Deckel von der Leuchtstoffröhrenfassung abgenommen hatten und der insgesamt 5 (!) Kabel ansichtig wurden, die den Kasten bunt und verwirrend durchzogen, hätte mir ein Licht aufgehen müssen: Aha, eine Wechselschaltung. Zwei Lampen in Reihe und zwei Schalter. Hätte man sich den Ist-Zustand genau angesehen, vielleicht sogar ein Foto gemacht, dann wäre der gewünschte Sollzustand sicher zu realisieren gewesen:

WS

Richtige Männer® machen aber natürlich kein Foto, vielmehr wird das störende und auf den ersten Blick verwirrende Kabelknäuel erstmal großzügig abgeknipst und entfernt, so wie die alte Lampenfassung, deren Drossel sich durch eindringendes Schmelzwasser und die nachfolgende Einwirkung eines Kriechstroms in ein verkokeltes, stinkendes und bestimmt auch schadstoffreiches, quaderfömiges Etwas verwandelt hat (den Geruch habe ich immer noch an den Pfoten).

Richtige Männer® stehen dann mit der Lampenfassung da und versuchen gedanklich einen Zusammenhang mit den 3 Adern beim Anschluss einer stinknormalen Lampe mit einem Schalter herzustellen. Blöd, aber irgendwie auch naheliegend, schließlich sind sie Richtige Männer® und nicht Richtige Elektriker®. Aha, wir haben einmal Erde, zwomal Schwarz, einmal Braun und einmal Blau. Und das Ganze haben wir dann auch noch zweimal (logisch). Der Mieter steht daneben und grinst sich eins. Und in eben diesem Moment kommt man sich wie ein Bombenentschärfer vor, der vor dem Countdowntimer sitzt und nicht weiß, welchen Draht er durchtrennen muss.

Richtige Männer® kommen selbstverständlich jetzt in die gefährliche Phase, die durch wildes Rumprobieren ohne Nachdenken gekennzeichnet ist:

Experiment 1: Einmal Schwarz und Blau, Ergebnis: nüscht.

Experiment 2: Das andere Schwarz und Blau, Ergebnis: Lampe brennt, lässt sich aber nicht schalten.

Experiment 3 („Warte nur, Bursche, dich schaff ich“-Modus): Zweimal Schwarz sowie Blau und Braun, Ergebnis (na, wer weiß es?) Genau, Sicherung fliegt.

Nach dieser Serie von Fehlschlägen konsultieren dann sogar Richtige Männer® mal die Wikipedia (also einer von beiden, der andere findet Internet und alles, was damit zu tun hat, blöd), um sich dem Geheimnis mit Anleitung zu nähern und finden ziemlich schnell das obige Diagramm. Also Blau ist unser Neutralleiter, Grüngelb der Schutzleiter, bleiben Braun und die beiden Schwarzen. Braun dürfte der Außenleiter (im Diagramm schwarz) sein und die Schwarzen sind die Korrespondierenden Phasen (im Diagramm orange). Das Rätsel ist gelöst, also theoretisch. Analysieren wir die Ergebnisse der Experimente 1-3

1: Neutralleiter und offene Korrespondierende angeschlossen: Kein Stromfluss, auch nicht bei Betätigung des Schalters. Das führt uns direkt zu:

2: Neutralleiter und geschlossene Korrespondierende angeschlossen, ständiger Stromfluss auch bei Schalterbetätigung, also sind die Kontakte im Schalter festgebacken (sonst ergibt auch das Ergebnis von 1 keinen Sinn).

3: Beide Korrespondierende zusammen an einem Kontakt, Neutralleiter und Außenleiter an Kontakt zwei: Kurzschluss an Kontakt 2.

An dieser Stelle besteht ein Teil des Teams drauf, die Angelegenheit in die Hände eines Elektrikers zu legen. Vielleicht besser so. Unverrichteter Dinge packen wir ein, zischen dem Mieter, der immer noch grinst, ein: „Firma XY ist informiert, die Sicherung ist draußen!“ zu und schleichen wie geprügelte Hunde von dannen. Richtige Männer® sind verdammt schlechte Verlierer.

Note to self: Hügel voller Farmen. Musik: Biffy Clyro, Samotrace, Furia, Aluk Todolo, Flash Future.

Im Konklave

Die Sedisvakanz neigt sich dem Ende zu. In ein paar Stunden werden die Kardinäle eingemauert und die Welt wird nur über Rauchsignale erfahren, was sich hinter den Mauern tut. In der Kaiserstadt sind es höchstens heftige Schneeverwehungen, die ein Ausbrechen aus den heimischen vier Wänden behindern, rein mechanisch, aber vor allem psychologisch.

Also, ich habe verloren. Und zwar bei der Campusbahnabstimmung. Da das Nachkarten nichts bringt (die Forumsbeiträge auf der AN-Seite gehen inzwischen schon sehr ins Persönliche), habe ich mir vorgenommen ein guter Verlierer zu sein und die Motive der Ablehner nicht ergründen zu wollen. Vor allem aber werde ich nichts von mir geben, was die Sinnhaftigkeit einer solchen Ratsbürgerentscheidung betrifft. Bei einer Beteiligung über 40% und einer Zweidrittelmehrheit erübrigt sich das. Fahren wir einfach weiter Bus. 72Liter Diesel auf 100Km.

Zu den schöneren Dingen: Am Sonntag habe ich mit der ganzen Familie eine Veranstaltung im Rahmen der lit.COLOGNE besucht. Und zwar eine Lesung/Podiumsdiskussion mit Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Sellou. Wer ist das? Nun, das sind die Menschen die den Publikumserfolg „Ziemlich beste Freunde“ inspiriert haben. Abgesehen davon, dass man sich wieder einmal wünschte, man hätte ab der 7. Klasse Französisch gelernt und nicht an Latein gelitten, war es ein bemerkenswerter, kurzweiliger Abend an dem einige Sätze ausgesprochen wurden, die man im Gedächtnis behalten wird.

ZBFFoto: lit.COLOGNE

Vor allem aber wird man sich an den teils frechen, teils feingeistigen Humor und die entwaffnende Offenheit der beiden Protagonisten erinnern. Da kam sogar der moderierende Frank Plasberg ein bisschen brav und bieder rüber.

Note to self: Anrufen, Mailen, einfach so. Musik: Billie Holiday, Morcheeba, Darkthrone, Steven Wilson.

Fortschritt

S7

OK Aufgabe heute: 2 Desktops und 2 Laptops zusammenbauen bzw. aufrüsten, 4x Installation Windows 7, 4x Installation Treiber und Updates, 4 x Anpassungen Betriebssystem, 4 x Funktionstest. Ein schöner Tag? Naja, sagen wir mal so: Es könnte schlimmer kommen, viel schlimmer. Also hinein ins Vergnügen:

Man versucht natürlich solche Aktionen möglichst rationell anzugehen: Den ersten PC baue ich zusammen, dann kann schon mal die Installation laufen, während ich den zweiten usw. … Es hilft nix, nach 90 Minuten gleicht der Arbeitsbereich einer Sammelstelle für Verpackungsmaterial, irgendwelche Schrauben sind entweder nicht vorhanden, oder in diesem Wust verborgen, oder mir runtergefallen. Habe ich jetzt die Rechnungen aussortiert, oder sind es doch nur die Lieferscheine? Und bei dem Windows-Key, ist das jetzt eine 6 oder ein „G“, was habe ich da notiert? Wieso wird da jetzt ein älterer LAN-Treiber zur Installation angeboten, obwohl ich gerade den neueren manuell verfüttert habe? Warum wird das externe DVD-Laufwerk erst nach einem BIOS-Reset erkannt? Und warum werde ich schon wieder einen guten Teil des Tages damit verbringen auf irgendwelche Rollbalken zu starren?

Da sind wir beim Thema: Der Rollbalken, oder Status-Balken, oder Fortschrittsbalken, oder wie auch immer. Diesen Beitrag schreibe ich nach Abschluss der Hardwarebasteleien, während ein Thin-Client wacker Windows-Updates installiert. Als ich begann, lud er das erste von 106 Updates, jetzt installiert er gerade Nr. 49. Offenbar ist es nicht möglich anzugeben, wie lange die Prozedur noch dauern wird. Bleibt also nur ab und zu einen Blick auf den Rollbalken zu werfen. Bei anderen Vorgängen bleibt man dagegen vor besagtem Balken sitzen. Ich habe mich schon ziemlich oft gefragt, wie viele Stunden meines Lebens ich bereits mit dem Fortschrittsanzeiger verbracht habe.

Einer meiner frühsten Statusbalken ist oben abgebildet: Der Boot-Balken von System 7.6. In der Zwischenzeit sind Balken in 3d-Optik und zusätzlich animierte Balken auf dem Markt, die zwar hübscher sind, aber das grundsätzliche Rollbalken-Problem nicht lösen. Denn eigentlich sollte statt dem Balken ein informativer Text zu sehen sein: „Es dauert noch 17 Minuten, 22 Sekunden, hol Dir einen Kaffee und ein Streuselbrötchen.“ „In den nächsten 4 Stunden, 35 Minuten wird keine Eingabe möglich sein, ziehen Sie die Mittagspause vor und gehen danach eine Runde Spazieren.“ „Heute wird das nichts mehr, pack deinen Kram und mach was Schönes mit deiner Familie.“ Oder eben alternativ: „Das geht flott, bleiben Sie bei mir.“ An dieser Stelle stehen wir wieder einmal vor der Frage, ob Computer wirklich unser Leben erleichtern. Von der so genannten „künstlichen Intelligenz“ wagen wir ja nicht mal mehr zu träumen, bzw. wollen sie nach „Matrix“ gar nicht haben. Aber wie sieht das bei den nichtigen Kleinigkeiten aus, den Basics der EDV?

Wie viele Menschen haben schon vor der Detail-Ansicht im Windows-XP-Explorer gesessen und nicht feststellen können, ob die zu kopierende Datei auf den Datenträger passt, weil für die meisten Menschen die n-te Potenz zur Basis 2 viel schwieriger zu bilden ist als Vielfache von 10? Wie viele Menschen haben sich ihren Kopf über angebliche Fehler in Formeln in Excel zerbrochen, dabei waren es nur unterschiedliche Zeichen für das „Komma“ im angelsächsischen Raum und dem Rest der Welt? Wie viele Menschen sind tagtäglich mit dem Thema „Datensicherung“ konfrontiert und scheitern so kläglich daran, dass global gesehen wöchentlich Millionenwerte verloren gehen?

Das Leben überfordert uns, das ist mal sicher. Warum sollte es sich mit unseren modernen Werkzeugen anders verhalten? Zum Abschluss noch eine Anekdote aus dem harten EDV-Alltag: Im Institut, in dem ich mal tätig war, standen eine Reihe von Sparc-Stations für Studenten in einem abgelegenen Raum. Nun waren diese Kisten von Sun, auf denen eben nicht das damals übliche Windows XP sondern Solaris lief, den meisten Jungingenieuren ohnehin schon suspekt. Sie wurden sehr selten benutzt. Als man sie schließlich abbaute und ausschlachtete, stellte man fest, dass in jedem Gehäuse mindestens eine Diskette lose herumlag. Wie kam das? Nun, man hatte die Diskettenlaufwerke ausgebaut, was von außen aber nicht zu sehen war. Wurde eine Floppy eingeschoben, schloss sich die Klappe und der Datenträger war weg, er erschien auch nicht auf dem virtuellen Schreibtisch. In all den Jahren hat nie ein Student den Verlust seiner Diskette öffentlich gemacht. Merkwürdig, oder nicht?

Note to self: Die WLAN-Sendeleistung? Wieso, warum? Musik: Billie Holiday, Morcheeba, Cof Cof, Les Negresses Vertes.

Die erste

Ganz witzig: Auf SPON erinnert Axel Bojanowski in der Rubrik „Eines Tages“ daran, dass vor ca. 30 Jahren die ersten CDs auf den Markt kamen und präsentiert eine bunte Sammlung nach dem Motto: Meine erste Silberscheibe. Da werden Erinnerungen wach. Und auch die „beigehefteten“ kleinen Geschichten erinnern mich an meine ersten Begegnungen mit der Compact Disk.

Für ein durchschnittliches Schüler-Taschengeld waren ja schon Langspielplatten viel zu teuer. Entsprechend gierig war man auf eine Cassettenaufnahme des begehrten neuen Albums, die man bei einem Freund anfertigte. Meine Stereoanlage hatte das, was damals Standard war: Plattenspieler, Radio, Tapedeck. Den CD-Player musste ich mir erstmal zusammensparen. Mein Bruder hatte da mehr Glück: Als bei Ihm die erste Anlage anstand, so mit 14, 15, war auch ein CD-Player mit an Bord. Seine erste CD bekam er von seinem großen Bruder geschenkt:

PFPink Floyd – The Dark Side Of The Moon

Ganz typisch: Wegen der extrem hohen Preise kaufte man bei CDs nicht die Katze im Sack, sondern Musik, die man schon kannte, die man für zeitlose Klassiker hielt. Zumindest bei der „Dark Side“ war man auf der sicheren Seite, bis heute ist es eins der meistverkauften Alben der Musikgeschichte. Außerdem spielt bei dieser Scheibe die CD ihre überragende Klangqualität richtig aus. Kenner wissen, was ich meine.

Als ich mir endlich meinen CD-Player leistete (der übrigens immer noch existiert, so dass mein erster Player wohl auch mein letzter sein wird, s.u.), da habe ich lange gegrübelt welcher Silberling als erstes in den Schacht einfahren würde. Es war eine merkwürdige Zeit Ende der 80er, musikalisch hatte ich mich von dem damals aktuellen Synthiepop in den Charts meilenweit entfernt. Die 70er und Progressive Rock waren Trumpf. In dieser Zeit entdeckte der Freundeskreis gemeinsam den „Meister“, klar, ich meine Frank Zappa. Problematisch daran war vor allem, dass Zappa damals schon ca. 50 Alben auf dem Markt hatte, so dass es fast nicht möglich war sich einen Überblick über das Schaffen des Genies zu verschaffen. Ein Kumpel besaß bereits dieses Doppel-Livealbum:

FZFrank Zappa – You can`t do that on stage anymore – Vol.1

Darauf befindet sich auf der zweiten CD ein durchgehender Live-Mitschnitt der Stücke „Dumb All Over, Heavenly Bank Account, Suicide Jump und Tell Me You Love Me“ und diese Kombination hat mich einfach geschmissen. Bis heute will es mir nicht gelingen, diese Stücke einzeln aus dem Zusammenhang gerissen zu konsumieren. Tja: Es gab diese Musik nur auf CD, Zappa war sowieso ein Klassiker, also wurde YCDTOSA Vol. 1 meine erste CD, sogar eine Doppel-CD für an die 60 DM. Hammer.

Inzwischen werden manche Veröffentlichungen abseits vom Mainstream gar nicht mehr als CD gepresst. Es gibt nur noch die Download-Version als MP3 oder FLAC und dann die echte Langspielplatte für Sammler und Audiophile, 180 Gramm Vinyl, die dann ungefähr so viel kostet, wie damals CDs. So bedauerlich das ist, wahrscheinlich ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten. Natürlich liegt das daran, dass Musik sich ohne Qualitätsverlust beliebig oft kopieren lässt. Klar, wir haben damals Cassetten gezogen (Es gibt heute noch Stücke, wo ich bei bestimmten Passagen zusammenzucke, wenn die Musik ohne Aussetzer durchspielt, weil meine Cassettenversion damals an genau der Stelle einen Knackser oder Schlimmeres hatte, weil Muttern mit dem Staubsauger gegen das Rack von der Anlage gestoßen war, die in Lautstärke Null ein Tape bespielte), aber das war natürlich eine andere Kiste.

Heute wird Musik sogar nur gemietet und ehrlich, wenn ich eine neue CD habe, dann wird sie natürlich sofort gerippt und fürderhin nur in iTunes angehört. Schade? Naja, bequem halt. Und da ich weder die Ohren, noch die Lautsprecher besitze, um High-End-Erfahrungen goutieren zu können, ist es mir irgendwie einerlei. Einen Audio-CD-Player werde ich mir, glaube ich, nicht mehr kaufen. So und um die Sache rund zu machen teile ich mit der Welt jetzt noch zwei peinliche Geheimnisse: Meine allererste Musikkassette, die ich auf einem winzigen Tape-Radio von Grundig durchsichtig gehört habe:

AAAbba – A wie Abba

Und meine allererste Langspielplatte:

BA
BAP – Affjetaut

Note to self: First Class Support, den man sich leisten kann. Musik: Evanescense, Enslaved, Emperor.