Sauer, sicher, unterirdisch

Eine kurze, ganz individuelle Presseschau aktueller Meldungen. Beginnen wir mit zwei Bundesministern der Pünktchenpartei. „Sauer“ ist der Wirtschaftsminister Rösler, weil GM das Opel-Werk in Bochum zumachen will. Sehen Sie, Herr Minister, das ist eben Marktwirtschaft, da werden Entscheidungen im Management getroffen, etwa die, dass Opel nicht in die automobilen Wachstumsmärkte in Asien verkaufen darf und schon hat man den Salat, bzw. einen postindustriellen Großraum, der so richtig den Bach runtergeht. Was beschweren Sie sich, läuft doch alles in Ihrem Sinne. Sein Kollege, der Gesundheitsminister ist sogar „stinksauer“, weil interne Papiere aus seinem Haus an den Apothekerverband weitergegeben worden sind und das systematisch über Jahre hinweg. Lieber Herr Bahr, der wahre Skandal ist, dass man sich in Ihrem Hause die Gesetzesentwürfe von solchen Interessengruppen in die Feder diktieren lässt. Von da her können Sie den aktuellen Fall in die Rubrik „Hinterbandkontrolle“ einordnen und einfach weiter schlafen. (Sony hat übrigens gestern den Stop der Produktion von Cassettenabspielgeräten angekündigt, sic transit gloria mundi).

Ein „sicheres Stadionerlebnis“ verordnet sich mit dem heutigen Entscheid die DFL, etwas anderes war auch nicht zu erwarten. Meine eigene Haltung zu dem heiß diskutierten Sicherheitskonzept ist zwiespältig: Ich befürworte den Verbot von jeglicher Pyrotechnik im Stadion und offenbar ist eine flächendeckende Videoüberwachung der Tribünen unumgänglich, denn für so manchen Fan ist ein Fußballspiel ohne Ausraster kein solches. „Fankultur“ ist in dem Zusammenhang ein problematisches Wort. Hingegen lehne ich die Ganzkörperkontrolle am Einlass in eigens dafür aufgestellten Zelten grundsätzlich ab, denn sie entspricht im Grunde der „Prozessualen Durchsuchung“ und die setzt einen „konkretisierten Anfangsverdacht nach §102 StPO“ voraus (Das sollte man immer im Hinterkopf haben, wenn man seitens der Polizei aufgefordert wird, die Taschen zu leeren. Eben das ist nämlich Teil der körperlichen Durchsuchung. Da kann man dann einfach mal fragen: „Was wird mir vorgeworfen?“). Die Zukunft wird zeigen, in welchem Rahmen diese Durchsuchung tatsächlich durchgeführt werden, sollte man mich ins Zelt bitten, werde ich auf dem Absatz kehrtmachen und nicht mehr zum Fußball gehen. Punkt.

Der Brüller des Tages ist für mich eindeutig der gesprengte Kostenrahmen für den Bahnhof S21. Fast 7 Milliarden soll das Schmuckstück kosten, es wird noch mehr werden, verlasst Euch drauf. Als während der im Fernsehen übertragenen Schlichtung darauf hingewiesen wurde, dass die Kosten die Voraussagen weit übertreffen würden, hat die Bahn stets abgewiegelt. So, der Bund gibt nix (jedenfalls nicht vor der Wahl), das Land gibt wirklich nix, die Bahn muss selber schauen, wie sie die Löcher stopft. Als intensiver Nutzer des schienengebundenen öffentlichen Nahverkehrs freue ich mich jetzt schon auf die kommenden Preissteigerungen. Die ganz Kleinen zahlen die Mindfarts der Nieten in Nadelstreifen.

Note to self: Was ihr der geringsten Epost meiner Kunden getan habt, das habt ihr mir getan. Musik: DJ Cam, Jarabe De Palo, Jamie Cullum.

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