Shin A Lam

Im Degen-Halbfinale der Frauen stehen sich Britta Heidemann und eine Südkoreanerin gegenüber. Es ist der dritte Wettkampftag der Olympischen Spiele von London und die deutsche Mannschaft hat bislang keine einzige Medaille errungen. Das Gefecht nimmt nur sehr langsam Fahrt auf. Heidemann hat in den vorausgegangenen Runden taktiert wie ein Champion: abgezockt, cool, mit eisernen Nerven.

Shin A Lam, so heißt die Gegnerin, ist viel kleiner als die Deutsche, hat entsprechend eine viel geringere Reichweite und ist extrem defensiv eingestellt. Nach den regulären 3 x 3 Minuten geht es bei einem Stand von 5 zu 5 Treffern in die Verlängerung von 1min. Per Losentscheid wird der Koreanerin der finale Vorteil zugesprochen, bei Punktgleichheit wäre sie nach Ablauf der Zeit die Gewinnerin. In den folgenden 59 Sekunden werden zahlreiche Doppeltreffer erzielt. Dann beginnt die letzte Sekunde des Gefechts. In dieser Sekunde werden zwei weitere Doppeltreffer erzielt, eigentlich müsste die Zeit lange vorbei sein, die Uhr in der Bildschirmanzeige steht auch auf Null, aber trotzdem wird das Gefecht noch einmal aufgenommen, die Uhr um eine Sekunde zurückgestellt. In dieser zweiten letzten Sekunde erzielt Heidemann den entscheidenden Treffer.

Shin A Lam versteht die Welt nicht mehr, ihr Trainer versteht die Welt nicht mehr. Die Zeitnehmer, Schiedsrichter, technischen Delegierten diskutieren. Sie diskutieren lange. Beide Fechterinnen stehen da. Minutenlang. Dann fällt die Entscheidung. Der letzte Treffer war regulär, Heidemann hat gewonnen, geht zu der verdutzten Gegnerin hinüber, schüttelt ihr die Hand und verlässt die Halle. Shin A Lam verlässt die Halle nicht.

SAL

SAL2

SAL3

Später am Abend verliert Heidemann das Finale. Shin A Lam verliert ihr Gefecht um Bronze, nachdem sie eine Stunde lang auf der Planche gesessen hat, bis der Protest der Koreaner abschlägig beschieden wurde. Deutschland hat Silber. In Gedanken bin ich bei einer kleinen Frau, die noch nicht zu Ende gefochten hatte.

Note to self: Angst. Sinnlos. Musik: keine, Glotze.

Advertisements

Die asozialen Hunderttausend

Vor ein zwei Jahren stolperte der Skidman beim abendlichen Zappen über eine Dokumentation aus dem Jahr 2008, die sich mit so genannten Offshore Vermögen beschäftigte, also mit der Verbringung des Kapitalvermögens auf die Kanalinseln oder auf die Caymans zum Zwecke der Steuerhinterziehung. In diesem Feature wurde der Betrag der insgesamt an den Staatskassen vorbeigeschleusten Gelder auf etwa 13 Billionen US-Dollar geschätzt.

Vor einigen Tagen hat die NGO „Tax Justice Network“ aktualisierte Zahlen zu diesem Thema vorgelegt. Demnach beträgt die Summe inzwischen zwischen 21 und 32 Billionen US-Dollar. Gut, man sieht an der Spanne, wie schwierig es ist zu dieser Kenngröße exakte Zahlen zu ermitteln. Trotzdem darf man bei vorsichtiger Schätzung annehmen, dass allein in den letzten 4 Jahren noch einmal etwa 10 Billionen US$ an unversteuerten Vermögen dazugekommen sind. Die Hälfte der insgesamt gebunkerten Mittel gehört nach Angaben von TJN etwa 100.000 Superreichen.

Wir brauchen uns nicht zu fragen, warum jemand mit einem Vermögen von mehreren Milliarden sich nicht in der Lage sieht seine Steuern zu bezahlen. Für mich ist klar, dass Menschen, die derartige Kapitalmengen anhäufen können, skrupellos, amoralisch und asozial, mit einem Wort Charakterschweine sein müssen, sonst könnte eine solche Haufenbildung niemals zustande kommen. Eine Rechtfertigung des asozialen Tuns entfällt natürlich, vielmehr gilt das „Wer kann, der kann.“-Prinzip.

Wir erleben gegenwärtig, dass im Grunde nahezu jeder Staat der Erde chronisch unterfinanziert ist. Natürlich ist das auch eine Folge der blödsinnigen Überschuldungspolitik (Wobei ich an dieser Stelle noch mal darauf hinweisen will, dass die weltweit vorhandene Geldmenge eigentlich nur aus Schulden besteht. Dieser idiotische Mechanismus ist immer noch viel zu wenigen Menschen bekannt und könnte nur dadurch beendet werden, dass Zins und Zinseszins abgeschafft würden). Gleichzeitig gibt es keine ernsthaften Anstrengungen, der kleinen Clique, die die globale Bevölkerung teils seit Generation systematisch ausplündert, das Handwerk zu legen. Das kann nur daran liegen, dass die politischen Eliten, die dem deregulierenden Ökonomiekonzept das Wort reden, grenzenlos dumm (Ronald Reagan), ebenfalls asozial veranlagt (Magaret Thatcher) oder eben Marionetten (jede zweite afrikanische Regierung) sind. Und deshalb darf ich zwar von Marine-Infanterie Einheiten träumen, die die Bankhäuser auf Jersey und Grand Cayman im Handstreich besetzen, für die Begleichung der Steuerschuld sorgen und die Vermögen bis auf einen Selbstbehalt von, sagen wir, 10% beschlagnahmen, aber das wird nie passieren.

Einhunderttausend gegen sechs Milliarden. Einhunderttausend am längeren Hebel und sechs Milliarden wie das Kaninchen vor der Schlange. Was sind wir wir doch für eine armselige, zum Scheitern verurteilte Spezies.

Note to self: Mal ein paar Wochen aussetzen. Musik: Baroness, Hellyeah, Ahab.

Heikles Praeputium

Endlich mal wieder etwas Politisches bei „Just Skidding“. Klar, die Frage ist heikel, sie spaltet die Nation und doch ist sie einfach zu beantworten:

Wir sind uns doch wohl hoffentlich einig, dass Verfassung und bürgerliches Gesetzbuch zu allererst das Zusammenleben in unserem Land regeln und dass Regularien, die dem Brauchtum, der Tradition und der Religion zugehörig sind, demgegenüber von nachrangiger Bedeutung sind. Jedenfalls wird dies in der Regel lauthals eingefordert, wenn salafistische Wirrköpfe ihre abseitigen Vorstellungen zu Gleichberechtigung, Straf- und Zivilrecht umsetzen wollen, oder Kreationisten ihre Kinder lieber zu Hause unterrichten, weil ihnen Evolutionstheorie und Sexualkundeunterricht ein Graus sind. Auch bei der entsetzlichen Praxis der Verstümmelung von Mädchen bei afrikanisch-stämmigen Migranten sind wir uns völlig einig, dass so etwas hierzulande verboten ist und schwer bestraft gehört. Ja, warum zum Teufel sollen wir es dann bei der religiös motivierten Beschneidung von männlichen Kleinkindern und Knaben anders halten?

Wir sind zum Glück ein säkularer Staat, der die körperliche Unversehrtheit als elementar wichtiges Rechtsgut unter besonderen Schutz stellt. Es wäre grundfalsch aus religiösen Gründen, für welche Glaubensgemeinschaft auch immer, an dieser Stelle eine Ausnahme zu machen. Jeder Junge kommt im Grunde mit einem Plakat auf die Welt, auf dem „Meine Vorhaut gehört mir!“ geschrieben steht. In dem Zusammenhang ist es mir übrigens völlig egal, wenn unsere Bundeskanzlerin meint, mit einem Beschneidungsverbot würde sich Deutschland zur Komikernation machen. Nein Frau Merkel, komisch ist das Ganze überhaupt nicht. Und die Vorstellung, ein Mann könne nicht ins Paradies oder in den Himmel kommen, wenn er morphologisch 100%ig intakt ist, finde ich archaisch, abstrus und durch und durch abscheulich.

Sollte im Bundestag, auch mit Rücksicht auf die furchtbaren Verbrechen, die in der unrühmlichen jüngeren deutschen Geschichte an den Juden verübt wurden, eine gesetzliche Regelung verabschiedet werden, die religiösem Brauchtum den Vorzug vor dem pragmatischen Rechtsrahmen unserer aufgeklärten, pluralistischen Zivilgesellschaft gibt, dann wäre es ein falsches Signal. Und man hätte wieder einmal einen Grund geliefert, warum wir auf unserem weiten Weg zu einer Bürgergemeinschaft, die sich nur auf Grundlage einer rationalen, durch und durch ethischen Werteordnung definiert, einfach nicht vorankommen. Mit 16 Jahren wird man in Deutschland religionsmündig. Ich meine das wäre ein vernünftiger Zeitpunkt, zu dem ein junger Mann entscheiden kann, ob er mit oder ohne Praeputium leben möchte. Alles andere ist Käse.

Note to self: Link down? Dead on arrival! Musik: Sting, Ween, Rolling Stones, De-Phazz.

Plug pulled

Noch vor dem nächsten Schauer zum Supermarkt, auf den Ohren was Lustiges von Tenacious D und ich grinse ich mich rein. Und dann steigt er aus, aus dem geparkten Wagen. Und er trägt nicht seine abgewetzte Lederjacke, sondern eine schwarze. Und ich sehe in sein Gesicht. Und ich weiß, was er mir sagen wird. Und er sagt es mir.

Als mir die Tränen in die Augen schießen, wende ich mich ab. Ein Summen in den Ohren. Er nimmt mich tröstend in den Arm. *Er* tröstet mich. Ich stammle irgendwas. Das Summen steigert sich zu einem dumpfen Brausen. Er muss weg, ich bleibe zurück – betäubt, leer, stromlos.

Einkaufen, planlos. Einpacken, gedankenlos. Zurücklaufen durch den einsetzenden Regen. Dasitzen, fassungslos. Van Veen spukt mir durch den Kopf: “ Es gibt drei Tabus und die fangen alle mit einem K an…“

Ich warte darauf, dass es dunkel wird. Dann werde ich eine Kerze anstecken.

Ich denke, dass das Schicksal eine Scheisserfindung ist.

Zeit ist ein Wort mit vier Buchstaben.

UnAlben

Ui, zwei musikalische Beiträge hintereinander. Wie kommt das? Nun es kommt daher, dass es nach einigen stressigen Tagen mit Arbeit bis in den späten Abend heute mal ein bisschen ruhiger ist (Wäsche, Haushalt, Buchführung) und ich die Gelegenheit genutzt habe, mal einige Leichen, also seit langem nicht mehr gehörte Titel aus meiner iTunes-Bibliothek, „aufzulegen“. Diese Bibliothek enthält wirklich schräge Platten; Werke, die nicht nur dem Hörer von Mainstream-Musik nicht gefallen würden, sondern auch den Liebhaber experimenteller Klänge verstören könnten. Aber dann gibt es eben noch eine andere Kategorie, nämlich wirklich nervige Scheiben, deren Konsum mir fast schon Schmerzen bereitet. Und die unrühmliche Top 3 dieser „UnAlben“ möchte ich heute vorstellen:

WTLO

Auf Platz 3 landet die Kompilation „With The Lights Out“ von Nirvana, die lange nach dem Freitod Kurt Cobains, nämlich im Jahr 2004 erschienen ist. Klar ist, dass Nirvana mit ihrem Gesamtwerk eine absolute Landmarke in der jüngeren Musikgeschichte gesetzt haben, an der man einfach nicht vorbei kommt. Aber selbst für den verschrobensten Fan der Formation dürfte diese Ansammlung miserabel abgemischter Live-Aufnahmen und akustischer Demos in bescheidenster Tonqualität eine Zumutung darstellen. Traurige „Höhepunkte“ sind Titel wie „Beans“ oder „I Hate Myself And I Want To Die“ (hat er dann ja auch geschafft), die nie, nie, niemals hätten veröffentlicht würden dürfen. Und würde auf dieser Musik nicht das Label „Nirvana“ kleben, wären sie auch nicht veröffentlicht worden. Die ganze Kompilation ist reine, unverschämte Geldschneiderei von Geffen (Universal). Wie dieses Werk bei Amazon eine Durchschnitts-Bewertung von 4 Sternen erhalten kann, ist mir absolut unbegreiflich.

WTP

Auf den zweiten Platz der unverschämten Alben kommt „The Pod“ von Ween. Ween sind eine relativ unbekannte Experimental-Rockband, die Mitte der 80er Jahre in den USA gegründet wurde. Es gibt einige Platten dieser Combo, die man sich wirklich gut geben kann: Selbstironisch, merkwürdig, spannend und mit beißenden Texten. Auf „The Pod“ haben sie es aber übertrieben. Zwar sind die Songs sogar einigermaßen strukturiert, doch wurden die Stücke in der Postproduktion mit einer Vielzahl von Effekten und studiotechnischen „Tricks“ verunziert und das Endergebnis ist einfach grauenhaft. Besonders schlimm sind Songs, bei denen einige Spuren eingemischt wurden, die klingen, als würden sie von einer alten, leiernden Kassette kommen. Man schüttelt sich. Mehr als zwei Stücke hintereinander kann ich mir keinesfalls geben, sonst drohen Kopfschmerzen und Erbrechen.

ZTFS

Den unangefochtenen Spitzenplatz in dieser Reihung nimmt ein Album eines wirklich großen Künstlers ein, nämlich „Zero Tolerance For Silence“ von Pat Metheny. Metheny ist ein begnadeter Gitarrist, Komponist und Arrangeur. Sein Konzert 1989 in der Düsseldorfer Phillipshalle war eines der besten in meinem bisherigen Leben. Umso schlimmer ist der Totalausfall aus dem Jahr 1992 zu bewerten. Nun könnte man sagen, dass ein Musiker, der so viele geniale Alben vorgelegt hat, sich ruhig mal einen solchen Fehltritt erlauben darf. Das sehe ich anders. Das Album (auch das Cover ist scheußlich) enthält 5 Stücke, die sinnigerweise von „Part 1“ bis „Part 5“ durchnummeriert sind. Das ist auch kein Wunder, denn jede kreative Benennung dieser „Musik“ ist von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Es handelt sich um reine E-Gitarren-Klänge, die wohl mit dem Ziel zusammengesampelt wurden, den Hörer der maximal möglichen akustischen Folter auszusetzen. Nicht nur, dass das Spiel des Meisters dilettantisch, die Spurauswahl willkürlich und eine Struktur nicht zu erkennen ist, nein, es fehlt jeder Spannungsbogen, nicht mal reiben kann man sich an diesem Elaborat. Es ist lieblos hingedroschener Lärm. Unfassbar.

Note to self: Wirds besser, oder gewöhne ich mich daran? Musik: Nirvana, Ween, Pat Metheny.

Ägypten?

Na klar, angesichts des wirklich bescheidenen Wetters hier im Westzipfel möchte man im Urlaub sein, es also den Genossen und Genossinnen gleich tun, die zurzeit in Berlin, Südfrankreich, Spanien und St. Petersburg weilen. Abgesehen von den aktuellen politischen Wirren spricht nichts gegen Ägypten, oder? Ein netter Strand am roten Meer, ein bisschen schnorcheln, Getränke mit Schirmchen, ah ja.

Abgesehen davon ist Ägypten natürlich das Land, in dem langhaarige Menschen vor voll aufgedrehten Verstärkern mit enormer Geschwindigkeit und erbarmungsloser Härte ihre Saiten und Felle bearbeiten, so dass dem Hörer die Trommelfelle nur so schlackern. Wie? Was? Ist doch klar: Es gibt ein neues Album von „Nile“ namens „At the Gate of Sethu“.

NL

Eigentlich kommen Nile nicht aus dem geschichtsträchtigen Pyramidenland, sondern aus South Carolina. Und eigentlich hätte man die Bandmitglieder im alten Ägypten wahrscheinlich ganz flott enthauptet, oder zumindest in Ketten gelegt, wenn Pharao und Co. dem infernalischen, gotteslästerlichen Lärm ausgesetzt worden wären, den die Mannen um Karl Sanders produzieren. Natürlich handelt es sich um ganz besonders feinen technischen Death Metal, aber eben gewürzt mit einer Prise orientalischer bzw. arabesker Harmonie und Perkussion. Man wähnt sich in einer Sekunde auf einem Basar oder sieht sich als Akteur in einem Sandalenmovie und bekommt einen Moment später mit elementarer Wucht und in höchster Geschwindigkeit den Hintern versohlt. Wieder einen Moment später folgt ein schleppender, schwerer Part, der von dem typischen DM-Grunzen getragen wird. Die Texte, die man natürlich nicht verstehen kann, handeln von Altägyptischen Mythen und Sagen, meist höchst okkulter Kram. All diese Komponenten fügen sich zu einer ganz merkwürdigen Melange und genau die macht Nile so einzigartig.

Drei Jahre nach „Those Whom the Gods Detest“ legt das Quartett aus den Staaten einen wahren Prachtschinken vor, der mich viel mehr überzeugt als die letzten beiden Alben. „At the Gate of Sethu“ bietet gegenüber diesen Scheiben zwei wesentliche Veränderungen: Da wäre zunächst mal der Gesang, der nun nicht mehr nur aus tiefen gutturalen Grunzlauten, sondern auch aus aggressivem, hellerem Schreien und sogar getragenem Klargesang besteht. Das gefällt mir persönlich auch deswegen besser, weil das tiefe Growling inzwischen inflationär von so ziemlich jeder DM-Combo des Planetens verwendet wird und sich allmählich ein bisschen abnutzt. Die zweite Veränderung betrifft den Gitarrensound. Beim ersten Anhören des Albums dachte ich zuerst: „Merkwürdige Abmischung“, der Gesamtsound wirkte irgendwie ein wenig kraftlos. Inzwischen gefällt mir aber der höhenbetonte, transparente Klang fast besser als das brachiale Grollen auf den letzten Platten. So bleibt mehr Platz für die feinen Frickeleien und technischen Kabinettstückchen, die Nile in Perfektion beherrschen. Es gibt nicht viele Bands, die an das Riffing der Orientalometaller herankommen. Ansonsten bietet die Scheibe viel Abwechslung, schräge Rhythmik, aber auch glattes Blasting mit einer fast schon unmenschlichen Präzision, die begeistert. Überhaupt, das Schlagzeug: Zu George Kollias muss man eigentlich nichts mehr schreiben. Aber auf dem neuen Album zeigt er eindrucksvoll, dass er nicht nur so ziemlich die schnellsten Füße der Welt hat, sondern inzwischen auch verdammt variabel ist und gerne mal auf Schellen, Rasseln und andere Spielzeuge aus dem Perkussions-Vorratskasten eindrischt.

Manche Metalheads finden „At the Gate of Sethu“ zu verbastelt und zu kopfig. Das geht mir ganz anders. Im Gegenteil ist das genau die Platte, die ich mir von Nile gewünscht habe. Klasse!

Note to self: Liste wird kürzer, geb mir Mühe, mögen Surfer auch keckern. Musik: Nile.

The Goddam Particle

So, jetzt wissen wir also ein bisschen mehr, wie alles zusammenhängt. Unter der Schweiz wurde ein winziges Dingelchen fast auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt, kollidierte dann mit einem anderen Dingelchen und in der winzigen Wolke des subatomaren Mülls hat man dann irgendwas mit einer Masse von 125-127 Giga Elektronenvolt gefunden. OK.

Mir liegt es fern vorzugeben, irgendwas von Teilchenphysik zu verstehen. Für mich ist die Existenz des Higgs-Bosons ungefähr gleichbedeutend mit der etwaigen Existenz des großen Gasförmigen, sie spielt für mein Leben keine Rolle, deshalb bin ich ein agnostischer Gelegenheitssänger, IT-Supportmensch, Bauhelfer, Tunichtgut.

Mir hat sehr gefallen, wie Peter Higgs heute auf die epochalste physikalische Entdeckung seit der Relativitätstheorie reagiert hat: Bescheiden, ganz ruhig und ein bisschen selbstironisch. Peter Higgs ist Atheist, deshalb hat es ihn immer sehr gestört, dass das von ihm postulierte Elementar-Teilchen als „Gottes-Teilchen“ bezeichnet wurde. Denn diese Benamsung ist nicht auf seinem Mist gewachsen. Vielmehr hat ein Fachkollege, nämlich Leon Max Ledermann, seinem Verleger mal ein Manuskript über das Higgs-Boson mit dem Titel „The goddam particle“ (Das verdammte Teilchen) geschickt. Und der Verleger, der offensichtlich zart besaitet, oder puritanisch, oder nur verdammt geschäftstüchtig war, machte daraus „The God Particle“. So kam Gott zu seinem Teilchen.

Wird sich unser Leben jetzt verändern? Oh natürlich: Wenn dem Nebenmann seine Tasse herunterfällt und zerbricht, können wir ihm ein tröstendes „Nur ein überzähliges Higgs-Boson!“ zurufen. Abstürze von Flugzeugen oder Eisenbahnunglücke werden in Zukunft durch den entrüsteten Ausruf: „Diese verdammten Higgs-Bosonen“ kommentiert werden. Und vielleicht wird Er Ihr sogar ein: „Du machst mich ganz wuschig, mein süßes kleines Higgs-Boson“ ins Ohr flüstern. Harren wir der Dinge, die da kommen mögen.

Note to self: Man reißt sich sonstwas auf, und erntet offene Fenster. Hass! Musik: Chimp Spanner, Bedlam Of Cacophony.