Gimlis Korrosion

Es gab Zeiten, da hatte ich meinen kleinen Server über Monate nicht in Betrieb. Gimli, ein Mac mini mit 1,42 GHz PPC G4, fristete ein Schattendasein. Zwar hatte ich ziemlich viel Zeit investiert, um den Webserver, den FTP-Server, den OpenVPN-Server, den MySQL-Datenbankserver und natürlich den MP3-Streaming-Server einzurichten, doch wirklich benötigt wurden all diese Serverdienste nur ganz selten. Eine Machbarkeitsstudie eben. Nicht mal eine Sicherung des Servers war vorhanden, weil ich die Festplatte, die dafür reserviert war, irgendwann mal für einen nichtigen Zweck benötigte.

In den vergangenen Wochen hatte ich mich des Kistchens aber dann doch erbarmt. PHP und Apache wurden aktualisiert, ebenso die MacPorts. Und da ich gerade dabei war, schrieb ich gleich noch ein paar schöne plists für den Launchdaemon, wechselte von Ampache zu Subsonic und räumte die Document-Root des Webservers auf. Außerdem machte ich den sshd per pubkey-Authorisierung wetterfest, damit nicht ständig irgendwelche Chinesen mein Serverchen befummeln können, und versuchte mal den Web-Desktop „Oneye“ (Schönes Projekt, aber ist wohl leider ins Stocken geraten). Zwischendurch machte ich immer mal wieder Backups auf einen weiteren vorhandenen mini, der im schlimmsten Fall als Fall-Back-Maschine dienen könnte. Was für ein Glücksfall!

Gestern Abend war ich so weit fertig mit dem Gerät, wollte nur noch ein paar obsolete Konfigurationsdateien löschen und stolperte dabei über Merkwürdiges in /usr/local. Offenbar gab es zwei Instanzen von MySQL. Hm, Platzverschwendung. Den Webmin angeworfen, die vorhandenen Datenbanken gecheckt und dann verglichen, in welchem Verzeichnis sie nun tatsächlich abgelegt waren. Den anderen MySQL-Ordner entsorgte ich mit einem herzhaften rm-rf und legte mich schlafen.

Als ich heute zu Testzwecken WordPress installieren musste, kam dann das allerböseste Erwachen. Der „überflüssige“ MySQL-Server entpuppte sich nämlich als Original, auf das mit einem Symlink von mysql im gleichen Verzeichnis verwiesen wurde. Tja Alter, heftig reingefallen. Und meine sämtlichen Versuche dem angefressenen Zwerg das gelöschte Verzeichnis aus der Sicherung unterzuschieben endeten im Fiasko, genau wie alle Neuinstallationsversuche. Ich hätte bei der ursprünglichen Installation mein Vorgehen dokumentieren müssen. Und jetzt? Jetzt sichere ich den korrodierten Ist-Zustand, spiele dann das veraltete Backup ein und versuche dann das, was ich bis gestern Abend um ca. 23Uhr erreicht hatte, zu rekonstruieren. Das dauert. Und in der Zwischenzeit schreibe ich todlangweilige Beiträge in meinem Blog, fresse übersüssten Rührkuchen und BEISSE MICH IN DEN ALLERWERTESTEN.

Gimli lehrt mich Demut. Ich spüre, wie er unter seinem beeindruckenden Bart grinst. Und sollte ich heute noch bis auf den letzten Stand von gestern kommen, dann gelobe ich die Einrichtung eines automatischen Backups mit Medienrotation nicht länger aufzuschieben. Alter Gimli, ich schwör! Ehrlich jetzt!

Note to self: An Hunderten Webseiten vorbei geschrammt. Schöne Schererei? Musik: KT Tungstall, Live, Dead Moon, Krisiun.

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Me Not Treading Paper

Als der Regen über die Stadt kommt, ist er wie ein Geschenk. Jeder Tropfen macht den Weg am Bahndamm entlang würziger, bedeutungsschwangerer und trotzdem leichter. Der Tag hatte bislang nur nach ganz schwerer Arbeit gerochen. Meine Ellenbogen, Kniegelenke und Schultern schreien Protest. Die Hände sind zerschrammt, steif und trocken. „Viel Steine gabs…“, so ist das wohl noch immer in der Eifel. Aber jetzt vermittelt die Feuchtigkeit in der Luft und am Boden, dass ich erlöster und belohnter bin als gestern, trotz aller sehr traurigen Nachrichten.

Den ganzen Tag hatte ich ein Lied im Kopf, ein Lied über die Hoffnung, dass man zwischen den Wort- und Gedankenhülsen des Alltags etwas in sich finden kann, das Bestand hat, Halt und Hoffnung gibt und tröstet. Jetzt können wir zwei, Queen Margot und ich, dieses Stück endlich hören, immer und immer wieder (Und wer meinen Jahressampler 2011 heruntergeladen hat, kann es sich auch anhören):

Treading Paper
(Thrice, 2011)

All my life I’ve been treading paper
In the space between the words.
And there implied is,
That I’m but another body for the birds.
Carrion, absurd and accidental atoms beating air.
Carrying on, unwitting orphan of an unyielding despair.

But linger on, just for a moment,
Until we can ascertain
If something’s wrong with me
Or the assumptions of these self-indicted brains.
Cause I contend that all of this is more
Than just a meaningless charade.
That each and every moment is a bottle with a message hid away.

If anything means anything,
There must be something meant for us to be.
A song that we were made to sing.
There must be so much more than we can see.

But all our lives, we’ve been treading paper
In the space between the words.
And there implied’s the thought,
That we are barely more than bodies for the birds.
Carrion, they say that we’re just accidental atoms beating air.
Carrying on and on, unwitting orphans of an unyielding despair.

Our hearts tell a different story.
Our hands feel a different pulse.
If anything means anything,
There must be something meant for us to be.

If anything means anything,
There must be something meant for us to be,
A song that we were made to sing.
There must be so much more than we can see.

Something fathomless,
Deeper than our pride can dive.
Numinous,
Higher than our hearts can rise.
Transcendent,
Further than our thoughts can reach.
Immanent,
Closer than the air we breathe.

Note to self: Es aushalten, wachsen, es beweisen. Musik: Thrice.

Techniker und Technokraten

Einmal im Jahr ist es wieder so weit. Meine Krankenversicherung schickt mir das bereits sattsam bekannte Schreiben, in dem ich aufgefordert werde, meine Einkommensverhältnisse zu offenbaren. Das ist deshalb besonders lustig, weil ich als Selbständiger freiwillig gesetzlich krankenversichert bin und deshalb ohnehin nicht meine tatsächlichen Einkünfte für die Berechnung der Beitragshöhe zugrunde gelegt werden, sondern irgendein fiktiver Betrag, von dem die Krankenkasse annimmt, dass man ihn als Unternehmer wohl mindestens verdient (ich lache!). Sei es, wie es sei, in diesem Jahr war ich ähnlich bummelig drauf, wie in den vergangenen Jahren, ordnete das erste Schreiben in die Ablage „Zu erledigen“ ein, ordnete das zweite Schreiben in die Ablage „Zu erledigen“ ein und erhielt schließlich das dritte Schreiben „Obwohl wir Sie in den vergangenen Wochen mehrfach angeschrieben haben…“. Dann gilt es schnellstmöglich zu reagieren, denn ansonsten würde sich die Höhe meiner Beiträge an der (unverschämt unsozialen und daher abzuschaffenden) Beitragsbemessungsgrenze orientieren. Das muss ja nicht sein.

Also füllte ich heute den Vordruck aus und scannte ihn ein, genau wie meinen letzten Einkommenssteuerbescheid. Dieser besteht eigentlich aus drei Seiten: Seite 1 mit allen relevanten Zahlen (und der bedeutungsschwangeren Zeile „Fortsetzung auf Seite 2“), Seite 2 mit allgemeinen Hinweisen und einer Rechtshilfebelehrung (ein Standardtextblock) und Seite 3, auf der nur die Öffnungszeiten des hiesigen Finanzamts, eine Telefonnummer für Rückfragen und das Siegel des Landes NRW zu finden sind. Nun denn, dachte ich mir: Seite 1 enthält alles, was die KK wissen muss, sparste dir das einscannen der Folgeseiten. Nach dem Scannen wandelte ich das Ganze in pdf-Dateien um, bastelte dann aus den drei pdfs ein schönes Summenpdf und faxte es. Danach hatte ich auswärts zu tun.

Als ich nach einer wahren Hitzeschlacht wieder zu Hause ankam, signalisierte mein Anrufbeantworter eine neue Nachricht. Mir schwante was: Und tatsächlich: Es war eine dienstbeflissene Mitarbeiterin der KK, die sich beschwerte, dass der eingereichte Steuerbescheid unvollständig sei, es würden alle Seiten benötigt. Was ich mir in solchen Momenten denke? „Daran geht Deutschland kaputt“ denke ich mir. Und nein, ich werde mich jetzt nicht befleissigen, habe keine Lust das ganze Prozedere zu wiederholen. Ich sitze hier frisch geduscht mit einem lauwarmen Apfeltee und ein vom lieben Ödli als Weihnachtsgeschenk überreichter USB-Miniventilator, der an der Tastatur eingestöpselt ist, macht die Temperaturen einigermaßen erträglich.

Morgen werde ich mich der Sache erneut annehmen und dann erhält meine Sachbearbeiterin alle drei bedruckten Seiten des Steuerbescheids, einen Scan der völlig leeren Rückseite (Seite 4), sowie Scans beider Seiten des Briefumschlags, in dem der Bescheid verschickt wurde. Und zwar als eine pdf-Datei. Und dann kann sie sich das Relevante aus dieser Datei herauspopeln, oder es lassen und mich ansonsten kreuzweise. Herrschaftszeiten, womit manche Menschen ihr Geld verdienen, oder meinen verdienen zu müssen. Zum Reihern.

Note to self: War aber eigentlich klar, nur nicht so drastisch. Musik: Gossip, Erdmöbel, ZZ-Top, Naglfar, AC/DC

K und K

MB„Mespelbrunn“ Ölfarbe auf Baumscheibe und Stahlblech, Anonym

Zu den immer wieder verbreiteten Binsenweisheiten gehört, dass „Kunst“ von „können“ kommt. Möglicherweise stimmte das ja noch in der guten alten Zeit, als die Meister noch mit Perspektive und Größenverhältnissen kämpften. Irgendwann rang man sich aber zu der Erkenntnis durch, dass Kunst im Auge des Betrachters liegt. Deshalb sollte man auch der Putzfrau, die damals den Schmutz aus Joseph Beuys` Badewanne schrubbte, keinen allzu heftigen Vorwurf machen. So gesehen kann demnach ganz schön viel Kunst sein, nur eben Kitschiges nicht, gell. Denn Kunst gehört nun mal in die bildungsbürgerliche Welt des Schönen, Wahren und Guten. Kitsch dagegen wird dem miefigen, strunzdoofen Proletentum zugeordnet. Da versteht der kunstbeflissene Schöngeist gar keinen Spaß.

Die Unterscheidung von Kunst und Kitsch scheint auf den ersten Blick mit der Qualität des Produktes zu tun zu haben, ein fataler Irrtum. In Wirklichkeit ist nämlich die Quantität für unsere Beurteilung ausschlaggebend, sprich der Preis und die Verfügbarkeit, also letztlich Angebot und Nachfrage. Ich gebe ein Beispiel: Jeder, der die 80er und 90er Jahre bewusst miterlebt hat, kennt Fotografien von Robert Doisneau, genau: Jene Schwarz-Weiß-Aufnahmen von sich küssenden Paaren in Paris, die als billige Poster in Millionenauflage verkauft wurden. Ich behaupte mal, dass jeder zweite weibliche Teenager meiner Generation ein solches Poster in seinem Jugendzimmer hängen hatte. Noch heute geht es mir so, dass ich den komisch-künstlichen Geschmack aromatisierten Schwarztees auf der Zunge habe, wenn ich eines solchen Plakats ansichtig werde. Nun wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass Robert Doisneau ein großartiger Fotograf, also auch ein großer Künstler ist. Trotzdem sind geschätzte 90% der küssenden Paare inzwischen auf Speichern, in Kellern und Mülltonnen verschwunden. Man hat sich des Kitschs entledigt. Da haben wir den Salat.

Kunst besteht also auch aus der Kunst der künstlichen Verknappung. Genau deshalb wird ein Künstler, der etwas auf sich hält, Druckplatten und Steine zerstören, wenn die vorgesehene Anzahl der Drucke bzw. Lithographien erreicht ist. Robert Doisneau hatte das Pech, dass seine geldgeilen Nachfahren der unbegrenzten Vervielfältigung des ursprünglichen Negativs zugestimmt haben. Damit kein falscher Eindruck aufkommt: Bei mir waren es keine Küssenden, sondern Poster von Dali und Magritte, die auch irgendwann weichen mussten, als die Erkenntnis „Dies ist keine Pfeife“ an Originalität und zerfliessende Taschenuhren ihren Reiz verloren hatten. Ah, Originalität, da haben wir den künstlerischen Kern des Pudels: Damit Kunst im Auge des Betrachters liegen kann, muss er angefasst, überrumpelt, hinterrücks überfallen sein. Der Schöpfer von „Mespelbrunn“ hätte genau das bei mir nie geschafft. Aber die Jahrzehnte seit der Schöpfung, die in diesem Zeitraum erfolgte Versymbolisierung des Motivs „Röhrender Hirsch“ und die Herkunft des Objekts machen für mich eben das Besondere aus. Kitsch muss man genießen können, auch das kann eine Kunst sein.

Note to self: Gimli ward wiedergeboren, zickt aber noch. Musik: AC/DC.

Immer die Radfahrer

Der Lokalpresse ist heute zu entnehmen, dass die Kaiserstadt (zusammen mit dem Land) 600.000 € in die Hand nehmen will, um den Alleenring (in Aachen sagt man auch „mittlerer Ring“) fit für Fahrräder zu machen. Sogenannte Schutzstreifen sollen eingerichtet werden, ab 2013 folgen dann neue Radwege auf einigen großen Ausfallstraßen. Mit dem Ziel, den Autoverkehr zugunsten der muskelbetriebenen Zweiräder einzuschränken kann ich durchaus leben. Die Umwelt und die Gesundheit der Radler profitiert und schließlich ist der Drahtesel auch das Fortbewegungsmittel des ganz kleinen Mannes, da im Westzipfel mit der seit langem überfälligen Einführung des Sozialtickets für den ÖPNV in absehbarer Zeit nicht zu rechnen ist.

Es wird also eine Menge getan, damit Radfahrer sich sicherer im Straßenverkehr bewegen können. OK. Allerdings frage ich, der etwa 75% aller Strecken per pedes zurücklegt, wer die Fußgänger vor den Radlern schützt. Es ist noch gar nicht so lange her, dass mich auf der Heinrichsallee, also eigentlich auf dem begleitenden Bürgersteig, ein Pedalist von hinten angefahren hat. Zu seiner Entschuldigung meinte er, dass er geklingelt hätte, aber ich wegen meiner Unterwegsmusik nicht eilfertig zur Seite gesprungen sei. Könnte hinkommen. Aber offenbar fehlte jedes Unrechtsbewusstsein und das beobachte ich fast jeden Tag.

Gestern wieder auf einem kurzen Weg bis zur Bismarckstraße: Auf der Burtscheiderstraße wird gerne der Fußgängerbereich von nicht ganz so fitten Radlern genutzt, damit man in der Steigung absitzen kann, wenn die Puste ausgeht, so machte es gestern eine Mutti (mit Kinderanhänger!). Dann waren da noch zwei Idioten im Bereich Römerstraße / Normaluhr, die die Benutzung der Radwege offenbar nicht zumutbar fanden. Die Krönung war schließlich ein sehr sportlicher Kerl, der noch ganz schnell bei Rot die Wilhelmstraße überquerte, die nachfolgende Gefällestrecke zwar auf dem Radweg, aber mit erheblichem Speed hinunter brauste und beinahe in einen Pulk hinein raste, der gerade aus einem Bus ausgestiegen war und nun den Radweg wohl oder übel überqueren musste. Und natürlich brüllte dieser Schwachkopf auch noch rum, dies sei ein Radweg und so weiter.

Nach meiner Beobachtung werden gut zwei Drittel der ganz alltäglichen Verkehrsverstöße von Radfahrern begangen. Inzwischen bin ich daher der Ansicht, dass Fahrräder ein Nummernschild haben sollten. Und ich warte auf ein Programm für Aachen, dass den von Fußgängern benutzten öffentlichen Raum sicherer macht. Und vielleicht sollten die militanten Fahrradfahrer, die sich in den einschlägigen Webforen und Newsgroups tummeln, verbal und ideologisch abrüsten und sich den ersten Paragraphen der StVo zu Herzen nehmen.

Note to self: Wir kriegen das schon gekünstelt. Bestimmt. Musik: Queens Of The Stoneage, Poison The Well, Prong.

Wundenlecken

Als unsere alte und neue Landesmutter gestern nach geschlagener Schlacht vor Mikrofone und Kameras trat, da musste man sie einfach gerne haben. Keine Frage: Seit Johannes Rau hat die NRW-SPD keine Führungsfigur mehr gehabt, die wie Frau Kraft Bürgernähe, Fürsorge und das Bild einer ehrlichen Arbeiterin verkörpert. Vor 30 Jahren hätte man mit ihr auf Zeche einfahren wollen, heute nähme man sie gerne als Facebook-Freundin. Solch einen Bonus kann man kaum konstruieren, auch wenn „et Lörchen“ sicher eine ganze Horde von PR-Profis beschäftigt, um den Eindruck aufrecht zu erhalten und zu verstärken.

Aus dem gleichen Grund konnten die Bemühungen des CDU-Spitzenmannes Röttgen nicht verfangen, selbst wenn er im Wahlkampf nicht einen Lapsus nach dem anderen produziert hätte. Er wirkt eben stets wie ein Oberlehrer oder aalglatter Unternehmensberater. Immerhin vermittelte er bei seiner Rücktrittserklärung gestern noch einen Rest an Würde. Gute Verlierer sind selten in der Politik.

Nun hat unser Bindestrich-Bundesland wenigstens eine stabile Regierung, angesichts der enormen Herausforderungen sicher nicht das schlechteste. Kaum einer der Experten hätte vermutet, dass ein Zweierbündnis in einem 5-Parteien-Parlament so komfortabel regieren könnte. Dabei entpuppt sich der kleine grüne Partner als einzige Partei, die -komme was da wolle- eine stets willige Stammwählerschaft hat. Genau dies haben Linke, FDP und Piraten nicht, weshalb bei ihnen starke Schwankungen zu verbuchen sind. Die von diesen drei Parteien erzielten Ergebnisse sind bemerkenswert, lassen mich aber nicht gerade jubilieren. Nuff said.

Eines sei den rot-grünen Häuptlingen an Spree und Havel aber dann doch noch zugerufen: Eine Extrapolation der NRW-Ergebnisse auf Bundesebene ist nicht zulässig und das liegt genau an den Gründen, die in den ersten beiden Absätzen dieses Beitrags umrissen worden sind. Vielleicht sieht die Zukunft wirklich so aus, dass der Durchschnittswähler sich in erster Linie mal mütterlich umsorgt fühlen möchte. Und da müsste selbst Frank-Walter, der im Moment die Nase wohl ein kleines bisschen vorne hat, aus trivialen Gründen passen.

Note to self: Mach Dich mal zart! Musik: Zed, Satyricon, Korn, Zero 7.

Das Leben ist eine Baustelle

und zwar eine, auf der schwarz gearbeitet, gestohlen und gepfuscht, schon am Vormittag gesoffen und jede arbeitschutzrechtliche Vorschrift bewusst missachtet wird. Ein buntes Potpourri der resultierenden Grausamkeiten soll heute besprochen werden:

Joh, erst mal zur tatsächlichen Baustelle, auf der jetzt die Profis endlich loslegen sollen bzw. bereits losgelegt haben, mit fatalen Ergebnissen. Ich muss zugeben, dass ich eine Zeit lang sehr häufig die Kindersendung „Willi wills wissen“ geschaut habe und vor allem das Titellied bärenstark fand. Darin gibt es die Zeile: „Wo geht das hin, das Rohr im Klo?“ Dieser Frage ist auch ein uns bekannter Sanitär-Installateur mit kindlicher Neugier und gesundem Unternehmungsgeist nachgegangen. Das Zwischenergebnis manifestiert sich in Form von Löchern an Stellen, wo eigentlich keine geplant waren, und spontanen Flüssigkeitsaustritten. Ein weiteres Zwischenergebnis besteht aus der Aussage: „Dat Rohr is rott!“. Und jetzt frage ich mich, ob das den Tatsachen entspricht, oder ob der gute Mann einfach nur seinem Drang nachgeben möchte, weitere und größere Löcher zu hinterlassen.

AF

Die nächste Baustelle ist eine informationstechnologische: Einen Rechner fertigmachen, das hört sich nach einer endlichen Angelegenheit an, aber das ist eine Illusion, denn wo „Software“ draufsteht, da steht auch immer „Update“ drauf, meist im Kleingedruckten. Ich liebe und hasse Updates: Einerseits kann man sich der Hoffnung hingeben, dass der sorgfältige Hersteller wirklich alle Unzulänglichkeiten seines Produkts beseitigt hat, über die man sich in den vergangenen Wochen geärgert hat. Andererseits kann ein nicht ganz fertig entwickeltes Update einen mit Liebe eingerichteten Rechner in einen Trümmerhaufen verwandeln, weshalb manche User bei diesem Thema der Prokrastination zuneigen. Das kann ich mir nicht leisten, ich muss meine real vorhandenen und virtuellen Maschinen auf aktuellem Stand halten, allein schon deshalb, weil die Kundschaft für gewöhnlich die „automatischen Updates“ aktiviert hat. Wenn also Kleinstweich, Apple und Adobe Patchday feiern, wie beispielsweise gestern, dann habe ich einen halben Tag damit zu tun die Flicken überall einzuspielen. Eine mäßig anstrengende doch langweilige Tätigkeit, denn zwischendurch frage ich mich immer, wie viele Stunden meines Lebens ich schon damit zugebracht habe Fortschrittsbalken anzuschauen.

PB

Die letzte Baustelle für heute ist die der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, wo gestern die xenophobischen ProNRWler und die spinnerten Salafisten doch nicht so intensiv aufeinander trafen, wie im Vorfeld befürchtet. Unser Landesinnenminister wollte ja das Herzeigen der berühmten Mohammed-Karikaturen per Gerichtsbeschluss verbieten lassen, ein merkwürdiges Ansinnen. Noch viel merkwürdiger waren aber die Einlassungen eines jungen Mannes mit beeindruckend unvorteilhaftem Bart, der sich durch eben jene Karikaturen aufs schwerste beleidigt und gekränkt fühlte: Mein Lieber, dies ist ein pluralistischer Rechtsstaat (in dem von mir aus beliebig viele Moscheen gebaut werden können, nur damit mich hier keiner falsch verortet). Wenn Dir irgendeine Meinungsäußerung nicht passt, dann kannste vor Gericht ziehen, oder einfach drüber stehen. Aber Knüppel schwingen und Polizisten fast abstechen, das kannste knicken. Du redest von Ehre, von Respekt, ausgerechnet du. Willst du nicht lieber wieder unter deinen Stein kriechen?

Note to self: Dem Agenten eine Chance? Musik: Norah Jones, Bob Marley, Biffy Clyro.