Mottek

Eine Wand weniger soll es sein, da sind drastische Maßnahmen angezeigt. Das Werkzeug der Wahl ist nicht elektrisch, sondern ganz archaisch. Ein „Primal Concrete Sledge“, ein „Mottek“, also ein gut in der Hand liegender Vorschlaghammer. Träumt nicht jeder Mann ab und zu davon mit einem derartigen Werkzeug mit Urgewalt auf irgendetwas einzuschlagen? Doch, ich glaube schon.

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Zwei Stunden später hat sich die in Frage stehende Wand in einen Haufen Schutt und jede Menge ganz feinen Staub verwandelt. Es ergeben sich merkwürdige, neue Einblicke, die vorher Zweiblicke waren.

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Note to self: Wieder gefunden, was so müde macht. Musik: Georg Friedrich Händel, Die Toten Hosen.

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Mehrheitsverweigerer

Wer ab und zu Phoenix guckt (mein Lieblingssender übrigens), der wird über kurz oder lang über „Augstein und Blome“ stolpern, jene zehn minütige polemische Kontroverse, in der Jakob Augstein leider immer ein bisschen wirkt wie ein Zauberlehrling, während Nikolaus Blome stets mega-seriös und dabei gleichzeitig altväterlich-schmierig daherkommt. Ich stelle oft fest, dass mir die burschikosen Rundumschläge Augsteins ein wenig auf den Senkel gehen, auch wenn er das Herz am rechten Fleck, also links, hat. In seiner aktuellen Kolumne bei SPON hat er diesmal aber mal den Nagel auf den Kopf getroffen und sein Kollege Mathias Schaler springt ihm bei:

Denn richtig ist, dass bei der jüngsten Landtagswahl im Saarland die eindeutige Mehrheit links von der Mitte gewählt hat. Linke und SPD hätten eigentlich eine satte Mehrheit, die nur deswegen nicht zur Regierungsbildung reicht, weil die zart Roten nicht mit den satt Roten können, schon gar nicht mit Oskar, klar das geht gar nicht. Man braucht aber weder Machiavelli, noch Willy Brandt oder Peter Glotz ins Feld zu führen, so wie die beiden genannten Autoren das tun, um die leichtfertige Machtverweigerung der alten Tante zu begründen. Der Grund ist viel simpler: Die SPD spielt schon geraume Zeit Beamten-Mikado: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.

Diesen Eindruck muss man nämlich bekommen, wenn etwa Sigmar, der Rundliche, im Rahmen einer PK einem Lagerwahlkampf für die kommende Bundestagswahl eine Absage erteilt, oder wenn Andrea, die Sphinx von Mendig, in der aktuellen Elefantenrunde ganz und gar in sich ruhend aber schweigend die Scharmützel der anderen verfolgt. Wenn man vor der Wahl die große Koalition als Ziel ausgibt, wie das an der Saar geschah, dann gleicht das einer politischen Bankrotterklärung und Wähler mobilisiert man damit bestimmt nicht. Deshalb würde man dies im Bund wohl auch nicht tun, sähe sich möglicherweise aber von einer erheblich werbenden Union umgarnt, die sich aktuell aller anderen möglichen Koalitionspartner beraubt sieht. Und dann? Dann würde man Zähneknirschen vortäuschen und sich in das vermeintliche Schicksal ergeben. Der SPD sei ein Wort des deutschen Torwarttitanen Kahn zugerufen, genau: Das mit den Eiern. Obs hilft?

Note to self: Ablösung nicht forcieren, sondern pflastern! Musik: Chimaira, Children of Bodom, Animals as Leaders.

Das Grauen

Bislang gab es in diesem Jahr noch keinen Blogeintrag über Fußball, das ändert sich gerade. Ich habe den letzten Spieltag als Serie von Tiefschlägen empfunden und hatte spätestens ab Sonntag 15:30 Uhr so miserable Laune, dass selbst das wunderschöne Frühlingswetter nichts daran zu ändern vermochte.

Am Freitag kehrte ich rechtzeitig aus dem Bergland zurück, um der Partie von Alemannia gegen den FSV beizuwohnen. Es musste einfach was gehen, jede finstere Serie geht einmal zu Ende. Dass man nach 10 Minuten bereits hinten lag, das konnte ich noch wegstecken. Olajengbesi hatte komplett gepennt, aber gut, ein Gegentor nach einer Ecke, das kann mal passieren. Wenigstens hatte Auer einen seiner genialen Momente und man konnte sich mal wieder über ein Aachener Stürmertor freuen, ein schönes obendrein. Als die Mannschaft aus der Kabine kam und die zweite Halbzeit begann, dachte ich mir: Funkel wird sie schon eingenordet haben, dass in Frankfurt was drin ist und drei Punkte entführbar sind, mit Konzentration und vor allem unbedingtem Willen. Ein paar Minuten später rutschte Achenbach aus, der Gegenspieler lief an ihm vorbei und netzte trocken ins kurze Eck ein. Was mögen die Teilnehmer der Spontangrillparty im Garten unseres Hauses wohl gedacht haben, als durch meine offene Balkontür ein ganzer Schwall von wirklich üblen Flüchen den Weg in die laue Abendluft antrat?

Eine detaillierte Analyse der technischen, taktischen und psychologischen Schwächen meiner Lieblingsmannschaft könnte folgen, aber ich will sie den Lesern ersparen. In der derzeitigen Verfassung ist die Alemannia einfach nicht gut genug für die zweite Liga. Wenn man mal vergleicht, was ehemalige Abstiegskandidaten wie Ingolstadt, der FSV oder Duisburg in den letzten Wochen geleistet haben, dann offenbart sich das entscheidende Defizit: Die Mannschaft hat kein Herz, keine Leidenschaft, keinen Kern, sie wirkt in der Niederlage bereits vor Spielende völlig unbeteiligt. Selbst der Alibisturmlauf in den letzten 10 Spielminuten zeigte die ganze Hilflosigkeit.

Der Samstag brachte dann den Sieg der Zebras gegen Paderborn (autsch!) und wenig später die Niederlage meiner Borussia, ausgerechnet gegen die Kotzbrocken aus Hoffenheim. Spätestens zu diesem Zeitpunkt überlegte ich mir, ob ich mich nicht mehr für andere Sportarten begeistern sollte, Tischtennis, Volleyball und rhythmische Sportgymnastik haben ja durchaus auch ihre Reize. Hätten die Dortmunder auch noch gegen Köln verloren, dann hätte ich wirklich eine Verschwörung gegen mich vermutet, aber mit jedem der sechs Tore gegen den verhassten FC besserte sich die Laune wenigstens ein kleines bisschen.

Noch sieben Spieltage. Klar, da geht noch was, aber ich glaube nicht mehr daran. Und selbst wenn man den Relegationsplatz halten sollte, würde man im Moment gegen Karl-Marx-Stadt (Danke Kraftklub!) eher schlecht aussehen. Das ist nämlich eine Mannschaft, die sich am Wochenende erfolgreich gegen eine Niederlage gestemmt hat und Osnabrück letztlich verdient besiegte.

Am Freitag kommt Dresden, vielleicht sollte ich noch mal hingehen. Ein letztes Mal Zweitliga-Atmosphäre am Tivoli und Dynamo finde ich ja auch ganz gut…

Note to self: Deine Sache, Klappe halten. Musik: Animals As Leaders, The Mars Volta.

Dicker Brocken

Bislang gab es in diesem Jahr noch keinen Blogeintrag mit musikalischem Thema, das ändert sich gerade. 4 Jahre nach ihrem letzten Studioalbum „ObZen“ kommen die Mathematik-Metaller von Meshuggah mit „Koloss“ ganz stark zurück.

Koloss

Meshuggah sind für mich eine wirklich einzigartige Band. Und sie sind eine Kapelle, die die Metal-Gemeinde spaltet. Selbst Menschen, die sich sonst den extremsten Kram überhaupt mit Genuss reintun können, haben mit den fünf Schweden oftmals erhebliche Probleme. Das mag am kompromisslosen Ansatz von Meshuggah liegen, denn zunächst mal geht es bei ihnen nur um Sound und Rhythmus. Der ungewöhnliche Sound rührt in erster Linie von der Verwendung achtsaitiger Gitarren in extrem niedriger Stimmlage in Verbindung mit einer besonderen Spieltechnik her, die man „Djent“ nennt. Dabei werden die anzuschlagenden Saiten mit der Außenseite des kleinen Fingers kurz oberhalb der Brücke abgedämpft. Das Ergebnis ist ein knochentrockener, rhythmusbetonender, extrem böser Klang. Der besondere rhythmische Ansatz von Meshuggah ist nicht zuletzt dem außergewöhnlichen Können des Schlagzeugers Tomas Haake geschuldet. Abgesehen von seiner bis zur Perfektion verfeinerten und trotzdem sehr kraftvollen Spieltechnik, sind es die polyrhythmischen oder polymetrischen Aufteilungen, die vor dem Hintergrund eines langsamen 4/4-Takts (zB: Hihat) in 5/4 oder 3/4-Aufteilungen (Bass + Snare) gespielt werden, bis es dann nach 8, 16 oder 32 Zählzeiten wieder aufgeht. Das Ergebnis ist ein ganz merkwürdiger, schiefer Groove, der den Hörer regelrecht verrückt machen kann. Abgerundet wird das Ganze mit atonalen Powerchords jenseits von Dur und Moll und der Reibeisenstimme von Jens Kidman, der sich inzwischen anhört, als würde er konzentrierte Schwefelsäure speien. Zusammengefasst: Es kann anstrengend sein die Musik von Meshuggah zu hören, sehr anstrengend. Viele mögen sich darauf nicht einlassen.

Genug der Theorie, gleich der Opener des neuen Albums fordert den ganzen Mann. „I Am Colossus“ kommt langsam daher, als würde eine Abrissbirne in Zeitlupe in einen maroden Wohnblock einschlagen. Man fragt sich, ob sie allmählich alt werden, aber dann geht es schon mit dem Hochgeschwindigkeits-Monster „The Demon`s Name Is Surveillance“ weiter, in dem die alten Schweden so unbarmherzig auf den Busch klopfen, dass man atemlos zurückbleibt. Ich will nicht alle Stücke einzeln durchgehen, das wäre vielleicht doch ein bisschen zu langweilig. Generell kann man sagen, dass das Durchschnittstempo des Albums gegenüber dem Vorgänger geringer ausfällt, was der Sache aber gar keinen Abbruch tut. Wer schon viel Meshuggah gehört hat (und das habe ich weiss Gott getan), dem wird der Schlagzeugsound auffallen, der dieses Mal weniger gekünstelt daherkommt, also nach der Aufnahme weniger stark bearbeitet wurde. Dagegen ist gar nichts einzuwenden, aber die Doubblebass- und Blast-Passagen fallen dadurch vom Druck her ein klein wenig ab. Das einzige, was mich beim Schlagzeugsound stört, ist die Snare in „The Hurt That Finds You First“, die klingt einfach hohl und ölfassmäßig. Klar, das ist Absicht (Bei den Perfektionisten aus Umeå gibt es keine Zufälle), aber gefällt mir nicht so. Für mich muss eine Snare straff und trocken klingen, ist Geschmackssache.

Was gibt es noch zu schreiben? Nun natürlich gibt es auf „Koloss“ auch wieder ein absolutes Überstück, so wie „Bleed“ auf „ObZen“. Dieses Stück heißt „Swarm“. Wenn die Gitarren mit dem Intro beginnen, mit ihren kleinen hysterischen, sich ständig wiederholenden Figuren, dann fühlt man sich tatsächlich an einen Bienenschwarm erinnert. Sobald die Blasts und das Strophenriff einsetzen, ist dann alles zu spät. Die Intensität und der Druck sind unnachahmlich. Es folgen fünf Minuten, in denen dem Hörer so unglaublich heftig der Hintern versohlt wird, dass es eine wahre Pracht ist. Das unglaubliche erste schnelle Solo setzt dem Ganzen dann die Krone auf.

Meshuggah haben gut daran getan, sich für das Album Zeit zu lassen. Es ist ein weiterer Meilenstein und für alle Freunde von verkopfter Brachialmusik ein absolutes Muss. Bravo und Hut ab, Jungs.

Note to self: Mit Anstand verloren. Musik: Meshuggah.

Telekomiker

Eine Wohnungsauflösung ist so oder so eine nervige, mühselige Angelegenheit, zumal im Rahmen dieser Aktion unter Umständen auch alle Vertragsverhältnisse mit Dienstleistern für Telekommunikation, Rundfunk etc. gekündigt werden müssen. Man kann das per Einschreiben mit Rückantwort erledigen und ordentlich Porto abdrücken, genauso rechtswirksam ist aber die Kündigung per Fax.

Im aktuellen Fall fiel mir die schöne Aufgabe zu, mich um diese Angelegenheiten zu kümmern. Ich habe also Formulare aus dem Web gezogen, ausgefüllt und unterschrieben, eingescannt, in PDFs verwandelt und schließlich mit ebenfalls eingescannten zusätzlich benötigten Unterlagen per Fax rausgeschickt. An dieser Stelle könnte man einen Sermon über das deutsche Bürokratie-Unwesen ablassen, das sehe ich aber etwas differenzierter, weil ich glaube, dass in meinem Heimatland bürokratische Vorgänge im Wesentlichen zwar besonders gründlich, aber hinreichend effektiv und vor allem mit Verlässlichkeit ausgeführt werden. Bekannte berichten da ganz Anderes aus anderen Ländern in Europa, vom Rest der Welt ganz zu schweigen.

Nachdem ich meinen Schwung Kündigung auf den Weg gebracht hatte, wartete ich also zuversichtlich auf schriftliche Vollzugsmeldungen der Vertragspartner. Der Zeitschriftenverlag reagierte sofort, die GEZ bestätigte die Abmeldung am Telefon auf Nachfrage (das entsprechende Schreiben ging wohl verloren, kann ja mal passieren), Tele2 verhielt sich vorbildlich und war flott dabei. Und die deutsche Telekom? Die schickte eine Rechnung für den laufenden Monat (mit falsch geschriebenem Namen des Anschlussinhabers).

Also rief ich dort an. Eine auf Kundenfreundlichkeit getrimmte Call-Center-Sklavin beschied mir, dass meine Kündigung nicht vorliegen würde und somit auch nicht ins System eingebucht werden könne. Bummer! Die Faxnummer war richtig, der Versand des Dokuments war mir als erfolgreich beendet gemeldet worden. Bei der Telekom kam nichts an. Na gut, der Teufel ist ein Eichhörnchen, möglicherweise hatte ich ja doch einen Zahlendreher drin, oder hatte zur falschen Zeit aufs falsche Knöpfchen geklickt. Ich aktualisierte das Kündigungsschreiben, packte alle Bescheinigungen nochmals dazu und faxte erneut. Dann ließ ich dem magentafarbenen Riesen eine Stunde Zeit und rief an. Diesmal wollte ich mich nicht darauf verlassen, dass der führende Telekommunikationsanbieter Deutschlands Faxe erhalten und verarbeiten kann.

Und tatsächlich, ein Fax lag der Telekom auch diesmal nicht vor. Ich erkundigte mich, ob ich mich vielleicht noch etwas gedulden sollte, immerhin sind solche Apparate mit Tausenden von Mitarbeitern und der entsprechenden Technik wohlmöglich etwas träge, wäre ja nicht so schlimm. Nein, nein, sagte die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung. Solche Faxe würden ohne Verzögerung ins System eingespeist. Ich ließ mir die Richtigkeit der Faxnummer bestätigen. Die stimmte. Ich fragte, wie das sein könnte. Das wusste sie auch nicht. Ich beginne mich zu ärgern. Klar, sie sitzt unterbezahlt im Call-Center, kann eigentlich auch nichts für die vollständige Unfähigkeit ihres Arbeitgebers. Aber ich habe halt sie am Rohr, nicht Herrn Obermann. Sie erklärt das Gespräch jetzt beenden zu müssen, sie wolle sich nicht beleidigen lassen, dabei habe ich das nun wirklich nicht getan. Ich bemühe mich um eine sachliche und sachdienliche Einstellung. Was ist jetzt zu tun, um das Mammutprojekt Kündigung zu einem erfreulichen Ende zu führen? Zum T-Punkt soll ich gehen, mit allen benötigten Unterlagen und meine Angelegenheit dort vortragen. Dann werde ich das mal machen.

Wenn ich so arbeiten würde, dann wäre ich bereits pleite, oder säße im Knast, oder beides. Die Telekom Deutschland ist und bleibt das unfähigste Dienstleistungsunternehmen, mit dem ich bislang zu tun hatte. Die ganze Familie und ich selbst (bis auf den Anschlussinhaber dessen Anschluss nun hoffentlich bald gekündigt wird) hat bereits die Konsequenzen gezogen.

Note to self: Dann also diese Woche wie immer. Geht doch. Musik: Rolling Stones, Helge Schneider.

Reiff & Wild

Es gilt, sich in Form zu bringen. Das hat mit dem Frühling zu tun, noch mehr aber mit gewissen geplanten Aktivitäten, die den ganzen Mann und die ganze Frau fordern werden, und die mit Sicherheit auch an dieser Stelle in aller Ausführlichkeit dokumentiert werden werden (Hoppla!). Heute habe ich mein persönliches Trainingsprogramm gestartet, mit einer schönen Runde von Burg zu Burg, natürlich in der Eifel. Zwar war das Wetter eher bedeckt und frisch, doch kommen mir solche Bedingungen eigentlich sehr entgegen. Die übrigen Teilnehmer unserer Wandergruppe empfanden das zum Teil wohl etwas empfindlicher und staffierten sich deshalb mit Wollmützen und sogar Handschuhen aus. Jeder Jeck ist eben anders.

BRS1Burg Reifferscheid, Nordtor

Wir starteten in Reifferscheid, kurz hinter Schleiden und besichtigtigten zunächst mal die Burgruine und den pittoresken historischen Ortskern. Beides thront auf einem stattlichen Hügel oberhalb der neueren Ortsteile. Über das Nordtor führt der gepflasterte Weg vorbei am trutzigen, vollständig erhaltenen Bergfried und dann längs des Haupttors und der Vorburg mit den Nebengebäuden des Wachlokals.

BRS2Burg Reifferscheid, Bergfried

Von da aus erreicht man nach kurzer Strecke die beeindruckend mächtigen Mauerreste der Hauptburg. Den Bergfried kann man erklimmen, dann den Rundblick über die im Tal gelegene Ortschaft genießen und sich dabei vorstellen, dass an gleicher Stelle einst die Herren von Reifferscheid gestanden haben und den Blick über ihre Ländereien schweifen ließen.

BRS3Burg Reifferscheid, Mauerreste der Hauptburg

Von Reifferscheid ging es über Oberreifferscheid, die Brenshöhe, Hahnenberg, Kreuzberg und Haus Eichen auf guten Wegen durchs Gelände, meist Weideflächen. Kaum jemand war unterwegs, die Szenerie wirkte stellenweise wie ausgestorben. Unser nächstes Ziel, die Wildenburg grüßte immer wieder von ferne.

BRS4Blick auf die Wildenburg, westlich von Hahnenberg

Hinter Kreuzberg (550m über NN) führte unser Weg dann in den Wald und das Gelände wurde ruppiger. Zunächst ging es von der zugigen Hochfläche hinab ins Tal. Dann folgte ein Flachstück bei Hesselbusch (480m) und kurz danach erklommen wir einen knackigen Anstieg hinauf auf schmalem Pfad zur Wildenburg (560m).

BRS5Ortsschild Wildenburg

BRS6Wildenburg, Turm der Burgkirche

Tja, die Wildenburg. Als ich das letzte Mal dort war, kam ich als Sozius auf einer Yamaha SR500. Ich war 20 Jahre alt, hatte jede Menge einigermaßen lange Haare (!). Der Fahrer der Maschine hieß mit Vornamen genau wie ich, inzwischen ist er tot. Er starb nicht bei einem Motorradunfall.

In der bischöflichen Akademie Wildenburg hielt meine Schule einmal im Halbjahr philosophische Seminare ab, an denen ich immer mit großer Begeisterung teilgenommen habe. Meine Eltern beschwerten sich damals darüber, dass ich stets schwer auf Krawall gebürstet von dort zurück kam. Ich hielt mich für einen Hippie und auf der Wildenburg diskutierten freie Geister über Themen, die Mitte und Ende der 80er Jahre anstanden: Gewalt (Sitzblockaden, Landfriedensbruch, ziviler Ungehorsam), Frieden und Krieg, Liebe und Hass. Dort habe ich den Entschluss gefasst, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern. Dort sah ich mich mit einer Handgranate konfrontiert, die sich dann glücklicherweise als Übungsmunition aus BW-Beständen entpuppte. Dort war ich sehr und sehr unglücklich verliebt. Im Grunde genommen ist dieser Flecken ein ganz wichtiger auf meiner persönlichen Landkarte. Man kann sich also vorstellen, dass mir heute eine Menge im Kopf herumschwirrte, als wir den Innenhof mit dem altbekannten Brunnen erreichten. Ich wäre gerne noch ein bisschen länger dageblieben, am liebsten allein, aber man drängte zum Weitergehen (sonst würde man auskühlen). Seis drum. Übrigens: Wahrscheinlich ist es heutzutage unumgänglich, von der Allgemeinheit genutzte Gebäude mit Feuertreppen auszustatten. Trotzdem ist die mir bis dato unbekannte Konstruktion an der Wildenburg eine üble Verschandlung des Baukörpers. Ganz schlimm.

BRS7Wildenburg, Feuertreppe

Der Rest der Tour ist schnell beschrieben: Nach dem Abstieg von der Burg wurde eine Straße überquert und daran schloss sich der heftigste Anstieg des Tages an, der möglicherweise auch deshalb so anstrengend war, weil mich inzwischen ein heftiger Hungerast plagte, der erst mit einem „Strammen Max“ in Lenis`s (sic!) Cafestube bei der Rückkehr nach Reifferscheid wirksam bekämpft werden konnte. Und auch das dazu gereichte Kölsch (brrrr) schmeckte ganz hervorragend. Hunger und Durst sind die besten Gewürze, gar keine Frage.

Jedenfalls hat der heutige Tag gezeigt, dass ich besser noch den einen oder anderen Trainingskilometer bis Anfang April bewältigen sollte, das nehme ich mir vor.

Note to self: Das kann man auch glatter, fairer und transparenter organisieren liebe Leute, man ist ja einsichtig, aber ich schätze ein offenes Wort. Musik: Asphyx, Cannibal Corpse.

Einheit im Alter

Es ist kein Geheimnis, dass die Altersverteilung in unserer Gesellschaft durch ein Dreieck veranschaulicht werden kann, das auf der Spitze steht. Immer mehr Alte stehen immer weniger Jüngeren gegenüber. Auch wenn die Politik die Rente mit 67 (und bald mit 70?) einführt, die Zeugungstätigkeit der Fertilen mit merkwürdigen Maßnahmen fördern möchte und sich um die Zuwanderung von jungen Menschen bemüht, der demographische Wandel wird sich vorerst nicht aufhalten lassen.

Heute vermelden nun die Nachrichtenagenturen, dass Frau von der Leyen eine satte Rentenerhöhung ab Mitte des Jahres plant, die allerdings nicht mal die Teuerungsrate ausgleicht. Der Handlungsspielraum der Bundesarbeitsministerin ist dabei sehr begrenzt, ist doch die Rentenanhebung an die Lohnentwicklung gekoppelt, und Rentenanhebung ist in diesem Fall der richtige Begriff, denn eine Rentensenkung bei abnehmenden Realeinkommen, wie sie in den letzten Jahren zu verzeichnen waren, ist im Gesetz ausgeschlossen. Wer in Deutschland den Rentnern ans Portemonnaie geht, der begeht politischen Selbstmord (Gell Herr Schröder?). Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt in die Rentenversicherungskassen hat inzwischen bizarre Ausmaße angenommen. Er betrug im Jahr 2011 satte 80,1 Mrd €, das entsprach ca. 26% Prozent des Gesamtetats. Gleichzeitig nimmt der Anteil der altersarmen Rentner fortwährend zu. Grundsicherung ist auch für jemanden mit jahrzehntelanger Vollzeitarbeit keine Seltenheit mehr. Gibt es überhaupt eine Lösung für dieses Problem?

Ich meine ja und mache hiermit mal einen ketzerischen Vorschlag: Die Höhe der Renten und auch der Beamtenpensionen sollte nicht so bemessen sein, dass vergleichsweise wenige Rentner 4mal im Jahr in Urlaub fahren und sich eine Datsche auf Malle leisten können, sondern ein würdiges Auskommen für alle Leistungsempfänger garantiert ist und das geht nur mit einer Einheitsrente (bei weiterhin prozentualen Beiträgen, wohlverstanden). Oh, ich höre bereits die leitenden Angestellten, Abteilungsleiter, Studienräte, Richter, Professoren, Staatsanwälte und Staatssekretäre, Ministerialdirigenten und Referatsleiter aufheulen. Das geht doch nicht! Wer im Berufsleben oben geschwommen hat, der soll sich im Alter auch nicht einschränken müssen.

Wir müssen verstehen, dass die oben beschriebene politische Zwickmühle auch deshalb zustande kam, weil die Entscheidungsträger in allen Generationen zuerst das Selbstbedienungsprinzip angewandt haben. Die Höhe der Altersbezüge der höheren Chargen im Staatsapparat, in Wirtschaft und Politik ist ein Skandal, Punktum. Da brauchen wir nicht mal das Wort Ehrensold in den Mund nehmen. Verursacht wird das Problem im Wesentlichen durch die Leistungen für das oberste Gehaltsdrittel. Dass genau die Menschen, denen es mit Leichtigkeit zugemutet werden könnte in Eigenverantwortung zusätzlich fürs Alter vorzusorgen, das Geld vorne und hinten reingesteckt wird macht mich extrem wütend.

Die Einheitsrente kann die Folgen der Altersverschiebung in unserer Gesellschaft nur abmildern, nicht ausgleichen. Auch in Zukunft würden zusätzlich Steuermittel in die Rentenkasse fließen, aber lange nicht in diesem unverschämten Ausmaß. Die Einheitsrente könnte gerade die Lebensleistung von Hausfrauen und Müttern würdigen, die keine Gelegenheit hatten Rentenansprüche zu erwerben. Sie könnte geringverdienenden, aber hart arbeitenden Menschen, von denen es in unserer Gesellschaft wohl immer mehr geben wird, den entwürdigenden Gang zum Sozialamt ersparen. Von der Leyen möchte niedrige Renten auf einen Betrag von 850€ aufstocken. Würde man die Bonzen und Großkopferten nicht leichtfertig aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entlassen, dann könnte eine Grundrente für jedermann bei etwa 1200€ liegen und der Bundeszuschuss trotzdem kräftig reduziert werden. Davon kann man meiner Ansicht nach in Würde leben.

Wird sie jemals kommen, die Grundrente? Wohl kaum. Eher werden Staatsfinanzen sich in Richtung griechischer Verhältnisse bewegen. In den vergangenen Monaten und Jahren habe ich zahlreiche Dokumentationen gesehen, in denen es um die Tätigkeit von Zollbeamten ging, die die Verbringung von Erspartem nach Luxemburg oder in die Schweiz verhindern sollen. Die dabei beschlagnahmten Beträge an nicht deklariertem Bargeld lagen in einem Bereich von 25.000-250.000€. Von den Erwischten war kein Einziger jünger als 65.

Note to self: Mottenkiste leerer. Und wieder diese Säcke. Musik: The Cure, Trent Reznor & Atticus Ross, Endless Gloom.