Mighty Mo

Es ist vollbracht: Das Moses-Projekt wurde am gestrigen Montag zu einem vorläufigen Ende gebracht. Ich darf mich nun an einem wirklich sauschnellen und wunderschönen (Das ist dieses Väter-Kinder-Ding) runderneuerten Boliden erfreuen, der mit allen MacPros außer dem 12Kerner ganz ganz locker mithalten kann. Hier ein paar Bilder:

Mo1

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Natürlich habe ich eine Webseite gebastelt, um das Moses-Projekt für die Welt zu dokumentieren. Wer Näheres erfahren möchte, der möge sich dort umschauen. Moses ist immer noch „Work in progress“. Eine ganze Liste von kleinen und größeren Baustellen ist noch offen.

Während hardwareseitig alles in trockenen Tüchern ist, bin ich an der Softwarefront immer noch in schwere Kämpfe verwickelt. Zwar habe ich meine Daten inzwischen vom Altsystem „Judas“ übernommen, doch war der Umstieg auf den neuen Rechner auch mit einem Wechsel von Mac OS X 10.6.8 auf 10.7.2 verbunden. Ich habe meine Meinung zu diesem Betriebssystem an dieser Stelle ja schon in drastischer Form kundgetan. Im alltäglichen Wurschteln hat sich der fatale Eindruck bislang voll bestätigt. Ein Ausschnitt aus der Liste der Grausamkeiten:

Schon klar, ich wusste vorher, dass Apple die Laufzeitumgebung „Rosetta“ für PPC-Applicationen ersatzlos eingestampft hat. Nur war mir wohl nicht ganz klar, wie viele dieser Programme ich tatsächlich tagtäglich nutze. Insofern bin ich damit beschäftigt Ersatz zu beschaffen, zu evaluieren und mich zu gewöhnen. Nicht schön. Davon abgesehen ist der größte Ärger am Löwen die Funktion „Mission Control“ als Ersatz für „Expose“ und „Spaces“. Nicht nur, dass man Programmen keinen virtuellen Schreibtisch fest zuweisen kann. Nein, meine Fenster befinden sich immer genau da, wo ich sie am wenigsten brauchen kann, ein Trauerspiel. Ebenfalls traurig ist die Darstellung von so genannten Konversationen im Mail-Programm, die eingehende E-Post vollkommen willkürlich zusammenwirft und daher unbrauchbar ist. Das verspielte Interface des Adressbuchs macht mich speien. Dann möchte ich mal wissen, warum iTunes zwar frisch importierte Musik brav in meinen Musikordner kopiert, aber nicht in der Bibliothek anzeigt. Und außerdem: Warum muss ich die Gutenprint-Treiber für meine altertümlichen Drucker händisch nachinstallieren? Wer den gigabyteschweren Löwen runterladen kann, der kann auch gleich 15MB mehr runterladen. Eine Lachnummer! Und dann noch eine letzte Frage: Warum zeigt mir „Timemachine“ an, dass es insgesamt über 500 GB sichern muss, hört dann nach ca. 5 Minuten damit auf und behauptet frech eine vollständige Sicherung durchgeführt zu haben? Habe ich jetzt ein gültiges Backup, oder nicht? Zum Kotzen. Ein Armutszeugnis für Apple, aber das ist ihnen inzwischen egal, sie basteln ja schon am Berglöwen. Eine Unverschämtheit!

Ach ja, die Geburtswehen einer neuen, wunderbaren Zeit sind es, die ich durchleiden muss. Unglaublich, wie schnell man sich an die Geschwindigkeit eines i7-Prozessors und einer SSD gewöhnen kann: Ich muss noch ein paar Daten von Judas wegbrennen und denke mir nach 30 Sekunden: War die Kiste immer schon so lahm? Der Mensch ist doch ein furchtbar dekadentes Tier und die nächste Aufgabe lautet: Moses auslasten! Das wird schwer.

Note to self: Den Ton nicht getroffen? Abwarten! Musik: Napalm Death, Asphyx, Architects.

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Einfaches schwierig…

…mit Kleinstweich (aka Microsoft), manchmal kann man sich wirklich nur an den Kopf fassen, aber der Reihe nach (und ich entschuldige mich jetzt schon für diesen todlangweiligen Beitrag):

Gegeben sei ein älteres Laptop (Windows XP), das inzwischen zu langsam ist und durch ein neues Gerät (Windows 7) ersetzt werden soll. Erschwerend kommt hinzu, dass die Windows-Installation auf dem Altgerät inzwischen so kaputt ist, dass jeder Versuch ein beliebiges Programm zu öffnen mit einem Kompletthänger quittiert wird. Nun gut, auf der alten Möhre lief mal Outlook Express, auf dem neuen Teil soll Outlook2007 benutzt werden. Aufgabe ist der Transfer der alten Mails und des Adressbuchs in das neue Outlook. Outlook Express speichert im .dbx-Format, Outlook2007 im .pst-Format. Als eingefleischter MacOS-Benutzer würde ich jetzt erwarten, dass Microsoft ein kleines Konvertierungsprogramm anbietet, um den Datenbestand in das neue Format umzuwandeln. Pustekuchen!

Ich habe jetzt einige Stunden gegoogelt, festgestellt, dass kommerzielle Software, die die Aufgabe bestimmt ausgezeichnet erledigt, mit 49-69$ zu Buche schlägt. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Importfunktion in Outlook2007 schon funktioniert, aber voraussetzt, dass beide Programme auf dem gleichen Rechner laufen. Ich müsste also die völlig vergurkte Windows-Installation so weit reparieren, dass ich Office2007 installieren und verwenden kann. Na super, wer bezahlt mir das?

Es gibt Konvertierungsprogramme für lau, die den Export der Daten in .eml-Files oder .mbox-Dateien gestatten. Kann Outlook diese Dateien lesen? Natürlich nicht. Man könnte Windows Live Mail installieren und dann .eml-Dateien importieren (sogar per drag and drop, die Sonne geht auf). Was anderes bleibt nicht übrig. Also werde ich folgendermaßen vorgehen: .eml-Export per Freeware-Konverter auf USB-Stick. Installation von Windows Live Mail (das Programm muss von einem Praktikanten geschrieben sein, unrunder gehts nicht). .eml-Import in Live Mail und dann (Tataa!): Verwendung der Outlook-Importfunktion. Und das im Jahr 2012, mir fehlen die Worte. Übrigens: Würde ich auf die kühne Idee kommen, die 64bit-Version von Outlook zu verwenden, ja dann würde nicht mal die beschriebene Methode funktionieren: Lächerlich, peinlich, grotesk.

So und jetzt mal Klartext: Outlook Express und Outlook dürften zu den meistverwendeten Programmen des weltweiten Marktführers gehören. Die von den Programmen verwendeten Formate sind proprietär, also nicht öffentlich dokumentiert. Kein Wunder, dass Programmierer, die diese Formate durch reverse engineering entschlüsselt haben, sich diesen Aufwand teuer bezahlen lassen. Wie ignorant und strunzdoof muss eine Firma sein, wenn sie Benutzer mit diesem Problem im Regen stehen lässt. Einfach unfassbar. Und diese Geschichte (und auch die Lösung um drei Ecken) ist eben so typisch Microsoft, dass man sich dann auch wieder nicht wundert. Es ist und bleibt eine Firma ohne Phantasie, ohne jeden Anspruch an Benutzerfreundlichkeit, ohne Esprit. Was für ein erbärmliches Spiel.

Note to self: Isch abe gar kein Auto Signore. Musik: Nick Drake, Kraftklub.

Abtau(ch)en, überleben

Zum ersten Mal in diesem wirklich winterlichen Februar hat das Quecksilber die magische Null-Gradmarke überschritten; das zugehörige Wetter ist fies klamm, stark bewölkt und niederschlägig, mit einem Wort bescheiden. Wenn man berücksichtigt, dass für heute nacht dennoch leichter Frost vorhergesagt ist, dann denke ich mit Schaudern an den Fußweg zur Arbeit morgen früh. Wollen wir hoffen, dass die hiesige Straßenmeisterei rücksichtslos vom Streusalz Gebrauch machen wird.

Dieser Artikel ist für Hamsa Kaschgari. Wer das ist? Nun, das ist der saudische Journalist, der es gewagt hat einige Tweets zu veröffentlichen, die eine kritische Haltung zum Islam, eigentlich zum Propheten Mohammed, offenbaren. Damit machte er sich zur Persona non grata auf der arabischen Halbinsel, floh nach Malaysia und wurde nun von den malaysischen Behörden festgenommen und dann nach Saudi-Arabien abgeschoben. Ihm droht in seinem Heimatland die Todesstrafe. Was fällt uns auf? Man könnte sich zunächst mal über die äußerst pingelige Auslegung der Gesetze in Saudi-Arabien wundern, aber seien wir mal ehrlich: Dieses durch und durch heuchlerische, bigotte Steinzeitregime, das Grundrechte mit Füßen tritt, zehntausende von Gastarbeitern wie Sklaven behandelt, jährlich mehrere Dutzend Menschen hinrichtet und Frauen das Autofahren verbietet überrascht uns eigentlich nicht mehr. Es handelt sich, man muss das so deutlich sagen, um eines der eitrigsten Furunkel am nahöstlichen Hintern. Wenn sich eine Weltmacht dazu entschließen würde den gesamten Staat zu beseitigen und an dessen Stelle einen ziemlich großen und ziemlich sandigen Parkplatz aufzumachen, ich wäre dafür.

Dann können wir uns fragen, warum zur Hölle Malaysia den Mann ausgeliefert hat. Es gibt nämlich nicht mal ein entsprechendes Abkommen zwischen den beiden Staaten. Die nahe liegende Annahme, dass Malaysia eben auch am saudischen Ölhahn hänge, trifft nicht zu. Man denke nur an die berühmten Petronas-Towers in Kuala Lumpur. Aber der südostasiatische Staat hat sich seit Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stramm in Richtung islamistische Gewaltherrschaft entwickelt: Homosexualität ist strafbar, die Ehe mit Andersgläubigen verboten, ein Abfall vom Islam wird mit mehrjährigen Aufenthalten in Umerziehungslagern geahndet. Doch, ein ganz tolles Land, dieses Malaysia.

Und schließlich wundern wir uns über eine Online-Petition auf Facebook, die den Tod von Hamsa Kaschgari fordert. 21.000 Nutzern gefällt das inzwischen. Es ist viel über die Rolle der sozialen Netzwerke während des „arabischen Frühlings“ geschrieben und berichtet worden. Angesichts der neuen Machtverhältnisse in Tunesien (Hamadi Jbeli, der designierte Premierminister, fabuliert vom 6. Kalifat) oder Ägypten (Die Salafisten schlagen die Muslimbrüder bei den Parlamentswahlen) darf man die Hoffnung auf einen gemäßigten, demokratischen politischen Islam wohl getrost ad acta legen. Jedenfalls so weit es die nahe Zukunft anbelangt. Hamsa Kaschgari hat diese Hoffnung gelebt. Er wollte dem Propheten kritisch begegnen und einen Diskurs anstoßen. Die Folgen trägt er nun allein. Wollen wir hoffen, dass die grenzenlose Dummheit der islamistischen Fanatiker nicht verfängt. Wollen wir hoffen, dass die Schwachköpfe, die in Tunesien und Ägypten islamistisch gewählt haben noch rechtzeitig merken, dass Ignoranz und Eifer auch nicht satt machen. Wollen wir hoffen, dass es eine Alternative zum Kulturkampf geben kann, den die Scharfmacher auf beiden Seiten herbeireden wollen.

Note to self: Oppum ich komme übermorgen. Musik: Nick Drake, The Kilimanjaro Darkjazz Ensemble, Nada Surf.