38/34

Klamotten kaufen, ich hasse das. Mag daran liegen, dass mir Mode und Stil ohnehin irgendwie abgehen (gibt schlimmeres). Die Sachen müssen leidlich passen, pflegeleicht und natürlich bezahlbar sein. Marken sind mir egal, Trends sind mir schnuppe, Individualität spielt sich bei mir zwischen den Ohren ab und das reicht auch. Wenn ich eine neue Hose brauche, dann steuere ich schon seit Jahren immer das gleiche Bekleidungshaus in der Aachener Innenstadt an. Auch wenn dieses zwischendurch pleite war und von der Konkurrenz übernommen wurde, hat sich in der Abteilung für Herrenoberbekleidung noch nie etwas verändert: Die Designerjeans, die Stoffhosen, die Sonderangebote – alles immer am gleichen Platz, das lob ich mir.

Mein größtes Bestreben ist, die Beschaffungsaktion mit einem für mich befriedigenden SHQ abzuwickeln. Der SHQ ist der Skidman`sche-Hosen-Quotient, den ich im folgenden kurz herleiten will. Es handelt sich dabei um das Produkt aus Kosten x Zeit, dividiert durch die Anzahl der erworbenen Hosen. Die Benennung der Größe ist folglich Eurominuten. Beispiel: Eine modebewusste junge Frau kauft im Rahmen einer 4stündigen Odyssee durch diverse Boutiquen ein Edelbeinkleid für 95 €, der SHQ beträgt entsprechend 22.800 €min. Mein heutiger SHQ errechnete sich dagegen zu 2025 €min, ein Spitzenresultat. Wer in diese Leistungsklasse vorstoßen will (ich wende mich hier ausschließlich an die mitlesenden Männer, für Frauen sind derartige Werte unerreichbar), der möge folgende Ratschläge beherzigen:

1.) Man darf bis zu 4 Teile in die Umkleidekabine mitnehmen, also nimmt man auch nicht weniger mit.

2.) Hosen unterschiedlicher Hersteller fallen bei gleicher Größenangabe unterschiedlich aus, vor allem beim Längenmaß. Man kann die Länge aber auch ohne Anprobieren vergleichen, indem man bereits als passend identifizierte und zur Auswahl stehende Hosen aneinander hält (duh!).

3.) Man(n) gehe tunlichst alleine einkaufen. Nicht nur, dass zeitaufwendige Extraschlenker entfallen („Schatz, ich guck nur mal eben bei den Blusen“), man spart sich auch die erniedrigende Kommunikation zwischen Lebenspartnerin und Fachverkäuferin („Wir suchen eine Hose für i*h*n“).

4.) Beratung durch das Personal tut nicht Not, stört sogar. Wird man trotz dicker Kopfhörer mit extrem lautem Deathmetal dennoch von der Seite angesprochen, reicht ein freundlich bestimmtes: „Danke, ich komme zurecht!“ Das ist keine Floskel Männer: Wir kommen zurecht!

5.) Es schadet überhaupt nichts ein bereits anprobiertes und für passend befundenes Modell in Mehrzahl zu erwerben. Zartere Naturen greifen zum gleichen Modell in unterschiedlichen Farbgebungen.

Der Beitrag ist jetzt schon ziemlich lang, trotzdem will ich von meinem heutigen Hosenkauf noch folgendes berichten: Zeitgleich mit mir war ein mittelaltes Ehepaar niederländischer Provenienz in der Hosenabteilung zugange. Das Beratungsgespräch lief bereits, als ich mit schnellen und entschlossenen Schritten die Jeansecke enterte. Zeitgleich mit dem bedauernswerten Ehemann, nennen wir ihn Claas, betrat ich die Umkleidekabine. Während ich bereits mit der ersten Hose befriedigt feststellte, dass sich meine Größe nicht geändert hatte, hörte ich von nebenan nach einigem Keuchen ein vernehmliches „Zu eng“. Claas musste offensichtlich dem weihnachtlichen Gespachtel nebst zahlreicher Pilsgetränke Tribut zollen. Ihm wurde aber von seiner besseren Hälfte nach Abstimmung mit der Verkäuferin ein weiteres Beinkleid in die Kabine zugereicht. Ich setzte nach 2 Treffern aus 4 zur nächsten Runde an, alldieweil Claas diesmal ein schon ziemlich ratloses „Zu lang“ vermeldete. Als ich mit dem zweiten 4er den Kabinenbereich betrat, wedelte Claas mit seinem gut gebräunten und schwarz behaarten Unterarm und der 5. zu langen Jeans hinter dem Vorhang hervor. Als ich den dritten und letzten Treffer setzte war Claas wieder bei „Zu eng“ angelangt. Er hörte sich völlig verzweifelt an, auch weil seine Frau begonnen hatte, seine Körperform mit niederländischen Sticheleien zu beschreiben, die ich leider nicht mit hinreichender Authentizität wiedergeben kann. Dabei warf sie der Verkäuferin verschwörerische Blicke zu. Ich verließ die Szene Richtung Kasse. Armer Claas!

Note to self: Fritz! und Annex A. Mir bleibt nichts erspart. Musik: Schroeder Roadshow, The Jimi Hendrix Experience.

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Ein Gedanke zu „38/34

  1. 🙂 Gratulation! Dann kannste ja jetzt wieder mal ne Hose in der Eifel beim Abstieg durch die Wildnis verschleißen. Und diesmal guck ich dann auch genauer hin 😛
    Ich wage zu behaupten, dass ich trotz meiner zwei X-Chromosomen locker mit deinem SHQ mithalten kann. Die meisten Hosen, die ich besitze sind entweder von Mama, Patentante oder älterer Schwester vererbt (bei Familienzusammenkunft anprobieren, passt oder passt nicht), mit Freundinnen getauscht (nettes soziales Ereignis inklusive Sekt und Kuchen) oder von Aldi (die gute, Körperform schmeichelnde Stretchvariante oder die tollen Treckinghosen). Meine derzeit teuerste Hose (eine schwarze von Esprit) erwarb ich während des letzten Sommerschlussverkaufes – gesehen, angezogen, passt – super! Außerdem hasse ich Einkaufsbummel mit Freundinnen. Lieber alleine und zielstrebig. Muss ich mir da jetzt Gedanken machen?! Fühle mich, ehrlich gesagt, sehr weiblich und muss hier doch mal ““ne Lanze für mein Geschlecht brechen! 😉 Ihr Männer seid schon wunderbar, aber wir Frauen sind auch ganz nett und manchmal überraschend pflegeleicht 😉 Herr Prochnow, der Eifelsteig wartet… Groetjes

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