10 aus 2011

Ja, jetzt wirds wieder langweilig. Ihr wisst, was kommen muss. Hier sind sie also: Die für mich 10 besten Alben dieses Jahres.

PJ

Platz 10: Parajubu – self titeled: Zu diesem Album der Aachener Experimentalrocker gab es bereits eine ausführliche Besprechung. Nach wie vor denke ich, dass Parajubu mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, auch über Aachen hinaus. Dieses Album befand sich bei mir bis in den Sommer hinein in Dauerrotation, handwerklich und kompositorisch ein Hochgenuss.

FM

Platz 9: Feist – Metals: Ist das nun anspruchsvolle Popmusik oder brave Noch-Avantgarde? Kann ich auch nicht sagen. Sicher ist, dass Leslie Feist sich seit dem viel beachteten zweiten Album „Let It Die“ mutig weiterentwickelt hat. „Metals“ macht nicht da weiter, wo das 2007er-Album „The Reminder“ aufgehört hat. Die neue Scheibe ist ein bisschen unzugänglich und experimentell. Jan Wigger schrieb im Spiegel, dass der Name „Metals“ richtig gewählt sei, weil das Album „kalt“ sei. Das sehe ich komplett anders. Leslie erzeugt eine fast schon intime Atmosphäre, große Teile der Platte wirken so, als seinen sie in einem kleinen Theater live eingespielt worden. Frau Feist war noch nie eine große Sängerin und musikalische Perfektion hört sich auch anders an. Aber man kann wunderbar mit der Platte tagträumen.

HD

Platz 8: The Human Abstract – Digital Veil: Jetzt wird es endlich metallisch: Die neue Platte von The Human Abstract gehört zu den Veröffentlichungen aus 2011, die eindeutig mehr Beachtung verdient gehabt hätten. Ich habe bereits kurz angerissen, warum mir das Album so gut gefällt, es ist der Balanceakt zwischen Düdeligkeit und wuchtiger Präzision. Man mag THA vorhalten, dass sie auf gleichem Kurs segeln wie „Between The Buried And Me“ es früher taten. Allerdings gibt es auf „Digital Veil“ Passagen, die wir auch auf einer der besseren Platten von „Queen“ finden könnten. Es handelt sich hier um eine Schwermetall-Operette erster Kajüte und deshalb mag man auch gar nicht bekritteln, dass das Album zum Teil ein bisschen überproduziert und kitschig daherkommt.

OE

Platz 7: Origin – Entity: Klar, mindestens eine richtige Knüppelplatte muss in dieser Bestenliste enthalten sein. Der technische Death Metal von Origin spaltet die Szene, nicht weil die Musik so extrem wäre (na gut, sie ist für den Durchschnittskonsumenten extrem extrem), da muss man nur an „Braindrill“ und Konsorten erinnern. Nein, es ist ziemlich offensichtlich, dass die Formation aus Kansas, USA viele Metaller überfordert, weil sie aus meiner Sicht den Kern des Genres ohne jeden Kompromiss rüberbringt: Da swingt nichts, es regiert brutale Kälte und technische Brillanz, aber so richtig böse sind „Origin“ trotzdem nicht und genau das fehlt den Konsumenten, die sich gerne mit „Dying Fetus“ und ähnlichen Bands abgeben. Vergleicht man die aktuelle Langrille mit dem 2008er-Album „Antithesis“, dann kann man konstatieren, dass die Produktion noch ein bisschen transparenter und der Gesang stark verbessert ist. „Entity“ ist verdammt nah dran an maschineller Perfektion, da muss man dann wohl auch hinnehmen, dass das Schlagzeug sehr vertriggert ist. Wer nicht auf Sweeping und Highspeed-Blasts steht, wird mit dem Album nichts anfangen können. Alle anderen können die volle Spielzeit genießen ohne mit den Füssen zu wippen (zu schnell), ohne Headbanging (zu kalt) und mit ganz wenigen Momenten des Durchatmens.

FA

Platz 6: Fair To Midland – Arrows & Anchors: Ich nenne die Musik von Fair To Midland Progressive Rock, wer jetzt an Yes, Pink Floyd und King Crimson denkt, wird diese Meinung nicht teilen. Kein Wunder, die Band trat schon in Wacken auf, hat durchaus kernige und flotte Passagen, sogar mit Growls und Doppelbassdrum, in ihren Stücken und veröffentlicht auf dem Label des System Of A Down Frontmanns Serj Tankian. Vielleicht ist es gerade die Variablität und der Mut zum stilistischen Bruch, die für mich die Faszination von FTM ausmachen. Es würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn man versuchen würde alle Bands zu nennen, die das amerikanische Quintett beeinflusst haben. Um so bemerkenswerter ist es, dass die Formation einen unverwechselbaren eigenen Markenkern etabliert hat, der zu einem wesentlichen Teil aus dem markanten, glockenklaren und trotzdem sehr kraftvollen Gesang von Darroh Sudderth besteht. Die Arrangements von FTM sind ausgefeilt und mit viel Liebe zum Detail ausgeführt. Alles klingt leicht und spielerisch, trotzdem erdig und nicht gekünstelt. Radiotaugliche Hooklines und anspruchsvolle Breaks wechseln sich ab. Diese Gratwanderung gelingt nicht oft – Hut ab.

TD

Platz 5: Textures – Dualism: Auch diese Platte habe ich bereits vor kurzem besprochen. Seit sie auf meinem iPod und iPhone gelandet ist, gehört sie zu den meistgehörten Alben des zweiten Halbjahres. Das liegt daran, dass man bei aller Eingängigkeit auch beim hundertsten Durchlauf noch Neues entdecken kann. In einer Kritik zu dieser Platte habe ich gelesen, Textures seien die weichgespülte Variante von „Meshuggah“ mit einem Schuss „Dream Theater“. Wenn das so ist, kann man der Band kein größeres Kompliment machen.

TB

Platz 4: Tom Waits – Bad As Me: Herr Waits hätte es ja gar nicht nötig, eine neue Platte zu machen. Er hat diesem Planeten und dem Verfasser bereits so viele unvergessliche Momente beschert, dass einem die Spucke wegbleibt. „Bad As Me“ repräsentiert einerseits einen Anknüpfungspunkt an den Gipfel des Waits`schen Schaffens, der sicher mit den Alben „Swordfishtrombones“ und „Franks Wild Years“ erreicht wurde, andererseits ist das neue Album ein ganzes Stück braver als die avantgardistischen Werke a la „Bone Machine“ und „Alice“. Wir dürfen annehmen, dass sich Tom in letzter Zeit beim Whiskykonsum zurückgehalten hat, denn die vergleichsweise immer noch völlig kaputte Stimme wirkt runderneuert und merkwürdig frisch. Vor ein paar Tagen ist Tom 62 geworden. Von da her kann es nicht verwundern, dass weniger Wut, sondern eine gewisse Altersmilde kennzeichnend für die neuste Veröffentlichung ist, das gilt jedoch nicht für die Texte des Albums, in denen er eine messerscharfe Analyse einer zerfallenden westlichen Kultur liefert („Chicago“, „Talkin At The Same Time“) und uns natürlich auch, wie gewohnt, mit den schrulligsten und gleichzeitig liebenswertesten Typen bekannt macht („Pay Me“, „Satisfied“). Tom Waits ist ohne Zweifel einer der großartigsten Songwriter und Arrangeure der letzten 4 Jahrzehnte, seine Konsequenz ist beispielhaft und seine Vitalität und sein Esprit lassen uns atemlos zurück.

MU

Platz 3: Machine Head – Unto The Locust: Auch hier möchte ich auf einen früheren Beitrag verweisen, dem ich nicht viel hinzufügen will. „Unto The Locust“ ist meiner Ansicht nach das beste „klassische“ Metal-Album des Jahres, ohne Schnörkel, bemerkenswert kraftvoll und kein bisschen innovativ. Man kann Thrash-Metal nicht ständig neu erfinden, aber das ist ja auch gar nicht nötig. Gute Stücke sprechen für sich und „Machine Head“ treten den Beweis an, dass man auch nach Jahrzehnten im Geschäft überhaupt nicht abgenutzt sein muss. Man merkt einfach, dass die Band große große Lust hatte, dieses Album zu machen.

PG

Platz 2: Primus – Green Naugahyde: Meiner ausführlichen Kritik zum neuen Album von Primus will ich noch ein paar Zeilen hinzufügen, weil ich mir seit der Veröffentlichung im September dieses Jahres an dieser Scheibe wirklich die Ohren wund gehört habe. Inzwischen denke ich, dass es die beste Platte des Trios seit dem „Braunen Album“ ist. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens ist „Green Naugahyde“ mit großem Abstand die Platte von Primus, die am besten klingt. Die Produktion ist unfassbar kompakt, klar, natürlich, mir gehen die Adjektive aus. Wenn man das Album in ausreichender Lautstärke über Kopfhörer genießt, fragt man sich, wie sie das hinbekommen haben. Der Sound ist zum Niederknien (Und mindestens ein Rezensent bei Amazon sollte sich mal seine Ohren untersuchen lassen). Zweitens wird klar, dass trotz des minimalistischen Ansatzes von Primus, jedes der drei Mitglieder genug Platz hat, sich auszuleben und das auf eine äußerst angenehme, schlichte Art und Weise. Auch wenn die Beiträge von Les Claypool bestimmend sind, Gitarre und Schlagzeug besetzen gekonnt die geboten Nischen und Erker und das Gesamtergebnis wird mit jedem Durchlauf runder. An dieser Platte ist nichts zu viel und nichts zu wenig, das können nur ganz wenige. Und drittens ist „Green Naugahyde“ eben kein weiteres Solo-Projekt von Claypool. Alle Kritiker, die ständig Parallelen zwischen „Fungi And Foe“ und GN suchen, sollten noch mal genau hinhören. Das neue Album (es wurde übrigens in zwei Tagen aufgenommen, unfassbar) schlägt den ganz großen Bogen, bietet einerseits den Session-Charakter der ganz frühen Aufnahmen und andererseits die verbastelte Verschrobenheit der Vorgänger-Alben. Nein, es ist kein Abräumer a la „Tommy The Cat“ auf der Platte. Na und?

PC

Platz 1: Puscifer – Conditions Of My Parole: Trommelwirbel: Meine Lieblingsplatte des Jahres ist kein Haudrauf-Album, kein Mathcore, kein Metal, sondern eine elektronische Bastelplatte mit vielen sehr gefühlvollen Stücken. „Puscifer“ ist ein Projekt des Tool-Sängers Maynard James Keenan. Jetzt könnte man natürlich denken: Ach, der olle Skidman hat so große Sehnsucht nach der neuen Platte von „Tool“, die auch dieses Jahr wieder nicht erschienen ist, dass er mit dem Surrogat vorlieb nimmt, aber das ist es nicht. Man kann mit „Conditions Of My Parole“ auf eine wunderbare, ziellose Reise gehen, das Album ist wie ein Road Movie. Bekannte Motive ziehen an uns vorbei, Schlaglöcher, aber keine scharfen Kurven unterbrechen die Eintönigkeit. Und über allem liegt der hypnotische Gesang von Keenan, der irgendwie seinen Frieden mit der Welt gemacht hat. Akustische Samples, Schrammelgitarren und Synthie-Streicher treffen auf weitere Bauteile aus dem Elektronikbaukasten. Die Atmosphäre gleicht einer geschlossenen Wolkendecke mit ganz wenigen Lücken, durch die scharfe Bündel goldenen Sonnenlichts gleißen. Die bisherigen Veröffentlichungen von „Puscifer“ setzten auf Provokation, nicht so sehr musikalisch, sondern vor allem in den Textaussagen und den übrigen Bestandteilen des Vermarktungskonzeptes (Webseite, Merch, etc.). Davon hat man sich gelöst. Das aktuelle Album ist subtil, trotzdem eingängig. Es ist schlicht, trotzdem immer wieder überraschend. Es ist kopfig und geht trotzdem zu Herzen. Und es gibt natürlich schon Parallelen zu „Tool“ und „A Perfect Circle“: „Conditions Of My Parole“ ist dicht, stimmig, selbsttragend, eben Musik von ganz großen Könnern.

So ganz schnell noch die Alben, die knapp an der Top 10 vorbeigeschrammt, aber durchaus erwähnenswert sind: „Scurrilous“ von „Protest the Hero“ war eigentlich schon fest vermerkt, bot aber zu wenig Neues. „The Hunter“ von „Mastodon“ litt unter der zu starken Konkurrenz. „Ruining it for Everybody“ von „Iwrestledabearonce“ ist durchaus bemerkenswert, aber doch leider ein ziemlicher Abfall gegenüber dem sagenhaften Vorgänger. „Let England Shake“ von „PJ Harvey“ traf zu spät ein, um sich nachhaltig festzusetzen und „The King Of Limbs“ von „Radiohead“ erwies sich auf Dauer doch als zu bemüht und unzugänglich.

Die größten Enttäuschungen des Jahres sind für mich: „I`m With You“ von den Chili Peppers, eine bodenlose Frechheit, dann „Eternal Youth“ von „Rolo Tomassi“ wegen der zweiten Hälfte des Doppelalbums, die überflüssig wie ein Kropf ist. Den Vogel abgeschossen haben „Opeth“ mit „Heritage“, die ich bereits verrissen habe. Die Platte ist eine gelangweilte Unverschämtheit.

Note to self: Kaum eine Reaktion. Schade auch. Musik: Na was wohl? Die Top 10 des Jahres!

Gehabt zu haben

Nur keine Aufregung! Der Reihe nach: Erst mal möchte ich mich ganz herzlich für die guten Wünsche zum Hauptkonsumfest bedanken, die mich per E-Mail, Grußkarte und Telefon erreicht haben. Zweitens möchte ich mir alle weiteren Anmerkungen zum Verlauf des diesjährigen Geschehens rund um den Weihnachtsbaum verkneifen, nicht weil dieser Verlauf so furchtbar gewesen wäre, sondern weil ich immer noch sortiere, was an den Feiertagen zwischen Besinnlichkeit, mehr oder weniger ausgedehnten Mahlzeiten, sehr ernsten Gesprächen, Besuchen in Seniorenheimen und dem Abhören des inzwischen nicht mehr ganz privaten Jahressamplers eigentlich für mich übrig geblieben ist. Drittens möchte ich allen, die hier vielleicht ab und zu reinschauen und noch nichts von mir gehört haben, ein herzliches „Frohes Fest gehabt zu haben“ wünschen. Besser spät als gar nicht und seien wir mal ehrlich: Für ganz viele Menschen ist erst jetzt, in der Zeit „zwischen den Jahren“ die Gelegenheit gekommen zur Ruhe zu finden und die Hektik der Vorweihnachtszeit und der vollgepackten Feiertage hinter sich zu lassen.

Natürlich habe auch ich noch eine, allerdings relativ kurze, Liste von Dingen abzuarbeiten, die dieses Jahr unbedingt noch passieren müssen. Der letzte Kunde des Jahres wird gleich klingeln, ein paar Rechnungen wollen geschrieben und ein paar wichtige Einkäufe erledigt werden. Von da her ist es für eine Bilanz des Jahres 2011 noch zu früh. Schwerer wiegen Projekte und Hängepartien, die im kommenden Jahreslauf des Planeten ums Zentralgestirn anstehen und beendet werden wollen. Ich will nur so viel verraten: Die Mehrzahl dieser Angelegenheiten ist eher unschöner Natur.

Das letzte Jahr hat für mich einige Veränderungen mit sich gebracht und die meisten dieser Veränderungen waren ausgesprochen positiv. Ich habe den Eindruck, dass ich ausgeglichener und gleichmütiger geworden bin. Das ist natürlich eine zweischneidige Angelegenheit, denn so ein bisschen gesunde Wut und Unzufriedenheit sind eigentlich eine ganz wichtige Triebfeder neue Herausforderungen anzugehen. In diesem Zusammenhang werde ich zum Jahresanfang einen Beitrag mit meinen guten Vorsätzen veröffentlichen. Außerdem muss ich zugeben, dass ich es hier und da an Konsequenz habe fehlen lasse: Das Projekt Moses ist immer noch nicht abgeschlossen, ich bin jetzt Besitzer eines Smartphones von Apple, gewisse dumme Angewohnheiten, die ich eigentlich schon ad acta gelegt habe, sind gerade in der letzten Zeit wieder aus der Versenkung aufgetaucht, da gilt es zukünftig wieder mehr Härte gegen sich selbst zu zeigen.

ACwet

Auch wenn die Aussichten für die kommenden Tage nasskalt und bescheiden sind, lasse ich mich davon nicht verstören: Das Kerzlein meines Adventsgestecks brennt, ich schlürfe einen heißen Tee, werde gleich noch ein bisschen am Weihnachtswhisky naschen und würde mir ausnahmsweise mal ein bisschen Schnee wünschen, der Jahreszeit angemessen eben. Aus den Boxen schallt Black Metal von Liturgy. Friedlich ist es draußen und in mir. Schön!

Note to self: Ein unmoralisches Angebot zwischen den Zeilen? Wir wollen uns doch nicht auf den letzten Drücker verheddern, gute Frau. Musik: Liturgy, Krallice, The Pros And Cons Of Recycling.

Platte Platte

Meinen Kunden und befreundeten Computernutzern schärfe ich immer wieder ein, wie wichtig das Thema Datensicherheit ist. Tatsächlich verkennen viele Mitmenschen an dieser Stelle die Realität: Wir befinden uns längst im Zeitalter der digitalen Teilidentität und die persönlichen Daten auf einem Heim-PC sind viel viel wertvoller als die Hard- und Software, wertvoller für Datenkraken und Datensucher, aber auch wertvoller für den Besitzer des Computers. Deshalb habe auch ich in meinem Heimbüro immer sehr viel Wert auf Backups gelegt und bislang in 17 Jahren Computernutzung noch nie (!) auch nur eine einzige Datei verloren.

Am gestrigen Abend war alles wie immer, ich wollte vor der Probe noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen, erhob mich vom Schreibtisch und schickte meinen Hackintosh „Judas“ in den Ruhezustand. Nach einer halben Stunde war ich zurück, machte mir noch eine schnelle Stulle (leerer Bauch singt nicht gern) und plante während der Vertilgung noch ein bisschen Newsgroups zu lesen, allein der erwachte Rechner konnte keinerlei Verbindung ins Internet mehr aufbauen. Na gut, checken wir mal den Status der DSL-Verbindung: Alles in Ordnung, auch auf die nachgeschalteten Router konnte ich problemlos zugreifen. Machen wir mal einen Neustart (wenn das einzige verfügbare Werkzeug ein Hammer ist, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus). Herzhaft kauend erwarte ich also die Anzeige der Eingabemaske für mein Benutzerkennwort. Vergeblich. Nach den BIOS-Meldungen bleibt Herr Ischariot mit der Meldung „Verifiying DMI Pool Data“ stehen, die LED für die Festplattenaktivität flackert noch ein bisschen, als wollte sie mich vergackeiern, dann ist Stille.

In all den Jahren der Rechnerverwendung habe ich eines gelernt. Der oberste Grundsatz lautet: „Don`t panic!“ Man kann durch unüberlegte Schnellschüsse aus Mäusen Elefanten machen. Also kurbel ich mir erst mal betont lässig eine Kippe, merke aber dabei, dass es in meiner Schläfengegend doch ein Stückchen heftiger pocht, als gewohnt. Mein Datensicherungsstatus ist grün: Die automatische Sicherung mit Timemachine ist ohne Probleme gelaufen, das letzte händische Backup liegt ungefähr 2 Wochen zurück. Nun denn, der Bassmann klingelt, es ist Zeit. Die Kiste wird hart ausgeschaltet und muss bis Mitternacht warten.

Wenn Judas ein echter Mac wäre, dann könnte man bei der nächtlichen Problemlösung streng nach Vorschrift vorgehen: Start von CD, Festplatte überprüfen, Sicherung einspielen, glücklich sein. Doch Judas hat eine schwarze Seele. Damit er mitspielen kann, benötigt er ein kleines Stückchen Software, einen Bootloader, der ihm sagt: „Du bist Judas, ein Mac, nun starte den Schneeleoparden und diene deinem Herrn.“ Besagter Bootloader hat sich jedoch offenbar ins digitale Nirvana verabschiedet. Ich mache mir erst mal ein Bier auf und werfe dem Verräter ein gezischtes „Sausack“ entgegen. Und ich denke mir: Wie schön wäre es doch, wenn Apple mal auf ein wirklich stabiles Festplattenformat umsteigen würde, gegen NTFS sieht HFS+ nämlich aus wie eine Kreisligamannschaft gegen Real Madrid.

Mich packt der sportliche Ehrgeiz: Wollen doch mal sehen, ob wir den Bootloader nicht manuell installieren können, aber ach: Das Festplattendienstprogramm vermeldet ein völlig zerlegtes Dateisystem. Zwar lassen sich alle Fehler reparieren, doch starten will mein Raubkätzchen deswegen noch lange nicht, auch nicht wenn ich den Bootloader per USB-Stick einschleuse. Ich muss den ganz harten Weg gehen, starte ein manuelles Backup sämtlicher Partitionen auf der kränkelnden Festplatte und lege mich hin, denn der Blick durchs Fenster zeigt das, was Heinz Rudolph Kunze das „morgengraue Arschloch der Nacht“ nannte (Tschuldigung!).

Inzwischen sind die Daten wieder hergestellt, ich habe manches gelernt, die Tauglichkeit meines Backupkonzepts erfolgreich überprüft und halte zusätzlich ein Komplettbackup für den Fall vor, dass die Platte doch todkrank ist und demnächst verstirbt. Das ging noch mal gut!

Note to self: Venwegen? Daumen drücken! Musik: Schröder Roadshow, Samael.

Eingepreist

Schon wieder ein Beitrag zum Thema Kohle? Was ist nur mit dem Anti-Wachstums-, Anti-Wohlstands-, Anti-Gier-Skidman los? Naja, ich könnte es mir leicht machen und mit Reinhard Fendrich ein lockeres „A jeder is zum habn“ (Jeder hat seinen Preis) trällern, aber so einfach ist es dann auch wieder nicht. Die aktuelle Situation: Auch ohne das E-Wort niederzuschreiben wissen wir, was gerade alles auf dem Spiel steht. Man kann in Panik verfallen, seine Aktien abstoßen (wenn man welche hat), Gold oder Immobilien kaufen (wenn man sie sich leisten kann) und anfangen besonders haltbare Lebensmittel einzulagern (auch wenn der Kram im Durchschnitt alles andere als wohlschmeckend ist). Natürlich kann man das alles auch ignorieren (wenn man eh keine Kohle hat), sich in Erwartung einer Rieseninflation verschulden (wenn man gute Nerven hat) oder fatalistisch abwinken (das letzte Hemd hat keine Taschen). Trotzdem, hier kommt der erste, zweite und dritte Preis dieses Beitrags:

Thema Tabak: Es ist noch gar nicht lange her, da wurde der Preis für Tabak zum Selberdrehen um etwa 50ct/Packung angehoben. Die Steigerung war politisch gewollt, Tabak wird immer mehr zum Genussmittel der bildungsfernen Unterschichten, Lungenkrebs, Herzinfarkt und Schlaganfall bedrohen das Budget der Krankenkassen. Die entsprechenden Hasstiraden in den meisten Online-Foren sprechen Bände. Mir liegt es fern diese Diskussion hier wieder aufzuwärmen, mich ärgert etwas anderes: Inwiefern kann eine Preissteigerung am Tabakkonsum etwas ändern? Natürlich, wenn man das Spielchen weiter treibt, können sich irgendwann nur noch die das Rauchen leisten, die dafür eigentlich zu reich, klug und schön sind: Die so genannte Elite unserer Gesellschaft. Die „Hart aber Fair“-Sendung vom gestrigen Abend exerzierte das Ganze am Beispiel von Übergewicht und schädlichen Nahrungsmitteln durch, sehr lehrreich, denn irgendwann lag die traurige Wahrheit auf dem Tisch: Die Politik strebt den bis zum Schluss wirtschaftlich verwertbaren, lustfeindlichen, stets leistungsbereiten Menschen an, der sich von morgens bis abends Sorgen um seinen Body-Maß-Index, seine Lebenserwartung, seine Attraktivität macht. Sorgen lassen sich nämlich noch besser vermarkten als Tabak, so einfach ist das.

Thema Busfahren: Tja, demnächst ist es wieder so weit, die ASEAG wird die Preise erhöhen, wieder mal 3,3% im Durchschnitt. Das sind 16% in den letzten fünf Jahren. Bevor sich jetzt die Bedenkenträger melden und darauf hinweisen, dass die Stadt klamm und der ÖPNV defizitär sei, dazu ein ganz klares Statement: Die hinreichende Versorgung mit Transportdienstleistungen in der Fläche lässt sich nicht kostendeckend realisieren, es geht einfach nicht. Deshalb war auch der geplante Börsengang der Bahn ein Irrsinns-Projekt. Für Stadt und Kreis (Städteregion sollte man nicht mehr schreiben, was für eine Lachnummer!) Aachen bedeutet dies, dass eine Subventionierung des ÖPNV hingenommen werden muss. Nimmt man die angestrebte Energiewende hinzu, dann sollte man für eine gute Nahverkehrsversorgung eher mehr Geld als weniger locker machen. Aber da, ähnlich wie beim Rauchen, eigentlich nur diejenigen busfahren, die ohnehin im gesellschaftlichen Abseits stehen (Kinder, Rentner, Habenichtse, Schwerbehinderte) sieht es die Stadt nicht ein, für dieses Klientel die Schatulle noch ein bisschen weiter zu öffnen. Naja, zu Fuß gehen ist ja auch viel gesünder (und man kann dabei rauchen. Duck und wech…)

Thema Thailand. Wir sind es gewohnt, dass fast alle Komponenten moderner Elektronik in den letzten Jahren immer billiger geworden sind. Das gilt auch und gerade für Massenspeicher. Nun befinde ich mich gerade, da das Projekt Moses einige Fortschritte macht, in der Situation mir ein paar Festplatten zulegen zu wollen. Klimawandel und Globalisierung schlagen grausam zu: Wegen der Flutkatastrophe in Thailand, wo sich ein ordentliches Fuder entsprechender Produktionsstätten befindet, sind die Festplattenpreise um bis zu 150% nach oben gegangen. Künstliche Verknappung durch panische Hamsterkäufe tat ein Übriges. Mit einer Verbesserung ist erst im Frühjahr zu rechnen. Soll ich jetzt also warten, bis die Preise sich wieder auf ein erträgliches Niveau eingependelt haben? Wird sich dieser Zeitpunkt nicht noch weiter verschieben, weil im Moment alle keine Platten kaufen und dann im Frühjahr die Nachfrage explodiert? Oder sollte ich, eingedenk der Bedeutung des Begriffspaares „Preis“ und „Wert“ (s. Oscar Wilde bzw. Johannes Rau), einfach zuschlagen? Darüber werde ich jetzt bei einem kleinen Spaziergang und einer gemütlichen Fluppe erst mal ausführlich sinnieren…

Note to self: Schlendern ist Luxus! Musik: Beneath Oblivion, Disma, Jeff Buckley, Megadeth, Massive Attack.