Versuchte Ehrenrettung der Silvana K.-M.

Silvana Koch-Mehrin ist eine Betrügerin. Sie hat beim Verfassen ihrer Doktorarbeit abgekupfert, woraufhin ihr der Titel seitens der Universität Heidelberg aberkannt wurde. So viel ist klar. Ob man in einer solchen Situation einen Sitz im Forschungsausschuss des Europäischen Parlaments einnehmen muss, ist dagegen eine Frage des politischen Anstands. Die Kritik von akademischer Seite war lautstark, Frau Koch-Mehrin ruderte zurück und möchte nun in einem anderen Gremium tätig sein. Im Grunde offenbart sich darin ihre Instinktlosigkeit und ein Mangel an charakterlicher Eignung, den man aber bei KM eigentlich erwarten musste. Man erinnere sich nur an die Affäre um ihre unzureichende Anwesenheitsquote bei Parlaments- und Ausschusssitzungen vor der EU Wahl 2009 und ihre Abgabe einer diesbezüglichen eidesstattlichen Erklärung zur Erwirkung einer einstweiligen Verfügung, die dann später zurückgenommen wurde. Silvana Koch-Mehrin ist eine Schande für die Demokratie und Parlamentarier wie sie erhärten den Eindruck, dass Politiker mit mangelndem Talent und Einsatzwillen in Richtung EU auf sichere Pöstchen abgeschoben werden.

K.-M.s Entscheidung, ihr Mandat nicht zurückzugeben zeugt immerhin von einer gewissen Chuzpe. Dass sich solche Dreistigkeit noch steigern lässt, wies heute mein Intimfeind, der bodenlose Jan Fleischhauer im SPON nach, der tatsächlich „Gerechtigkeit für Silvana Koch-Mehrin“ forderte. Seine Argumentation geht (leicht abgekürzt) so: Das laute Aufschreien der Wissenschaftler gegen K.-M. sei unlauter, weil die heutige Wissenschaftselite selbst sich durch vereinfachte Prüfungsverfahren nach 1968 unberechtigterweise Posten und Pöstchen im Unibetrieb gesichert hätte. Kumulative Habilitationen und studentische Mitsprache in Besetzungsausschüssen hätten das Niveau hierzulande versaut und deshalb sollte die Wissenschaft sich nicht so aus dem Fenster lehnen, sondern lieber die Fresse halten. Die Ausführungen Fleischhauers, gewohnt polemisch und zu kurz gedacht, muss man unter zwei Aspekten näher betrachten. Erstens muss man ihm raten, sich mit professioneller Hilfe seinem persönlichen Trauma zu stellen, denn die 68er sind nicht verantwortlich für alle politischen und gesellschaftlichen Entsetzlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Zweitens sollte selbst ein Fleischauer sich nicht der fahrlässigen öffentlichen Selbstbesudelung hingeben, denn er selbst hat sein Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft genau in dem Unibetrieb absolviert, dessen Niveaulosigkeit er lautstark beklagt. So ist das leider: Der Mann ist ein wandelnder Zirkelschluss. Vielleicht sollte er einfach aufhören für den Spiegel zu schreiben. Lagerist oder Handelsvertreter sind auch ehrbare Berufe.

Note to self: Siehste, kostenlos und dreist kommt weiter. Musik: keine.

Lasst rollen Mädels

Heute gehts endlich los: Die FIFA-Frauen WM startet. Seltsamerweise aber nicht mit dem Eröffnungsspiel Deutschland – Kanada, sondern mit der Partie Nigeria – Frankreich am frühen Nachmittag. Soll mir auch recht sein. Sobald das Turnier läuft ist wenigstens die Zeit der ganz besonders üblen Vorberichterstattung vorüber. Und das ist auch gut so.

Was da in den vergangenen Wochen auf uns einprasselte, das deckte das gesamte Spektrum von „Kennen wir schon“ über „langweilig“ bis „das darf noch nicht wahr sein“ ab. So kann ich etwa dieses Kaffeeservice, das die Gewinnerinnen des ersten EM-Titels für Deutschland vom DFB erhielten, nicht mehr sehen. Genau so geht es mir mit den Ausschnitten aus den 60ern und 70ern, die mit chauvinistischen Originalkommentaren unterlegt sind, denn diese sind überhaupt nicht fußballspezifisch. Wer sich Fernsehschnipsel aus dieser Zeit zum Themenkomplex Autofahren oder Haushaltsführung ansieht, findet dort genau den gleichen Ton. Der Gipfel der Peinlichkeit war der letzte Tatort aus Ludwigshafen, in dem eine an den Haaren herbeigezogene Story unter Mithilfe von Dr. Theo Zwanziger und Celia Okoyino da Mbabi verwurstet wurde.

Im Grunde genommen decken solche Idiotien vor allem eines auf: Der Frauenfußball lässt sich noch nicht ganz so gut vermarkten, wie das Premiumprodukt Männerfußball. Seien wir froh! Es bringt gar nichts, mit mehr oder weniger hilflosen Versuchen beide Sportarten auf das gleiche Niveau heben zu wollen. Wer sich für Frauenfußball interessiert, und das tue ich schon seit einigen Jährchen, der wird sich die Spiele in der Glotze mit Genuss angucken. Und wer ständig Vergleiche mit den kickenden Herren anstellen und sich dabei das Maul zerreißen will, der wird genau das tun. Hier sei an den unsäglichen Kommentar des unsäglichen Mehmet Scholl erinnert, der sich in seiner Rolle als ARD-Experte bei der Kommentierung einiger Ausschnitte von einem der letzten Testspiele nicht entblödete anzumerken, das „sehe ja fast wie Fußball aus“. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Wahrnehmung der Sportart bei den Fans und den meisten Durchschnittskonsumenten sehr viel realistischer und angemessener ist, als in den Medien.

Es ist doch so: Wenn bei den Olympischen Spielen die Frauen über 100 Meter ca. zwei Sekunden langsamer rennen als die Männer, dann ist das nicht weiter erwähnenswert. Wenn aber bei einem Frauenfußballspiel Torabschlüsse nicht ganz so hart getreten und Zweikämpfe weniger brutal geführt werden, dann hört man hämische Kommentare von den selbsternannten Experten. Frauen- und Männerfußball unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Athletik und Körpereinsatz. Na und? Es gibt auch Aspekte, wo der Frauenfußball ganz klar vorne liegt: Er kommt beispielsweise ohne eitle Gockel wie Christiano Ronaldo aus. Wir sehen weniger Blutgrätschen an der Grenze zur Körperverletzung. Und vor allem muss man sich nicht ständig über unsportliche Schauspieleinlagen ärgern. So gesehen ist Frauenfußball ein kleines bisschen mehr so, wie Fußball eigentlich sein sollte.

Note to self: Jetzt hast Du wieder alle. Musik: Cowboy Junkies, Motorjesus, Arch Enemy.

Stoßmensur am rechten Rand

Man stelle sich ein Grüppchen heimat- und brauchtumsliebender, trinkfester, textsicher singender Männer in lustigen Klamotten vor, die vor allem ganz aktiv an ihrem sozialen Netzwerk knüpfen, um eigene Karrierechancen zu befördern: Ein Karnevalsverein? Könnte sein, aber in diesem Beitrag geht es um so genannte „Verbinder“ im Allgemeinen und Burschenschafter im Besonderen. Dem Spiegel haben wir es zu verdanken, dass über einen wirklich unglaublichen Antrag zur Änderung der Satzung (sie nennen es Verfassung) der Deutschen Burschenschaft überhaupt berichtet wurde. Die anderen Medien hielten sich ziemlich zurück. Konkret geht es darum, dass für die Aufnahme in eine der DB zugehörigen Verbindung die Abstammung maßgeblich sein sollte und damit Bewerber mit außereuropäischen Wurzeln von der Veranstaltung ausgeschlossen wären, bzw. solche Verbindungen aus der DB ausgeschlossen werden sollten, die solche Mitglieder aufweisen, der Spiegel nannte das „Ariernachweis“. Dem Antrag entprechend wäre die Hansea Mannheim, die einen chinesischstämmigen Bundesbruder in ihren Reihen hat, aus der Deutschen Burschenschaft ausgeschlossen worden, denn er „weist eine nichteuropäische Gesichts- und Körpermorphologie auf die Zugehörigkeit zu einer außereuropäischen populationsgenetischen Gruppierung und damit auf eine nicht deutsche Abstammung hin“. Mal abgesehen vom kaputten Satzbau würde es auch nicht überraschen, wenn so ein Textfragment in den Nürnberger Rassegesetzen stehen würde.

Nun, inzwischen wurde der Antrag zurückgezogen, allerdings wirft er ein Streiflicht auf die aktuellen, äußerst bedenklichen Entwicklungen in der DB. Man mag von den Burschenschaftern halten, was man will. Mir erschienen sie immer als verknöcherte, allzu brave, erzkonservative Sekte, die eben doch selten genug das Feuer weitergibt, aber dafür die Asche sorgfältig aufbewahrt. Das ganze schwülstige Getue und Geschwurbel, die elitäre Pseudosprache von „ad hymnam“ bis „silentium“, das Herumstolzieren im Vollwichs, die merkwürdigen Trinkrituale, die noch merkwürdigere Tradition des Fechtens und die meist stramm deutsch-nationale Ausrichtung waren und sind mir zutiefst zuwider.

Allerdings ist es eben schon ein gewaltiger Unterschied, ob man sich politisch am rechten Rand der demokratischen Tradition bewegt, oder noch ein wenig weiter rechts. Die Rolle der Burschenschaften vor und beim Hambacher Fest ist mir genau so bekannt, wie ihre erzwungene Auflösung im Dritten Reich. Ob man deshalb alle drei Strophen des Deutschlandliedes singen muss, sei mal dahingestellt, ich finde es unerträglich. Ähnlich merkwürdig ist die großdeutsche Organisationsstruktur, die durch die Aufnahme der österreichischen B!B! in die DB zustande kam. Natürlich darf man an dieser Stelle nicht alle Studentenverbindungen in einen Topf werfen, das will ich ausdrücklich betonen. Natürlich gibt es riesige Unterschiede zwischen Corps, Burschenschaften, dem katholischen Kartell und so weiter.

Äußerst bedenklich ist jedenfalls die in jüngster Zeit zu beobachtende Radikalisierung des Burschen-Dachverbandes und seine Unterwanderung durch rechtsextreme und neonazistisch orientierte Bünde, die jetzt in dem oben erwähnten rassistischen Antrag zur Satzungsänderung gipfelte. Einige Verbindungen werden mit großer Wachsamkeit vom Verfassungsschutz beobachtet, der in seinem letzten Bericht zur inneren Sicherheit bei etwa einem Drittel aller Kooperierten rechtes Gedankengut ausmachte. Es ist eben ein großer Unterschied, ob ein arbeitsloser, versoffener, grenzenlos dummer Mensch sich zu nationalsozialistischem Gedankengut bekennt, oder gebildete Akademiker „aus gutem Hause“, die sich selbst als Elite der Gesellschaft verstehen, solche ewiggestrigen Ideologie zu verbreiten suchen.

Offenbar gibt es Kräfte in unserer Gesellschaft, die verhindern wollen, dass den faschistischen Bundesbrüdern Feuer unterm Hintern gemacht wird. Anders ist es nicht zu erklären, dass Verbindungen, wie beispielsweise die Libertas Brünn in meiner Heimatstadt mehr oder weniger offen ihre Verbindungen zur NPD pflegen dürfen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um annehmen zu müssen, dass die Durchseuchung unserer demokratischen Gesellschaft mit diesen verabscheuungswürdigen Figuren ganz schön weit fortgeschritten ist. Und eine Krähe hackt der anderen eben kein Auge aus. Widerlich!

Note to self: Allmählich sollte es mal weggehen, oder? Musik: Marius Müller-Westernhagen.

o.B.

Nein, in diesem Beitrag geht es nicht um die Diagnoselosigkeit in Krankenakten (o.B. = ohne Befund) und auch nicht um Artikel für die frauliche Monatshygiene, es geht um Menschen, die „ohne Bekenntnis“ sind, im Speziellen um ihre Rolle in Politik und Gesellschaft.

NG

Das vergangene Wochenende erbrachte unter anderem einen deutlichen Wahlsieg für einen orthodoxen muslimischen Ministerpräsidenten in der Türkei, die Bewerbung von Michele Bachman, einer Ikone der christlich-fundamentalistischen Tea-Party-Bewegung um die republikanische Präsidentschaftskandidatur und einen bemerkenswerten Essay „Mit Gott debattiert man nicht“ von Adrian Kreye in der „sueddeutschen“. Im Vormonat veröffentlichte Matthias Matussek seine Polemik „Das katholische Abenteuer“ und vor wenigen Tagen räsonierte der notorische Jan Fleischhauer über die „Selbstsäkularisierung“ der Evangelischen auf dem Dresdener Kirchentag. Es ist angerichtet:

In der Welt nach dem 11. September 2001 wird ein Leben ohne Gott zu einem losen Ende. Wo man vorher einen nachlässigen, pragmatischen Humanismus zur Schau stellen konnte, der nur noch locker an die ethisch-moralischen Wurzeln des christlichen Abendlandes geknüpft war, hat man nun eine Lücke. „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ heißt es von Seiten der erstarkenden Gottesmenschen jeder Couleur. Als Fallstrick für die überzeugten Atheisten erweist sich dabei die prinzipielle Verhandelbarkeit der Grundfesten ihrer Position: Kein Humanismus, keine agnostische Ethikkonstruktion kann mit dem absoluten Anspruch göttlicher Handlungsvorschrift mithalten. Eine weitere Schwäche der atheistischen Geisteshaltung ist ihre Sprachlosigkeit bei den sogenannten letzten Fragen und das trostlose Ergebnis jeder Beschreibung der menschlichen Existenz als temporäres, unfertiges Zwischenergebnis biomolekularer Wechselwirkung. Diese prinzipiellen Defizite wurden durch die jüngsten Versuche offensiver Abgrenzung (s. obiges Bild) nur noch stärker beleuchtet, auch wenn die dort propagierte Stoßrichtung im Sinne einer gewissen hedonistischen, unangestrengten Lässigkeit unseren säkularen, materialistisch orientierten Gesellschaften westlicher Prägung eigentlich sehr entgegen kam. So weit, so schlecht.

Es kann in der Auseinandersetzung um politische Inhalte und ihre vorgebliche Gottgefälligkeit für Atheisten nur darum gehen, die eigene Position als Minimallösung zu präsentieren, dies aber mit lauter Stimme. Die Erfahrungen der Menschheitsgeschichte geben uns recht. Realpolitik hält sich nicht mit „-ismen“ auf und schon gar nicht mit Glaubensbekenntnissen. Die Diskussion um religiöse Begründungen ideologischer Überzeugungen ist das hilflose Umsichschlagen eines Popanz, das sollte auch der Letzte inzwischen begriffen haben. Man mag die atheistische Lückenhaftigkeit wegen ihrer freudlosen, wenig sinnlichen Beschreibung menschlicher Perspektiven geißeln, doch wird man sich immer dann auf sie besinnen, wenn es Spitz auf Knopf steht. Das liegt daran, dass sie den kleinstmöglichen Überbau von quasi-natürlichen Konzepten wie beispielsweise dem „Brutto-Inlandsprodukt“ oder „There is always a bigger fish“ repräsentiert. Denn natürlich hatte Brecht recht: Erst kommt das Fressen, aber dann eben die Moral und nicht etwa das Vaterunser.

Das größte Manko der Atheisten, so wird häufig behauptet, sei ihre Verbissenheit. Vielleicht habe ich mit den vorangegangenen Abschnitten ein weiteres Beispiel für diese These geliefert. Deshalb will ich mit einem Text schließen, der sich einer der letzten Fragen politisch unkorrekt und augenzwinkernd annähert:

Diese Frage war tatsächlich Bestandteil einer Zwischenprüfung im Fach Chemie an der University of Alabama.

Zusatzfrage:
Ist die Hölle exotherm (gibt Hitze ab) oder endotherm (absorbiert Hitze)?

Die meisten Studenten begründeten ihre Meinung unter Bezug auf das Boyle`sche Gesetz (Gas kühlt sich ab, wenn es expandiert und erhitzt sich, wenn es komprimiert wird) oder mit einer Variante davon.

Ein Student allerdings schrieb folgendes:

Zuerst müssen wir wissen, wie sich die Masse der Hölle über einen bestimmten Zeitraum hinweg verändert. Deshalb benötigen wir Angaben über die Rate mit der Seelen sich in die Hölle hineinbewegen und mit welcher Rate sie sie wieder verlassen. Ich denke, wir können mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass eine Seele, einmal in der Hölle, diese dann nicht mehr verlässt. Um zu ermitteln, wieviele Seelen die Hölle betreten, müssen wir die verschiedenen Religionen betrachten, die es heute auf der ganzen Welt gibt. Die meisten dieser Religionen legen fest, dass die Seelen all derjenigen, die nicht dieser Glaubensrichtung angehören, unweigerlich in die Hölle kommen. Da es mehr als eine Glaubensrichtung gibt und Menschen in der Regel nicht mehr als einer von ihnen angehören, können wir mit ziemlicher Sicherheit folgern, dass alle Seelen in die Hölle kommen. Bei den derzeitigen Geburts- und Todesraten können wir erwarten, dass sich die Anzahl der Seelen in der Hölle exponential vergrößert. Jetzt sollten wir einen Blick auf die Volumensänderung der Hölle werfen, da das Boyle`sche Gesetz besagt, dass Temperatur und Druck in der Hölle nur unverändert bleiben, wenn das Volumen der Hölle proportional zum Zugang neuer Seelen expandiert.

Dies lässt uns jetzt zwei Möglichkeiten:
1. Falls das Volumen der Hölle langsamer expandiert als der Neuzugang von Seelen, wird sich die Hölle unweigerlich aufheizen, bis sie explodiert.
2. Falls es schneller expandiert als die Zunahme der Seelenanzahl, verringert sich die Temperatur, bis die Hölle einfriert.

Was also trifft nun zu?
Ziehen wir die Aussage Teresas in Betracht, die sie mir gegenüber im ersten Semester machte,“Eher friert die Hölle ein, als dass ich mit Dir schlafe“ und außerdem die Tatsache, dass ich letzte Nacht mit ihr geschlafen habe, dann muß Annahme 2 zutreffen. Also bin ich sicher, dass die Hölle exotherm und bereits eingefroren ist.

Die logische Konsequenz dieser Theorie ist, dass die Hölle zugefroren ist und deshalb keine neuen Seelen Aufnahme finden können. Somit bleibt nur noch der Himmel, womit auch die Existenz einer göttlichen Macht bewiesen ist… und das wiederum erklärt auch, warum Teresa letzte Nacht andauernd „Oh, mein Gott! Oh, mein Gott!“ ausrief.

Dieser Student erhielt als Einziger die Bestnote.

Note to self: Ich bleibe dran Elisabeth. Musik: Terra Naomi, Anna Ternheim, Archives.

Der große fruchtige Bruder

Gestern wieder einmal Keynote zur Apple WWDC. Einen Live-Stream gibt es nicht, also ziehe ich mir den Ticker auf macnews.de rein. In den letzten Jahren sah das so aus, dass alle 3,4 Minuten ein paar Sätze von den Redakteuren im Publikum gepostet wurden. Gestern wurden uns im Minutentakt rausgewürgte Twitter-Brocken vorgeworfen „Tolles GUI“, „Geile Animation“, „Die Menge johlt“. Also entweder ich bin für solche Sprachkrüppelei zu alt, oder zu anspruchsvoll. Wahrscheinlich beides.

Zu den gestern gezeigten Meilensteinen: iOS lasse ich mal weg, interessiert mich kein bisschen. Mein Mobiltelefon ist 5 Jahre alt und ich benutze es tatsächlich nur zum Telefonieren und SMSen. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Vorstellung vom neuen OS X 10.7 „Lion“. Jetzt mal ehrlich: Das, was uns da gestern präsentiert wurde, soll eine Innovation sein? Ein Meilenstein? Zum Totlachen! In Wirklichkeit ist es doch so: Mac OS X ist seit 10.5 „Leopard“ eigentlich fertig. Na gut, mit 10.6 kam ein runderneuerter Finder, 64bit für alle Programme, OpenCL, bessere Multiprozessor-Unterstützung und weitere Details unter der Haube, von denen der durchschnittliche Benutzer wenig mitbekommt, aber das wars dann auch. Mit 10.7 hält nun die Bevormundung und Verdummung der Benutzer endgültig Einzug bei Apple. Der Library-Ordner ist jetzt vom Nutzer nicht mehr änderbar. Warum, zum Teufel? Expose und Spaces verschmelzen zu „Mission Control“ (Welcher Hirni hat sich den Namen ausgedacht?), Full Screen Apps werden als Neuerung verkauft (Soll ich jetzt etwa ständig im Dock rumstochern, wie die Windozer?) und überhaupt verkündet man das Ende des Filesystems. Man wolle die Bedienung erleichtern. Ich hatte in den letzten Wochen das zweifelhafte Vergnügen mit iPad und iPhone ohne File-Manager (=Finder) zu arbeiten. Es ist grauenhaft. Aber Apple denkt eben so: User, Text, Pages auf, Pages zu, fertig. Wozu braucht man da noch Drag and Drop, wozu Metadaten? Und jetzt braucht man nicht mal zu sichern: Autosafe und Versionierung auf Dateiebene sind die Stichworte. Was soll das? Wenn ich eine Datei in mehreren Versionen brauche, dann speichere ich eben unterschiedliche Versionen ab. Warum soll ich eine Zeitleiste abklappern und suchen, wann ich was geändert habe. Tja, wahrscheinlich bin ich zu alt, oder zu anspruchsvoll, wahrscheinlich beides.

Jetzt kommt der Oberhammer (And there is one more thing…): „Lion“ kann man nicht kaufen. Das heißt, man kann keine DVD kaufen. Man kann es für 23,99 € runterladen. Noch mal: MAN KANN ES NUR RUNTERLADEN! (Entschuldigt, dass ich so schreie). Das bedeutet: Erst mal brauche ich eine Apple-ID, denn ohne geht der App-Store nicht. Natürlich werden meine persönlichen Daten beim Download gespeichert. Sollte ich mal eben eine Zweitinstallation auf einer anderen Platte vornehmen wollen, dann MUSS ICH ES NOCH MAL RUNTERLADEN. 4 Gigabyte! Nehmen wir mal an, eine Anwaltskanzlei oder Arztpraxis in MeckPomm, wo es nur DSL-Light gibt, möchte 5 Arbeitsplätze mit „Lion“ ausstatten, dann müssen sie 5 mal 4 GB runterladen, am besten gibt man den Angestellten dann zwei Tage frei. Nehmen wir mal an, ein Dienstleister möchte beim Kunden einen Rechner neu aufsetzen. Da heißt es dann: So, der Download läuft, ich lese jetzt mal meine Zeitung, Sie zahlen.

Um es ganz deutlich zu machen: Mit diesem unglaublich blöden Schachzug hat sich Apple für immer vom professionellen Computernutzer verabschiedet. Diese Firma ist nicht mehr ernst zu nehmen. ES IST EINE SCHANDE UND ES TUT MIR WEH, WENN ICH SEHE, WIE DAS BESTE BETRIEBSSYSTEM DER WELT OHNE GRUND RUINIERT WIRD. Das heißt, natürlich gibt es einen Grund: Apple wird jeden Benutzer ihrer Software auf der ganzen Welt kennen, sie werden gekaufte Programme, Bücher, Musik usw. ihren Kunden zuordnen können, sie werden Profile erstellen, sie haben damit die totale Kontrolle. Dagegen ist Google ein nasser Furz. In zahlreichen Foren liest man bereits, dass ganze Firmen den kurzfristigen Umstieg auf Windows und Linux planen und das kann ich gut verstehen. Wenn mein Telefonanbieter einen Schluckauf hat und ich deswegen meinen Server nicht neu aufsetzen kann, dann kann ich auch kein Geld verdienen. Und dann kann Apple mir den Buckel runterrutschen.

Es passt gut ins Bild, dass der neue Dienst „iCloud“ parallel vorgestellt wurde, der weder innovativ, noch besonders luxuriös ausgestattet ist. Demnächst will ich nur mal schnell mit dem Laptop ins Internet, aber wenn ich das Gerät einschalte, dann werden erst mal die 500 Fotos von Oma Ernas Geburtstag übers Netz synchronisiert, die ich gestern auf meinen Desktop geladen habe. Braucht keiner, aber alle Macianer kriegen es. Ah, und da sind wir schon beim Finalpunkt der ganzen Geschichte: Macianer will Apple eigentlich gar nicht mehr. 50 Millionen Menschen weltweit benutzen Mac OS, 200 Millionen iOS auf iPhone und iPad und die meisten Menschen, so ließ man uns gestern wissen, haben überhaupt keinen Computer, aber ein Mobiltelefon. Und deshalb braucht man sich um die paar Computerbenutzer auch nicht mehr zu kümmern. So sieht Apple das. Ah, wahrscheinlich bin ich nur zu alt, oder zu anspruchsvoll, wahrscheinlich beides.

Seit 1994 benutze ich Mac OS. Auf meinem Schreibtisch liegt die Installations-DVD von Ubuntu-Linux. Das werde ich jetzt mal installieren und mal schauen, wie gut ich damit zurecht komme. ICH HABE DIE SCHNAUZE VOLL von den Ignoranten aus Cupertino, die uns zu gleichgeschalteten, bevormundeten, strunzdoofen Konsumenten ihres halbgaren SCHEISSDRECKS machen wollen. Für den bin zu alt, zu anspruchsvoll, aber nicht blöd genug.

Note to self: Moses fertigbauen? Wozu? Musik: Tom Waits, Deftones, Nile, U2.