Die Blattern

Keine Frage, es wäre viel schöner, wenn Sport ohne Funktionäre funktionieren würde. Das denke ich mir immer, wenn bei den Eröffnungsfeiern von olympischen Spielen mit den Athleten zahlreiche mehr oder weniger unförmige ältere Herren ins Stadion einmarschieren. So weit es den Fußball betrifft, könnte das Verbands- und Funktionärswesen schlechter laufen, man denke nur an Sportarten wie Boxen oder Radfahren. Immerhin gibt es bei den Fußballern nur einen ziemlich straff organisierten Weltverband und die Austragung der wichtigen Turniere verläuft im Prinzip nach einem transparenten und nachvollziehbaren Modus – wie geschrieben: im Prinzip.

In den vergangenen Wochen ist die FIFA von einem Skandal erschüttert worden, der wahrscheinlich nur die Spitze eines Eisbergs aus Korruption, Geldverschwendung und Vetternwirtschaft darstellt. Ganz klar, wenn man die Verwertungsrechte für das größte Sportereignis der Welt sein Eigen nennt und es dabei um Milliardensummen geht, dann bleibt von Fairplay und Sportskameradschaft nicht mehr viel übrig. Und natürlich darf es nicht verwundern, wenn bei der Vergabe von Posten und Pöstchen gemauschelt und betrogen wird. Der Mensch ist schlecht und der Fußballfunktionär auch nur ein Mensch.

In den letzten Tagen geisterten mehr oder weniger illustre Personen durch die Medienlandschaft. Da hätten wir zunächst mal Mohamed bin Hammam aus Katar. Wir wissen nicht genau, was er alles angestellt hat, damit die WM 2022 in seinem kleinen aber heissen Ländchen stattfinden kann, aber selbst bei einem so geldversessenen Haufen wie der FIFA dürfe es nicht gereicht haben mit einem dicken Bündel Petro-Dollars zu wedeln, denn gutes Geld kann der Verband mit seinem Top-Produkt WM fast überall verdienen (und das sogar steuerfrei, wie beim Sommermärchen in Deutschland). Wir dürfen also annehmen, dass bin Hammam sich an die Vertreter einiger kleinerer Verbände gewandt hat und dort als Wohltäter aufgetreten ist. Der Deal klappte: 2022 geht eine WM ohne Bier und mit eingeflogenen Nobelfans über die Bühne und das einfache Volk guckt in die Röhre. Dann aber hat der Fußballscheich den Bogen überspannt und angefangen an Blatters Stuhl zu sägen und da war ganz schnell Schluss mit lustig.

Vielleicht hätte sich bin Hammam nicht ausgerechnet von Jack Warner aus der Karibik bei seiner Palastrevolution helfen lassen sollen. Besagter Warner ist nicht nur Fußballmacher, sondern kontrolliert über seine Familie den Ticketverkauf für alle FIFA-Großereignisse für den gesamten karibischen Raum und sorgt dafür, dass die Eintrittskarten nur für Wucherpreise zu haben sind. Warner hatte spektakuläre Enthüllungen über Blatter und andere Oberfifas angekündigt, Konkretes war bislang nicht zu hören. Er hätte seine Attacke besser vorbereiten sollen, falls an den Anschuldigungen überhaupt etwas dran war. Und er hätte daran denken sollen, dass er selbst auch Leichen im Keller hat. Die kennt und findet ein Blatter immer.

Gestern Abend nun hat die Ethik-Komission diese beiden Herren kurzerhand suspendiert, damit dürfte der Umsturz gescheitert sein. Ist es nicht bemerkenswert, dass der Entlastungszeuge des Herrn Blatter ausgerechnet aus dem Verband kommt, der angeblich kürzlich eine Millionenspende aus der Zentrale erhalten haben soll? Es ist der gleiche Modus operandi wie immer. Herrscher Sepp wird sein Fußballimperium weiter mit kaiserlicher Strenge regieren, ein Gegenkandidat bei der kommenden Abstimmung zur Präsidentschaft ist nicht in Sicht.

Kurz nach der Gründung der FIFA übernahm ein Franzose namens Rimet als Präsident das Ruder. Dieser wiederum war gut bekannt mit einem äußerst wohlhabenden Rinderzüchter und Diplomaten aus Uruguay. Der Rest ist hinlänglich bekannt: Die erste Weltmeisterschaft fand 1930 in Uruguay statt und Weltmeister wurde (na?) Uruguay. So gesehen hat sich bei der FIFA nicht viel geändert, nur ging es damals um Ruhm und Ehre und heute um schnöden Mammon. Wer dann Weltmeister wird, interessiert zum Glück die Buchhalter nicht, sonst wäre nicht nur die Vergabe des Turniers, sondern auch dessen Verlauf ein abgekartetes Spiel. Ach ja…

Note to self: Was Anderes kochen. Musik: War From A Harlots Mouth, Rolo Tomassi, Anton Bruckner.

Abschalten!

In den Nachrichten berichtet man gerade über ausgefallene Pumpen in Fukushima, wo sich überdies ein Taifun der Atomruine nähert. Die letzten Tage brachten wieder einmal ernüchternde Meldungen aus der Sperrzone: Kernschmelze in drei Reaktoren und das wahrscheinlich schon am Tag des großen Bebens, randvolle Behälter mit radioaktivem Kühlwasser, Inspektoren der IAEO, die sich bei einem 20 minütigen Rundgang einen Überblick verschaffen wollen und eine Betreiberfirma, die weiter das Blaue vom Himmel lügt.

Um hierzulande? Well, heute äußert sich unser neuer Wirtschaftsminister (ja, der Herr Rösler, der nicht deshalb das neue Ressort übernahm, weil er jetzt so wahnsinnig viel Wirtschaftskompetenz besitzt, sondern weil ihm der Kotzbrockenjob als Gesundheitsminister nicht mehr zuzumuten war) und wirbt für einen Ausstieg mit Augenmaß, sonst könnten die Energiekosten aus dem Ruder laufen. Herr Rösler, jetzt denken Sie doch mal nach: Ihre Klientel, die Groß- und Schmutzindustrie bekommt doch eh die besten Stromtarife. Und wer besonders viel verbraucht, der zahlt ja noch nicht mal Ökosteuer (und tut somit auch nichts für die Sicherheit der Rente, aber das steht auf einem anderen Blatt). Und die sogenannten Leistungsträger in unserer Gesellschaft, Herr Rösler, die es nach Auffassung ihrer Partei in Watte zu packen gilt, die werden Strompreiserhöhungen ganz bestimmt verkraften, zur Not können sie sich ja eine schicke Photovoltaik-Anlage auf ihren 300qm Bungalow setzten, dann stimmt die Bilanz auch wieder. Wenn Sie jetzt so tun als wären Sie und Ihre Partei die Anwälte der kleinen Leute, die ihre atomfreie Stromrechnung nicht mehr bezahlen könnten, wer soll Ihnen das abnehmen? Wer, Herr Rösler?

AKW kann man abschalten, Parteivorsitzende und Parteien leider nicht. Ein Jammer.

Note to self: Sauerstoffmangel? Musik: Zaz, Zed, Arch Enemy.

Dislike

DL

Beim Durchstreifen irgendeines Metal-Fanzines stieß ich eben tatsächlich auf ein mir noch völlig unbekanntes Gratis-Remix-Minialbum von Iwrestledabearonce, eine meiner Lieblings-Mathcore/Chaoscore-Bands, also jedenfalls auf einen kurzen Text und einen Link zu der EP „Its All Dubstep“. OK, die EP wollte ich natürlich haben, also flott geklickt und wo fand ich mich wieder? Na, auf der Facebookseite von IWABO und dort versprach man mir tatsächlich den Umsonst-Download der Scheibe und zwar so: Click Like, Click Share, Click Download. Also, noch mal für uns ältere Semester: Erstmal existieren für die Band oder ihr Management offensichtlich nur noch Menschen mit Facebook-Account. Liebe Bären-Ringer, ihr könnt mich mal, ich werde mich bei diesem Verein nicht anmelden. Klar, ich habe eine digitale googelbare Existenz, aber darin kontrolliere ich, welche Angaben ich über mich mache und nicht der Herr Zuckerberg. Zweitens soll ich öffentlich meine Begeisterung (Like) für etwas bekanntgeben, was ich noch gar nicht kenne, weil ich es noch nicht gehört habe. Dann soll ich drittens allen meinen sogenannten Freunden mitteilen, wie toll ich das finde (Share) und dann kann ich mir als Belohnung eure neue EP herunterladen, ihr spinnt ja völlig. So läuft das nicht.

Auch wenn ich mir die (übrigens ziemlich mäßige) Ömmesunst-EP inzwischen anderweitig besorgt habe, kann ich mich gar nicht einkriegen. Diesen Sympathie-Malus kriegen „die einst mit einem Bären rangen“ nicht mal durch ihre witzige Ankündigung der neuen Platte für den diesjährigen Juli weg: Sie haben der Presse gesteckt, man würde in Zukunft nur noch Black-Metal machen und einige entsprechende Fotos, sowie einen gelungenen Song mit dem schönen Titel „Karate Nipples“ vorveröffentlicht:

Das gefällt 4781 Lesern von „Metalsucks“ und wurde 62mal retweetet. Wisst ihr was? Ihr könnt mich alle mal!

Note to self: Umsonst gerannt. Musik: Iwrestledabearonce.

Glückwunsch Herr Zimmermann

BD

Wann bin ich zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Song von Bob Dylan in Berührung gekommen? In der evangelischen Kirchengemeinde. Dort sang man in den späten 70ern auch gerne mal die eingedeutschte Version von „Blowin`in the wind“. Auch in den folgenden Jahren waren es nicht die Originale, sondern Coverversionen bzw. Interpretationen von Zimmermanns Stücken, die mir über den Weg liefen: „Wie `ne Stein“ (Like a rolling stone) von BAP, „The times they are a-changing“ von Tracy Chapman gesungen auf dem Konzert für Nelson Mandela, „Don`t think twice it`s allright“ gesungen von Daxe im Westpark, „A Hard Rains Gonna Fall“ von Joan Baez, „All Along The Watchtower“ von U2, „Knockin`on heavens door“ von Guns`n Roses und natürlich „Mr. Tambourine Man“ von Melanie (Genau, nicht die Version von den Byrds). Man könnte diese Liste endlos fortsetzen. Dylan hat dieser Welt so viele unglaublich gute Stücke hinterlassen, dass man vom Umfang und der Qualität seines Werkes schlicht erschlagen wird.

Natürlich bekam ich auch den Meister selbst zu hören, allerdings war ich von dessen Darbietungen fast immer schwer enttäuscht: Ein äußerst mittelmäßiger Sänger und Gitarrist, der seine Begleitband regelmäßig zur Verzweiflung trieb, weil er das Metrum nicht einhielt, oder einfach nicht bis vier zählen konnte oder wollte. Ganz schlimm wurde es, wenn Dylan die Mundharmonika quälte und zeigte, was das Gegenteil von Virtuosität ist. Der gesamte Vortrag war stets von schnoddriger Unlust geprägt und Bob machte immer ein Gesicht, als würde er den Auftritt in der nächsten Sekunde abbrechen, um etwas Angenehmeres zu tun.

Hätte Dylan irgendwann, vielleicht Mitte der 70er, beschlossen, dass es genug sei mit Musik und Gesang, er wäre auch für mich ein Denkmal geworden. Spätestens in dieser Zeit begann die Selbstdemontage: Alkoholsucht, Verkommerzialisierung, die Hinwendung zum Christentum nach US-amerikanischer Wiederweckungs-Lesart, peinliche Alben, furchtbar uninspirierte Stücke, ein unsäglicher Auftritt beim Papst und eine noch unsäglichere Platte mit Weihnachtsliedern. Es ist nicht nur einfach so, dass Dylan den Absprung nicht geschafft hat, das haben so einige Größen von damals nicht, sondern dass er sich seit Jahrzehnten mit Wonne in die Nesseln setzt und scheinbar völlig in seiner eigenen Welt lebt, oder vielmehr in seiner eigenen Unantastbarkeit.

Tja, also Glückwunsch zum 70sten Robert, wäre an der Zeit in Rente zu gehen, spätestens.

Note to self: Wie jetzt, wann jetzt? Musik: Bob Dylan, Annthennath.

In der Zwischenzeit

Dreizehn Tage ohne neuen Beitrag bei „Just Skidding“? Da muss etwas geschehen. Also, wo fange ich an? Vielleicht mit einer Rückschau auf eine äußerst gelungene Party in der Kartoffelsahara, die am vorletzten Wochenende stattgefunden hat. In sehr entspannter Atmosphäre genossen wir Gegrilltes und Paderborner Pilsener und hatten einfach eine gute unkomplizierte Zeit auf dem Lande. Es ist schon eine ganze Weile her, dass der Skidman mit netten Leuten und einer Gitarre um ein Lagerfeuer herumgesessen hat. Zwar hat das Liedgut sich geändert (Heut ist ein guter Tag zum Sterben von J.B.O. kannte ich noch gar nicht ;-)), aber das heimelige Gefühl beim gemeinsamen Singen in trauter Runde ist immer noch das gleiche wie damals zu studentischen Zeiten. Sehr schön. Ebenfalls sehr schön war übrigens auch der Fußmarsch am nächsten Morgen zum Erkelenzer Bahnhof durch die Felder und Weiler des platten Landes: Die Wattigkeit im Kopf wich einer gewissen andächtigen meditativen Selbstvergessenheit. „Out in the green“ eben und dieser Zauber wirkt immer.

Damit ergibt sich ein zwangloser Übergang zum nächsten Thema: Die ANNAs aus Alsdorf haben sich daran gemacht ein neues Minialbum aufzunehmen. Diesmal wollen wir alles selber machen. Deshalb haben wir vor kurzem in digitale Aufnahmetechnik der neusten Generation investiert und nennen nunmehr nicht nur ein Laptop, sondern auch ein schickes USB-Audio-Interface und einen Kopfhörerverstärker unser eigen. Wenn ich mir überlege, wie wir damals angefangen haben mit einem Roland-Digitalrekorder, mehreren hundert Seiten Bedienungsanleitung und schnell nachlassender Begeisterung angesichts eines winzigen Displays und ultra kompliziertem Handling, dann kann und muss man dem technischen Fortschritt ein Loblied singen. Das erste Stück haben wir bereits im Kasten, unser Obermixer Dirk kümmert sich aufopferungsvoll um die Nachbearbeitung und es gibt sogar schon erste Entwürfe zum Cover, auf die sich alle Kohlenrocker einigen konnten. Also sieht es so aus, dass wir weit weniger Zeit brauchen und weniger Nerven lassen werden als bei unserem ersten Album. Fingers crossed.

Der Übergang zum Folgethema will nicht ganz so glatt gelingen. Wie geht man damit um, wenn ein geliebter Mensch aus Krankheitsgründen nicht mehr so kann, wie man es über Jahrzehnte gewöhnt ist. Es fällt mir schwer das zu akzeptieren. Andererseits ist es ermutigend zu sehen, dass man es schafft damit umzugehen, wenn Wirklichkeit an die Stelle dunkler Vorahnungen tritt. Wir werden das schaffen, weil wir immer zusammengehalten haben, wenn es darauf ankam. Und wir werden uns Antworten geben und sie mit Leben füllen, auch wenn sich Fragen stellen, die uns hinterrücks überfallen. „Jede Wahrheit ist erträglich, sei sie noch so zerstörerisch, sofern sie für Alles steht und so viel Vitalität in sich trägt, wie die Hoffnung, die sie ersetzt hat.“

Note to self: Raus damit! Musik: These are they, The King, Tom Waits.

Esst! Mehr! Oliven!

Tja, der griechische Patient hat, wenn man die letzten Nachrichten richtig einordnet, die Intensivstation noch lange nicht verlassen, sondern scheint nunmehr in ein moribundes Stadium eingetreten zu sein. Hierzulande übt man sich im kollektiven Nachtreten, ist ja auch kein Wunder: Erst haben sich die Griechen in die Eurozone reingelogen, man munkelt zudem über massive Mogeleien bei Agrarsubventionen, und nun sind alle Sparbemühungen offenbar mehr oder weniger wirkungslos verpufft. Abenteuerliche 20% Zinsen soll es auf die neu aufgelegten Staatsanleihen geben, wer sich so etwas ins Portfolio legt, der muss des Wahnsinns fette Beute sein.

In den einschlägigen Online-Foren gebiert die verzweifelte Häme der bundesdeutschen Zahlmeister merkwürdige Ideen, um aus der finanziellen Sackgasse heraus zu kommen: Griechenland solle Teile seines Territoriums verkaufen, Tribut in Form von Schafskäse und Säuglingen leisten oder alle EU-Bürger zum kostenlosen Urlaub einladen. Insofern bin ich mit meiner Forderung nach massiv gesteigertem Olivenverzehr in bester Gesellschaft. Gibt es substantiellere Optionen?

Gerne würden wir die Griechen aus der Eurozone rauswerfen, das klingt ja auch verdammt verlockend, immerhin brauchten wir dann dem guten Geld nicht fortwährend schlechtes hinterherwerfen. Die neue Drachme würde unter Garantie sofort massiv abwerten und damit griechische Produkte sehr viel billiger werden. Für n Appel und n Ei drei Wochen nach Rhodos, so wie den frühen 70ern des letzten Jahrhunderts, das klingt doch super. Für die Griechen selbst wäre es nicht ganz so lustig, da ihre Währung einem heftigen Kaufkraftverlust beim Import ausgesetzt wäre. Da die Helenen zurzeit nicht unbedingt als führende Exportnation gelten können (Da sind sie wieder, die Oliven), müsste man auf den langfristigen Umbau einer ganzen Volkswirtschaft setzen. Einem kurzfristigen Abbau der Euroschulden käme diese Entwicklung somit ganz und gar nicht entgegen.

Bleibt als zweite Option der so genannte Haircut, also der Verzicht auf Forderungen, gleichmäßig auf alle Gläubiger verteilt. Die deutschen Zahlmeister wären dann vierfach im Boot, als Steuerzahler und Garanten der EU-Bürgschaften, als Mitinhaber deutscher Kreditinstitute, als Mitbesitzer von griechischen Staatsanleihen, die sich die EZB gekauft hat (obwohl sie es eigentlich gar nicht durfte, so war das mal ausgemacht) und als Besitzer der Bundesbank, die ebenfalls Kohle ausgereicht hat. Nicht schön, gar nicht schön. Immerhin könnte man sich der Hoffnung hingeben, einen Schlussstrich gezogen zu haben. Man würde die Bonität Griechenlands sofort spürbar erhöhen, was einer erneuten Schuldenaufnahme Vorschub leisten würde (Ja, der Kapitalmarkt ist ein verrückter Markt).

Gibt es noch eine weitere Möglichkeit? Naja, nehmen wir mal an man würde den Griechen und der Welt einfach erklären, dass Griechenland bankrott ist. Wer bankrott ist, der bekommt keinen Kredit mehr, nirgendwo. Wer bankrott ist, der kratzt die verbliebenen Krümel zusammen, verkauft, was noch verkaufbar ist und wird durchgefüttert, aber darf auch keine wirtschaftlichen Entscheidungen mehr treffen. Für die Griechen würde das folgendes bedeuten: Beschlagnahme und Verwertung der Privatvermögen der korrupten Seilschaften und so genannten Eliten im In-und Ausland bis auf einen minimalen Verschonungsanteil. Verkauf der reichlich vorhandenen Rüstungsgüter. Europäische Kontrolle über die Staatsausgaben, harte Beschränkung der Gehälter für Staatsbedienstete und Zusammenschnurren des aufgeblähten Beamtenapparates. Einzug der Privatvermögen von Steuerhinterziehern und Verurteilung der Parasiten zu gemeinnütziger Arbeit. Einführung einer geringen Grundrente. Dies alles nicht mit dem Ziel, das verliehene Geld zurück zu bekommen, die Kohle ist ohnehin futsch, sondern mit dem Ziel irgendwann eine schwarze Null zu schreiben.

Es würde furchtbar lange dauern, diese schwarze Null zu erreichen und es würde für die EU-Steuerzahler und die Banken eine sehr teure Null sein. Und in dieser Zeitspanne sollte man mal gründlich nachdenken: Ist das Ausleihen von Geld gegen Zinsen wirklich eine so gute Idee? Ist Geld wirklich eine Ware, die man kaufen und verkaufen kann, wie beispielsweise Oliven (Jaja, schon gut!). Soll Politik in erster Linie den Interessen der Bürger dienen oder einer kleinen Gruppe von bis ins Mark verdorbenen Bankstern, die die große Mehrheit nach Strich und Faden ausplündern? Ich befürchte, wir sind zu dumm, um wirklich dazu zu lernen, aber fragen wird man ja noch dürfen.

Note to self: Kalt abgewimmelt. Bleiben wir dran, oder? Musik: Deftones, Braintrust, Cobe, Disturbed, Between The Buried And Me.

Hakenschlagen auf sandiger Brücke

Ah, wenn schon die praktischen Arbeiten am Moses-Projekt zurzeit ein wenig ins Stocken geraten, weil Lötarbeiten anstehen, die ich nicht selber ausführen kann, dann kann man sich wenigstens Gedanken über die zukünftige Hardwareausstattung des Boliden machen. Dabei bekommt man auch einen Überblick über den aktuellen Status der Bemühungen der Hackintosh-Szene, die jeweils aktuelle Hardware für die Verwendung in OSX86-Rechnern nutzbar zu machen. Jetzt wird es technisch, sorry folks.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Intel die Produkte der Sandy-Bridge Prozessorgeneration auf den Markt geworfen und die entsprechenden Chipsätze P67 und H67 bereitgestellt. Von einigen Geschmacklosigkeiten mit fehlerhaften Chipversionen (B2) mal abgesehen ist die Plattform ein großer Erfolg. Der Leistungszuwachs bei geringerem Stromverbrauch gegenüber den alten Core-I-CPUs ist ein gutes Verkaufsargument. Apple hat mit der Vorstellung der neuen MacBookPro- und iMac-Modelle nun auch Computer mit den entsprechenden Rechenwerken im Programm. Dies ist deshalb so wichtig für die Hackmacker, weil damit auch endlich Kernel-Extensions von unserem meistgeliebten und bestgehassten Hersteller für diese Prozessorgeneration zur Verfügung stehen.

Die hellsten Köpfe und experimentierfreudigsten Mitglieder der Hackintosh-Gemeinde haben sich folglich in den vergangen Wochen mit Feuereifer in die Arbeit gestürzt und die Früchte ihrer Bemühungen mit der Community geteilt. Um es vorweg zu nehmen, die Sache mit dem Sandy-Bridge-Hackintosh ist zurzeit allenfalls halbgar und straight forward ist garnix. Ich will niemanden mit Details langweilen, aber das ganze sandige Dingens scheint noch nicht wirklich ausgereift. Beispielsweise stecken in den frühen BIOS-Versionen der führenden Mainboard-Hersteller Asus und Gigabyte immer noch erhebliche Fehler. Diese machen sich bei einer Verwendung von Windows auf dieser Hardware meist gar nicht bemerkbar. Da aber in einem Hackintosh die eigentliche Firmware der Hauptplatine (EFI) für die Verwendung von Mac OS X mit einem Stück Software emuliert werden muss, stoßen die Koryphäen bei der Bearbeitung des defekten BIOS schnell an ihre Grenzen.

Zurzeit sieht es also so aus, dass das Macintosh-Betriebssystem schon läuft, aber nur, wenn der CPU-Multiplier herabgesetzt wird. Das ist natürlich umso ärgerlicher, wenn man berücksichtigt, dass ein i7 2600k, der sich ohne viele Verrenkungen prima übertakten lässt, unter Luft ohne Probleme mit 4,5 GHz und mit einer gescheiten Wasserkühlung deutlich über 5 GHz laufen kann. CPU-Features wie Turbo-Boost und Speedstep funktionieren auch nicht auf allen Boards, also verbraucht die CPU viel mehr Strom als eigentlich nötig, auch wenn sie nur im Idle-Modus ist.

Ein trauriges Kapitel ist auch die Unterstützung der unterschiedlichen Grafik-Chipsätze von AMD (ATI) und Nvidia. Klar, das liegt daran, dass Apple eben nur ganz bestimmte Modelle in seinen Rechnern verbaut, und dann so nette Features wie Autoswitching zwischen integrierter und dedizierter Grafik bei Laptops implementiert, die bei einem Desktop-Rechner keinen Sinn machen und bei Verwendung der original Treiber auf solchen Maschinen zu schwarzen Bildschirmen oder farbigen Klötzchen führen können.

Die Szene ist gespalten: Oft hört man, man solle auf OS X 10.6.8 warten. Ich habe so meine Zweifel, ob sich damit viel ändern wird. Klar, der neue iMac läuft, wenn die großen CPUs per build to order bestellt werden, bereits mit einem modifizierten 10.7er Kernel, allerdings eben auf einem Z68-Chipsatz und den gibt es ausserhalb von iMacs noch gar nicht zu kaufen (Tja, Apple ist inzwischen Intels liebster Kunde), jedenfalls nicht in Europa. Andere meinen, man müsse auf die neue Mac Pro Produktlinie warten, wobei ich es für gar nicht so sicher halte, dass die Sandy-Bridge jemals in diesen Hochleistungs-Workstations ankommen wird. Immerhin steht Intel mit LGA 2011 schon in den Startlöchern.

Ich komme ins Schleudern und dann auch wieder nicht, denn eigentlich brauche ich keinen neuen schnelleren Rechner. Mein Hackintosh Judas ist gerade mal ein gutes Jahr alt, läuft zuverlässig und schnell und wird wahrscheinlich auch den Löwen (Mac OS X 10.7) verdauen können, wenn ich das überhaupt möchte (eigentlich möchte ich es nicht, die Schritte hin zu einem verkappten iOS finde ich gruselig). Andererseits juckt es mich gewaltig in den Fingern, wenn ich mir die Rechenleistungen auf der sandigen Brücke anschaue. Es heißt abwarten und locker bleiben. Naja, dann mache ich das mal so 😉

Note to self: LWS, drei Buchstaben und das nackte Grauen. Musik: Mariza, The Human Abstract, Septicflesh, Batillus.