Der alte Zauber

KL

Ich gebs zu: Als Kyuss so ein richtig dickes Ding wurden, da habe ich es überhaupt nicht mitbekommen. Zu dieser Zeit hörte ich eh kaum Musik und wenn, dann immer die gleichen alten Sachen. Meinem lieben Bruder ging das anders, er war Fan der ersten Stunde und versuchte, schließlich mit Erfolg, mir die Angelegenheit näher zu bringen. Stoner Rock: Fettester mittenbetonter Gitarrensound, noch fetterer Bass und ein ständig treibendes Schlagzeug ohne Schnörkel. Heute sagt man, Kyuss hätten diesen Stil erfunden und damit ein ganzes Genre begründet. 1995 löste sich die Kapelle auf, Josh Homme und Nick Oliveri machten mit Queens Of The Stoneage weiter, Brant Bjork brachte Soloplatten raus, John Garcia versuchte es mit Unida und Hermano.

Inzwischen haben sich alle Gründungsmitglieder außer Homme wieder zusammengefunden und sind mit einem neuen Gitarrero auf Tour. Gestern gastierten sie in der (natürlich ausverkauften) Live Music Hall und so machten wir uns auf nach Köln, um zu überprüfen, ob der alte Zauber noch wirkt.

Egal, ob man mit dieser Art von Musik etwas anfangen kann: Der Sound erschlägt einen einfach bereits mit den ersten Takten: So viel an Druck, so kompakt, unglaublich und dabei war es gestern nicht mal unangenehm laut. Leider können die derzeit auf youtube verfügbaren Videos dies nur ungenügend wiedergeben, deshalb verzichte darauf, hier ein Filmchen einzubinden. Das Publikum bestand vorwiegend aus textsicheren Mittdreißigern, die wohl erst mal damit beschäftigt waren festzustellen, ob die Performance von Bruno Fevery an der Gitarre hinreichend authentisch war. Mein Herz war frei von solchen Überlegungen und so gab ich mich einfach hin und ließ mich forttragen. Garcia wirkte ein bisschen distanziert, eine Rampensau ist er wohl ohnehin nicht, aber er guckt immer noch genau so komisch, wie in den alten Videos. Bjork war offensichtlich völlig tiefenentspannt (ein Hippie halt) und Oliveri hatte Spaß (und er muss Pfoten aus Stahl haben).

Die Klassiker wie „Green Machine“, „Gardenia“ und „El Rodeo“ knallen natürlich immer noch rein, aber mir gefielen auch die instrumentalen Intermezzi und die eingeklebten Gitarrensoli gut. Letztenendes war mir egal, wie stark die Stücke gegenüber den Originalversionen verändert waren. Vielleicht ein Vorteil des Gelegenheitskonsumenten. Ein vortrefflicher Abend, meine Herren.

Note to self: Da geht nix mehr. Musik: Kyuss.

Wundenlecken

Darf man sich darüber freuen, wenn eine Reaktorkatastrophe einer ehemals links-alternativen Partei, die heute in erster Linie die gutverdienenden Mittelalten vertritt, dazu verhilft nach mehreren Jahrzehnten in BW die schwarze Regierung abzulösen? Ich weiß es auch nicht. Die Zeiten, in denen ich bei den Grünen mein politisches Zuhause sah, sind lange vorbei. So lange, wie die Entscheidungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr, Trittins Dosenpfand und der Unterstützung für Schröders unsägliche Agendapolitik. Und wenn man den Bogen schlägt vom grünen Einzug in den Bundestag mit handgeklöppelten Pullis und Sonnenblumen bis zu Kretschmann, der ungefähr so links-alternativ ist, wie eine Portion Maultaschen, dann merkt man vor allem, dass man steinalt ist.

Anlass zur Freude gab es gestern natürlich aber trotzdem: Freude über das verdatterte Gesicht von Philipp Rösler, die herunterhängenden Mundwinkel von Lindner, Westerwelle und Brüderle. Auch die Altersmilde von König Kurt, der noch mal davonkam, der konsternierte Mappus und der sich windende Herman Gröhe wussten zu begeistern. Lediglich Frau Nahles blieb irgendwie blass, schien aber auch vergrippt zu sein und machte lediglich in ihrer Lieblingsdisziplin „Wir reden uns alles schön“ ein paar Punkte.

Wollen mal abwarten, was jetzt geht im Ländle. Ramsauer hat ja schon das Zudrehen des Geldhahns angedroht, für den Fall, das S21 gekippt werden sollte. Ob man den EnBW-Deal von Mappus noch irgendwie zurückdrehen kann, da bin ich mal gespannt. Und für unsere tolle Bundeskanzlerin wird es schwerer und schwerer angesichts der Machtverhältnisse im Bundesrat. Mit jedem Schritt, den sie aus der neoliberalen Ecke auf die Opposition zugehen muss, gräbt sie sich parteiintern das Wasser ab. Eine Zwickmühle, aus der man nur mit Basta-Politik (und Neuwahlen) oder mit Stillhalten und Aussitzen (die Methode Kohl) herauskommen kann. Ich nehme Wetten an, dass sie sich für die zweite Möglichkeit entscheiden wird. Keine Wetten nehme ich zum politischen Schicksal Westerwelles an, ich glaube er wird weiter vor sich hinschlingern, das Ansehen Deutschlands in der Welt weiter beschädigen und jetzt wieder jede Gelegenheit nutzen, in innenpolitische Kerben zu hauen, Hauptsache Profilierung. Und sollten uns die gestrigen Ergebnisse tatsächlich von Birgit Homburger befreien, dann wäre das eine wunderbare Wendung für uns alle.

Note to self: Zusammengefunden. Musik: Parajubu, Kvelertak, Kyuss.

Göttlich

PJ

Da ist es: Das erste musikalische Mega-Highlight des Jahres. Gestern stellten Parajubu im Musikbunker ihr zweites Album vor. 6 Jahre nach der Veröffentlichung des Debüts „Japadimi“ gibt es endlich wieder einen frischen Tonträger der Aachener Avantgardisten.

Der Zuspruch bei der Release-Party hätte ruhig etwas größer sein können, alle, die nicht da waren sollten sich grün und blau ärgern, denn als das Quartett nach der Vorgruppe „Chapter 2“, über die ich den Mantel des Schweigens ausbreiten möchte, die Bühne enterte und loslegte, war er wieder da, der magische Parajubu-Moment. Es ist ja nicht nur so, dass sie auf höchstem technischen und musikalischen Niveau daherkommen. An die beängstigende Präzision, dynamische Variabilität und Souveränität des Vortrags hat man sich ja schon fast gewöhnt. Nein, es ist einfach so, dass Parajubu absolut einmalig und eigenständig sind. Sicher, man kann alle möglichen Etiketten an die Musik dranpappen: Prog-Metal, Jazz-Core, Avantgarde-Rock, aber man wird damit den Kompositionen der Gruppe im Grunde nicht gerecht.

Das gestrige Live-Erlebnis wurde abgerundet durch perfekten Sound, schönes Licht, einen extrem gut aufgelegten, wie immer charismatischen Savas, dessen unglaubliche Bühnenpräsenz in hartem Kontrast zur stoischen Performance der Instrumentalisten steht. Gespielt wurde wirklich nur Material der neuen CD, das fand ich dann doch ein bisschen schade, denn eine Zugabe mit ein paar Highlights des ersten Albums hätte sich die treue Anhängerschaft eigentlich verdient. Na gut, danach war Drum`nBass-Party im MuBu angesagt (wir zogen lieber ins „K und K“) und der Zeitplan war eng, Schwamm drüber.

Das Album (natürlich läuft es gerade im Hintergrund) ist eine Offenbarung. Es kommt, abgesehen von wenigen Studio-technischen Spielereien, frisch, transparent und mit einem bemerkenswert naturbelassenen Sound daher. Die Qualität der Schlagzeugaufnahmen ist atemberaubend und der Mixdown prima ausgewogen. Ganz klar: Alles was der Siro bei Nota Falsa anfasst, überzeugt durch liebevolle Detailarbeit. Der Mann hat Hände aus Gold.

Das neue Material (wir Hardcore-Fans kennen es natürlich schon von zahlreichen Konzerten) ist insgesamt verschrobener, sperriger und weniger massenkompatibel als die Stücke des Erstwerks. Ich komme damit gut klar und bin begeistert, dass die Vier ihren Weg konsequent weiter gehen, ohne Rücksicht auf die kommerzielle Verwertbarkeit des Endprodukts. So gesehen wird Parajubu den „Durchbruch“ wohl nicht mehr schaffen, auch egal. Sie sind ein heller Stern im zurzeit samtschwarzen Himmel über der Kaiserstadt und das scheint ihnen zu reichen. Mir solls recht sein.

Note to self: Schon heftig, wer da wie intensiv auf wen fliegt. Musik: Parajubu.

Prima Primavera

PMVR

Da ist er, der so lange erwartete Frühling. Zwar wird es nachts noch empfindlich kalt, aber die Wetterstation auf dem Dach der Stadtverwaltung am Bahnhof meldet satte 15°C bei schönstem Sonnenschein. Entsprechend milde gestimmt sitzt der Blogger mit einem leckeren Käffchen auf dem Balkon und lässt sich die Laune nicht verderben. Nicht von den Rauchschwaden in Fukushima, nicht von einem Powermac G5, der in durchfeuchteter Umverpackung, mit im Gehäuse herumfliegender Grafikkarte und an der Antenne baumelnder WLAN-Karte bei mir eintraf, nicht von einem angeblich immer noch nicht lieferbaren Scythe Mugen, der dann doch vorrätig war.

Eigentlich müsste man sich in einen Park verholen und sich die erste zarte Gesichtsbräune holen. Daraus wird leider nichts. Ein ganzer Stapel von edlen und edelsten PC-Komponenten will jetzt verbaut werden, ah es gibt schlimmeres. Kaffee auf, frühlingsfrisch ans Werk…

Note to self: Bene, molto bene, Motobene. Musik: Todger, Starseed, Al Di Meola.

INES 6

Der ZDF-Mann, der gestern noch von Normalität in Tokio berichtete, meldet sich nun aus Osaka. Man habe das Studio dorthin verlegt, um weiter aus Japan berichten zu können. 24 Stunden später. 24 Stunden, in denen die Atomkatastrophe in Fukushima apokalyptische Ausmaße angenommen hat. Die Dimension hat sich verändert. Wurden gestern noch Strahlenwerte in Mikrosievert angegeben, sind es nun Millisievert. Das ist ein Faktor 1000, der Wissenschaftler spricht von „einer Größenordnung“.

Das schmutzige Spiel der Kraftwerksbetreiber und der japanischen Regierung geht indes weiter: Die Informationen sind lückenhaft, widersprüchlich. Man gibt nur das zu, was ohnehin offensichtlich ist, derweil bröseln 4 von 6 Blöcken des Kraftwerks vor sich hin, mal explodiert es hier, mal brennt es dort, Abklingbecken kochen über. 50 Kerntechniker sind noch übrig, die anderen wurde evakuiert. Andererseits: Wie sollte ein adäquates Krisenmanagement aussehen, angesichts einer Situation, die ja niemals vorkommen kann? Eigentlich. Soll man die Japaner zu ihrer Disziplin und stoischen Gelassenheit beglückwünschen, oder ist sie ein Grund dafür, dass Krisenstäbe viel zu spät gebildet wurden und man die Verantwortlichen der Firma Tepco tagelang herumwurschteln ließ. Darf man sein Gesicht erst dann verlieren, wenn es von Nekrosen entstellt ist?

Und in Berlin? In Berlin hat man sich zunächst entschlossen, die Sicherheit der deutschen Kraftwerke zu überprüfen, die ja die sichersten der Welt sind. Hm. Dann ist man zu der Einsicht gekommen, es sei besser die ältesten 7 Meiler vom Netz zu nehmen, dabei hat man uns doch erzählt, dass dann die Lichter ausgingen. Hm Hm. Und die Krönung der Unappetitlichkeiten ist ein dreimonatiger Aufschub der Laufzeitverlängerung der AKW. Sagen Sie mal Frau Merkel, für wie blöde halten sie uns eigentlich? Unsere Regierung macht sich ja gerne zum Brot, aber diesmal hat man sich nicht nur der Lächerlichkeit preisgegeben. Diesmal hat man sich vollständig als Handlanger der Strom-Mafia demaskiert. Wird hoffentlich nix werden mit der Lizenz zum Gelddrucken für EOn, RWE und Co, aber warten wir mal ab, was nach den Wahlen passiert. Ein aufrechter Japaner würde sich jetzt wahrscheinlich ins Hinterzimmer zurückziehen und den Seppuku vorbereiten. Tja, Frau Merkel, ein Rücktritt würde mir schon reichen.

Note to self: Problemlose Rufnummernmitnahme, ein Lob der Technik. Musik: ANNA1, Ihsahn, Disturbed.

Die Über-Frau

Darf man über Wintersport schreiben, angesichts von mindestens zwei schmelzenden Reaktoren, Tausenden von Toten, Zehntausenden von Obdachlosen und unfassbaren Zerstörungen in Japan? Wahrscheinlich nicht, ich mache es aber trotzdem:

Das letzte Rennen bei der Biathlon-WM im sibirischen Chanty-Mansijsk war die Staffel der Frauen. Die russischen Gastgeber hatten die Terminierung mit Bedacht gewählt, denn man rechnete sich bei dieser Disziplin die größten Medaillen-Chancen für das heimische Team aus. Um es vorweg zu nehmen, der Plan ging nicht auf. Bereits die erste Starterin des Quartetts schoss drei Runden und damit war der Traum aus, bevor er richtig angefangen hatte. Den deutschen Starterinnen ging es nur wenig besser. Miriam Gössner auf Position zwei hatte nach solidem Beginn von Andrea Henkel auch zwei „Fahrkarten“ geschossen, die Mannschaft belegte zwischenzeitlich nur den 6. Platz mit einem Abstand von mehr als einer Minute auf die Spitze. Die Führung hatten die ukrainischen Athletinnen übernommen, die sich von den widrigen Bedingungen am Schießstand mit heftigen Böen nicht beirren ließen und mit der Präzision eines Uhrwerks trafen. Als Tina Bachmann Lena Neuner mit etwa 50 Sekunden Rückstand in die Loipe schickte, war allenfalls der dritte Platz noch möglich, es sollte anders kommen. Neuner, die schnellste Biathletin der Welt, machte Sekunde um Sekunde gut, dann kam das letzte Schießen im ungeliebten Stehendanschlag. Lena haute unfassbare 5 Treffer in schneller Folge raus und bewies, dass sie zurzeit in der Form ihres Lebens ist, trotzdem war die Ukraine immer noch mit etwa 30 Sekunden vorn, eigentlich ein sicherer Vorsprung. Innerhalb der verbleibenden 2 Kilometer holte die Deutsche nicht nur diese 30 Sekunden auf, sondern kam mit 25 Sekunden Vorsprung ins Ziel. So etwas habe ich noch nicht gesehen, und ich habe schon einige Biathlonrennen angeschaut. Selbst die Trainer konnten nur mit dem Kopf schütteln.

Neuner ist jetzt zehnfache Weltmeisterin und das deutsche Team belegt vor allem wegen der drei Goldplätze der Überathletin den ersten Platz im Medaillenspiegel der WM. Der absolute Wahnsinn.

Note to self: Weniger, weniger und mehr. Musik: Meshuggah, Deftones.

Das untere Plenum

Furchtbare Bilder aus Japan flimmern über die Mattscheibe. Wenn man berücksichtigt, dass in dem ostasiatischen Hochtechnologie-Land, wie in keinem anderen, in erdbebensicheres Bauen investiert wird und mit welchem Aufwand dort Katastrophenpläne ausgearbeitet und -übungen abgehalten werden, dann darf man daraus ableiten, was für ein Armaggedon das Beben in einem beliebigen anderen Land ausgelöst hätte. So katastrophal die Auswirkungen für die Betroffenen sind, von Opferzahlen wie in Haiti ist man zum Glück weit entfernt. Noch.

Die Nachrichten über die Notabschaltung und Flutung von Atommeilern in der betroffenen Region und die letzten Meldungen bezüglich der Probleme mit der Kühlung können zwei ganz unterschiedliche Regungen auslösen: Nackte Panik angesichts einer möglichen Kernschmelze oder Erleichterung darüber, dass die immerhin teils aus den 70ern stammende Technik sich bei der heftigen Beanspruchung der letzten Stunden bislang so gut bewährt hat.

Wie schön wäre es, wenn die Meldungen zu der nuklearen Hitzewallung ein wenig sachlicher und sortierter daher kämen. Ich meine, jetzt mal ehrlich: Die Berichterstattung über das Beben nimmt so viel Raum ein, da muss es doch möglich sein, einen Fachmann für kerntechnische Anlagen ranzukarren, der mit nüchternen Worten erklärt, wie ein Siedewasserreaktor arbeitet, was genau im Falle der Notabschaltung passiert, was Nachzerfallswärme ist, was ein Containment ist und ein Core-Catcher. Er könnte sicher erklären, warum in Fukushima eine Explosion des Reaktors mit nachfolgendem Graphitbrand wie in Tschernobyl nicht passieren kann, aber auch, wie sich eine Kernschmelze auswirken würde, also ob das geschmolzene Material im Reaktorbehälter, nämlich im unteren Plenum verbleiben würde, oder sich durch das Containment fressen könnte und damit Radioaktivität freigesetzt würde.

Der geneigte Leser soll nicht den Eindruck haben, der Blogger sei ein Kenner der Materie. Aber ich habe heute Nachmittag ein Stündchen im Internet investiert, weil ich einfach wissen wollte, was Sache ist. Es muss doch mindestens möglich sein, dass ein Redakteur mit naturwissenschaftlichem Basiswissen das Gleiche tut und die Fakten in knapper Form aufbereitet. Dann könnte man auch als Laie zu einer realistischen Einschätzung des maximal möglichen Verhängnis kommen.

Die kommenden Stunden werden zeigen, ob die atomare Katastrophe noch abzuwenden ist: Bei der automatischen Notabschaltung wurden die Regelstäbe zwischen die Brennelemente gefahren, das kühlende Reaktorwasser strömt durch die engen Lücken zwischen den Stäben. Durch die Restwärme der Brennstäbe bilden sich gasförmige Reaktionsprodukte, die den Druck im Reaktorbehälter ansteigen lassen. Bei Reaktoren neuerer Bauart befinden sich hinter den Notventilen Kondensationskammern mit Filtern, um den Großteil der Radioaktivität zurückzuhalten. Ob das in Fukushima auch der Fall ist, konnte ich nicht ermitteln. Die Nachzerfallswärme in einem Siedewassereaktor beträgt ca. 7% der Nennleistung, das wären in diesem Fall etwa 100-300MW. Da bei Reaktoren aus den 70ern kein Wasserbehälter über dem Reaktorkern vorhanden ist, mit dessen Volumen man den Behälter vollständig füllen könnte, reicht die Konvektion (temperaturbedingte Strömung) nicht aus, um diese Wärmemenge abzuführen. Daher ist bei unzureichender externer Kühlung davon auszugehen, dass die Brennstäbe schmelzen werden. Allerdings besteht eine gute Chance, dass das stählerne Containment die Temperatur des geschmolzenen Materials aushält. Das war jedenfalls in Three-Miles-Island der Fall: Der Reaktor war zwar nachher schrottreif, aber er hielt stand. Drücken wir die Daumen. Und vergessen wir nicht, dass gerade in Japan viele Menschen ganz andere und viel konkretere Sorgen haben. Es ist eben alles relativ.

Edit: Samstag, 12.März, 9:19Uhr:

Da haben wir den Salat: Die Kernschmelze ist offenbar bereits im Gange, in Fukushima hat es mehrere Explosionen gegeben, zumindest Teile der Reaktorhülle sind weggebrochen, andere Meldungen besagen, dass der gesamte Reaktorblock in die Luft geflogen ist, die Radioaktivität im Kontrollraum liegt um den Faktor 1000 über den Normalwerten, es wird zur Einnahme von Jodtabletten geraten. Das ist der GAU, da gibt es nichts zu beschönigen.

Note to self: Erbärmlich. Musik: Oceansize, Godspeed To You Black Emperor!