Also Thilo,

du hast Angst. Das kann ich gut verstehen: Angst hat jeder, sie ist die wichtigste Triebfeder menschlichen Handelns. Manchen lähmt die Angst so sehr, dass er sich gar nicht mehr rührt. Das könnte dir nicht passieren, du neigst eher zu Rundumschlägen unter die Gürtellinie. Du glaubst zu wissen, wie die Menschen sind, hast sie in feste Kategorien eingeteilt, denen sie wegen ihrer genetischen Ausstattung nicht entkommen können: Araber, Basken, Juden sind so, wie sie sind. Das hat die Wissenschaft bewiesen, mehr braucht man nicht zu wissen.

Also Thilo, natürlich wäre eine durchdachte Einwanderungspolitik für unser Land ein Segen gewesen, nur hätte diese Einwanderungspolitik sich bestimmt nicht daran orientiert, welche Religion ein Einwanderer hat und wie intensiv er sich zu reproduzieren gedenkt. Warum auch? Gesellschaft ist nicht planbar, höchstens in einer Diktatur. Und ob es so etwas wie Zusammenhalt und Solidarität mit dem Ziel gemeinsamen Wohlstands gibt, hängt das nicht eher damit zusammen, ob jeder Einzelne eine faire Chance auf Teilhabe an diesem Wohlstand sieht?

Sieh mal Thilo, wer wie du die Gabe hat, in Berlin nicht nur den Haushalt einigermaßen zu sanieren, sondern gleichzeitig auch noch sage und schreibe 46 Nebentätigkeiten in diversen Aufsichtsräten auszuüben, der liegt einfach über dem Durchschnitt, der sollte Nachsicht üben gegen die allein erziehende Mutter, den mit 55 aussortierten Fließbandarbeiter, den Schwerbehinderten. Stell dir mal vor, alle wären so smart wie du, wer sollte dich beklatschen und dir nach dem Mund reden, wenn es keine Schwachköpfe und ewig gestrigen geistigen Tiefflieger mehr gäbe?

Klar Thilo, den Getretenen mit Dackelblick, den haste gut drauf. Es ist schon bemerkenswert, wie du diese Rolle ausfüllst: Der einsame Rufer in der Wüste, der die unangenehmen Wahrheiten ausspricht, die man sonst nur an Stimmtischen nach der fünften Halben hört. In Wirklichkeit ist es aber ganz anders: Deutschland hat längst eine Integrationsdebatte, es gibt schon lange eine Diskussion über staatliche Transferleistungen und ihre Empfänger und natürlich gibt es große Aufregung über die Verdummung der Gesellschaft, zu der du mit deinem von argumentativen Ungereimtheiten, nicht belegbaren Behauptungen und Statistiken von gestern strotzenden Schmuddelheftchen sicher beiträgst.

Thilo, ich hätte ja gedacht, als Bundesbankvorstand, der unter anderem mit dem Risiko-Controlling befasst ist, hätte man genug zu tun. Wahrscheinlich ist das auch so. Wahrscheinlich hast du dir dein Buch zwischen wichtigen Meetings oder auf deinen zahlreichen Inlandsflügen aus dem Hirn geleiert. Neu zu überdenken war ja auch nichts. Die Welt von Thilo Sarrazin ist schon seit Jahren fertig: Klein, mies, schwarz, weiß.

Note to self: Botox? Ihr könnt mich. Musik: Chimaira, Krisiun.

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Weniger ist mehr

Ich haue mal wieder in die gleiche Kerbe, aber das Thema lässt mich seit Jahren nicht los und heute habe ich eine bemerkenswerte Webseite dazu gefunden. Sie wird von Kelly Sutton betrieben, einem Programmierer, der zurzeit in New York lebt. Kelly hat sich dazu entschlossen, seinen ganzen überflüssigen Krempel loszuwerden, so dass die unbedingt erforderlichen Dinge schließlich in zwei Taschen und zwei Kartons passen werden. Die Deadline ist der 1. Dezember 2010. Das Projekt ist nicht als politisches Statement aufzufassen, sondern soll Kelly dazu befähigen, seinen ganzen Hausstand jederzeit an jeden Ort der Erde transportieren zu können, um sich dort eine Zeit lang aufzuhalten.

Wer mich kennt, der weiß, dass ich von der Wachstums- und Konsumidee, die unserer ökonomischen Ordnung zugrunde liegt, überhaupt nichts halte. Ebenso bescheuert finde ich die weit verbreitete Vorstellung, dass wir uns über das definieren, was wir uns anschaffen und leisten können. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, ich will mal zwei kurz umreißen: Jedem ist klar, dass unser globales Habitat nicht mit unbegrenzt verfügbaren Rohstoffen ausgestattet ist. Die Idee von einem immer weiter wachsenden Konsum ist deshalb ein Wahnwitz, denn am Raubbau verdienen wenige, unter der Verknappung leiden aber alle. Zwotens erzeugt jedes Ding, das wir besitzen, Stress. Das fängt bei der Inbetriebnahme an, setzt sich bei Pflege, Reinigung, Lagerung und Verbringung fort und mündet in Ärger bei der Entsorgung. Jedes Ding kostet Zeit, und Zeit, das sollten wir nie vergessen, ist fast das Einzige, was man tatsächlich haben, oder nicht haben kann.

Ich schaue mich in meinen etwas über 40 Quadratmetern um. Würde ich eine Liste machen, so wie Kelly, dann wäre sie ellenlang und die Rubrik „verkaufen oder verschenken“ wäre mit Abstand die umfangreichste. Nehmen wir mal an, Sutton würde zum Begründer einer Massenbewegung werden, was würde das bedeuten? Alle derzeit wichtigen ökonomischen Parameter würden nach unten zeigen. Allenthalben würde man „Krise“ schreien. Die Preise für so ziemlich alle Produkte außer Lebensmittel würden zunächst ins Bodenlose fallen. Die Dinge würden in viel stärkerem Maße zwischen Konsumenten auf Zeit zirkulieren, dabei würden sich solche Waren durchsetzen, die hochwertig, langlebig und leicht zu warten sind. Das würde nicht nur eine radikale Änderung der Leitlinien der Produktentwicklung bedeuten, sondern auch den Markt als quasi ideale Verteilungsplattform neu etablieren, nämlich als Treffpunkt mehr oder weniger gleichberechtigter Teilnehmer. Wir würden Produzenten dafür bewundern, dass sie Dinge machen, die mehr Leute dauerhaft besitzen als loswerden wollen, weil sie sie wirklich brauchen und eben gut brauchen können (!).

Durchbrechen werden wir den derzeitigen Teufelskreis nur, wenn wir das Antriebsmoment „Haben wollen“ los werden. Und festzustellen, was man wirklich nötig hat, erscheint uns zwar schwierig, in Wirklichkeit ist es aber ganz einfach.

Note to self: Fast. Frust. Fertig. Musik: Syd Barrett, The Cure, Sylvain Luc & Bireli Lagrene.

Nuclear Olli

Weisste was Herr Bierhoff? Ich habe dich immer schon für ein goldiges Bürschlein gehalten, spätestens seit dem Tor gegen die Tschechen in der Verlängerung. Das ist jetzt zwölf Jahre her. In der Zwischenzeit hast du aufgehört mit dem Fußballspielen, angefangen mit Fußballreden und Fußballverwalten. Teammanager, das klingt toll, das klingt nach Geschäftsessen, dicken Dienstwagen und gestärkten Krägen. Natürlich, natürlich, man bekommt ständig Gelegenheit, sich zu äußern, Mikros werden einem ins Gesicht gesteckt, auch wenn es gar nichts zu sagen gibt. Dann haut man auch schon mal einen mehr oder weniger großen Schwachsinn raus, das will ich dir gar nicht ankreiden. Die Medien machen Druck, die Nation sucht immer nach Lippen, an denen sie hängen kann.

Aber weisste Herr Bierhoff, man kann auch sich auch mal zurückhalten. Vor allem, wenn man gar nicht vom Fach ist. Vielleicht ist die Energiepolitik ja auch dein privates Steckenpferd, mit dem du dich seit Jahren schon intensiv beschäftigst. Glaube ich eigentlich nicht. Vielleicht wolltest du immer schon mal mit Josef Ackermann, Paul Bauwens-Adenauer und Wulf Bernotat in einem Atemzug genannt werden. Das könnte ich mir schon eher vorstellen. Vielleicht bist du ja wirklich der Ansicht, wir sollten den fossilen und nuklearen Wahnsinn so weiter betreiben, wie wir es gerade jetzt tun. So viel Dummheit hätte ich dir dann aber echt nicht zugetraut.

Sag mal Herr Bierhoff, kennste Dieter Nuhr? Der hat einen Satz geprägt, den du dir mal hinter deine wohlgeformten Ohren schreiben solltest:

„Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“

Note to self: Der kaputteste aller Morgen. Musik: Pink Floyd, dEUS, Arch Enemy, Arcade Fire.

Zuletzt hinzugefügt…

Während draußen der Augustregen niedergeht, durchstreife ich die Zugänge zu meiner iTunes-Bibliothek aus den letzten 6 Wochen und präsentiere hier in gewohnter Manier einige Highlights:

f7n

Es wäre ja schön, wenn es mal wieder ein neues Album von der besten Band der Welt, also von Tool, geben würde. Leider scheint da aber zurzeit gar nichts im Busch zu sein. In der Zwischenzeit trösten wir uns mit einer ganz ausgezeichneten Platte aus Karlsruhe. Natürlich können Futile und ihr zweites Album „7 Nightmares“ nicht ganz mit den großen Vorbildern mithalten, auch wenn Stücke wie „An Ocean Without Surface“ oder „The Moment Of Silence“ zuweilen sehr an die Kulttruppe aus Amiland erinnern. Die Musik von Futile ist schon deutlich einfacher gestrickt, sicher auch poppiger und eingängiger, aber die Richtung stimmt jedenfalls. Das Album ist gerade so opulent produziert, dass es nicht überladen wirkt. Der Gesang ist klasse, die Instrumentalarbeit solide, das Schlagzeug könnte für meinen Geschmack ein bisschen experimenteller ausfallen. Trotzdem: Prima Scheibe.

povd

In ein gänzlich anderes Fahrwasser geleiten uns Dissolution aus Neuseeland mit ihrem Erstwerk „Plague of Violence“. Auf dieser Band klebt das Etikett „Old School Thrash Metal“ und da will ich auch gar nicht widersprechen. Wir finden die üblichen Highspeedparts unterbrochen von kurzen Melodieschnipseln und Duettläufen der beiden Gitarren. Die Stücke warten mit zahlreichen Breaks, Takt- und Tempiwechseln auf und natürlich fehlen auch die typischen üppigen Soli nicht. Klar, das klingt zuweilen ein bisschen altbacken, aber man hört eben auch, dass das Quartett von der Südhalbkugel aus Überzeugungstätern und ehrlichen Arbeitern besteht. Im Unterschied zu manch anderen Thrashbands der neusten Generation verwenden Dissolution gerne wenig transparente, leicht doomige Gitarrensounds. Das hört man deswegen so gut, weil die Rhythmusgruppe ein bisschen weit nach hinten gemischt wurde. Trotzdem eine gelungene Debut-LP.

TE

Die Geschwindigkeit nimmt ab, das atmosphärische Moment zu: Willkommen bei Talbot aus Estland. Schon die Mini-LP „Tundra“ aus dem Jahr 2008 hat mir gut gefallen, aber mit dem aktuellen Album „EOS“ setzt das baltische Duo noch einen drauf, auch weil es sich nicht in ein bestimmtes Genre einordnen lässt. Einerseits könnte man die Musik schon für extrem verschrobenen Doom Metal halten. Andererseits wird das Tempo über einen recht großen Bereich variiert. Zu dem erdigen, schweren Fundament, das vorwiegend von einem formidablen Bass bestimmt wird (bei Talbot spielt niemand Gitarre, es klingt nur manchmal so), gesellen sich überraschend leichte Gesangslinien (und natürlich abgründige Growls), witzige Tüftel-Synths und ein perfekt aufgenommenes, absolut banddienliches Schlagzeug ohne Schnörkel. Die Scheibe bietet insgesamt ein großes Spektrum von progressiv-verspielt, über weltraumig-abgehoben bis hin zu minimalistisch-weiträumig. Man hört gut, dass sich da zwei Experimentatoren mit viel Liebe zum Detail ganz akribisch einen Tonträger erarbeitet haben. Klasse!

NM

Wenn eine Band sowohl Meshuggah als auch King Crimson als prägende musikalische Vorbilder nennt, dann kann eigentlich nur etwas Wunderbares dabei herauskommen. Die erste Platte mit dem Titel „Move Of Thought“ von Neuromist aus Moldawien erfüllt diese hohen Erwartungen. Manch Zeitgenosse mag diese Art von Musik als nerviges Gedudel empfinden, ich mag sie sehr. Von Meshuggah hat man den Basssound und die rhythmischen Verschiebungen übernommen, von King Crimson stammen die jazz-artigen, ausufernden Melodiebögen und die prägnanten, sich ständig leicht verändernden „Parallelverschiebungen“. Ich gebe gerne zu, dass Neuromist anstrengend sind. Die Stücke sind hochkomplex verschachtelt, eingängige Elemente finden sich kaum. Dafür bekommt der Hörer anspruchvollste Breaks und rhythmische Miniaturen auf allerhöchstem Niveau in schneller Abfolge serviert. Eins ist klar: Wer sich auf eine solche Gratwanderung begibt, der ist allenthalben der Gefahr ausgesetzt zu zerfasern und den Faden zu verlieren. Beim flüchtigen Hören könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Band ab und zu auseinanderfällt. Wenn man konzentriert zuhört, dann offenbart sich aber, dass hier Ausnahmekönner am Werk sind, die ihren Laden voll im Griff haben. Beeindruckend!

Note to self: Keine schöne Baustelle. Sisyphos und die Spachtelmasse. Musik: All of the above.

Hört, was sich nicht gehört!

Für Kenner der Szene ist die Geschichte ein alter Hut. Merkwürdig, dass SPON sich ausgerechnet jetzt dazu entschließt, darüber zu berichten:

In aller Kürze die Fakten: Thomas Gurrath war bis vor kurzem nicht nur Lehramtsreferendar in Baden-Württemberg, sondern in seiner Freizeit Frontmann der Death Metal Combo „Debauchery“ (die es inzwischen zu einiger Bekanntheit gebracht hat und auch beim diesjährigen W:O:A auftrat). Das interessierte absolut Niemanden, bis Gurrath wegen einer geplanten Tour um Urlaub bei seinem Dienstherrn nachsuchte. Da wurde die Angelegenheit ruchbar. Und plötzlich entsetzte sich die Schulleiterin über die Freizeitaktivitäten des unbescholtenen Vegetariers und nahm ihn heftig ins Gebet. Auch der Leiter des Stuttgarter Seminars legte ihm nahe, er solle doch den Mädchennamen seiner Mutter annehmen (damit die bereits im Internet vorhandenen Videos, Texte und Bilder nicht mehr mit dem angehenden Lehrer assoziiert werden könnten) und dem Death Metal glaubhaft abschwören, für mindestens drei Jahre. Nur dann stünde der Karriere nichts im Wege. Gurrath zog die Konsequenzen und kündigte seinen Job.

Wohlverstanden: Man muss Death Metal nicht mögen. Debauchery-Auftritte sind eine Orgie von Kunstblut, dargebracht wird wildes Geknüppel und Lyrics mit zahlreichen Kraftausdrücken, Frauenfeindlichkeit und brutalen Inhalten. Die Frage ist nur: Darf man einem Lehrer mit unverhohlenem Druck nahelegen, er möge sich fürderhin nicht mehr in seiner Freizeit in die Kunstfigur „Blutgott“ verwandeln, da er ja damit die Persönlichkeitsentwicklung seiner Schüler stören und sie alle zu kleinen Monstern machen würde?

Gurrath ist nicht mit seiner Kettensäge zur Arbeit gegangen, er hat keine Werbung für seine Kapelle im Unterricht gemacht und sein Hobby verschwiegen. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die Schüler irgendwann entdeckt hätten, dass ihr Lehrer sehr extreme Musik mit problematischen Inhalten macht. Was hätte das geändert? Wer heute heranwächst, der ist von einer Cyberwelt und anderen Medien umgeben, die von Gewalt und Pornografie strotzen. Deshalb sollten Eltern ihre Kinder beim Konsum von Internet und Co beaufsichtigen und natürlich an geeigneter Stelle Riegel vorschieben.

Sicherlich hätte auch Gurrath sich gerne im Unterricht der Diskussion gestellt, was der Unterschied zwischen Realität und extremer Inszenierung ist. Er hätte vielleicht besser als manch anderer erklären können, dass solche Inszenierungen ein Ventil sein können und dass man sich vielleicht besser auf einem Death Metal Konzert mit Kunstblut bespritzen lässt, als die aufgestaute Aggression auf der Straße rauszulassen und Leute zu verprügeln. Denn wahr ist, dass die Anhänger von brutalem Metal im Durchschnitt friedlicher und schüchterner sind als Fans anderer Musik-Genres.

So weit hat man in Stuttgart nicht gedacht. Die Spießbürgerlichkeit hat gesiegt und ihren Scheuklappenblick (Metal, Killerspiele, Amokläufe) wieder einmal unter Beweis gestellt. Ein bisschen Radikalenerlass schimmert außerdem durch. Armes Baden-Württemberg.

Note to self: Nicht mal rumstochern im Nebel darf ich. Zertretung für die Katz. Musik: Cryptosy, Mortiferous Scorn.

Wegschnecken Galore

Feucht ist es und angenehm kühl. Auf das erste Exemplar stoße ich zwischen Zweifall und Breinig (Km 3): ca. 6 cm, dunkelbraun, noch dunklere Fühler, Arion lusitanicus, die Spanische Wegschnecke, eine Geißel des mitteleuropäischen Nutzgartenliebhabers. Mit jedem Schritt nimmt die Anzahl der schleimigen Genossen zu. Offensichtlich haben sie sich an diesem Tag verabredet, um aus den Wiesen in die menschlichen Bastionen vorzudringen. Von Breinig bis Büsbach (Km 6) zähle ich insgesamt 48 Tiere, die sich, Lemmingen in Zeitlupe gleich, über den kombinierten Rad- und Fußgängerweg auf die Straße stürzen möchten. Ich habe nichts dagegen.

In den Ortslagen liegt das Verhältnis von intakten zu bereits zerquetschten Exemplaren bei ca. 1:1. Südwestlich von Gedau betrete ich den völlig schneckenfreien Brander Wald (Km 11). Es regnet in Strömen und zwar ohne Unterlass. Entsprechend begleitet mich ein intensiver Waldgeruch von Zersetzung, Harz, Holz und Nadeln. Schön! Über den Höhenzug geht es bis zum Truppenübungsplatz und dann quer durch Richtung Buschmühle.

Inzwischen bin ich völlig aufgeweicht. Also doch den Bus nehmen? Kommt nicht in Frage und lohnt sich jetzt eh nicht mehr! Am Buschmühler Friedhof vorbei Richtung Atscher Dreieck zähle ich 14 iberische Wegschnecken, eine Weinbergschnecke und 2 dunklere, mir völlig unbekannte Vertreter, die sich offenbar gerade fortpflanzen. Der Regen steigert sich zu einem mittleren Wolkenbruch, als ich in den Feldweg mit dem lustigen Namen „Deltourserb“ einbiege (Km 14). Von hier ist mir die Strecke so wohlvertraut, dass ich sie auch bei völliger Dunkelheit laufen könnte. Der scharfe Geruch von Jauche und Silage begleitet mich über die Autobahn, die Freunder Straße bis zur Halfenstraße. Ich begegne zwei Hardcorejoggern und einem anscheinend depressiven jugendlichen Spaziergänger, der mit gesenktem Kopf durch den Tropfenvorhang schleicht.

In Richtung Eisenbahnweg komme ich an einer kreisförmig angeordneten Schneckenversammlung vorbei, die sich um ein offenbar besonders leckeres welkes Blatt schart. Selbst in den Alibibepflanzungsquadraten an den Aachen Arkaden (Km 16) kriechen fette Exemplare umher, das sind dann aber auch die letzten Mollusken für heute und es hört endlich auf zu regnen. Durch das Frankenberger Viertel rolle ich langsam aus. Die Sonne zeigt sich schüchtern und leicht rötlich und sachte dampfend erreiche ich die Burtscheider Brücke (Km 19). Eine schöne Tour.

Note to self: Und kein Feudel zum Aufklaren. Musik: Imogen Heap, Cro-Mags, Marduk, Melvins.