MPU

Nein keine Angst, man hat mir keine medizinisch-psychologische Untersuchung auferlegt. Was die Teilnahme am Straßenverkehr unter Alkoholeinfluss angeht, bin ich immer sehr sehr vernünftig gewesen. Die drei Großbuchstaben der Überschrift stehen für drei wichtige Ereignisse des gestrigen Sonntags. Ich rolle die Sahnetorte mal von hinten auf:

Da haben wir zunächst U wie Unentschieden. Die wirklich emotionalen Momente bei der Partie der Alemannia gegen die Zebras gab es erst nach dem Abpfiff, ansonsten war das ganze Stadion froh, dass die verkorkste Saison endlich vorbei ist. Auers Ausgleichstor kurz vor Schluss machte den Deckel drauf, schweigen wir vom Rest und hoffen wir auf einen wirklichen Neuanfang im Herbst. Als Fiel und Plaßhenrich verabschiedet wurden, hatte ich, ehrlich gesagt, das Wasser in den Augen stehen. Beide stehen für die goldene Zeit der Kartoffelkäfer und für Eigenschaften wie Einsatzbereitschaft und Durchhaltewillen, die man bei so manchem Alemannen in den letzten Monaten häufig vermisst hat. Die Zahl der Abgänge ist groß, so groß, dass man sich angesichts der miserablen wirtschaftlichen Lage des Clubs wirklich fragt, woher denn die ganzen Neuzugänge kommen sollen, die uns Eric Meijer für die kommende Saison versprochen hat. Drücken wir die Daumen. Das dreckverschmierte Gesicht des „Eisernen“ Reinhold Münzenberg, das seit ein paar Tagen für den Erwerb von Dauerkarten wirbt, zeigt jedenfalls, wohin es für die Alemannia in den kommenden Jahren gehen wird.

Damit sind wir bei P wie politisches Patt. Bis in den frühen Morgen sah es ja immer noch nach einer rot-grünen Koalition in NRW aus, das ist jetzt Makulatur. Ein paar Bemerkungen dazu: Ich hätte von Rüttgers schon so viel Anstand erwartet, dass er seine Niederlage nicht nur in einem Kurzinterview eingeräumt hätte. War nicht. Der Mann ist politisch vorerst erledigt, so viel ist klar, und das ist nicht die schlechteste Nachricht des Tages. Weiterhin sei einem Redakteur der Aachener Nachrichten zugerufen, dass nicht nur Grünen-Wähler wissen, wie man Erst- und Zweitstimme taktisch richtig einsetzt. KlarKarl schaffte es mit weniger als 300 Stimmen Vorsprung, immerhin, immerhin. Abgesehen davon ist das Patt in Wirklichkeit keines, wenn man nur ein bisschen Mut aufbringt. Ich bin sehr gespannt.

Zum Schluss das M wie Märkte. Ja diese Märkte sind teuflisch. Jetzt wollen sie doch tatsächlich unseren schönen Euro kaputtspekulieren. Wenn ich vor ein paar Tagen angefangen hätte beim Fernsehen und Radiohören die Aachener Version von Bullshit-Bingo (Häufigkeit statt Vollständigkeit) zu spielen, dann wäre ich mit dem Buzzword „Märkte“ inzwischen uneinholbar weit vorn. Wie geht man gegen die bösen Märkte vor? Man macht mehr Kohle locker, die man nicht hat, frei nach dem Spruch mit dem Krug und dem Brunnen. Himmel noch mal, wer sind denn diese vermaledeiten Märkte? Kurze Antwort: Ich, Du, wir alle. Die lange Antwort spare ich mir. Ob man nicht doch mal ernsthafter darüber nachdenken sollte Finanztransaktionssteuer, Hedgefonds-Verbot und Leerverkaufs-Verbot durchzusetzen? Doch, das sollte man. Interessiert aber keinen. Die Märkte regeln, die Politik verhält sich wie die Maus vor der Schlange. Und wenn dann an der Wallstreet einer eine Null zu viel dranhängt, dann schauen alle in die Röhre. Es kotzt mich an!

Note to self: Das musste nicht sein und stößt sauer auf. Musik: Joe Satriani, the Pax Cecilia, Celeste.

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Dommedagsnatt

Ein beliebtes Vorurteil gegenüber Musikliebhabern der härteren metallischen Gangart ist ohne Zweifel, dass sie etwas gegen Frauen hätten, also nicht gegen Frauen im Allgemeinen, sondern gegen Frauen als Musikerinnen. Der Hintergrund ist wahrscheinlich, dass man gemeinhin annimmt, dass ein durchschnittlicher Metalhead annimmt, die üblichen Texte und musikalischen Abseitigkeiten könne sich nur ein nach Bier, Schweiß und Leder stinkender Moshermacho aus dem Kopf drücken und auf der Bühne halbwegs authentisch rüberbringen. Das ist natürlich kompletter Unsinn!

Die Eroberung des schwermetallischen Kosmos durch das gar nicht so schwache Geschlecht hat bereits vor einigen Jahren mit Vehemenz eingesetzt und einige Perlen des Genres hervorgebracht. Und damit meine ich nun ganz bestimmt nicht solche weichgespülten Entgleisungen wie Nightwish, Within Temptation oder gar Lacuna Coil (Schauder). Es geht hier um ernstgemeinten Metal. Dazu weiter unten mehr. Der Anlass für diesen Artikel ist des Bloggers Stolpern über Runhild Gammelsæter:

TH

Gell, sie sieht ein bisschen aus wie Tina Dico, kommt auch aus Skandinavien (aber aus Norwegen, klar oder?) aber sie klingt ganz anders:

Als diese Aufnahme entstand war Frau Gammelsæter gerade mal 17 Jahre alt und da darf man sich schon fragen, was sie als Kind wohl zu essen bekommen hat (Rohen Elch?). Die Zusammenarbeit mit den restlichen Herren von Thorr`s Hammer verlief so fruchtbar, dass sie in der Zwischenzeit auch mit Sunn O))) einiges aufgenommen hat. Dazu kommen Aufnahmen mit den Drone Doomern von Khlyst und ein Soloalbum. Jetzt mal ehrlich: Wenn man Runhild röhren hört, können Angela Gossow (Arch Enemy) und erst recht Sabina Classen (Holy Moses) doch sofort einpacken, oder nicht?

Und was treibt die Dame sonst so? Naja, sie ist promovierte Biologin, promovierte Medizinerin (Oslo, Harvard, VCU, CU) und wissenschaftliche Leiterin einer norwegischen Biotechnologie-Firma, mit einem Wort: Eine wirklich wahrhaftige Wuchtbrumme mit vielseitigen Talenten.

Note to self: Siehste, man muss nur insistieren (und dabei nett bleiben). Musik: Thorr`s Hammer, Thou, Sunn O))).

Adretta, Augusta und ihre knolligen Schwestern

Es ist wieder mal Zeit für den alljährlichen Kartoffelbeitrag bei „Just Skidding“. Bei schneidend kaltem Wind habe ich gestern mit meinem Erzeuger den Knollenacker beschickt, denn es war Wurzeltag. Die Sterne befahlen und wir folgten. Im letzten Jahr fand die Aktion bei schönstem Wetter und 23°C statt, davon konnte man gestern nur träumen. Ob es nun an den Sonnenflecken, oder doch nur am Mittelmeertief liegt, das Nordspanien Schnee im Mai und Nizza und Cannes Monsterwellen brachte, vermag ich nicht zu beurteilen.

Jetzt liegen sie also in handgesiebtem Kompost, die bräunlich-rötliche Adretta mit ihren zerbrechlichen Keimen, die robuste aber schrumpelige Augusta. Wollen wir mal hoffen, dass die böse Krautfäule, die in den vergangenen Jahren trotz Wurzeltag, Kompost und aufmerksamster Pflege grausam zugeschlagen hat, diesmal im Zaum gehalten werden kann. Der Verursacher, ein liederlicher Oomycet mit dem Ehrfurcht gebietenden Namen Phytophthora infestans, zeigt wieder mal ganz deutlich Grenzen auf. Man muss unweigerlich an die 1840er Jahre und Irland denken: Ein ganzes Volk geknechtet und zur Auswanderung gezwungen von einem im Grunde primitiven Organismus.

PI

So dramatisch werden die Konsequenzen einer möglichen Pilzinfektion auf der heimischen Scholle zum Glück nicht sein. Allenfalls droht eine Verschiebung des Eimer/Reihe-Quotienten. Drücken wir die Daumen.

Note to self: Wo bleibt der Speicher? Musik: Dyse, Fantomas, Plan B, Rammstein.

Clumsy cold Retsina

Als ich gestern bei enorm kühlem Nieselregel auf einer zugigen improvisierten Dachterrasse stand, kamen mir die entspannten warmen Tage in der zweiten Aprilhälfte schon fast irreal vor. Wenn wir jetzt berücksichtigen, dass uns Mamertius, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie noch bevor stehen und für eine weitere Abkühlung sorgen könnten, dann krame ich gedanklich schon mal die langen Unterhosen wieder raus. Brrrr.

Außerdem ergab sich gestern die Gelegenheit, mal von einem Helenen eine innergriechische Meinung zur aktuellen Klammheitsdiskussion zu erfahren. Der Mann hat sich in den letzten Tagen offenbar darin geübt, denn die Argumente kamen wie aus der Pistole geschossen. Wenig überraschend: Als wirkliche Verursacher der Pleite machte er neben korrupten Politikern und ihren beamteten Seilschaften vor allem die ökonomische Elite des Landes aus, die sich ohne Mühe von allen solidarischen Verpflichtungen befreit hat, weder Steuern noch die Stromrechnung zahlt und sich ansonsten die Mittelmeersonne auf den feisten Wanst scheinen lässt. Da dachte ich so bei mir, dass uns wahrscheinlich das Gleiche wie den Griechen blüht, denn offensichtlich besteht ja auch hierzulande kein Interesse daran, die Großkopferten an die Kandare zu nehmen. Ich bin mal gespannt, ob man es schaffen wird, die Profiteure, die Finanzmarkthaie und Spekulanten an den Kosten der griechischen Misere zu beteiligen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht daran.

Die Lektüre einiger Mails in einem SPON-Artikel, die die Verbrecher von Goldman Sachs für den internen Gebrauch verfasst haben, bestärkte mich in meinen Ansichten. Wahrlich ein Augenöffner, mit welcher Arroganz und Kaltblütigkeit sie erst zum globalen Absturz beigetragen und dann kräftig daran verdient haben. Ein wirtschaftspolitischer Ordnungsrahmen, der so etwas zulässt, verdient seinen Namen nicht.

Und wann habe ich das letzte mal Retsina getrunken? Das weiß ich noch ganz genau: Auf einem langem Marsch von Tegel nach Reinickendorf, einmal quer durch Mitte (Wedding, Moabit, am Tiergarten vorbeigeschrammt), bis zum Prenzlauer Berg. Wir kamen aus der kretischen Wärme in die eiskalte Hauptstadt und der geharzte Wein bildete einen wesentlichen Teil unserer schmalen Wegzehrung. Heute muss ich grinsen. Damals war es nicht ganz so lustig. Wir kamen uns wie die größten Tollpatsche vor und waren es wahrscheinlich auch.

Note to self: Rin in die Kartoffeln! Musik: Rush, Pink Floyd, Roxy Musik.