Die Wunderkachel

Eins vorweg: Mein gestriger Artikel zur Nichtkommunikation war vielleicht ein bisschen arg empfindlich und unversöhnlich. Ich habe mir aber vor dem ersten Beitrag in diesem Blog geschworen, dass ich niemals etwas geschriebenes löschen werde, dehalb bleibt Incommunicado auch vollumpfänglich drinn. Sollte ich jemandem damit zu nahe getreten sein, dann bitte ich hiermit um Entschuldigung. Ich bin an dieser Stelle zur Zeit aus einem für mich sehr nachvollziehbaren Grund verdammt dünnhäutig.

Ja, ich muss etwas zum iPad schreiben, das his Steveness gestern vorgestellt hat, die ultimative Antwort Apples auf alle Spielekonsolen, eBook-Reader und Netbooks, die sich bereits auf dem Markt tummeln. Wer sich die zugehörige Keynote geben will: Hier ist sie.

Begibt man sich per Google auf eine Bildersuche nach dem Begriff „iPad“, dann springt einem zur Zeit noch eine ganze Horde von FakeRenderings ins Gesicht, die zeigen, wie das Gerät auch hätte aussehen können. Und wenn man ehrlich ist, dann muss man zugeben, dass das tatsächliche Gerät deutlich sexier ist. Eigentlich ist es so wie immer. Es gibt kein Produkt von Apple, egal ob Hard- oder Software, das nicht im Bereich Design Maßstäbe setzt (und den entsprechenden WAF besitzt). Außerdem glaube ich, dass die intuive Bedienung der Kachel bestimmt großen Spaß macht.

Trotzdem ist das iPad ein im Grunde genommen überflüssiges Spielzeug für Geeks. Sicher, die meisten von uns werden ihre Zeit am Rechner hauptsächlich mit solchen Dingen verbringen, die das iPad eben auch kann: Surfen, eMail, Musik hören, Bilder gucken und Spielen. Vielleicht schreibt man auch mal einen kurzen Text, verwaltet seine Adressen und Termine und schaut sich ein Filmchen bei youtube an. Die Vorstellung, das alles mit dem Pad zu machen, das nicht einen eigenen Arbeitsplatz braucht, weniger empfindlich ist als ein Laptop und die Funktionalität per Fingertip zur Verfügung stellt, hat bestimmt etwas Reizvolles.

Trotzdem wette ich, dass das Zusatzgerät, das am häufigsten am iPad betrieben wird, eine externe Tastatur sein wird. Und weiter gehts mit den Kritikpunkten: USB-Schnittstelle? Fehlanzeige. Kartenleser? Fehlanzeige. Eingebaute Webcam? Nicht vorhanden. Natürlich wird man all das als Zubehör kaufen können, aber wenn man ständig mit Adaptern und Steckmodulen hantieren muss, geht der Coolnessfaktor der Flunder deutlich zurück. Käufer wird sie natürlich trotzdem finden.

Falls sich das Lesen elektronischer Bücher als die Killerapplikation entpuppen sollte, von der alle Marketingfuzzies im Verlagswesen bereits seit Monaten fabulieren, dann wird sich die Entwiclung des Geräts für Apple sicher rentieren. Der Erfolg des iTunes Stores und des AppStores für das iPhone zeigen ja, dass man mit Content Geld wie Heu machen kann. Genau das haben aber gerade die deutschen Vordenker im Land der Raubkopierer immer heftig bestritten. Der iBookStore könnte sich als die neue Cashcow für Cupertino erweisen. Dann haben sie wieder einmal alles richtig gemacht. Wundern würde es mich nicht.

Note to self: Skorbut, vielleicht? Musik: Eels, Element of Crime, Dumbra, Earshot, ANNA1.

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Incommunicado

Es ist mit Sicherheit ein bidirektionales Problem, so ist es ja meistens, wenn es an der Kommunikation hapert. Deswegen will ich auch gar nicht über unsensible Gegenstellen lamentieren, wäre vermutlich auch vergebene -hm- Liebesmühe, aber Gedanken mache ich mir schon.

Da setzt man Emails ab, mit Aufrufen zu gewohntem sozialen Tun, das noch in jüngerer Vergangenheit fast schon mit schöner Regelmäßigkeit stattfand, allein sie scheinen ungelesen auf den jeweiligen POP-Servern zu vergammeln oder gelesen aber ignoriert zu werden.

TP

Da läutet das Telefon und es wird scheinbar auch miteinander gesprochen, aber eben nur scheinbar. Man kann mir kommunikationstechnisch eine ganze Menge nachsagen, ich würde da auch gar nicht widersprechen, aber zuhören kann ich. Und deswegen geht es mir auch so gegen den Strich, wenn ich merke – und das merke ich sofort, dass jemand nur vorgibt zuzuhören. Sollte ich in so einem Falle angerufen haben, dann beende ich das Gespräch, jeder kommt jedem mal quer oder zur Unzeit, kein Problem. Wenn man mich aber anruft und bei meinen Beiträgen nur ein stakkatoartiges, stereotypes „ja, ja, ja“ einwirft, dann ist das zumindest merkwürdig. 20 Sekunden und einige kaum identifizierbare Takte später ist dann das „Telefonat“ auch schon beendet. Danke auch fürs ergiebige Gespräch.

Bei anderen potentiellen Gesprächspartnern verhält es sich ganz anders. Wenn endlich mal eine Verbindung zustande kommt, folgt ein regelrechter Wortschwall von der anderen Seite, in dem die angeblichen Eigenheiten der aktuellen Befindlichkeit in epischer Breite ausgerollt werden. Interessant ist das schon, ich hätte da auch eigene Erfahrungen beizutragen, nämlich, was sich alles ändert, wenn sich was ändert. Aber das scheint am anderen Ende der Leitung auf allenfalls marginales Interesse zu stoßen. „Wir quatschen noch mal“ heißt es. „Bescheide Dich gefälligst“ sollte das wohl heißen. Mache ich glatt. Und aufgelegt. Tja. Ist ja anscheinend nicht mehr viel übrig. Da war doch was mit Blut und Wasser. Genau. War.

Vielleicht sollte man diesen ganzen telekommunikativen Firlefanz sein lassen und wieder mehr Briefe schreiben, wenn man wirklich was mitzuteilen hat.

Note to self: Üben, üben, üben. Musik: World Downfall, U2, Cannibal Corpse, Lisa Loeb, In Extremo, Sade.

Brutalst mögliche Grundversorgung

Die Überschrift dieses Beitrags habe ich von der Benutzerin „Oma Peters“ aus dem SPON-Forum geklaut, ich konnte nicht anders.

Im Jahr 2008 zog die GEZ Gebühren mit einem Gesamtvolumen von fast 7,3 Mrd. Euro ein. Eine unvorstellbar große Summe. Was bekommen wir dafür? Einerseits Tagesschau, Heute und die Aktuelle Stunde nebst Lokalzeit, natürlich auch Monitor, Frontal 21, Panorama, Report. Des weiteren können wir uns an Quarks & Co., Abenteuer Erde, Terra X und Mare TV erfreuen. Mit einem Wort: Besseres Fernsehen kann man in Deutschland nicht schauen.

Betrachten wir aber mal den durchschnittlichen Programmverlauf eines Tages in ARD, ZDF und den Dritten, dann wird klar, dass nur ein verschwindend geringer Teil der Sendezeit auf solche Inhalte entfällt, die den Informations- und Bildungsauftrag erfüllen. Der Rest setzt sich aus leichter und leichtester Unterhaltung, Boulevardmagazinen, Dokusoaps und ähnlichem Schmonzens zusammen. Von Entgleisungen wie dem Mutantenstadl, Abenden mit Carmen Nebel, Kurt Krömer und Konsorten und dem unsäglichen Quotenmonster „Wetten dass“ ganz zu schweigen.

Die Sendeanstalten des öffentlich rechtlichen Rundfunks sind zu Horten der Geldverschwendung verkommen, überbevölkert mit Überverdienern, nicht kontrolliert von vergreisten Gremien, die nach Parteizugehörigkeit besetzt werden. Das System wird von einer Gebühreneinzugszentrale gespeist, die mit Drückermethoden vorgeht. Die Schröpfungsmethoden werden dabei immer abstruser: Jetzt sollen sich Selbstständige, die in ihrer Arbeitszeit sicher nichts Besseres vorhaben, als sich den Tatort von gestern aus der Mediathek reinzuziehen mit dem vollen Fernsehgebührensatz an dem medialen Wahnsinn beteiligen, schließlich halten sie „ein Gerät zum Empfang bereit“ (müssen sie ja auch: Umsatzsteuerklärung geht in Deutschland nur noch per Internet und Elster). Mit der gleichen Begründung könnte jeder Deutsche ohne Nachwuchs Kindergeld beantragen, denn das „Gerät“ ist ja vorhanden. Neuerdings wird das Prinzip sogar auf den Kopf gestellt: Demnächst wird man zur Abführung der Gebühren zwangsverdonnert und muss beweisen, dass man *keinen* Empfänger besitzt, wenn man nicht zahlen will. In einem Artikel in SPON wies der Redakteur zu recht darauf hin, dass dieses Vorgehen schon etwas kafkaeskes habe, denn wie soll man beweisen, dass etwas nicht da ist. Eben.

Als ich noch Kind war, in den goldenen Zeiten der Bonner Republik, begann das Fernsehprogramm um 4 Uhr Nachmittags, es gab so etwas wie einen Sendeschluss (mit Nationalhymne!) und es gab eben nur drei Programme. Das reichte völlig aus. Deshalb mache ich mal den folgenden Radikalvorschlag:

Man könnte locker mit zwei überregionalen Fernsehprogrammen und einem weiteren regionalen auskommen. Gesendet werden sollten Programminhalte, die einem Kondensat der oben erwähnten Nachrichtensendungen, Politik-, Wissenschafts-, Verbraucher- und Kulturmagazine entsprechen und durch Berichterstattungen von den Debatten im Bundesparlament und den Landtagen, sowie den zughörigen Pressekonferenzen und meinethalben mit politischen Talkshows, die diesen Namen auch verdienen, ergänzt werden. In diesen Programmen möchte ich kein Fitzelchen Werbung sehen, mir auch nicht das Wetter von der Commerzbank präsentieren lassen.

Diese Sendeinhalte wären mit einem Bruchteil der jetzt auflaufenden Kosten und mit viel weniger Personal zu realisieren. Der ganze Rest sollte im Sinne eines kommerziellen Rundfunkbetriebs ausgestrahlt werden, von mir aus als Pay-TV. Ja, auch die Bundesliga, auch Länderspiele, Fußballweltmeisterschaften und die Olympischen Spiele.

Note to self: Wer nicht will, der hat schon. Musik: Jud, Pearl Jam, Nirvana, Foul Circle, Kaizers Orchestra, Lost World Order.

Zwischen Samstag und Montag…

…liegt der heutige Donnerstag nicht. Also: Warum nur, warum? Darum! Wer sich in der oecher Musikszene nicht auskennt, kann den Rest des Beitrags getrost skippen. Alle anderen wissen ohnehin, um wen es geht.

Ich will es mal so formulieren: Es gibt einige Leute, mit denen ich früher mal mehr oder weniger viel zu tun hatte, die durch den viel zu intensiven Kontakt mit eben jenem Herrn Schaden genommen haben, zumindest zeitweise. Einer von ihnen (Selam!) hat inzwischen auf einer ganz anderen Hochzeit getanzt, einer hat mittlerweile noch weniger Haare als ich und einer kann mich da lecken, wo die Sonne niemals hinscheint.

Es gibt noch so etwas wie Gerechtigkeit. Weder zu dem Mann, noch zu seiner Seuchenkapelle gibt es einen Eintrag bei Wikipedia, damit ist deren Bedeutungslosigkeit, zumindest aber der verständliche Mangel an allgemeinem Interesse wohl hinlänglich bewiesen. 500.000 Besucher des polnischen Woodstocks mögen das anders gesehen haben, vielleicht ist aber auch diese Story eine pseudourbane Legende. Eine andere Möglichkeit ist, dass die ganze Chose ein Nebenprojekt der Bielefeld-Verschwörer ist. Wundern würde es mich nicht.

BA

Note to self: Weg, weg, weg. Tausende von Kilokalorien einfach weg. I am so happy. Musik: Soul Coughing, Strapping Young Lad, Sunn O))), Soulfly, Guerrilla, Sequester, Interfectum, Snot.

Bimbesrepublik

Wir kennen das ja schon: Egal ob in Tarifauseinandersetzungen, bei der Zahl der gesetzlichen Feiertage, bei den Sozialbeiträgen, die Wirtschaft dieses Landes steht stets mit ganz ganz leeren Taschen da, mit einem Bein im Insolvenzgrab sozusagen und wir sollten den Inhabern unendlich dankbar sein, dass sie überhaupt noch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Das tun sie nämlich aus reiner Nächstenliebe. Dass man den Kram, den sie herstellen, produzieren, kontrollieren, vertreiben, bewerben und transportieren muss, und dass dies ohne Mitarbeiter nicht geht, scheint in solchen Momenten vollständig ausgeblendet zu werden. An dieser Stelle fallen mir immer die „Fragen eines lesenden Arbeiters“ von Bertold Brecht ein.

Wenn es aber darum geht, die Parteien durch voluminöse Spenden gewogen zu stimmen, dann ist plötzlich genug Kohle da, Millionen sind übrig. Kein Wunder, immerhin kann man solche Zuwendungen sogar steuerlich geltend machen. Allein das ist schon ein Treppenwitz der bundesrepublikanischen Abschreibungswirklichkeit. Nun ist die Spendenbereitschaft des Großkapitals naturgemäß nicht gleichmäßig über die politische Landkarte verteilt. Damit kann ich leben. Aber dass weder die so genannten Liberalen, noch die Christlichen mit ihren Spenden so umgehen, wie es das Gesetz zur Parteienfinanzierung vorschreibt, das geht mir gewaltig gegen den Strich.

Es ist schon schlimm genug, dass wir einen Finanzminister haben, der die Herkunft 6stelliger DM-Beträge nicht mehr erinnern konnte, dass die FDP den Möllemann-Spendenskandal immer noch vor Gericht erklären muss und jetzt schon wieder ein hübsches Sümmchen von den Hoteliers einstreichen durfte, ohne rot zu werden. Wir haben schon fast vergessen, das ein Bundeskanzler a.D. gegen seinen Amtseid verstieß, um die monetären Interessen seiner Partei zu wahren. Hier wäre eine öffentliche Auspeitschung angebracht gewesen. Die Unappetitlichkeiten, die ein gewisser Rüstungslobbyist namens Schreiber nun in seinem Prozess zu Protokoll gibt, zeigen, dass auch die christsoziale Partei der unfähigen Amigos sich nicht zu schade war, die Interessen des Volkes gegen eine kräftige Finanzspritze zu verraten.

Klar, wir wollen nicht vergessen, dass zu Zeiten des Flick-Skandals auch die Genossen der alten Tante ihre Finger in der trüben Brühe hatten. Tatsächlich liegen aber die Parteien des bürgerlichen Blocks beim Thema „Illegale Parteispenden“ ganz weit vorn. Das scheint niemanden zu stören, jedenfalls nicht den Durchschnittswähler. So kriegt er das, was er verdient. Ist doch super.

Note to self: Entsperrung verabredet, Entmüllung bilanziert. Musik: Deutschland`s doomed, Vol. 1.

Vertrieben

Eins vorweg: Ich habe mich nie als Vertriebener gefühlt, warum auch? Als Nachkomme eines Pommerers (Typo?) und einer Ostpreußin bin und bleibe ich doch stets Westzipfler. Das dürfte klar sein. Ich weiß, dass es vielen Kindern von Einwohnern der ehemaligen deutschen Ostgebiete anders geht, doch sind die meist unmittelbar nach dem Krieg oder in den 50er Jahren geboren und höchstwahrscheinlich von der Wehmut ihrer Eltern entsprechend eingenordet worden.

Es ist nun nicht so, dass die Vertreibung in meiner Familie generell kein Thema wäre, im Gegenteil: Früher gab es die so genannten Sippentreffen, dort traf sich die gesamte Großfamilie und erinnerte sich daran, wer mit wem damals zusammen auf dem Fuhrwerk gesessen hat. Meine Eltern waren mehr oder weniger aktiv in der „Jugend des deutschen Ostens“, nahmen sogar ab und zu an landsmannschaftlichen Treffen teil und besuchten selbstverständlich ihre alte Heimat, als der eiserne Vorhang gefallen war. Bücher und Filme zu diesem Thema sind Pflichtprogramm und können tränenreiche Momente der Rührseligkeit bedingen.

Mir kam das immer befremdlich vor. Nicht, weil ich so ignorant wäre zu leugnen, dass das erlittene Schicksal ein verdammt hartes war. Abgesehen von materiellen und emotionalen Verlusten war auch meine Familie Opfer von von der Roten Armee begangenen Kriegsverbrechen. Eine Großtante erhängte sich auf der Flucht, nachdem sie von Russen vergewaltigt worden war. Meiner Großmutter mütterlichseits blieb dies nur deshalb erspart, weil der Bruder meiner Mutter sich kreischend und weinend dazwischen warf, worauf ihm ein Gewehrlauf an den Kopf gehalten wurde. Es sind wahrscheinlich diese Erlebnisse, die viele der damaligen Flüchtlinge für den Rest ihres Lebens traumatisiert haben. In diesem Zusammenhang will ich anmerken, dass es eine Idiotie ist, zu glauben, dass die Zeit alle Wunden heile, dem ist nämlich nicht so.

Ich habe deshalb große Schwierigkeiten mit dem organisierten Erinnern der Vertriebenenverbände, weil sich dort immer noch zahlreiche ewig Gestrige und Revanchisten tummeln. Erinnert sich noch jemand an den Slogan „Schlesien bleibt unser!“? Das ist noch gar nicht so lange her. Genau in dieses Bild fügt sich die Weigerung Erika Steinbachs, sich eindeutig zur Oder-Neiße-Grenze zu bekennen. Es ist daher kein Wunder, dass besagte Steinbach für die Polen ein rotes Tuch ist. Das Niveau, auf dem Teile der polnischen Seite gegen sie polemisieren will ich hier nicht weiter kommentieren.

Ist es nicht merkwürdig, dass das Thema Vertreibung im Verhältnis zu unserem östlichen Nachbarn immer noch eine so wichtige Rolle einnimmt? Wir sind doch eigentlich längst weiter. Warum weigern sich Teile der Union also immer noch hartnäckig, Steinbach zum Verzicht auf einen Sitz in der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zu bewegen? Welche Interessen sollen da bedient werden? Prinzipienreiterei ist jedenfalls an dieser Stelle völlig unzweckmäßig, genau da setzt meine Kritik an: Es ist an der Zeit, dass überlange Zöpfe abgeschnitten werden. Ich zweifele daran, ob Steinbach wirklich willens ist, das zu tun.

Die meisten werden sich denken: „Das alles juckt mich überhaupt nicht“. Kann ich verstehen. Die meisten werden auch mit den Begriffen „Rucksackdeutscher“, „Lastenausgleich“ oder „Umsiedler“ wenig anfangen können, erst recht nichts mit „Utzen“, „Klümpchen“ oder „plintern“. Genau daran merke ich, dass ich, ob ich es nun will oder nicht, doch ein ganz kleines bisschen anders bin, als die meisten. Kann eben keiner aus seiner Haut.

Note to self: Entkrautung Teil eins. Ausmaß der Katastrophe offensichtlich. Musik: M.A.N, Fat Mans War Face, Kinetic, Manic Street Preachers, Misanthrope(s), Machine Head.

Hölle, Hölle, Hölle

Zum Glück bin ich kein Webdesigner. Wäre ich einer, wäre ich wohl schon längst des Wahnsinns fette Beute geworden. Warum? Ich hasse es, wenn sich Systeme, die sich eigentlich ausrechnen lassen, also durch und durch mathematisch bestimmbar sind, nicht deterministisch verhalten.

Für die Hardcore-Coder, die es gewohnt sind, html und Co. über textbasierte Editoren einzugeben, werden die folgenden Anmerkungen lächerlich wirken, meine Verzweiflung ist alles andere als das.

Jeder, der schon mal eine Webseite mit einem WYSIWYG-Editor gestaltet hat, wird wissen, wie ernüchternd es sein kann, wenn man das Elaborat auf unterschiedlichen Betriebssystemen mit unterschiedlichen Browsern in Augenschein nimmt: Die Textdarstellung unterscheidet sich erheblich, die Ausrichtung der Inhalte wird nicht korrekt übernommen, von der Darstellung von Frame-Grenzen will ich erst gar nicht anfangen.

Auch deshalb habe ich vor einiger Zeit begonnen, mich mit PHP und dem Content-Management-System Joomla zu befassen, nicht durchgängig, nicht wirklich intensiv, aber immer mal wieder, wenn ich Lust hatte. Schließlich handelt es sich eher um ein Hobby. Spaß soll es machen. Gestern war es wieder mal so weit:

Um es vorweg zu nehmen: Der Gehörnte oder seine willigen Schergen müssen hier ihre Finger im Spiel haben. Mein Seitenentwurf, mit eigenem, liebevoll gestalteten Template, sollte um einige Zusatzfunktionen ergänzt werden. Nichts Großes. Nach einigen Stunden hätte ich schreien mögen: Erst fehlte meinem PHP die GD Library, die sich auch nicht nachinstallieren ließ, dann wurden die Benutzerberechtigungen der Modul-Dateien nicht korrekt interpretiert. Die Dokumentation dazu war im Grunde nicht vorhanden. Man beginnt das Netz abzusuchen und statt Probleme zu lösen, hat man plötzlich zwanzig neue. Das Joomla-Backend dürfte der unaufgeräumteste Haufen Mist sein, den die OpenSource-Gemeinde auf die Menschheit losgelassen hat. Immer wieder taten sich Kompatibilitätsfallen auf, auch wenn man sich auf die Verwendung von stable-Versionen beschränkte. In einem Browser konnte die Seite nur bei Aufruf des lokalen URL vernünftig dargestellt werden, in einem anderen funktionierte dies auch über die dyndns-Adresse. Zwischendurch bekam ich nur noch Fehlermeldungen an den Kopf geworfen, lief in einen Time-Out nach dem anderen. Simpelste Darstellungsoptionen entpuppten sich als schwarze Löcher. Inzwischen war es weit nach Mitternacht. Auf dem Bildschirm markierte eine unansehnliche Ansammlung von Fragezeichen-Platzhaltern meine Niederlage. Ich legte mich hin. Das ist Wahnsinn…

Note to self: Tauwetter? Könnte sein. Musik: Nebula, Orange Goblin, Spiritual Beggars, Jud.