Die Wandernden von Pont-Neuf

Ein schöner Tag, um sich im Bergland ein wenig an der frischen Luft zu bewegen, das bunte Herbstlaub zu genießen und der neuen Brücke über den Urftsee einen Besuch abzustatten.

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Ein unbestreitbarer Vorteil des Ziels der heutigen Wanderung (im Vergleich zum letzten Mal, eine Leserin dieses Blogs wird sich erinnern) war, dass es von Gemünden bis zur Brücke nur halb so weit ist, wie bis zur Urftstaumauer. Um außerdem mit einem Mythos aufzuräumen: Vom Beginn des Wanderwegs bis zu eben dieser Mauer sind es laut Wegweiser tatsächlich nur 10 Kilometer, nicht 15 und der damals zurückgelegte Weg betrug mithin auch nur 20 Km (und nicht 30).

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Noch eine Nebenbemerkung: Ich habe großes Verständnis für Radfahrer, auch wenn ich nicht begreifen kann, warum man sich zur Ausübung dieser Fortbewegungsart in idiotische Klamotten hüllen und noch viel idiotischere Helme tragen muss. Allerdings sehe ich es nicht ein, mich von Rad fahrenden Vollspacken vom Weg herunterbimmeln und dann auch noch anranzen zu lassen.

Die neue Brücke kann was: Ein echter Hingucker. Das fängt schon bei der beeindruckenden Verankerung der armdicken Stahlseile an.

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Die Konstruktion überzeugt insgesamt durch federleichte Eleganz und wirkt in der rauen Schönheit des Urfttals keineswegs deplaziert. Im Gegenteil: Mir gefällt der Kontrast zwischen weitgehend ungestörter Natürlichkeit und kühner technischer Anmutung ganz ausgezeichnet.

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Schade nur, dass der Wasserstand der Stauhaltung so niedrig war, will sagen: Die Urft war da, der See war weg. Offensichtlich hat der Wasserverband in der letzten Zeit der Füllung des Obersees und Rursees den Vorzug gegeben. Kein Wunder, wenn man überlegt, dass man dort wegen des trockenen Sommers und Herbstes immerhin 12 Meter unter dem Stauziel liegt. Zwar hatte auch die Mondlandschaft des trockenen Seegrundes ihren Reiz, erst recht wenn man sich einige Jahre mit der Sohlmorphologie von Fließ- und Staugewässern beschäftigt hat, trotzdem hätte die Überquerung eines gefüllten Urftsees sicherlich einen idyllischeren Eindruck hinterlassen.

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Note to self: Noch 5. In großen Etappen. Musik: Slayer, Tricky, Tool.

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In Blut gemalt

In der letzten Zeit hatte ich intensiven E-Mail-Kontakt mit dem Autor der Flusslandschaft. Dabei ging es unter anderem um musikalische Vorlieben und Absonderlichkeiten, auch um die Frage, ob Künstler langfristig ihre musikalische Qualität halten können, ob man von den Helden der musikalischen Prägungsphase nicht doch irgendwann enttäuscht werden muss. Der heutige Tag bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit an diese Diskussion anzuknüpfen, denn das neue Album „World Painted Blood“ von Slayer wurde justamente veröffentlicht.

TA

Ah, Slayer! Als es bei mir losging mit der Vorliebe für fast alles Metallische, da waren mir die Jungs zu böse, ich gebe es zu. Der Reibeisengesang von Tom Araya war mir zu heftig, die leichtfertige Verwendung von Nazi-Symbolen fand (und finde) ich abstoßend (hat sich inzwischen zum Glück erledigt), die merkwürdigen Textinhalte (Massenmord, KZ-Ärzte) konnten mich auch nicht begeistern. Mittlerweile sehe ich das entspannter: Slayer sind ohne Zweifel eine epochal wichtige Band für die Entwicklung des Thrashmetal. Die Kompromisslosigkeit, mit der die Jungs zu Werke gehen, ist einfach beeindruckend. Also, hören wir mal rein in das aktuelle Langeisen, mit der gebotenen Ehrfurcht und kritischen Distanz und natürlich drehen wir richtig laut auf, das muss schon sein…

KK

Bevor ich ins Einzelne gehe: Bereits beim ersten Durchlauf konnte ich mir das eine oder andere Grinsen nicht verkneifen, denn das Album ist einfach so typisch Slayer, dass es eine Wonne ist. Und auch wenn der momentane Zustand meiner Nacken- und Schultermuskulatur kein Intensivbangen zulässt, kam ich um die vorsichtige Andeutung solcher Beifallsbekundungen nicht herum (muss komisch ausgesehen haben). Und noch eins: Natürlich werden wieder alle möglichen Poser-Möchtegern-Kenner aufheulen, weil das neue Album schon wieder nicht der zweite Teil von „Reign In Blood“ ist, auf den sie seit Dutzenden von Jahren warten. Pech Leute, der kommt nicht mehr.

„World Painted Blood“ ist ein stellenweise erstaunlich zügiges old-school Thrash-Metal-Brett, nicht mehr aber auch nicht weniger. Ob man sich zu der Aussage hinreißen lassen muss, Slayer hätten seit der „Seasons In The Abyss“ (1988) nicht mehr so gut zugeschlagen, wie Herr Wigger das tut, das sei mal dahingestellt. Sicher ist, dass das neue Werk um einiges inspirierter und knackiger rüberkommt und besser produziert ist als der Vorgänger „Christ Illusion“. Allerdings finde ich die flotten Knüppelstücke überzeugender als die Midtempo-Nummern a la „Playing With Dolls“ (Allerdings ist der versammelte Teil, der so sehr an „Jihad“ vom Vorgänger erinnert, einsame Spitze!) oder „Beauty Through Order“ (Wobei der Beginn des Solos dieses Stücks mich einfach nur umhaut.). Führt man sich mal vor Augen, dass die 4 Herren inzwischen auch im gesetzteren Alter angekommen sind und denkt nebenbei an dieses bekannte Interview mit James Hetfield, in dem er mit leicht gequältem Gesichtsausdruck zu Protokoll gab, Metal sei halt schon „physically demanding“, dann muss man vor Slayer einfach den Hut ziehen. Altersmilde? Von wegen! Vollgas! Und wenn man das letzte Stück „Not Of This God“ genießt, das in seiner Intensität und Gnadenlosigkeit etwa 75% aller aktuellen Thrash-Releases einfach verdammt blass aussehen lässt, dann wird überdeutlich, wo der Vorschlaghammer hängt.

Note to self: Serielle Verzweiflung. Musik: Slayer.

Marwa

Folgendes trug sich angeblich zu: Ein junger Mann beleidigte auf einem Kinderspielplatz eine Mutter. Diese brachte die Beleidigung zur Anzeige. Die Polizei ermittelte. Der junge Mann wurde in erster Instanz zur Zahlung eines Ordnungsgeldes verurteilt, akzeptierte das Urteil nicht und ging in die nächste Instanz. Bei der nun folgenden Verhandlung zog der Beklagte ein Küchenmesser, stach 16mal of die Klägerin ein und tötete sie. Außerdem verletzte er den Ehemann der Klägerin, der den Prozess ebenfalls beobachtete, schwer. Der Messerstecher muss sich wegen Mordes und versuchten Mordes nun vor dem Landgericht Dresden verantworten. Ein brutales Verbrechen, wegen einer Nichtigkeit begangen. Abscheulich. Der Artikel könnte damit bereits zu Ende sein, ist er aber leider nicht.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Marwa al-Schirbini findet unter ähnlichen Sicherheitsvorkehrungen statt, wie damals die Verhandlung gegen die RAF-Terroristen in Stammheim, die Vorzeichen sind jedoch gänzlich andere, denn die Diskussionen um die Tat hier und besonders hier werden von Scharfmachern bestimmt, die nichts weniger im Sinn haben, als den vorgeblich unvermeidlichen Kulturkampf zwischen dem christlichen Westen und der muslimischen Welt auf die Spitze zu treiben. Ein paar Merkwürdigkeiten:

Eine Fraktion der Diskutanten hebt in in ihren Kommentaren auf die russlanddeutsche Herkunft des Täters ab. Was soll diese für eine Rolle spielen? Dem Täter wird eine rechtsradikale Gesinnung nachgesagt, die scheint mir schon bedeutsamer zu sein. Weiterhin wird munter drauflos spekuliert, wie die Tat in einem muslimischen Land beurteilt würde, wie es ausgesehen hätte, wenn der Täter Moslem gewesen wäre und so weiter. Es wird sich darüber ereifert, wie häufig sich westliche Touristinnen im Kurzarmshirt in muslimischen Ländern als Schlampen beleidigen lassen müssten. Westliche Beißreflexe sind dies, mehr nicht. Wer sich auf dieses Niveau begibt, bei dem haben die islamophoben Einflüsterer bereits gewonnen.

Auf der anderen Seite geht es genau so abstrus zu: Die Fakten werden auf zahlreichen islamistischen Webseiten grob verfälscht, angeblich sollen die Messerstiche innerhalb von quälend langen acht Minuten beigebracht worden sein, eine dreiste Lüge. Besonders in ägyptischen Medien wird das vorgesehene Strafmaß im Falle einer Verurteilung als lächerlich gering bezeichnet und die Todesstrafe gefordert. Das muss man eigentlich kaum kommentieren, allenfalls als Ausdruck der Rückständigkeit zahlreicher archaischer Rechtssysteme in der islamischen Welt brandmarken. Der deutschen Justiz wird auf unverschämte Art und Weise eine antimuslimische Blindheit unterstellt, die an der Realität meilenweit vorbei geht. Auch hier scheinen also die Öl-ins-Feuer-Gießer die Meinungsführerschaft bereits gewonnen zu haben.

Noch zwei Nebenaspekte: Wer dem eingreifenden Wachtmeister, der den Ehemann des Opfers fälschlicherweise für den Täter hielt und anschoss, mehr unterstellt als das offensichtliche Versagen in einer extremen Stresssituation, der sollte sich in Behandlung begeben. Wer darüber hinaus den anwesenden Prozessbeteiligten vorwirft, nicht eingegriffen zu haben, der sollte mal überprüfen, wie er sich in einer solchen Situation verhalten hätte. Angekündigtes Heldentum in Onlineforen ist lächerlich.

Marwa wurde Opfer eines von Hass verblendeten Einzeltäters. Ich glaube, dass dieser Hass maßgeblich von genau den Scharfmachern verursacht wurde, die auch jetzt wieder versuchen, die Tat und ihre Begleitumstände für ihre gefährlichen Ziele zu nutzen. Und ich frage mich heute mal wieder, warum ich in einer so beschissenen Welt leben muss.

Note to self: Es knistert und rumpelt an allen sanierungsbedürftigen Dachgeschossecken, was kommt da noch nach? Musik: Hatchery, Мартье, Formaldehyde, Skitsystem.

A l`envers, à l`endroit

On n`est pas encore revenu du pays des mystères
Il y a qu`on est entré là sans avoir vu de la lumière
Il y a l`eau, le feu, le computer, Vivendi et la terre
On doit pouvoir s`épanouir à tout envoyer enfin en l`air

On peut toujours saluer les petits rois de pacotille
On peut toujours espérer entrer un jour dans la famille
Sûr que tu pourras devenir un crack boursier a toi tout seul
On pourrait même envisager que tout nous explose à la gueule

Autour des oliviers palpitent les origines
Infiniment se voi rouler dans la farine

A l`envers, à l`endroit, à l`envers, à l`endroit
A l`endroit, à l`envers, à l`envers, à l`endroit

Y`a t`il un incendie prévu ce soir dans l`hémicycle
On dirait qu`il est temps pour nous d`envisager un autre cycle
On peut caresser des idéaux sans s`éloigner d`en bas
On peut toujours rêver de s`en aller mais sans bouger de là

Il paraît que la blanche colombe a trois cents tonnes de plombs dans l`aile
Il paraît qu`il faut s`habituer à des printemps sans hirondelles
La belle au bois dormant a rompu les négociations
Unilatéralement le prince entame des protestations

Doit-on se courber encore et toujours pour un ligne droite ?
Prière pour trouver les grands espaces entre les parois d`une boîte
Serait-ce un estuaire ou le bout du chemin au loin qu`on entrevoit
Spéciale dédicace à la flaque où on nage, où on se noie

Autour des amandiers fleurissent les mondes en sourdine
No pasaran sous les fourches caudines

(Noir dèsir)

Note to self: Bauernsolo Spitzenreiter. Musik: Noir dèsir, Hellyeah, Misia, John Butler Trio, Mindfunk.

Noch immer mein Land

Dieses Land hat es schwer mit sich. Es kann nicht anders, als sich den eigenen Nabel wund zu popeln. Es möchte so gern alles gut und richtig machen, weil es sich immer noch im Büßerhemd in der Ecke stehen sieht. Dieses Land hat es zur Weltmeisterschaft in der Méthode Coué gebracht, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Und obwohl, oder gerade weil es so sehr an sich selbst leidet, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land war lange ein Einwanderungsland und wollte keines sein. Heute ist es ein Auswanderungsland, weil es nicht den Mut und die Wahrhaftigkeit aufbieten konnte, um den mit den besseren Chancen und der größeren Entschlossenheit Gesegneten Heimat zu sein. Dieses Land machte sich zum Erfüllungsgehilfen der Kaste der Kanonen- und Kübelwagenbauer und freute sich diebisch über den Fleiß der Gäste und fette schwarze Zahlen. Und obwohl, oder gerade weil diese Kaste heute ihre Kinder und ihr Kapital nach Übersee verbringt, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land war lange Zeit ein christliches Land, mehr als ihm bewusst war. Heute ist es, welch ein Glück, ein gottloses Land. Es scheint nun zu glauben, dass es an dieser Stelle ein Loch hat, einen Fehler, den uns die Überzeugten, die mit den einfachen und archaischen Antworten, unter die Nase reiben dürfen. Und obwohl, oder gerade weil die dürren Worte der Verfassung keine 72 Jungfrauen im Jenseits, sondern nur Recht und Freiheit im Diesseits versprechen, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land war das der Dichter und Denker. Heute ist es das Land der bewusst herbeigeführten Verblödung. Es befindet sich in einem fruchtlosen Ringkampf mit sich selbst, bei dem verlogene Regeln gelten und man -bereits erblindet- mit den Fingern nach den Augen des vermeintlichen Gegners sticht. Und obwohl, oder gerade weil wir einer verdummten und trotzigen Generation, die uns ob unserer hilflosen Erstarrung verspottet, dieses karge Feld bereitet haben, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land war das Land des Volkes der Täter, nicht das Land des Tätervolkes. Heute ist es das Land der feigen Wegseher und der stummen Beifallklatscher. Es besaß nie die Kraft, die Verantwortlichen zur Verantwortung zu ziehen, nicht mal ganz am Anfang, und es ist durchsetzt von Absonderlingen, die zu wissen glauben, wie Recht und Ordnung schmecken. Und obwohl, oder gerade weil diese hirnlosen Idioten lieber in national-befreiten Zonen leben wollen, die mittlerweile nicht mehr nur in Sachsen, Thüringen und Franken liegen, sondern auch in Dortmund-Dorstfeld, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land war für Jahrzehnte keines, sondern zwei. Heute ist es ein großer Teil in einem größeren Ganzen. Darin liegt eine große Chance und eine noch größere Verantwortung. Es glaubte aber, man könnte als größter Nettozahler über die Runden kommen und sich ansonsten damit bescheiden, quer über den Atlantik zu buckeln. Und obwohl, oder gerade weil diese furchtsame Verweigerung die Einigung des alten Kontinents zu einer leeren Hülse macht, ist es noch immer mein Land.

Dieses Land will geliebt werden und es muss eine romantische Liebe sein, weil es so lange ein Flickenteppich war, der von blaublütigen Zuchtmeistern regelmäßig ausgeklopft wurde. Es existierte nur als süßes Versprechen und zwar so gründlich, dass sein Da-sein, als es realisiert wurde, den Visionären sauer aufstoßen musste, weil die Sehnsucht keinen Platz mehr hatte. Und obwohl, oder gerade weil wir so heftig versuchen es zu treten und es zu feiern, ist und bleibt es mein Land.

Note to self: …wie die Hoffnung, die sie ersetzt hat. Musik: Helltrain, Life is a dead end, Prog Nois, Scythelence, Windrider.

Finnischer Tango

Ich habe nachgesehen: Der letzte Fußballartikel ist schon lange genug her, um ihm einen weiteren folgen lassen zu können. Das will ich hiermit tun:

Man sagt den Finnen nach, dass sie eigentlich unechte Skandinavier sind. Das liegt nicht zuletzt an der Herkunft ihrer höchst merkwürdigen Sprache, an ihrer Begeisterung für bestimmte lateinamerikanische Tänze und ihrem unbestrittenen Talent fürs Tragikkomische. Beim Fußball verhält es sich jedoch ganz anders, da entpuppen sich die Finnen als waschechte Nordmänner: Kantig, körperbetont, konterstark und ein bisschen verschlagen. Übrigens finde ich es bemerkenswert, dass die finnische U21 genau das gleiche System spielt wie die A-Mannschaft, und zwar genau so überzeugend. Gestern hätten die Finnen einen Sieg verdient gehabt, sie waren eigentlich gut genug, um einen schwachen Gegner schlagen zu können. Bevor ich zur Leistung des Gegners komme, noch folgende Anmerkung: Hätte der Schiri nicht das Handspiel von Klose übersehen, das dem Ausgleich vorausging, dann hätten die Adler die dritte Niederlage der DFB-Geschichte in einem Qualifikationsspiel eingefahren. Zu recht.

Die Nationalkicker blamierten sich und es war eine Blamage mit Ansage. Man darf einfach nicht erwarten, dass sich das Team nach einem hart erarbeiteten (und ebenfalls vom Schiri geschenkten) Sieg gegen die Russen wenigstens ein bisschen reinhängt. Das Spiel hatte keinen sportlichen Wert, die Akteure haben englische Wochen in Bundesliga und EuroLeague vor sich, 20.000 € Antrittsgeld bekommt man auch fürs Rumstehen und interessiert Gucken. Wenn der Trainer dann noch meint, man sollte mit einem seit Wochen indisponierten Hitzlsberger, einem formschwachen Cacau und einem mental nicht auf der Höhe befindlichen Beck mal ein 4-3-3 versuchen, dann darf man sich nicht wundern.

Die Zuschauer pfiffen, vielleicht ein bisschen zu früh, vielleicht ein bisschen zu laut. Möglicherweise hätte ich auch gepfiffen, wenn ich 60 Tacken für ein Ticket berappt hätte, und dann so etwas geboten bekäme. Darüber beschwerten sich die Spieler dann auch noch, der Trainer nicht, wenigstens etwas.

Note to self: Gigabyte abtragen. Musik: Satyricon.

Frost

Der erste Frost des damit angekündigten Winters kommt zu früh für mich. Ernsthaft, mir ist eher nach Kartoffelfeuer und Drachensteigen zumute, als nach Raureif, doch genau dieses Resublimationsprodukt trotzt in der schattigsten Ecke meiner Hinterhofpseudoromantik nach wie vor der Oktobersonne. Wenigstens habe ich am vergangenen Abend noch die ausquartierten Zimmerpflanzen vom Balkon gerettet, das war knapp.

Auch sonst will so einiges nicht zusammenpassen: Meine Schrecken haben sich ausgerechnet jetzt dazu entschlossen, Nachwuchs zu produzieren. Die drei winzigen Exemplare der 3. Generation wurden gestern gesichtet, das heißt eigentlich entdeckte ich zuerst ihre winzigen Küttel, dann erst die Tierchen selbst. Ob ich sie mit dem derben Brombeerlaub durchbekomme, jetzt wo die zarten Triebspitzen fehlen, das muss sich noch zeigen.

Für einen bitteren Beigeschmack sorgten die vorgestern von Philips vorgelegten Quartalszahlen, die eine Steigerung des Gewinns vor Steuern von fast 50% auswiesen. In so einer schwierigen Situation kann man natürlich verstehen, dass das Unternehmen unbedingt das hiesige Forschungs- und Entwicklungslabor schließen muss. Die Kosten müssen eben runter, auf Teufel komm raus. Und da kann man sich eine Dependance an einem Standort mit einer der führenden technischen Universitäten Europas natürlich nicht mehr leisten, auch wenn diese Einrichtung in den vergangenen Jahren in der Sparte Licht mit wirklich Aufsehen erregenden Neuerungen von sich Reden machte. Nee, muss ich nicht verstehen. Nadelstreifen versenken gern Millionen, ein Naturgesetz.

Note to self: Hurtig, hurtig! Musik: Satyricon, The Dust Brothers.