Es reicht!

Sondersendungen, Programmänderungen, Ticketverlosungen, Hunderttausende auf der Straße: Das klingt doch, als sei etwas ganz Wichtiges passiert. In Wirklichkeit ist ein völlig durchgeknallter tablettensüchtiger mutmaßlicher Kinderschänder mit mumiengleichen künstlichen Gesichtszügen an den Folgen seines ungesunden Lebenswandels gestorben. Zufällig hat besagter Durchgeknallter die meistverkaufte Langspielplatte aller Zeiten herausgebracht. Ja und? Das ist lange her. Seit dem Megaseller „Thriller“ war Jacko durchgängig auf dem absteigenden Ast: Musikalisch, gesellschaftlich, gesundheitlich, letzteres galt vor allem für das geistige Wohlbefinden. Und jetzt komme mir keiner mit der angeblichen Nähe von Genie und Wahnsinn. Jackson war vor allem ein Getriebener, erst das Produkt seines Vaters, dann das Produkt ausgezeichneter Produzenten. Sicher war er ein begabter Interpret und Tänzer mit extrem marktrelevanten musikalischen Ideen. Aber das war es dann auch. Bis zu seinem Tod konnte Michael Jackson weder Noten lesen, noch beherrschte er irgendein Instrument so gut, dass er damit hätte auftreten können. Und seine Qualitäten als Sänger? Durchschnittlich, allenfalls durchschnittlich.

In den Medien wird nun die Frage lang und breit diskutiert, ob es besonders geschmackvoll ist, Jacksons Leichnam öffentlich aufzubahren. Es ist mir egal. Man berichtet über Polizeibarrieren, Straßensperrungen und Stevie Wonder. Es ist mir egal. Man hört vom Gezerre um Schulden und Vermögen und um die Verwertungsrechte an ein paar wirklich genialen Stücken, die aber nicht von Jackson sondern von den vielleicht größten Songschreibern überhaupt, nämlich von Lennon und McCartney verfasst wurden. Es lässt mich kalt. In L.A. wird großformatig geschaumschlägert. In einer chinesischen Provinz werden Tausende verprügelt, erschossen, verhaftet und sehr wahrscheinlich auch gefoltert. Das war den heute-Nachrichten gerade mal 45 Sekunden wert. Wie war das noch mit dem Fressen und dem Kotzen?

Note to self: Es zählt, es gilt, es tut nicht gut. Musik: Morbid Angel, Baskery, Type O Negative, Till Brönner.

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2 Gedanken zu „Es reicht!

  1. Ich stimme aus allervollstem Herzen zu!

    Es gibt im Portal der WAZ-Mediengruppe „derWesten“ ein Kulturforum „westropolis“, dort wird teilweise ebenso wie oben beschrieben lamentiert – darf ich dich zitieren oder hierhin verlinken? Du sprichst mir so aus der Seele!

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