Kampfsport

Fussballdeutschland in heller Aufregung: Prinz Poldi ohrfeigt das Schwergewicht Ballack, auf dem Platz, in aller Öffentlichkeit, eine Ungeheuerlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt führte man in Cardiff mit 2:0 Toren, die Partie war gelaufen (das sahen die Waliser übrigens genau so) und unsere Elitekicker waren kopfmäßig bereits auf dem Rückflug. Die Nationalmannschaft hatte ihre spielerische Überlegenheit in drei Punkte umgemünzt, ohne fussballerische Glanzlichter zu setzen. Also, was mag Podolski geritten haben, sich mit seinem Kapitän zuerst ein heftiges Wortgefecht zu liefern und ihm dann durchs Gesicht zu wischen? Insubordination? Kann Poldi gar nicht richtig aussprechen. Bayernfrust? Wohl kaum, da er ja jetzt wenigstens spielen darf. Glaubenskampf um die rechte Taktik? Nö nö, denn da hat Ballack nun mal „die Hosen an“ und Poldi weiß, dass er gehorchen muss. Ballacks Führungsstil? Ja vielleicht, aber eigentlich ist der Mann von Chelsea diesbezüglich doch ein Waisenknabe gegen einen van Bommel oder Lucio, was, wie wir Dank Günter Netzer jetzt alle wissen, ja daran liegt, dass Ballacks Sozialisation im wesentlichen in der ehemaligen DDR stattgefunden hat (gell, für solche Einsichten muss man Erklärbär Günter einfach lieben).

Nein, ich glaube es lag an Rugby. An Rugby? OK, ich versuche es zu erklären: 1.) Auf dem Rasen waren ja noch die Markierungen der Malfelder von der vorausgegangenen Partie Wales vs. Irland im Six-Nations-Cup zu sehen, da kann ein schlichtes Gemüt wie Poldi schon mal ins Schwimmen kommen. 2.) Alle walisischen Zuschauer hätten viel lieber ein Rugby-Spiel gesehen (das hätte Wales nämlich haushoch gewonnen, die Deutschen reißen im Rugby nix), diese Erwartungshaltung übertrug sich von den Tribünen aufs Spielfeld und besonders auf den schwingungsempfindlichen Podolski. 3.) Rugby ist ein wirklich harter Sport, bei dem Spielern gerne mal ein Ohr abgerissen oder die Nase oder eine Rippe gebrochen wird. Ein halbherziger Wischer ins Gesicht wird dort eher als Aufmunterung unter Mannschaftskameraden verstanden. 4.) Während man sich den schlitzohrigen und flotten Podolski in einem Rugbyteam als Innendreiviertel, Verbinder oder Gedrängehalb vorstellen könnte, käme für den bulligen Ballack wohl eher die weniger wichtige Position eines zweite-Reihe-Stürmers in Frage, damit wäre die Fußballhierarchie auf den Kopf gestellt.

Also, es lag an Rugby 😉

Note to self: Sonst gehts Dir noch gut? Musik: Desert Sessions, Death In Vegas, Cruel April.

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