Geknechtet von Rechenknechten

Computer sind etwas Wunderbares. Wenn sie funktionieren. Wenn sie nicht funktionieren verursachen sie Kopfschmerzen, Aggressionen, ein Gefühl der Leere. Aus gegebenen Anlässen beschäftigt sich dieser längliche Beitrag deshalb mit den schönen und nicht ganz so schönen Aspekten unserer digitalen Knechtschaft:

Nicht mal ein Knacken gab mein getreuer G4 von sich, als sein Netzteil vor kurzem verstarb. Nun sind besagte Bauteile in dieser Modellserie für ihr spontanes und zu frühes Hinscheiden berüchtigt, von daher also keine Überraschung. Ein neues Netzteil kostet mehr als der Blaugrüne noch wert ist. Also Ende Gelände. Ein paar halbherzige Wiederbelebungsversuche machte ich noch, dann betrachtete ich die Kiste als austherapiert. Heute war Schlachtfest: Wiederverwertbares (A 400MHz CPU? Anyone?) wurde entfernt, die nackte Kiste zu dem anderen Elektroschrott gepackt. An manchem Bauteil hängen kostspielige Erinnerungen, aber ich will hier nicht wehklagen. Allerdings bringe ich es auch nicht übers Herz, die einstmals gute Grafikkarte, den damals sündhaft teuren Speicher, die heute lächerlich kleinen 40GB-Platten bei Ebay für Nüsschen zu verhökern: Einlagern und vergessen.

Zu einem schöneren Thema: Ein tiefer Seufzer der Erleichterung kam über die Telefonleitung: Apple hat endlich den neuen Mac mini vorgestellt und Brüderchen hat es tatsächlich geschafft, sich eines der zwei ersten Exemplare, die in der Kaiserstadt, genauer gesagt beim kleinen g, aufschlugen, zu sichern. Wie sich die Zeiten geändert haben: Früher wurden marginale Neuerungen auf Keynotes zum Weltereignis. Vorgestern gab es nur eine dürre Pressemitteilung, aus der die Runderneuerung der gesamten Desktop-Produktlinie hervorging. Natürlich musste das Kistchen, gepimpt mit maximalem Speicher, sofort angeschlossen und eingerichtet werden und siehe, die Grafikleistung ist wonnig, der Migrationsassistent machte auch mit und der Übergang verlief butterweich (während Bayer Bayern in Grund und Boden spielte, das Grinsen wurde immer breiter). Glückwunsch, Ödli!

Ich gestehe, dass ich den Bonsaiquader auch ziemlich schick finde und eigentlich schon allein wegen der sehr geringen Leistungsaufnahme ein Kauf zu rechtfertigen wäre, da der Stromverbrauch meiner „G5-Käsereibe“ mit ihrem 600W-Netzteil natürlich ganz schön ins Kontor schlägt. Na gut, ich übe mich in Geduld und träume noch ein bisschen von Green IT tief im Westen.

Im Siegerland sieht es nicht ganz so rosig aus: Eine kleine Festplatte (natürlich von Toshiba, der Rest ist Schweigen) verstarb just beim Backup und die Sicherungsplatte wurde vor der Sicherung geplättet: Worst Case. In genau diesen Momenten bewahrheitet sich wieder die alte Weisheit der Backup-Fetischisten: Die Daten sind das wahrhaft Wertvolle, die Hardware dagegen ein Nichts. Ohne jede Häme (während mein Backup im Hintergrund läuft) deshalb der Hinweis auf das „Tao of Backup“. Es ist mir unbegreiflich, wie viele User niemals eine Sicherungskopie durchführen. Und wenn es nur um ein paar Urlaubsbilder geht, der geringe Aufwand ist es alle mal wert, sich um die eigene Datensicherung zu sorgen. Und? Wann hat der geneigte Leser zuletzt die Sicherung angeworfen? Na? Dann aber hurtig!

Note to self: Kümmern gegen Kummer. Musik: Murder By Death, Naglfar, Poison The Well, Muse.

3 Gedanken zu „Geknechtet von Rechenknechten

  1. Bravo! Das ist eben das merkwürdige: In unser fortschrittlichen Welt aus Nullen und Einsen ist Information so viel flüchtiger geworden, als zu den „Federkiel und Pergament“-Zeiten. Ein Evangeliar aus dem frühen Mittelalter ist heute immer noch zugänglich, ob das für eine aktuelle digitale Publikation in 1000 Jahren auch gilt, da habe ich doch erhebliche Zweifel, man denke nur an die ganzen Machwerke, die vor 15 Jahren auf 5,25-Zoll-Floppies, Syquest-Cartidges etc. gespeichert wurden, an die heute keiner mehr ran kommt, weil kein Lesegerät mehr zur Verfügung steht. Sic transit gloria mundi.

  2. Wohl wahr.
    Andererseits ist die Vorstellung, welche Menge an Datenmüll so gespeichert wurde bzw. werden soll, auch ein bisschen „beängstigend“.

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