Tricky Dick, dirty Hartmut, Fritz the cat

Mit Erstaunen, Schadenfreude und ohne jedes Mitleid nehme ich die Abgänge der vergangenen Tage zur Kenntnis. Krokodilstränen, Uneinsichtigkeit, verletzter Stolz, Realitätsverlust, alles war dabei, aber jetzt mal systematisch:

Da haben wir zunächst den freiwillig aufgegeben habenden Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma, der über sein miserables Krisenmanagement in Sachen „Severinsloch“ gestolpert ist. Man kann ihn schon verstehen, den alten Fritz, der es in der Vergangenheit so gut verstand allen Vorwürfen Richtung Mauschelei, Klüngel, Korruption katzengleich auzuweichen. Nein das wäre kein lustiger Wahlkampf gewesen mit den gegen ihn gerichteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher „Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes“ im Kreuz, von anderen Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs ganz zu schweigen. Ich frage mich schon, wie ein altgedienter Stratege solche Anfängerfehler machen kann: Interne Sitzungen mitschneiden? Das kommt raus Fritz, das kommt raus! Behaupten, man habe Protokolle bestimmter Baustellenbesprechungen nicht erhalten? Das geht schon in die Richtung „Mein Hund hat die Hausaufgaben gefressen“. Letzten Endes konnte auch der bauerngeopferte Baudezernent nichts mehr retten. Lustig war übrigens die Begründung für den Verzicht auf die erneute Kandidatur: Die Katastrophe würde im Wahlkampf instrumentalisiert werden. Mensch Fritz, was denn sonst? Wenn die Mitbewerber himmelschreiende Schlamperei, Schlingerkurs und offensichtliche Pflichtverletzungen nicht kritisieren dürften, dann könnte man sich den Wahlkampf gleich sparen und an dessen Stelle ein öffentliches Wattebällchenwerfen veranstalten.

Der nächste gefallene Engel ist Rick Wagoner, der ehemalige Obermacker bei General Motors. Bei dem fragt man sich nun wieder, wie er sich überhaupt so lange halten konnte. Die Probleme bei GM sind seit Jahren Legion, auch ohne die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise wäre der Konzern vor die Wand gefahren. Wenn man Wagoner in den vergangenen Wochen im Fernsehen sah, dann kam er mehr und mehr wie ein Außerirdischer rüber. Besonders bei der Befragung anlässlich der Bettelei im Kongress wirkte er peinlich irritiert, wie auf Tranquilizern. So und nur so konnte es passieren, dass ihm seitens der US-Regierung der Rücktritt auch noch ausdrücklich nahegelegt werden musste. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte „Tricky Dick“ noch ein paar Monate weiter rumgepfuscht. Ob das Unternehmen noch zu retten ist? Ich habe da erhebliche Zweifel. Man wird es versuchen müssen, aber wahrscheinlich ist der Entwicklungsvorsprung der Konkurrenz auch in Jahren nicht aufzuholen.

So und nun zu dem lieben Hartmut. Ich hätte jede Wette angeboten, dass er mindestens bis zur Bundestagswahl durchhält, die Neubesetzung des Postens dürfte die große Koalition aufs äußerste belasten: Tiefensee darf vorschlagen, die Union will aber natürlich bestimmt keinen SPD-Mann. Mit dem von Schröder installierten Mehdorn konnte man leben, der war bei so Vielen ohnehin so dermaßen unten durch, das ging schon Richtung Narrenfreiheit. Dabei ging es einerseits um seinen hemdsärmeligen Stil, seine Scheuklappenmentalität und zum Schluss um offensichtliche Rechtsbeugung mit dem Ziel, die eigene Position im Unternehmen zu stärken und den Gegnern in den eigenen Reihen das Wasser abzugraben. Dass Mehdorn Vorverurteilungen und Spekulationen beklagt und diese als Grund für seine Entscheidung nennt, ist der Treppenwitz überhaupt. Wahrscheinlich ist es eher so gewesen: Er hat mit seinen Rechtsanwälten gesprochen und die haben ihm klar gemacht, dass die Luft jetzt verdammt dünn geworden ist. OK, andererseits war Mehdorn immer auch eine Zielscheibe für die Gegner der Bahnprivatisierung, und diese Kritik war oft genug unter der Gürtellinie. Dabei wurde verkannt, dass dieses Unterfangen von Seiten der Politik vorgegeben wurde. Mehdorn traf eben nur die Entscheidungen, die ihm zur Umsetzung dieser Vorgabe angezeigt schienen: Rückzug aus der Fläche, Vernachlässigung des Schienennetzes, prestigeträchtige Flottenumbauten und Bauvorhaben, Verteuerung der Tickets, Einsparungen beim Service. Ansonsten wurde alles dafür getan, die gigantische Enteignung von Volksvermögen zugunsten der neuen Anteilseigner still und heimlich durchzuziehen, das war der eigentliche Skandal. Hätte ja auch beinahe geklappt, aber zum Glück nur beinahe.

Note to self: Kein Frühjahr ohne Frühjahrsputz? Musik: Joni Mitchell, Team Sleep, Isis.

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Cobekater

Die Überbleibsel des gestrigen Abends: Zwei völlig durchweichte Schuhe, ein Loch von 3 Uhr bis ca. 5, ein leichtes Brummen im Schädel und die neue CD von Cobe. So geht ein Kapitel in kaiserstädtischen Musikgeschichte zu Ende. Ich wünsche den Kosmischen, dass sie ganz schnell einen neuen Gitarrero an Land ziehen und uns, dass wir auf die nächste Scheibe nicht zu lange warten müssen. Material ist ja genügend vorhanden.

Note to self: Schade Kati, verdammt schade. Musik: Cobe

Aachens finest

Leute, ich mache es kurz: Kauft euch diese Platte, oder hört euch zumindest dieses Material an. Ist das nicht wonnig? Mein lieber Scholli, was für eine Band und was für ein geiles Konzert gestern Abend (Ich weiß, ich wiederhole mich, egal).

Note to self: Unzugehörig, wegbleiben. Musik: Parajubu.

Schuldig

Der letzte Beitrag („parteien sind wenn man trotzdem lacht“) in der „Flusslandschaft“ gibt mir zu denken. Gut, bei den dort versammelten Übeln verhält es sich eben so, wie bei allen anderen Widrigkeiten auch: Es muss immer jemand schuld sein, sonst fehlt uns was. Ob man in den genannten Fällen wirklich den politischen Parteien den Schwarzen Peter zuschieben kann, so wie der Autor dies in der Überschrift andeutet, das sollte man freilich kritisch beleuchten. Arbeiten wir die Punkte mal der Reihe nach ab:

Angeblicher Frühling/Erkältungskrankheiten: Vordergründig scheint hier die vermaledeite Neigung der Erdrotationsachse, sowie die Verschlagenheit gewisser Halblebewesen mit Minimalgenom verantwortlich zu sein. Tatsächlich handelt es sich aber jeweils um ein Verteilungs- bzw. Verdrängungsproblem: 1.) Hätte der moderne Mensch die nördlichen Gefilde den eiszeitlichen Großwildjägern mit den beeindruckenden Überaugenwülsten überlassen, dann könnten wir uns ganzjährig die Sonne auf den gut pigmentierten Bauch scheinen lassen. 2.) Bei den fiesen Erregern verhält es sich genau umgekehrt, müssen wir ihnen doch attestieren, dass uns ihre lästige Anwesenheit zumindest vorübergehend zu einer gesünderen Lebensweise (frühes Schlafengehen, Alkohol- und Nikotinverzicht, vitaminreiche Kost) zwingt und das Besteck unserer Immunabwehr fortwährend scharf hält. Unserem Sitznachbarn in der Regionalbahn, der schniefend und hustend zur Verbreitung der drolligen kleinen Kerle beiträgt, müssen wir folglich dankbar sein. Schuldig in diesem Anklagepunkt: Nicht die vornehmsten Organe der politischen Willensbildung, sondern ich, du, wir alle und die Altvorderen.

Grußaugust Horst: Man ist geneigt der Bundesversammlung die Schuld zu geben. Tatsächlich sind aber Johannes Rau und Roman Herzog verantwortlich, die die unselige Tradition der präsidialen Ruck- und Grundsatzreden begründeten. Hätten sie sich auf die alljährlich wiederkehrende Begrüßung von exotischen Botschaftern in bunten Burnussen und die Ausrichtung eines Gartenfestes beschränkt, wie ihre Vorgänger dies im wesentlichen taten, dann bliebe uns die rhetorische Blässe der Köhlerschen Ausflüsse erspart. Von einer Schuld der Parteien kann somit gar keine Rede sein

Das Kölner Loch: Nicht die KVB, nicht der OB, nicht der Baudezernent, schon gar nicht die Parteien im Stadtrat sind die Bösen, sondern die Eiszeiten, die zur Kumulation kohäsionsloser Lockersedimente im Kölner Untergrund führten. Da in der Domstadt Bau- und Buddelvorhaben stets mit besonders großer Entschlossenheit, sozusagen „wie geschmiert“, durchgeführt werden, konnte man auf die geringen Haltekräfte im zum hydraulischen Grundbruch neigenden Korngerüst keine Rücksicht nehmen. Scharf rügen muss man außerdem diejenigen, die ausschließlich das abgepumpte Wasser verantwortlich machen wollen, denn merke: „Dat Wasser vun Kölle es jot.“ Punkt. Übrigens ist völlig klar, wer die Teilschuld für die fluidinduzierten Feststoffbewegungen übernehmen muss: Malin wars!

Termin der Kommunalwahlen in NRW: Ich hätte ja nun, naiv wie ich bin, erwartet, dass die Zugehörigkeit zum Landesverfassungsgericht und die Mitgliedschaft in einer Partei sich gegenseitig ausschließen. Trotzdem sollte man die Bedeutung dieser Normenkontrollklage nicht zu hoch hängen. Egal wann in NRW gewählt wird: Ich bin überzeugt davon, dass unser Bundesverteidigungsminister (genau: Der, dem man immer anmerkt, dass er den Kotzbrockenjob abbekommen hat) im Bedarfsfall rechtzeitig diverse mit Silberiodid bestückte Fliegerstaffeln in die Lufträume der im Westen liegenden Verbündeten entsenden wird, um damit für Sonnenschein zu sorgen. Jeder weiß, dass die Sozen dann ins Freibad bzw. Kaffeetrinken fahren und nicht zur Wahl gehen, also was solls.

Fazit: Die üblen Launen der Natur und die versammelten inneren Schweinehunde sind es hauptsächlich, die uns zusetzen. Dagegen wird die Bedeutung der Parteien für politische und sonstige Fehlentwicklungen und Katastrophen häufig überschätzt. Im Gegenteil: die so lang aufgeschobene prozentuale (!) Rentenerhöhung, die segensreiche Abwrackerweiterung, die so ungemein wirkungsvolle KiPo-Sperrung, das ausgezeichnete Klima in der großen Koalition, der von allen Oppositionsparteien gemeinsam (!) beschlossene U-Ausschuss zur HRE, läuft doch super bei uns!

Note to self: iTunes-Bibliothek doch gesichert (?), mit feuchten Fingern. Musik: Anacrusis, Obscura, Strapping Young Lad.

Gerettet vom Stachelschweinbaum

Man freut sich natürlich zunächst mal, wenn der Bus halbwegs pünktlich kommt. Besonders wenn man in der vermutlichen Mitte der Walachei im Windschatten einer wackeligen Bretterbude bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in sturmgepeitschtem Schneeregen ausgeharrt hat. Doch drinnen erwartet mich die Hölle. Die Hölle besteht aus knapp 40 pubertierenden Schulkindern, die kreischend, nölend, Klingelton vergleichend das Gefährt in Beschlag genommen haben. Merkwürdige Buchstabenkombinationen, von Herzformen umrahmt, werden an die beschlagenen Fensterscheiben gemalt. Ein Turnbeutel fliegt hin und her. Allgemeines Gegacker, während der Besitzer des Beutels, ein zu kurz geratener blasser Rotschopf mit Glasbausteinbrille hinter dem Flugobjekt her hechtet. Das kommt mir alles verdammt bekannt vor. Mobbing ist nichts Neues, denke ich mir.

Ich versuche meinen Frieden mit ihnen zu machen. Es ist schließlich irgendwie ihr Bus, ich bin nur Gelegenheitsgast, vom schlechten Wetter an der Zweiradbenutzung gehindert. Aber es will mir nicht gelingen. Es nervt. Nach 10 Minuten nervt es bereits gewaltig. Der Fahrer muss ein Stoiker sein, nur wenn ein Mobiltelefon auf laute Musikwiedergabe geschaltet wird, gibt es eine Durchsage von vorn.

Beim Einsteigen wurde ich noch angewiesen, meinen MP3-Player auszuschalten. Natürlich habe ich gehorcht. Die Sinnhaftigkeit des Gebots scheint mir aber nun, da hinten abzählreimartige Spottgesänge zu Gehör gebracht und vorne Variationen des immer gleichen überhaupt nicht komischen Witzes erzählt werden, gegen Null zu gehen. Ich schaue auf die Uhr. Noch eine gute halbe Stunde. Nee, sorry: Stöpsel in die Ohren, bis zum Anschlag aufgedreht: „Hair blown in an open car…“ Augen zu. Alles ist gut.

Note to self: Hoffrichter, meine Scharfrichterin. Fingers crossed. Musik: Porcupine Tree.

Stück für Stück weiter weg

Man denkt, man kennt sich. Nach über 10 Jahren, nach so vielen gemeinsamen Abenden im Bunker. Man hatte zwar schon manchmal Magengrummeln in letzter Zeit, aber man ging davon aus, es würde sich schon alles wieder einrenken.

Keine Aussprache, keine Argumente, nicht mal ein Streit. Vollendete Tatsachen. Einfach so. Eine Mail aus fast heiterem Himmel. Und wahrscheinlich kommst Du auch noch damit durch. „Verdammt schade“ reicht da nicht. „Verdammter Sturkopf“ kommt schon eher hin.

Leuchtturmwärter, das wäre wohl Dein Traumberuf. Die Schaumfetzen der großen Brecher, das wäre alles, was Dich noch träfe. Da machst Du es Dir ganz schön einfach. Die Webseite bleibt erst mal unangetastet, mein Bester, erst will ich Dir ins Gesicht sehen.

Note to self: Jaja, Krüge und Brunnen, ich weiß. Musik: Mr. Bungle, Wolves In The Throne Room, The Stooges, State Radio.

Was Fröhliches

Nö. Nix Winnenden. Immerhin gab es heute mal einen halben Tag SPON ohne eben jenes Amokkaff, jetzt stehen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen den waffengeilen Vater ganz oben auf der Seite (4800 Schuss Munition zu Hause? Einsperren, Gummizelle, aber ganz schnell!). Mir geht es so ähnlich wie dem Blogghead, der in seinem letzten Beitrag die sehr ausführliche Berichterstattung zum großen Einsturz in Köln beleuchtete, oder wie Asterix mit Alesia. Ich will gar nicht mehr wissen, wo dieses Winnenden eigentlich liegt bzw. was sich dort ereignet hat. Erst recht will ich nichts von Killerspielen, Schützenvereinen, Waffenbesitzkarten, Kampfanzügen, heroischen Ersthelfern, ambulanten Therapieversuchen hören. Ehrlich, es reicht mir. Ein soziopathisches Arschloch ist gründlich ausgeflippt. Verdammt bitter und sehr tragisch, sicher. Aber mehr ist dazu auch nicht zu sagen. So.

Mir ist heute nach etwas Fröhlichem. Ein bisschen Hoeneß-Bashing vielleicht? Der Uli hat sich doch tatsächlich zu der Forderung verstiegen, jeder deutsche Haushalt solle die Vereine der Bundesliga mit einem Sonderzuschlag zur GEZ-Gebühr fördern, sonst gerate der deutsche Fussball gegenüber den Engländern, Spaniern und Italienern ins Hintertreffen. Reife Leistung Uli! Man könnte jetzt natürlich anführen, dass die Mehrzahl der Spitzenvereine in den genannten Ländern so dermaßen verschuldet ist, dass sie in Deutschland überhaupt keine Lizenz für den Spielbetrieb bekämen. Man könnte sich fragen, ob Otto Zuwenigverdiener nicht tatsächlich den Gürtel noch ein bisschen enger schnallen muss, damit sich die Nobelkicker nicht mit einem Ferrari, einem Penthouse, einer Yacht bescheiden müssen. Ein Sieg in der Champions-League macht doch auch satt, nicht wahr. Sicher ist es an der Zeit das alte „panem et circenses“-Missverständnis zu beseitigen: „panem aut circenses“ muss es richtig heißen: Brot oder Spiele, beides geht nicht. Ach Ulli, schau Dir einfach an, was deine millionenschwere Gurkentruppe in dieser Saison für einen Käse zusammengespielt hat, und wisse: Beim Fussball ist das Ganze mehr als die Summe der Teile: Zusammenhalt, harte Trainingsarbeit, Motivation, all das kann man nicht kaufen. Zum Glück.

OK. Klappt irgendwie heute nicht so ganz, das Fröhliche. Ich versuche es mal so:

Note to self: Lässt mich die Alte doch tatsächlich noch mal zurückschlurfen. Ungenügend. Musik: Batillus, The Arcade Fire, Behemoth, Kodiak, Salome.