Gitarre & Bass

Nein, in diesem Beitrag geht es nicht um die gleichnamige Musikerzeitschrift. Es geht um den ewigen Kampf zwischen Saiteninstrumentalisten, den Urkonflikt des schwingenden Stahls sozusagen, und glaubt mir: Verdammt tief und verdammt breit ist der Graben, der die Gitarristen von den Bassisten trennt, dagegen sind die legendären Frotzeleien zwischen Violinisten und Bratschisten Kinderkram.

Schon die Ausgangslage ist für beide Parteien denkbar verschieden: Wenn man sich im jugendlichen Alter für ein zu erlernendes Instrument entscheiden muss, dann hat man bereits unzählige Auftritte von mehr oder weniger professionellen Musikern live und im Fernsehen abgespeichert und damit auch die unterschiedlichen Rollen internalisiert, die diesen Musikern zufallen. Während der Gitarrist in der ersten Reihe gut beleuchtet die Finger über die Bünde fliegen und sich dabei häufig zu ausschweifendem Posing hinreißen lässt, mit allen Mädels in den ersten 5 Reihen flirtet und sich seiner melodieführenden Funktion stets bewusst ist, verharrt der Bassist gerne im Hintergrund vor seiner turmhohen Megabox, damit er sich überhaupt irgendwie hört, schaut entweder ins Leere oder den Schlagzeuger an und versucht dem Idealbild des „ruhenden Pols“ möglichst nahe zu kommen. Wenn der Gitarrist sich verspielt, nennt man das „Mut zur Improvisation“. Wenn der Bassist sich verspielt, hat man den Eindruck eines stotternden Motors, schlimmstenfalls fliegt die ganze Angelegenheit auseinander. Der Gitarrist verkörpert exaltierte Lebensfreude, exzessives Hineinknien, mit einem Wort: Rock““nRoll. Der Bassist steht für Banddienlichkeit, stützende Zuverlässigkeit, er ist der Fels in der musikalischen Brandung.

Aus dieser Rollenverteilung ergibt sich ganz zwangsläufig, dass beide Gattungen aus psychologischer Sicht vollkommen unterschiedlich gepolt sind. Dies kommt zum tragen, wenn die Musiker die Bühne verlassen und in Proberäumen, Kneipen, also „im wirklichen Leben“ aufeinander treffen, allerdings ganz anders, als man als Nichtmusiker annehmen könnte. Dann ist es nämlich schnell mit großfressigen Pose des Gitarristen vorbei, er entpuppt sich als schwachbrüstiges Sensibelchen, als dünnbrettbohrender Schwanzeinzieher, der nicht mal seinen Amp alleine tragen kann. In der Hackordnung steht er plötzlich ganz unten, die anderen Bandmitglieder möchten das jedenfalls so sehen und ihn ständig Bier holen schicken. Dabei tut sich vor allem der Bassist hervor, der nun das offenbart, was ihn umtreibt, seit er sich für den Bass und gegen die Klampfe entschieden hat: Grüner Neid, der nur ätzenden Spott für die sechssaitige Fraktion übrig lässt. Gestählt von unzähligen Erfahrungen schmerzhafter Randständigkeit lässt der Bassist gerne den Tyrannen raus, der für seine Mitstreiter (außer für den Schlagzeuger) so etwas wie Verachtung empfindet. Er, der Bassmann, hat die dicksten Schwielen an den Pfoten und das sollen die anderen auch spüren. Weil Bassisten Diven sind und Gitarristen gerne Diven sein wollen, ist schon so manche Band vor die Hunde gegangen, man erinnere sich nur an Pink Floyd. Der Verfasser dieser Zeilen spielt übrigens leidlich Gitarre und miserabel Bass und ist so gesehen ein echter Borderliner.

Note to self: Condors Attacke und Henmans Move. Musik: In Extremo, Urkraft, Garmarna, Fu Manchu, Chang Ffos.

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8 Gedanken zu „Gitarre & Bass

  1. och, das alte thema *herzhaftgähn*… wie sagte meine basslehrerin: „was soll man mit leuten diskutieren, die meinen, man können mit eierschneidern musik machen.“
    ich selbst war ein lausiger gitarrist, bis ich gesehen habe, wie bei einem vorspielen ein sehr guter gitarrist nicht genommen wurde, weil es immer noch bessere gab… ich hab“ mir dann einen bass gekauft und konnte mir als lausiger bassist die bands aussuchen. außerdem hat es immer wieder spaß gemacht, unserem gitarristen unter feixender zustimmung des schlagzeugers zu sagen: „ist ja klasse, was du da machst, aber du merkst schon, dass du völlig aus dem takt bist?!“ oder „es mag ja sein, dass man hier einen wesentlich komplexeren lauf einfügen könnte, aber *ich* kann es nicht, und *ihr* findet keinen anderen bassisten!“ hehehe… aber ok, das gilt nicht in aachen, wo – zumindest eine zeitlang – jeder, der etwas auf sich hielt, bass spielte. das hatte wohl mit dem finalen sonntäglichen virus zu tun. oder so.
    @m: du hast vollständig, vollinhaltlich und absolut recht. und jetzt geh“ bitte zu m.j.s. (ehemals genannt „s.“) und besprich das mit ihm… und berichte anschließend hier über den ausgang eurer diskussion.

  2. @Skidman:
    So geht“s mit den Ungläubigen.

    @Blogghead:
    Das wird konstatiert, nicht diskutiert, und der Ausgang ist ganz hinten links. (Oder meintest du den gar nicht?)

  3. @M: Ich glaube, das war ein Insiderjoke, den Du nicht verstanden hast. Wenn Du M.J.S kennen würdest, dann wüsstest Du, dass ein locker flockig dahingeflötetes „Bassgitarre“ zum gewaltsamen Tod durch Garottieren mit einer ganz dicken E-Saite führen kann 😉

    Im Übrigen: Bei aller ironischen Frotzelei lege ich dennoch Wert auf einen höflichen Umgang miteinander; wir sind ja nicht in einem Webforum. Hier wird niemandem der Ausgang gezeigt.

  4. 1. Den Insider kannte/kenne ich wahrhaftig nicht, habe ihn jedoch vermutet. Daher:

    2. Ich habe mich – offensichtlich äußerst erfolglos – an einem Wortspiel versucht, da blogghead mich um einen Bericht über den “Ausgang“ der Diskussion mit M.J.S. ersuchte.
    Auf jeden Fall:

    3. Nichts liegt mir ferner, als frech zu werden oder gar jemandem den “Ausgang“ zu weisen! Es ist mir außerordentlich unangenehm, dass mein Kmmentar so rüberkam, und ich entschuldige mich hiermit.

  5. Schon OK. Da habe ich vielleicht auch ein bisschen überreagiert. Es ist halt mitunter nicht so einfach mit der Ironie, wenn man schriftverkehrlich unterwegs ist und sein Ansinnen nicht mit Mimik, Gestik und Tonfall verdeutlichen kann.

    Von da her: Schwamm drüber.

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