Schrecken (Two Different Ones)

Heute war Tag der Insektarien-Inventur in Oche, also habe ich den Kasten komplett ausgeräumt und dabei eine Zählung des Bestandes durchgeführt. Inzwischen sind 13 kleine Heuschreckenmädchen ausgeschlüpft. Es wird allmählich eng, jedenfalls wenn man sich die Gesamtpopulation in ausgewachsenem Zustand vorstellt. Star ist natürlich nach wie vor Thusnelda, die Erste, hier in ganzer Pracht:

Schreck1

Obwohl sie sich bereits zweimal gehäutet hat, ist sie immer noch winzig klein:

Schreck2

Es geht natürlich noch kleiner:

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Die Mütter und Tanten lassen sich von den Krümeln nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn der Nachwuchs auf ihnen herumklettert oder durch die Gegend reitet. In diesem Zusammenhang von Brutpflege zu sprechen, scheint aber übertrieben, stoische Ruhe kommt eher hin:

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Der Überraschungsgast des Abends war eine heimische Langfühlerschrecke, die als blinder Passagier mit dem Brombeerlaub in die Wohnung gelangte:

Schreck5

Auch dabei handelt es sich um ein Weibchen. Man beachte den rötlichen Legesäbel am Hinterleib. Das Tierchen wurde auf dem Balkon ausgesetzt, denn eine Mischhaltung wollte ich dann doch nicht riskieren. Man weiß ja nie, was so ein Wildling alles an Beikost zu sich nimmt.

Note to self: Die Alemannia! 😦 Es ist nicht zu fassen! Musik: American Head Charge, Butthole Surfers, Anthrax, Anberlin.

Wieder im Rover

Abgesehen davon, dass man im Rover nun natürlich nicht mehr rauchen darf und deshalb der -hm- eigentümliche Geruch des Ladens nicht mehr von Tabakaroma überlagert wird, war gestern wieder alles beim Alten. Tatsächlich weiß man bereits in dem Moment, wo man den zotteligen und wie immer ganz in schwarz gewandeten alten Bekannten erblickt, der am Eingang den kärglichen Musikerlohn eintreibt und übrigens an meiner musikalischen Prägung nicht unwesentlich beteiligt war, wie der Abend werden wird. Da ich wegen Zeitmangels (Ich musste unbedingt noch die gepfefferte Heimniederlage der Bayern gegen Werder zu Ende gucken.) per Wespe unterwegs war, waren alkoholische Exzesse von vorne herein ausgeschlossen, man konnte sich folglich aufs Wesentliche konzentrieren.

DukeRubin

Das Wesentliche bestand zunächst mal aus einem kurzen Auftritt der frisch gegründeten Combo „Duke Rubin“. Das Trio um den Basser Gerd Golke brachte einige Intrumentalcover von King Crimson, Led Zeppelin und Deep Purple, wobei vor allem die gut harmonierende Rhythmusgruppe zu gefallen wusste. Man munkelt ja, dass die Jungs gerade einen Sänger suchen und vielleicht sogar schon gefunden haben (räusper).

Alic

Dann folgten „Alic“ mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Eigenkompositionen und schrägen Covern. Die Band hat inzwischen auch schon ca. 20 Jahre auf dem Buckel und setzt sich zu einem guten Teil aus ehemaligen Mitschülern zusammen. Das Repertoire hat sich in diesem Zeitraum nur sehr geringfügig verändert, man weiß also, was auf einen zukommt. Trotzdem ist es immer ein Genuss Perry bei „The Night Diana Died“, „Chainsaw Love“ oder „Epitaph“ zu erleben, das treibende und knochentrockene Bassspiel von Mike auf die Ohren zu bekommen und Tastenmann Bleesi bei seinen Ausflügen in Richtung John Lord zu begleiten. Die Jungs hatten Spaß, da gabs keinen Zweifel. Und ich hatte ihn auch.

Note to self: Einen Hut? Ja warum eigentlich nicht. Musik: Edie Brickell, Emmure.

Immer Gelb

Im Rahmen des Aachener „September Special“ gastierten gestern Jaune Toujours aus Brüssel auf dem Marktplatz der Kaiserstadt. Und obgleich in der Besetzung der Combo keine Gitarre vorkommt, was bei mir normalerweise eine gewisse kritische Distanz begründet, muss ich sagen, dass mich der Auftritt ziemlich begeistert hat. Geboten wurde ein Stilmix aus Chanson, Ska, Gypsy, Klezmer und Brass mit vielen Rhythmuswechseln, hektischen Bläsern und Gesang irgendwo zwischen Tom Waits und Nikolai Tomás von Poems For Laila. Der Frontmann zeigte eindrucksvoll, dass man auch mit einem Akkordeon vor der Brust auf der Bühne herumspringen kann. Die Stücke wurden in französisch, flämisch, englisch und Romani vorgetragen und handelten von Brüssel, von tragikkomischen Alltagsepisoden und der Freude am Leben. Eingerahmt wurden sie durch launige selbstironische Ansagen („Wir in Belgien haben gerade keine Regierung. Ja, das geht ganz gut…“). Obwohl das Publikum ob der Abendkühle zunächst ein wenig fröstelte, machte sich schnell eine ausgelassene Stimmung breit und die Band musste über eine halbe Stunde an Zugaben geben und ihr Repertoire gänzlich ausreizen, so dass zwei Stücke zum Abschluss nochmal gebracht wurden. Viertel nach zehn war dann Schluss und es stellte sich heraus, dass es eine ziemlich gute Idee von Sascha war, eine Thermoskanne voll Grog mitzunehmen. Der zog mir, ich gebe es gerne zu, allerdings auch den letzten Zahn, so dass der Ausklang des Abends in der Lothringerstraße sich in Nebelschwaden verliert. Trotzdem ein gelungener Abend.

Note to self: Liebelke schwer beleidigt. Ein Grund zur Freude. Musik: Dresden Dolls, Metallica, M.A.N., Dredg.

Tödlicher Magnetismus

Nach fünf Jahren Pause erschien am 12. dieses Monats das neue Langeisen von Metallica namens „Death Magnetic“. Damit könnte dieser Artikel dann auch schon wieder zu Ende und damit gänzlich überflüssig sein. Aber seien wir ehrlich: Wer auf Metal steht, der muss diese Veröffentlichung schon zur Kenntnis nehmen. Entsprechend intensiv wird die Platte auf Amazon, im Usenet und natürlich in den zahlreichen Metalforen diskutiert. Rollen wir die Angelegenheit mal ein bisschen von hinten auf:

Als das so genannte „Schwarze Album“ erschien, war es mit meiner Begeisterung für die Bay Area Thrasher schon fast vorbei. Klar: „Enter Sandman“ und „Sad But True“ waren geile Stücke und bei „Nothing Else Matters“ musste man natürlich auch mitsummen. Gleichzeitig hatte die Band mit diesem Album den Metal-Untergrund endgültig verlassen. Zu glatt und harmlos war die Musik, zu weichgespült die Produktion. Die Kritiker moserten entsprechend: Kommerzieller Ausverkauf. Nun bin ich allerdings der Meinung, dass Musik nicht dadurch schlechter wird, dass sie vielen Leuten gefällt und sich deshalb gut verkauft. Im Gegenteil: Menschen, die meinen, sie könnten sich dadurch von der Masse abheben, dass sie nur Platten im Schrank haben, die schräg und kaum jemandem bekannt sind und eigens für sie aus England importiert wurden, gehen mir gehörig auf den Zeiger.

Ich verlor Metallica irgendwie aus den Augen. Zu der Zeit als „Load“ und „Reload“ erschienen hörte ich ohnehin kaum Musik. Beide Platten habe ich erst Jahre nach ihrem Erscheinen zum ersten Mal bewusst wahrgenommen. Mit Metal hatte das kaum mehr was zu tun. Gefälliger Blues- und Hardrock wurde geboten, gut gemacht aber kein bisschen originell. Im Grunde sind die Alben Beispiele für das, was vielen harten Bands im Laufe der Karriere passiert, und was sich am besten mit dem Begriff „Altersmilde“ beschreiben lässt. Spätestens zu dieser Zeit begann bei den Fans der ersten Stunde die Verklärung. Man behauptete nach einem Konzertbesuch „Seek And Destroy“ sei die einzig gelungene Darbietung und Cliff Burton der einzige Metalbassist der Weltgeschichte gewesen. Dieser Schwachsinn dauert übrigens bis heute an. Er verrät viel über die Spießigkeit und Provinzialität großer Teile der Szene, die nicht damit zurecht kommt, wenn die ehemaligen Helden keine langen Haare mehr haben.

Inzwischen hatte Metallica über 100 Millionen Platten verkauft. Nochmal: Über 100 Millionen! Neues Material wurde nicht veröffentlicht. Man munkelte über Differenzen zwischen den Bandmitgliedern und die Alkohol- und Tablettensucht von James Hetfield wurde publik. Das Ende der Kapelle schien gekommen. Crossover und Numetal wurden erfunden und sehr populär. Dann sah ich eines Tages zufällig das Video zu „St. Anger“. War „Reload“ altersmilde, dann konnte man das neue Zeug als senile Bettflucht bezeichnen: Einerseits unglaublich wütend und roh, andererseits eine peinliche Anbiederung an Formationen wie „Korn“ oder „System Of A Down“. Lars Ullrich hatte den Teppich von seiner Snare abgemacht, sie klang wie ein Ölfass. Die Produktion war grauenhaft, die Stücke uninspiriert, die Platte war ein Fehlschlag. Kein Major Label hätte sie veröffentlicht, wenn sie nicht von Metallica gemacht worden wäre. Der Film „Some Kind Of Monster“ erschien. Er zeigte die Musiker als Selbsthilfegruppe für beziehungsunfähige Multimillionäre. OK, dachte ich, das wars jetzt endgültig.

Ich habe mich geirrt. Metallica sind mit dem neuen Album in beeindruckender Form zurückgekehrt. Vergleiche zu „Master Of Puppets“ oder „Ride The Lightning“ verbieten sich. Diese Platten sind zwanzig Jahre alt, sie sind Meilensteine des Thrash Metals, aber die Welt hat sich weitergedreht. „Death Magnetic“ ist Metallica durch und durch: Ausgefeilte und intelligente Songstrukturen, virtuose Riffs und Soli, ein wiedergeborener Hetfield am Mikro und Ullrich kann immer noch keine gescheiten Blastbeats spielen. Man muss der Scheibe ein wenig Zeit geben, um ihre wahre Größe zu entdecken. Sie ist leider von den Tontechnikern beim Endmix ein bisschen verhunzt worden und ein gutes Beispiel für den so genannten „Loudness War“, vielleicht kommt ja irgendwann ein Remaster. Aber es gibt keinen Zweifel, dass es sich um ein wirklich großes Metalalbum handelt. Die beste Platte von Metallica seit „…And Justice For All“ ist sie ganz bestimmt. Bravo Jungs!

Note to self: Viel zu lang Alter, wer soll das alles lesen? Musik: Metallica.

Rick Wright, R.I.P.

Rick

Noch ein Nachruf, aber einer der mir nicht so leicht und ironisch aus den Tasten läuft. Richard Wright, der Keyboarder von Pink Floyd, ist heute in London verstorben. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich zum ersten Mal das Album „The Dark Side Of The Moon“ gehört habe, denke an postpubertäre Räusche, an die Hündin Mademoiselle Nobs, der Rick auf „Pink Floyd in Pompeji“ das Mikro vor die Schnauze hielt, während Waters und Gilmour sich am Blues vergingen. Und schließlich denke ich auch an die Konzerte in Dortmund und Köln, die ich besucht habe, und an den gefeierten Kurzauftritt im Rahmen des Live 8-Konzerts, als die Floyds 24 Jahre nach der Trennung wieder zu viert auf der Bühne standen. Das ist nun Geschichte. Einer, der mir unvergessliche Momente geschenkt hat, ist für immer gegangen.

Musik: Pink Floyd – The Great Gig In The Sky

Good bye Mr. Lehman

Tja, Herr Lehman, jetzt müssen wir uns verabschieden. Dabei kennen wir uns noch gar nicht so lange. Ich würde gerne sagen, dass Sie mir fehlen werden, aber das wäre glatt gelogen und selbst Sie, der Sie Verschleierung, Tricks und Täuschung aus dem Effeff beherrschen, hätten vom Glimmerglanz dieser gelogenen Schönheit ja nun nichts mehr. Mich würde ja mal interessieren, wie Sie ihre ebenfalls todkranken Freunde und Bekannten dazu gebracht haben, Ihrem schlechten Geld das gute hinterherzuwerfen. 70 Milliarden will man Ihnen zur Verfügung stellen, dabei belaufen sich alleine Ihre faulen Kredite auf mehr als 85 Milliarden. 85 Milliarden! Was hätte man damit Schönes anfangen können! Ganze Unternehmensdynastien hätte man damit begründen, innovative Produkte fördern und den Reichtum Ihrer Volkswirtschaft auf Jahrzehnte unterstützen können. Sie hatten Schlechteres vor, Herr Lehman, Sie haben daran geglaubt, im dunklen Wald könne Ihnen nichts passieren, wenn Sie nur laut genug pfeifen. Sie haben sich vor Ihren Tiegel voll Quecksilber gehockt und daran geglaubt, dass es sich schon irgendwann in Gold verwandeln würde. Als die giftigen Dämpfe aufzusteigen begannen, haben Sie das Experiment nicht etwa abgebrochen, sondern einen größeren Tiegel besorgt. Als die Knechte und Mägde unten im Hof bereits anfingen zu husten, haben Sie den Fürsten gebeten, ein paar Wedelsklaven zu schicken. Den klugen Mahnern haben Sie zugerufen, dass sie nur als Hofnarren taugen. Sie waren sehr überzeugend. So überzeugend, dass man Ihnen das Geld für Ihre Ausrüstung von weit her gleich säckeweise geliefert hat, Ihnen und Ihren todkranken Freunden. Gold konnten Sie keines machen, also ließen Sie Zettelchen drucken, auf denen zu lesen war, wann man es abholen könnte. Das ging lange gut, viel zu lange. Alle spielten mit. Selbst der Fürst mobilisierte die letzten Reserven, auch wenn er sich wunderte, dass sein ganzes Reich von blutigem Auswurf besudelt war. Es ist vorbei, Lehman, Sie sind erledigt. Es ist schade, dass Sie, Ihre todkranken Freunde und willigen Schergen nicht in der Hölle schmoren werden, weil es die nicht gibt.

Note to self: Mir tut die Borussia weh, auch wenn ich mich für Schlaudraff freue. Musik: Element Of Crime, Jack Johnson, Edith Piaf.

Rollin (amphibic exploration vehicle)

Wenn es gilt, die Watfähigkeit motorbetriebener Zweiräder zu testen, kann ich seit heute die Nordeifel, insbesondere den Bereich Simmerath, Lammersdorf, Rollesbroich empfehlen. Im frühen Herbst kann sich dort leichtes, aber beständiges Nieseln mit Bindfadengüssen abwechseln. Glitschige Eisenbahnschienen verschärfen die Situation, die man aber bei vollgesifftem Visier, klammen Händen in durchweichten Handschuhen und einem kühlen Rinnen in den Nacken ohnehin nicht mehr wirklich mitbekommt. Besondere Freude machen zudem zahlreiche Baustellen mit zichzentimeterhohen Asphaltkanten und Rollsplitt und die schon gewohnten Dosentreiber, die in Millimeterabstand mit Höchstgeschwindigkeit an einem vorbeirauschen.

Mit äußerster Vorsicht und einem vorwarnenden Pochen in der gerade zufriedenstellend verheilten Rippengegend taste ich mich ins Bergland vor. An der Kreuzung Kalkhäuschen beschäftigt mich kurz die Frage, ob ich meine Wespe alleine in den Bus gehievt bekomme, und ob man uns zwei überhaupt mitnehmen würde. Wenigstens kann man sich im Haltestellenbüdchen unterstellen. Der Versuch sich eine kurze Kippenpause zu gönnen scheitert am sich in der Nässe auflösenden Rauchwerk. Also nehme ich das Messer zwischen die Zähne und die Himmelsleiter in Angriff. Dort möchte mich ein BMW-SUV auf den Kuhfänger nehmen. Ich weiche Richtung Vegetation aus und lande mit elegantem Schlenker auf dem lehmigen Randstreifen. Danach kann mich nichts mehr schocken: Mit einem Ihr-könnt-mich-alle-mal-Gefühl knattere ich stoisch bis zum Blockhaus, wo der Kachelofen mit den klatschnassen Klamotten umhängt wird. Ach ja.

Note to self: Eins zu Null gegen Ingolstadt, der ganze Würselner Wall dachte nur: Mund abputzen. Musik: Diverse Genius-Playlists mit iTunes 8, macht Spaß und bringt Abwechslung