Ich wusste nichts von deinen Ufern…

Abendliche Fernsehunterhaltung mit Frau Maischberger: Das Thema lässt schon nichts Gutes erwarten: Ufos, Engel usw. Naja schauen wir mal rein. Ein Gast im Studio: Nina Hagen. Das wird spannend. Frau Hagen erfüllt alle Erwartungen: Keifen, schreien, stänkern, beleidigen, kindisch giggeln. Joachim Bubblath hält 45 Minuten durch, dann verlässt er die Sendung. Bravo. Man hätte die Ausstrahlung zu diesem Zeitpunkt getrost abbrechen können. Dann hätte man den finalen Ausbruch mit Ninas trotzigen Jetlaghysterien und idiotischen Empfindlichkeiten nicht mitbekommen. Keine Frage: die Frau Hagen hat gewaltig einen an der Waffel. Die Musik mag ich eigentlich ganz gern. Dabei kann man es dann aber auch getrost belassen.

Note to self: Der Mittelteil von „Overload“ beginnt einfach auf der leeren E-Saite. Musik: Throwdown, Prong

Smelling the rat

Mach‘ Dir ein paar schöne Stunden: Geh‘ ins Kino! So lautete ein Slogan vor ein paar Jahren. Ich rate jedem: Wer das neue Meisterwerk von Pixar „Ratatouille“ noch nicht gesehen hat, sollte das unbedingt nachholen. Dieser Animationsfilm stellt alles in den Schatten, was dieses Genre bislang zu bieten hatte. Mit Remy und Emile auf die Reise gehen bedeutet nicht nur handwerkliche Präzision, die schlicht atemberaubend ist, eine nette Geschichte, die temporeich und rührend zugleich erzählt wird und eine ungemein heftige Anregung des eigenen Appetits. Das Qualitätsbewusstsein, der Anspruch und die Liebe zum Detail, die Pixar hier an den Tag legt, führt dazu, dass man fast die „Ratte riechen kann“.

Note to self: Hilfe beim Spammen wird gnadenlos in Rechnung gestellt. Musik: The Sugarcubes, The Strokes

Was man werden will

Im Kindergarten wollten tatsächlich alle Jungs entweder Polizist oder Feuerwehrmann werden. So war das damals. Uniformen besaßen eine große Anziehungskraft, es gab noch so einiges was zu schützen sich lohnte und da Cowboys und Indianer anscheinend nicht mehr gebraucht wurden, ergab sich eben dieser Kompromiss. Später relativierte sich das natürlich: Die Mädchen sahen sich als Tierärztinnen, Models, Chefsekretärinnen. Die pubertierenden Herren der Schöpfung schwenkten auf Mathematiker, Fußballprofi oder KFZ-Mechaniker um. Ab der siebten Klasse wollte ich Biologe werden, der Traum wurde war. Der Rest ist Schweigen. Heutzutage, in den Zeiten von Flexibilität und globalen Herausforderungen befindet man sich nun ja gezwungenermaßen fast ständig in einer Phase der „beruflichen Neuorientierung“. Beim Stöbern in der Wikipedia entdeckte ich neulich einen inzwischen leider ausgestorbenen Beruf, der meine Ansprüche aufs trefflichste erfüllen würde, nämlich den des „Schmuckeremiten“. Als im feudalen Europa die barocke Gartengestaltung zugunsten des nach englischem Vorbild aufgebauten Landschaftsgartens aufgegeben wurde, war es Mode bei den adeligen Herren im üppigen Grün eine Klause oder künstliche Höhle einzurichten und sich dort eben einen solchen Asketen zu „halten“. Die Ausstattung der Behausung war spartanisch: Stundenglas, Bibel und ein Lager aus Stroh waren üblich. Neben der Meditation bestand die Aufgabe des Schmuckeremiten darin, sich zu bestimmten Zeiten im Garten sehen zu lassen, zu lustwandeln und dabei einen angemessen ernsthaften Gesichtsausdruck vor sich her zu tragen. Die professionellen Eremiten erhielten für gewöhnlich mehrjährige Verträge, wobei die Entlohnung aus freier Unterkunft und karger Verpflegung bestand (was einen angesichts der aktuellen Entwicklung der Reallöhne nicht wirklich abschrecken kann). In der Projektion (immer weiter klaffende Lücke zwischen Arm und Reich) ist ein solcher Job in gar nicht so ferner Zukunft doch möglicherweise wieder zu bekommen. Warum sollten sich die Bonzen und Großkopferten nicht am Anblick eines ernsthaften und genügsamen Menschen erfreuen dürfen, der ihre Fürstentum-großen Grundstücke durchstreift, wenn sie sich gerade mal nicht entscheiden können, mit welcher ihrer Yachten sie unterwegs sein wollen. Ich bleibe diesbezüglich also optimistisch und rechne in Bälde mit entsprechenden Angeboten.

Note to self: Den Sachverständigen muss man offenbar ins Gesicht springen, bevor sich was bewegt. Musik: Me First and the Gimme Gimmes, Neil Young, Melissa Auf der Maur

Parajubu im Wild Rover

Es gibt sie, diese Sternstunden, in denen man sich sicher ist, dass es an keinem anderen Ort der Welt gerade besser sein könnte. Das gestrige Konzert von Parajubu gehörte zweifellos dazu. Was diese 4 Aachener Jungs auf die Bühne zauberten, jagte einem wohlige Schauer über den Rücken. Brettharte Passagen wechselten mit hypnotischen Momenten ab, die älteren Stücke vom Album Japadimi konnten genau so überzeugen wie das neue Material. Dazu ein schönes Murphy’s schlürfen. Was will man mehr.

PJ1

PJ2

PJ3

PJ4

Note to self: WLAN-Tasten: wozu? Musik: Parajubu, Eric Clapton

Gertrudes Ehrentag

Wenn Söhne über ihre Mütter schreiben, kommt oft ein peinlich klebriger Sermon dabei heraus (Heintje! Peter Alexander!). Deshalb versuche ich es mal so: Heute ist der Tag eine ungemein warmherzige, fleißige und grundehrliche Frau zu feiern, die zufällig eben auch meine Mutter ist. Alles erdenklich Gute möchte ich ihr wünschen. Nicht aus sentimentalen Gründen, sondern weil sie es wirklich verdient hat.

Gertrud

Pfeifer und Nachhausegeher

Keine Frage, die Nationalmannschaft kam heute abend unter die Räder und hat alles andere als gut gespielt. Entschuldigungen a la „ersatzgeschwächt“, „bereits qualifiziert“, „hängengelassen“, „unfitte Rekonvalenszenten“ zählen nicht. Die Tschechen entlarvten mit spielerischer Klasse und einer bombensicheren Abwehr die Schwächen, die die kämpferisch bemühten aber im Grunde harmlosen Iren bereits anklingen liessen. Das ist schade, aber kein Beinbruch. Damit komme ich zurecht. Unakzeptabel sind dagegen die Pfiffe und das vorzeitige Verlassen des Stadions des offensichtlich verwöhnten Münchener Publikums. Wenn man wirklich Anhänger einer Mannschaft ist, dann leidet man stumm, aber man fällt seinem Team nicht in den Rücken. Und man bleibt gefälligst bis zum Schluss da und spendet aufmunternden Applaus. Fußball tut manchmal weh. Wer das nicht versteht oder nicht aushalten kann, der soll sich Synchronschwimmen anschauen. Wer schon einmal mit 3500 anderen Unentwegten an einem regnerischen Tag eine schwache Regionalligapartie auf dem Aachener Tivoli verfolgen musste, weiß genau, wovon ich schreibe. Man munkelt ja, der Gruppenzweite bekäme eventuell eine einfachere Gruppe zugelost. Also, passt doch!

Note to self: Verdammt kalt in der Eifel, vor allem im Rollerblindflug. Musik: The Doors

Regenbögen im Indianersommer

Prächtiger goldener Oktober, eigentlich seit April dieses Jahres die erste wirkliche Schönwetterperiode. Während sich das Laub langsam umfärbt, gilt es eine wirklich herausragende musikalische Neuveröffentlichung zu feiern. Ich meine das neue Album von Radiohead namens „In Rainbows“.

In_Rainbows

Nicht nur die Musik ist ein Genuß (da bin ich mit Jan Wigger ausnahmsweise mal einer Meinung, im Grunde eine schockierende Erfahrung), auch der von der Kapelle gewählte Vertriebsweg ist aufsehenerregend und soll hier nicht unkommentiert bleiben. Radiohead bietet das komplette Album bislang nur als Download im Internet an, wobei der Kunde selbst entscheiden kann, wieviel er zu zahlen bereit ist. Erstens scheint mir das in den Zeiten von P2P & Co eine äußerst wirksame Maßnahme zu sein, um angesichts rückläufiger Umsätze als Künstler dennoch seinen „Schnitt zu machen“. Zweitens freut es mich, dass den Musikmultis hier ein Schnäppchen geschlagen wird und sie ein kleineres Stück vom Kuchen abbekommen. Die spannende Kernfrage wird sein, wieviele Fans tatsächlich bereit sind, die Antrengungen der Band zu honorieren und was dabei als angemessener Betrag angesetzt wird. Lassen wir uns also überraschen und genießen bis dahin eine wirklich gelungene Scheibe.

Note to self: Herr Kaiser ist einfach nur ein eitler Poser. Musik: Radiohead (Na klar!), Immortal