Die neuen Leiden

Samstagnachmittage sind nicht mehr Samstagnachmittage seit sowohl die Borussia aus Gladbach, als auch die Alemannia aus Aachen sich in die zweite Liga verabschiedeten. Die Sportschau findet nämlich nur noch ohne jede innere Beteiligung statt und ob nun die Geldsäcke aus München, die Fischköppe aus Bremen oder die Gasmänner aus Schalke oben stehen, lässt mich völlig kalt. So lange Aachen und Gladbach vor dem FC stehen (was an diesem Spieltag zumindest bis Sonntag 17 Uhr der Fall ist), ist meine Fußballwelt einigermaßen in Ordnung. Gestern nun hatte ich Gelegenheit, der Begegnung meiner Lieblingsmannschaften im Borussia-Park beizuwohnen.

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Der geneigte Leser, der sich in einer vergleichbaren Situation befindet, der also sein Herz nicht nur an eine Mannschaft, sondern an zwei verschenkt hat, die auch noch in der gleichen Liga spielen, mag sich meine Seelenqualen ausmalen können: Am liebsten hätte man ein 3:3. So kam es aber nicht. Die Aachener verschliefen die komplette erste Hälfte, lagen schon bald 2:0 zurück und waren vom gepflegten Kurzpassspiel der Aufstiegssaison ungefähr so weit entfernt, wie Sparta Gerderath vom Uefa-Cup.

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Erst nach der Pause konnten die Alemannen mithalten und erzielten zumindest den Anschlusstreffer. Zu einem Unenschieden reichte es aber nicht mehr. Die Buchwaldelf wird es verdammt schwer haben, wenn man den Kontakt zu den Aufstiegsplätzen halten will, muss man sich gewaltig steigern.

Note to self: Irgendwo zwischen Baal und Gereonsweiler liegt der kälteste Punkt Nordrheinwestfalens. Musik: Live, Heaven Shall Burn.

Corporate Identity

Wie war das noch in diesem unsäglichen Seminar zur Existenzgründung: „Sie werden sich als Selbstständiger fühlen, als hätten Sie immer Einen neben sich laufen.“ Prima, dachte ich da, das kenne ich ja schon. Naja, immerhin hat die Firma maixpartner einen frischen Anstrich bekommen. Neues Logo, neue Webseite usw.. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für den kreativen Input von Torsten und Sascha.

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Es ist dermaßen usselig draußen, man möchte sich am liebsten dick auf dem Sofa einmummeln, was leckeres Heisses trinken und auf den Frühling warten. Mein alter Traum: Human Hibernation. Was spricht schon gegen einen ausgeprägten Winterschlaf? Man würde kaum was verpassen, Weihnachten nicht mitkriegen, den schmutzigen Schneematsch und die Streusalzkrusten auf den Schuhen vermeiden.

Note to self: Absoluter Filmtipp: „Populärmusik aus Vittula“. Lief heute Nacht in der ARD: Sehenswert! Musik: Bob Marley, Cat Stevens (Ich muss immer noch krank sein!)

Ĝis revido en Amikejo!

Mikronationen, En- und Exclaven und andere territoriale Absonderlichkeiten haben den Blogger immer schon fasziniert. Das mag daran liegen, dass ich als geborener „Westzipfler“ schon als Kind die merkwürdige Erfahrung machen konnte, dass es durchaus möglich ist mit einem Bein beispielsweise in Belgien, mit dem anderen aber in Deutschland zu stehen. Wer einmal den „Drielandenpunt“, also das Dreiländereck D-B-NL besucht hat, wird das vielleicht nachvollziehen können. Egal ob Sealand, Büsingen oder die „Freie Republik Schwarzenberg“: Der Hauch des Exotischen, der diesen Flecken auf der Landkarte anhaftet, regt unsere Phantasie an. Neulich erfuhr ich im weltweiten Netz, dass das oben erwähnte Dreiländereck im Laufe der Geschichte zwischenzeitlich auch mal ein Vierländereck war, und das kam so: Als nach der Niederlage Napoleons die Neuordnung der territorialen Verhältnisse Europas beim Wiener Kongress anstand, konnten sich die Vertreter nicht darüber einigen, wem ein kleiner, an sich unbedeutender Zipfel zwischen Belgien, der Niederlande und der preußischen Rheinprovinz gehören sollte. Die Bedeutung des Gebietes war durch die dort vorhandenen Zinkspat-Vorkommen begründet. Im Jahre 1819 einigten sich die Unterhändler der Anrainer in Aachen darauf, dass das Ländchen gemeinschaftlich verwaltet und nicht von Truppen besetzt werden sollte: Neutral-Moresnet war geboren. Es bestand bis zum ersten Weltkrieg, in dessen Verlauf es von der Reichswehr „erobert“ wurde. Heute liegt die Gemeinde Kelmis dort. Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Bestrebungen, aus Neutral-Moresnet den Staat „Amikejo“ zu machen, in dem Esperanto gesprochen werden sollte (Amikejo bedeutet auf Esperanto „Der Ort, an dem sich Freunde treffen“). Noch heute können viele ältere Einwohner von Kelmis zumindest ein bisschen Esperanto. Ein buntes und interessantes Kapitel der Heimatgeschicht, wie ich finde. Wer sich für Neutral-Moresnet interessiert, findet bei Wikipedia nähere Informationen.

Kulturherbst

An sich eine schöne Sache: Die Stadt veranstaltet auch dieses Jahr wieder ein mehrtägiges Open-Air-Event mit Konzerten usw. Schade nur, dass es inzwischen schon so herbstlich und zudem andauernd feucht von oben ist, dass bei Reggaeklängen im Elisengarten so gar kein Karibikfeeling aufkommen will. Den Katschhof ziert ein Riesenrad, das ganze flankiert von den üblichen Freßbuden, Bierständen und den Rain City Rollers (die klangen auch schon mal frischer). Vom E-Brunnen bis zum Markt kann man kaum treten vor lauter Leuten unterschiedlichsten Alters, die entweder eine Bierflasche, einen Reibekuchen, gebrannte Mandeln, eine Bratwurst, ein Mobiltelefon, eine Frittentüte, oder beliebige Kombinationen der genannten Utensilien mitführen. Fest steht: Wir wären mit dem Riesenrad gefahren wenn man a) nicht eine knappe Stunde hätte anstehen müssen und b) in den Gondeln hätte rauchen dürfen.

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Note to self: Heute Kerkrade-Party. Zur Zeit bleibt kein Auge trocken. Musik: King Crimson

Kaminschrubbereien

Neues von unserer Baustelle: Die Niederkunft des Trockenbauers steht unmittelbar bevor, da gilt es die letzten Vorbereitungen zu treffen. Ein paar Kanthölzer wurden angebracht und der Kamin von Rußresten befreit. Zu diesem Behufe verwendet man eine Reinigungslauge, die nach Blumenwiese duftet, sich aber bereits nach kurzem Schrubben tiefschwarz verfärbt. Untermalt wurden unsere Bemühungen von leckerer Mucke aus Ödlis neuer Boombox.

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Note to self: Ein Magnolienbaum kann einem Blutahorn irgendwie nicht das Wasser reichen. Musik: Edie Brickell & The New Bohemians, Erik Truffaz

Verfluchte Mikroben

Wie kann das eigentlich sein? Die Menschen erfinden Teilchenbeschleuniger, schreiben Sinfonien, entschlüsseln ihr eigenes Genom und dann kommen ein paar uralte, primitive Winzlinge mit einer handvoll Basenpaaren und setzen uns schachmatt. Meine Schleimhäute werden zurzeit gerade von einer besonders fiesen Population besiedelt, die Folgen der Immunabwehrschlacht (Fieber, Schüttelfrost, Hammer-auf-Kopf-Gefühl) setzen mir ordentlich zu. Mit Nasenspray und Aspirin+C halte ich dagegen. Unmengen von Hagebuttentee und viel Ruhe sollten ein übriges tun. Das beste an der aktuellen Befindlichkeit ist wahrscheinlich, dass mich die Sehnsucht nach dem Sofa davon abhält, hier über 9/11 und die aktuellen Verschwörungstheorien und die gestrige ARD-Dokumentation über die RAF zu schwadronieren. Musik: Faith No More, Filter

Punx not dead

Noch rauscht es in den Ohren nach dem gestrigen Konzert im Autonomen Zentrum. Schön mal wieder da gewesen zu sein und auf den ersten Blick alles beim Alten: Fröhlich schmuddelige Punkkinder, umgeben von ihrer Hundeschar lagern auf den Treppen. Weichgesichtige Jungspunde schnorren Tabak und drehen ungeschickt. Kapuzenpullis mischen sich mit Basecaps und Dreadbärten. Auf den zweiten Blick ist das neue AZ einfach ein bisschen zu klein, wird Zeit für eine Erweiterung. Außerdem sei hiermit festgestellt, dass ich das Subjekt hinter der Theke als Bruno Köster identifiziert habe und bei dieser Meinung bleibe, bis mich jemand vom Gegenteil überzeugt.

Surfpunk gab es auf die Ohren: Den Anfang machten The Displacements aus Heinsberg, die vor allem durch markanten dreistimmigen Gröhlgesang zu gefallen wussten. Danach gaben sich The Gaslight Anthem aus Amiland die Ehre. Hier konnte vor allem der Schlagwerker überzeugen. Ansonsten ein bisschen seicht und ein bisschen viele schlechte Tattoos.
Headliner des Abends war The Lost Patrol Band aus Schweden mit dem Ex-Refused-Frontman Dennis Lyxzén. Schöner runder Poppunk, unterbrochen von hintersinnigen Ansagen (Die Seitenhiebe gegen Metaller und die Fußballnationalmannschaft lassen wir jetzt mal unter den Tisch fallen). Ein klein wenig störend nur die ekstatischen Pogoversuche des „marchin‘ man“, aber der verschwand ja zum Glück baldigst.

Zusammenfassung: Ein gelungener Abend, der nach kurzfristiger Wiederholung schreit. Musik: Arch Enemy, Carcass (schlimm, ich weiss).