Butter bei die Fische

Heute beim Discounter: Der günstige Gouda ausverkauft, das preiswerte Streichfett von der Kuh auch. Aha, die ersten Anzeichen der angekündigten Lebensmittelverteuerung im Milchproduktbereich machen sich bemerkbar. Ich greife zu Edammer und Pflanzenfett und überlege: Ist noch nicht lange her, da schwammen wir in Milchseen und die Butterberge waren alpinistische Herausforderungen. Dann kam die Milchquote, um den europäischen Subventionswahnsinn wenigstens zu kanalisieren und die Vermarktung der Flüssignahrung war für die Bauern fast ein Verlustgeschäft. Nicht zuletzt, weil Lebensmittelmonopolisten die Preise diktierten so wie Automobilbauer das mit ihren Zulieferern machen. Und auch diesmal wird bei den Erzeugern das kleinste Kuchenstück der Erhöhung ankommen. Den großen Batzen bekommen die Albrecht-Brüder, die Stiftung (sic!) aus Neckarsulm und Konsorten. Toll, wie unsere Marktwirtschaft funktioniert. Zwei aktuelle Nachrichten passen da prima ins Bild: 1.) Immer häufiger nehmen Kinder von Hartz IV- Empfängern nicht mehr an der Schulspeisung teil, da sie sich die Preise schlicht nicht leisten können (und wer jetzt schreit: Das liegt nur an den blöden Eltern, die sich lieber Kippen und DVDs kaufen, der hat wirklich nichts kapiert). 2.) Ein heftiges Eingreifen der Bundesregierung und der KfW verhinderte gestern eine erhebliche Schieflage (vulgo: Megapleite) in der deutschen Bankenwirtschaft. Also wird jetzt das Risiko der schlechten Kredite von der Allgemeinheit getragen und die Herrschaften, die sich die Taschen vollgestopft haben als es gut lief, sind fein raus. Toll, wie unsere Marktwirtschaft funktioniert. Musik: Refused, Rolling Stones

Glückwunsch Vati!

Vater

Der da hinten, der kahle Stille, der mit dem Augenbrauendschungel und den Prachtkoteletten, das ist mein Vater. Der da in der Mitte, der mit dem Schalk im Nacken, der unermüdliche Malocher, der Sensible mit dem immer warmen Händedruck, das ist mein Vater. Der hier vorne, der mit dem Herz am rechten Fleck, der der auch ohne Worte versteht, der der mich nie hängen lässt, das ist mein Vater.

Hombroich

Etwas in Verzug ziemt es sich die herausragenden Ereignisse der letzten Woche nachzutragen. Da wäre zum Beispiel der Besuch der Museumsinsel Hombroich bei Neuss. Anne hatte ja schon einige Anstrengungen unternommen, um mich dorthin zu lotsen, nur war meine Trägheit bzw. der Dauerregen bislang stärker. Am Donnerstag hat es nun endlich geklappt! Und wir sind trocken geblieben. Ein Besuch in Hombroich ist absolut empfehlenswert und sicher auch etwas für ausgeprägte Museumsmuffel. Nebenbei bemerkt: Auch wenn es dort kein „Kreuz der Verlobten“ gibt, haben wir es tatsächlich geschafft uns ein wenig zu verlaufen!

Turmdecke

Sesselpanorama

Wohltuend ist, dass man dort nicht von belehrenden Beschriftungen gestört wird, sondern das Ausgestellte, aber auch die Architektur der Pavillions und die Altrheinlandschaft in Ruhe auf sich wirken lassen kann, so dass sich bereits nach kurzer Zeit eine sehr entspannte Stimmung einstellt. Was zu Futtern und ausgezeichneten Kaffee gibt es außerdem auch noch. Alles in allem ein Hochgenuss. Einen schönen Dank nochmals an Anne für ein rundum gelungenes Geburtstagsgeschenk!

Drachenkopf

Tadeusz

Beigemauert

Das Haus hat eine neue Ecke. Die konstruktiven Hintergründe der Erfordernis erschließen sich dem Unkundigen nicht. Muß natürlich sofort an meine R-Broicher Maurererlebnisse zurückdenken und zugeben, dass das Mauern wohl eine ungeheuer kontemplative Angelegenheit sein kann. Ignatianische Exerzitien mit Mörtel und KS-Koffer sozusagen. Und zur Belohnung des heute nur durch Anschauung geläuterten Hilfshandlangers gabs dann noch ein Spontangrillen in Ödlis Mäusegarten. Das lob ich mir. Man vergisst sogar kurzfristig den Frust über die Tour der Betrüger. Heute auch noch Rasmussen, wer als nächster? Musik: Helmet, Corrosion of Conformity

Spiesspachteloedli

Beimaurer

Noch eine Fotoempfehlung: Schaut Euch die neuen Masurenbilder von Esther Tulodetzki an! Klasse.

Wenn mich alle würden, die mich können…

…käme ich überhaupt nicht mehr zum Sitzen.

Die Ausbeute eines durchschnittlichen Fernsehabends: Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und kein Urlaub für geringfügig Beschäftigte bei Zeitarbeitsfirmen. Naziübergriffe in Halberstadt. Richter, die auf dem rechten Auge blind sind. Ein toter Bauingenieur in Afghanistan. Skinheads in Duisburg-Untermeiderich. Irgendwann möchte man nur noch abschalten.

Zum Glück gibt es später noch „30 Jahre Rockpalast“. Alles ziemlich lange her. Und irgendwie auch komplett an mir vorbei gegangen. Zumindest die frühen, die wirklich kultigen Nächte (Police, Johnny Winter, Rory Gallagher). An BAP kann ich mich erinnern, an die Peppers mit den Socken überm Dödel (damals auf der Wildenburg geguckt, ich fands irgendwie widerlich). Trotzdem: Man wünscht den Halbstarken von heute, dass sie ihren Gangster-Rap-Bullshit in die Tonne hauen mögen. Das bedeutet wahrscheinlich, dass ich wirklich alt bin. Note to self: Wir müssen im Oktober spielen, unbedingt. Musik: Prong, Propaghandi, I Mother Earth.

Skidzung

Donnerlittchen

Ein heftiges Gewitter tobt sich gerade über dem Westzipfel aus. Richtig finster ist es (ungefähr so finster wie damals bei der sagenumwobenen SoFi ’99) und gewaltige Wassermassen stürzen vom Himmel (auf unser frisch gedecktes Dach, da kommt Freude auf!).

Tropfentisch

Eine Replik zum gestrigen Kommentar von Tom zum Eintrag „Das Ende der Tour“ (Darin ging es um die Einstellung der Tourberichterstattung durch die öffentlich-rechtlichen Sender.) und zum Thema „Scheinheiligkeit“: Was ist scheinheiliger? Ein Berufsradfahrer, der, wenn das Ergebnis der B-Probe den positiven Befund bestätigt, sich offensichtlich einen Dreck darum schert, dass sein Rennstall ernsthafte Anstrengungen unternimmt, einen Schlußstrich unter ein in Jahrzehnten etabliertes Betrugssystem zu ziehen, oder die Medien, die im Grunde genommen die Wahl zwischen Pest und Cholera hatten: Setzt man die Übertragungen fort, gibt man auch denjenigen eine Bühne, die immer noch nach dem Prinzip „rollende Apotheke“ unterwegs sind. Bricht man ab, vergibt man die Möglichkeit einer kritischen Berichterstattung und bestraft die ehrlichen Fahrer und die interessierten Zuschauer. Ich denke nach wie vor, dass die Entscheidung der Sender richtig war. Nur durch den „ecran noir“ wird den Verantwortlichen klar gemacht, dass sich Medien, deren Tätigkeit letztlich über den Fluß der Sponsorengelder entscheidet, nicht auf Gedeih und Verderb der Quote aussetzen, sondern zu recht das Interesse ihrer Endkunden an einem ehrlichen sportlichen Vergleich verteidigen. Und ist es nicht nicht bezeichnend, dass ausgerechnet der Unterschichten-Sender, der noch vor kurzem seine Nachrichtenredaktion auflöste und stattdessen nun Wiederholungen von Gerichtsschows zeigt, bereitwillig die Übertragungsrechte übernommen hat und im Rahmen seiner Übertragungen das Thema Doping angeblich weitgehend ausblendet („angeblich“ steht hier, weil ich ausschließlich Qualitätsfernsehen konsumiere und daher nur die Berichterstattung über die Berichterstattung verfolge).

Wohlverstanden: Mir ist klar, dass die Zeit als Epo-Jan und Epo-Lance unterwegs waren und die ARD das Team Telekom sponserte noch nicht lange zurückliegt. Ebenfalls klar ist, dass auch in anderen Sportarten reichlich gedopt wird. Ob man die olympischen Spiele in Peking übertragen sollte? Gute Frage. Und um den ganz großen Bogen zu schlagen: Wenn Siege nicht mehr kritiklos gefeiert, sondern an ethische Prinzipien geknüpft werden, ist das nicht langfristig eine Abkehr von einer kopflosen und armseligen Leistungskultur nicht nur im Sport, die uns, das ist meine feste Überzeugung, in eine Sackgasse führt? Note to self: Die ersten zwei dicken Hedgefonds platzten bereits. Der Anfang vom Ende der idiotischen Gier?

Was ganz anderes: Anne hat ihre Webseite auf Vordermann gebracht. Schaut mal vorbei! Musik: Plan B, Poems for Laila