Abseitig

Oh, es hat schon so lange keine Plattenkritik mehr bei „Just Skidding“ gegeben, da muss ganz dringend Abhilfe geschaffen werden! Und da selbst langjährige Leser diesen Beitrag mit einem innerlichen „jaja, langweilig“ wegscrollen werden, kann ich auch ein Album rezensieren, das 99,9% der Weltbevölkerung als extrem nervig und überflüssig empfinden würden. Na, klingt das nicht vielversprechend?

Wenn man früher auf eine neue Band aufmerksam wurde, konnte man in der Regel eine mehr oder weniger gelungene Webseite und damit auch ein paar Hintergrundinformationen zu der Formation finden. Fand ich immer ganz nett: Wer sind wir, was inspiriert uns, was haben wir vorher gemacht, was haben wir in Zukunft vor, wo kann man unsere T-Shirts kaufen. Das ist Geschichte: Wer etwas auf sich hält, hat inzwischen eine Facebook-Seite (schaue ich mir nicht an. Und jetzt mal ehrlich: Angesichts der jüngsten Ereignisse muss man ja wohl komplett bescheuert sein, wenn man seinen Facebook-Account noch nicht gelöscht hat.) und eine Seite bei „Bandcamp“. So ist das auch bei „Aseitas“.

Die spärlichen Informationen zu dieser Kapelle, die gerade das erste, selbstbetitelte Album vorgelegt hat, um das es hier geht, sind folglich schnell zusammengefasst: Ein Quartett aus Portland, Oregon, das sich selbst stilistisch bei „Brutal Deathmetal“ einordnet, was ich so nicht unterschreiben würde, und sich gerne mit komplizierten Rhythmen und schrägen Harmonien beschäftigt, das kommt schon eher hin. Deshalb wurde die Scheibe auch auf einer Webseite, auf der ich gerne nach neuer Musik suche, als „Mathcore“ gelabelt.

Die Musik von Aseitas macht Knoten im Kopf, ist extrem abwechslungsreich und mit viel Liebe zum Detail gemacht. Mich überzeugen vor allem die kompositorische Reife und die ausgefeilten Arrangements, die man auf einem Debüt-Album nicht unbedingt erwarten kann. Zwar wird mitunter munter draufgehauen, gerne auch polyrhythmisch, aber es gibt auch Prog-Rock-Anteile, cleane Gitarren und lautmalerisches Schlagzeug. Das Tempo ist oft eher getragen. Um eine Leistungsschau, wie sie von Bands aus dieser Ecke gerne produziert wird, handelt es sich hier nicht. Man lässt sich Zeit, musikalische Ideen im Verlauf der längeren Stücke schlüssig zu entwickeln, und erzielt bei aller Frickelei eine dichte, in sich stimmige Atmosphäre. Vorbilder der Band könnten „Between The Buried And Me“ oder „Animals As Leaders“ sein. Man sieht: Aseitas legen die Latte ziemlich hoch, werden dem eigenen Anspruch aber ganz locker gerecht.

Man hört der Platte an, dass sie von einem kundigen Produzenten behutsam veredelt und nicht mit der Brechstange auf maximale Pegel und Druck getrimmt wurde. Das freut mich ungemein. Für Sound und Mix zeichnet der Sänger und Bassist Nathan Nielson verantwortlich, gemastert wurde das Album von Stephan Hawkes und er hat einen prima Job gemacht. Das Ergebnis ist eigenständig und souverän und klingt insgesamt eher wie ein Spätwerk von Leuten, die schon einige Jahre im Business auf dem Buckel haben. Ein Download lohnt sich. Für mich ist dieses Album das bisherige Highlight des Jahres.

Note to self: Headcrash beim Backup. Es ist wirklich zum Reihern. Musik: Aseitas

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Einen fahren lassen

„So ein Pech, jetzt haben wir ihn an der Backe.“ Ich schätze, genau das haben sich einige Mitglieder der neuen Bundesregierung gedacht, als sie von der Verhaftung Carles Piugdemonts erfuhren. Und direkt danach: Warum haben wir es nicht gemacht wie die Belgier und ihn einfach fahren lassen?

Es gehört zu den Absonderlichkeiten dieses Falls, dass in unserem westlichen Nachbarland ein europäischer Haftbefehl nicht vollstreckt, dieser dann von den Spaniern ausgesetzt und just vor Puigdemonts Grenzübertritt nach Deutschland wieder in Kraft gesetzt wurde. „Die Deutschen sind nicht so anarchistisch veranlagt wie die Frittenköpfe, die werden ihn pflichtgemäß kassieren.“ mögen sich die Iberer gedacht haben und sie haben richtig kalkuliert.

Seitdem sprießen Absonderlichkeiten im bundesdeutschen Internetseitenwald. Puigdemont sei „Deutschlands erster politischer Gefangener“, man solle ihm politisches Asyl gewähren, falls er es begehrt und Jakob Augstein schreibt heute, der Fall zwinge Deutschland, sich im Ringen um einen überkommenen Nationalstaatsbegriff im Sinne eines „Europas der Regionen“ zu positionieren. Richtig ist, dass ein Asylbegehren Puigdemonts zu prüfen wäre. Der Rest ist romantischer Käse.

Die juristischen Feinheiten des Falls sind bereits ausführlich beleuchtet worden. Mich erinnern sie an die Verurteilung Al Capones wegen Steuerhinterziehung, denn tatsächlich ist der Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Gelder der einzige, der auch im Rahmen des deutschen Strafrechts Bestand hat. Damit ist die Überstellung nach Spanien formaljuristisch nicht zu beanstanden. Dabei sollte man es belassen, denn alles andere käme einer Verunglimpfung der unabhängigen spanischen Justiz gleich. Man vergleiche an dieser Stelle mal mit dem politischen Wirbel, den die jüngste Gesetzgebung zur Besetzung des obersten Gerichtshofs in Polen zurecht verursacht hat. Eben: Entsprechendes kann man der spanischen Regierung nun wirklich nicht unterstellen oder gar nachweisen.

Puigdemont erwartet in seinem Heimatland ein faires Verfahren. Seine Durchführung ist vor dem Hintergrund Spaniens Ringen um seine staatliche Integrität unabdingbar. Augstein schreibt, dass nicht alles, was Recht ist, auch richtig sei. Das ist eine Binse. Aber genau darin offenbart sich das Kernproblem der Auseinandersetzung um die katalanische Unabhängigkeit: Seit dem Referendum von 1979 ist Katalonien Teil der spanischen Nation, auch weil die Katalanen selbst das so wollten. Seit dem Autonomiestatut von 2006 sind die Rechte der Katalanen im Sinne ihrer ethnischen und kulturellen Identität garantiert. Wenn Augstein schreibt: „Die Maßlosigkeit der Justiz bestätigt die Katalanen, die an die Ära der franquistischen Unterdrückung erinnern.“ , so befindet er sich damit auf Reichsbürgerniveau.

Note to self: Ich fand Tom Hanks ja viel überzeugender als Meryl Streep. Musik: Between the Buried and Me, Harakiri for the Sky, Rolo Tomassi, Fu Manchu.

Durch die Türe

Du wirst das hier nicht lesen, wahrscheinlich genau so wenig, wie du die letzten E-Mails gelesen hast, die ich dir geschrieben habe. Ob du überhaupt noch irgendwas mit deinem Computer machst? Ich weiß es nicht, du fandest diesen ganzen digitalen Kram schon vor ein paar Jahren eigentlich komplett blöd, genau wie fernsehen, Zeitung lesen, ausgehen und so weiter. Eigentlich war dir damals schon alles, was nicht mit dir und deiner Krankheit zu tun hatte, zu viel.

Deine Krankheit. Mir fiel es immer schon schwer, sie richtig einzuordnen. Inzwischen weiß ich, dass man dir nicht vorwerfen darf, dass du dich hängen lässt, dass du die falschen Gegner bekämpfst, dass du eigentlich ausschließlich um dich selber kreist. Inzwischen weiß ich auch sicher, dass ich nicht mit dir tauschen wollte, auch wenn du schon seit Jahren mit den Alltagsproblemen wie „sich am Kacken halten“, den Konflikten nicht ausweichen, sondern durch Siege und Niederlagen weiser und reifer werden, die Faust in der Tasche machen usw., nichts mehr am Hut hast, sondern ganz gut versorgt bist und mit der „bösen Welt da draußen“ keine Kompromisse machen musst.

Unsere letzte Begegnung war so bizarr: Du am Anfang, ich am Ende des Wochenendeinkaufs. Du mit 12 Flaschen Wasser in Plastikflaschen im Wagen, ich mit 12 Flaschen Bier in Plastikflaschen und dem, was man sonst noch so braucht. Möglicherweise hast du noch ein bisschen mehr zugelegt als ich, so hüftabwärts. Ganz sicher hätte man sich auch spontan zu einer Tasse Kaffee und einer Kippe vor dem Supermarkt verabreden können. Aber ehrlich gesagt hat mich deine Reaktion auf mein Erzählen wirklich angekotzt. Du kannst mir glauben, dass ich eine sehr böse Zeit gehabt habe im letzten Jahr. Zumindest eine hingeheuchelte Bekundung des Mitfühlens hättest du dir ja rausquetschen können. Aber vielleicht ist es ja einfach außerhalb deines Vorstellungsvermögens, dass außer dir noch jemand leidet. Und zum Rest des Gesprächs: Ich bin echt nicht darauf angewiesen, dass jemand, der sich seit Jahren vor dem Leben versteckt, aus welchen Gründen auch immer, mir die Welt erklärt.

Der Kreis schließt sich. Angefangen hat alles am großen runden Tisch hinten in der Molkerei im ersten Semester. Du saßt hinter deiner verbeulten Lederschultasche und wirktest so schutzbedürftig und gleichzeitig so naiv-forsch – man musste sich einfach in dich verlieben, ich glaube jedem zweiten Kommilitonen ging das so. Auch wenn da nichts draus werden konnte, ein bisschen von dem Zauber blieb immer übrig für mich. Und dann immer ein bisschen weniger. Und jetzt ist nichts mehr davon da. Die Türe ist am Samstag hinter mir ins Schloss gefallen. Ich glaube nicht, dass du das bemerkt hast.

Note to self: War das jetzt eine halbe Stunde verbrannte Zeit? Was sagst du Bruder? Musik: The Dillinger Escape Plan, London Grammar, Harakiri for the Sky, Feed The Rhino.

Frau Rose-Möhring,

Sie haben es schwer zur Zeit, das tut mir kein bisschen leid. Gut, als Gleichstellungsbeauftragte (ein Job, den in Deutschland nur Frauen bekleiden dürfen, wie von Richtern und Richterinnen inzwischen mehrfach festgestellt) im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, weht einem mitunter eine steife Brise entgegen, da muss man sich auch schon mal Luft machen. Geschenkt. Das ist noch lange kein Grund, sich an unserer Nationalhymne vergreifen zu wollen. Bevor ich etwas weiter aushole, möchte ich Ihnen mitteilen, dass dies hier ein politisch ziemlich links eingestellter Mensch und überzeugter Europäer schreibt, der die in unserer Verfassung verbriefte Gleichberechtigung von Männern und Frauen für eine großartige Errungenschaft hält.

Wissen Sie, Frau Rose-Möhring, wir Deutsche haben es verdammt schwer mit unserem Vaterland und mit dem Begriff „Patriotismus“. Das liegt daran, dass die Abschnitte einer tatsächlich gemeinsamen Geschichte sehr kurz und im Grunde alles andere als ruhmreich waren. Wenn die Soziologen identitätsstiftende Mechanismen benennen wollen, die Völker  zusammenhalten, dann sprechen sie von Narrativen. Die Franzosen etwa haben es da einfach. Ihre Zusammengehörigkeit speist sich aus dem Erbe einer selbstbewußten Bürgerbewegung, die nicht nur den Kopf eines Königs rollen ließ, sondern die Welt veränderte. Die Amerikaner beschwören ihren gemeinsamen Traum, der verspricht, dass Jeder alles schaffen kann, wenn er nur hart genug arbeitet. Wir Deutsche waren ewig lange aufgesplittert in zum Teil winzige Territorien und so sehr wir auch eine historische Kulturnation herbeireden wollen, in der sich Heine, Goethe, Schiller, Kant, Leibnitz, Gaus, Hegel, Marx aber natürlich auch Lasker-Schüler und Luxemburg tummeln, so klar ist auch, dass damit ein Mangel bemäntelt werden soll. Welche Narrative haben wir denn, die uns zusammenhalten können?

Nun, einerseits die Überwindung einer fast globalen Spaltung durch eine friedliche Revolution, die einen moribunden Unrechtsstaat hinwegfegte, der sich sozialistisch nannte, aber vielleicht genau das Gegenteil war, und natürlich der Neubeginn nach und die Abgrenzung vom verbrecherischsten Regime, das die Welt je gesehen hat. Beides beschäftigt uns bis heute. In beidem vermögen manche Landsleute bis heute vor allem nur das Problematische und das Schmerzhafte zu sehen und das sind nicht nur Revanchisten und zu kurz Gekommene. Es gibt nicht viel, auf das wir uns wirklich einigen können. Das sollten Sie, Frau Rose-Möhring, sich hinter Ihre Ohren schreiben.

Die Geschichte unserer Hymne kennen wir beide nur zu gut, Frau Rose-Möhring. Sie ist eigentlich genau so kaputt und kompliziert wie unser Verhältnis zu unserer Nation. Sehen Sie, ich glaube daran, dass die Identifikation mit unserer Heimat zu einem guten Teil auf ganz emotionalen und einfachen Mechanismen beruht. Ein Beispiel:  Ich bin ein großer Sportfan und ich freue mich immer sehr, wenn Landsleute erfolgreich sind und bei Siegerehrungen unsere Hymne mitsingen, egal ob sie Felix Loch oder Mariama Jamanka heißen. Nicht nur, weil sie damit ihre Verbundenheit mit ihrem Heimatland ausdrücken, sondern weil sie damit dies bezeugen: Es ist nichts falsch an „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Im Gegenteil. Und, Frau Rose-Möhring, es ist auch nichts verkehrt an den Wörtern „Vaterland“ und „brüderlich“. Genau so wenig ist verkehrt am Begriff „Muttersprache“, nur kommt dieser in unserer Hymne nicht vor.

Sie, Frau Rose-Möhring, sind auf einem Kreuzzug. Sie behaupten, es gehe Ihnen um Gleichstellung. Ich nenne das, was Sie betreiben, Femifaschismus. Das, was Sie zur Disposition stellen, ist viel zerbrechlicher als Sie glauben. Nie zuvor in der Geschichte unseres Landes war der innerste Kern unserer Identität so bedroht. Das ist nicht Ihre Schuld, aber es ist nicht die Zeit, eine Hälfte der Bevölkerung gegen die andere auszuspielen. Ob wir gegen die Bedrohung wie Brüder, wie Schwestern, oder wie Brüder und Schwestern zusammenstehen, ist völlig egal. Sie sollten nicht dem Zeitgeist das Wort reden, der im Moment ein Klima schafft, in dem „Frau sein“ eine Qualifikation und „Mann sein“ eine Beleidigung ist. Das, was Sie wollen, ist nicht gerecht, es ist schlicht und einfach grenzenlos dumm. Sie sollten sich schämen, Frau Rose-Möhring.

Note to self: Arm drann. Musik: London Grammar, Doughter, Car Bomb, The Dillinger Escape Plan, The Tony Danza Tapdance Extravaganza.

Das superfaule Ei

Spiele mit luftgefüllten, verlängerten Rotationsellipsoiden gibt es so einige: 15er Rugby (Rugby Union), 13er Rugby (Rugby League), 7er Rugby, Australian Football und eben auch American Football. Gestern war wieder einmal Superbowl, das (an der Zuschauerzahl gemessen) größte Einzelsportevent des Planeten. Schätzungsweise 1 Million Zuschauer gab es letzte Nacht allein in Deutschland. Man fragt sich, wieviele dieser Menschen am heutigen Montag nicht arbeiten mussten.

Ich musste heute arbeiten und habe das Super-Spiel mit dem Super-Ei deshalb auch nicht gesehen. Angeschaut habe ich mir aber eine ca. 26 minütige Zusammenfassung auf youtube heute morgen und ich glaube, dass dies die beste und für einen Menschen, der seine Sinne einigermaßen zusammenhat, einzig mögliche Art und Weise ist, den Superbowl anzuschauen. Warum?

  • Beim American Football passiert immer ca. 10 Sekunden enorm viel und dann nichts mehr. Dann passiert wieder für ca. 10 Sekunden etwas. Am Ende des Spielzugs passiert Werbung. Im Grunde genommen ist es eine Dauerwerbesendung mit ein bisschen Football zwischendrin.
  • Selbst wenn im deutschen Webstream keine Werbung läuft, werden die Pausen mit Füllfunk überbrückt, der vor allem daraus besteht, dem Zuschauer zu erklären, wie epochal der letzte Angriffszug gewesen ist.
  • Besagter Angriffszug besteht nur zu einem ganz geringen Teil aus Football, dazwischen sieht man Großaufnahmen vom Corner Back, der sich am Hintern kratzt, oder vom Tight End, der bedeutungsschwanger guckt.
  • Nach ein paar Sekunden Football, flippen entweder die Spieler der einen Mannschaft oder des anderen Teams so gründlich aus, als hätten sie gerade den dritten Hauptsatz der Thermodynamik gefunden, auch wenn nur ein ganz guter Tackle zu sehen war.

Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Dinge, die mich am American Football nerven, dazu später mehr. Fans der Sportart werden mir entgegenhalten, dass ich die Raffinesse des Spiels nicht verstehe, das Schach-artige ausgucken der gegnerischen Verteidigung, die überraschende Wendung, die die Defensive-Line aushebelt und so weiter. Kann sein. Kann wirklich sein, dass Football zu subtil für mich ist.

Ich bin ein Rugby-Fan und habe schon öfters hier geschrieben, warum das so ist. Vergleicht man die beiden Sportarten, dann hat Rugby folgende unbestreitbare Vorzüge:

  • Rugbyspieler verstecken sich nicht hinter einer martialischen Ausrüstung. Allenfalls tragen die Protagonisten einen Zahnschutz und beispielsweise die 1.Reihe-Stürmer einen speziellen Kopfschutz, um zu verhindern, dass ihnen beim Gedränge ein Ohr abgerissen wird. Ein Rugby-Spieler würde niemals Strumpfhosen anziehen. Niemals.
  • Man konzentriert sich nicht auf einen bestimmten Spieler, wie den Quarterback beim Football. Sicher gibt es wichtigere Positionen, wie den Gedrängehalb, oder den Verbinder, aber es zählt die Teamleistung und ein extrem guter Innendreiviertel kann durchaus „Mann / Frau des Spiels“ sein. Beim Football wird nie ein Linebacker MVP werden.
  • Es gibt so etwas wie einen Spielfluss. Dadurch kommt es wesentlich mehr auf den konditionellen Zustand der Teams an. Beim Rugby sieht man Kerle wirklich pumpen, beim Football setzt sich die Offensive-Line nach dem Angriffszug am Rand des Spielfelds auch schon mal Sauerstoffmasken auf. Das ist lächerlich.
  • Rugby lebt vom Abwägen der Spielziele „Possession“ vs. „Territory“. Und selbst die alte Weisheit „wer zu viel kickt, verliert“ gilt nicht, wenn die Kicker extrem schnell und gründlich tackeln. Dagegen ist Football furchtbar eindimensional.

Ach noch was: Würde ein durchschnittlich guter Verbinder so schlecht kicken, wie die so genannten Special Teams gestern beim Superbowl, dann würden die Leute pfeifen und nach Hause gehen. Und würden beim Rugby Union die Tackles so lächerlich ritualisiert ablaufen, wie beim Football, würde kein Zuschauer hingehen. Rugby is a ruffian’s game played by gentlemen and American Football is a cream puff game played by wimps. Nuff said.

Note to self: Durchgebissen und oben geblieben. Musik: Car Bomb, Bloodshot Dawn, Daughter, Suffer Me.

Pauls Dithyrambos

„Na dann, viel Spaß!“ Hatte er das wirklich gerade gesagt? Paul glaubte auf einem schwankenden Schiffsdeck zu laufen. Wabernde Nebel verhängten das Gesichtsfeld. Durch die Tür ins Büro. Ein Umschlag wurde ihm gereicht, jemand sprach mit sonorer Stimme. Paul nickte, zuckte gleichzeitig mit den Schultern. „Sieht bestimmt bescheuert aus“ dachte er sich. Draußen auf der Straße zerriß die halb transparente Membran, die ihn in den letzten Minuten umgeben hatte. Bumm! Realität!

Vor drei Monaten hatte alles angefangen. Die neue Kollegin sollte ihn „angesichts des stark  gestiegenen Arbeitsaufkommens“ entlasten, so hatte der Chef mit ungewohnt jovialem Unterton gesagt. Und Paul hatte innerlich einen Stoßseufzer der Erleichterung getan, denn im letzten Halbjahr hatte er trotz mancher Überstunde kaum das bewältigen können, was seinen Schreibtisch in Form von Aktenstapeln alpiner Größenordnung zu einem Ort des Grauens gemacht hatte.

„Ja super!“ Er schrie es fast heraus, während er Richtung Innenstadt stapfte. Um Abläufe zu vereinheitlichen und zu vereinfachen hatte er ein elektronisches Ablage- und Verarbeitungssystem ersonnen, der Abteilungsleitung vorgestellt, eigenverantwortlich implementiert und angepasst. Sogar am Wochenende hatte er über Skripten und Programmschnipseln gesessen, bis alles zu seiner Zufriedenheit lief. Genau zu diesem Zeitpunkt war sie dann aufgetaucht.

„Was war ich blöd!“ raunte er sich zu. Er dachte an den ersten Händedruck zurück, der sich angefühlt hatte, als hätte er in einen lauwarm-feuchten Putzfeudel gepackt. Genau so enttäuschend waren die ersten Wochen der Zusammenarbeit gewesen. Sie war mittelschlau, mäßig begeisterungsfähig und hatte generell etwas Baumstumpfhaftes. Meistens jedenfalls. Paul war in sich gegangen und hatte sich entschieden, das positiv aufzunehmen. Extrovertierte Fröhlichkeit und ausgeprägte Beredsamkeit hätte er weniger gut ertragen. Und dass die Finessen der elektronischen Datenverarbeitung nicht gerade orgiastische Stürme hervorriefen, konnte er auch irgendwie nachvollziehen.

Denn sie war verdammt jung und offenbar verdammt gut vernetzt. Jedenfalls machte ihr Mobiltelefon ständig Lärm, der Kommunikationsvorgänge signalisierte. Mit der Zeit lernte Paul die Töne zu unterscheiden: Eine WhatsApp von ihrem Freund machte „Olala“, eine Mail von ihrer Mutter ein Bellen, eine Nachricht von der besten Freundin einen spitzen Schrei. Und sobald die nächste Frühstücks- oder Mittagspause begonnen hatte, wurde das Mobifon zur Beantwortung gezückt. Dann klimperte sie mit den viel zu langen, vielfarbigen Nägeln auf dem Display herum und machte dabei Geräusche, die Paul einfach unerträglich fand. Ganz entgegen seiner Gewohnheit hatte er deshalb begonnen, in den Pausen die Kantine aufzusuchen, was die Kollegen zunächst überrascht und dann mit wissendem Grinsen zur Kenntnis genommen hatten.

„Du bist ein Schwachkopf“ ließ er sich wissen. Er hatte sich um äußerste Professionalität bemüht und sie mit einer Engelsgeduld eingearbeitet, die ihn selbst überraschte. Außerdem beruhigte ihn ungemein, dass die Zusammenarbeit frei von jeglicher sexualisierter Spannung war. Beide waren nicht interessiert. Er war zu alt und viel zu zynisch. Sie war zu jung und viel zu bräsig. Und siehe da: Die Höhe der Aktenberge verringerte sich in gleichem Maße, wie die Datenbank an Umfang zunahm. Das Ablagesystem bewährte sich bis auf Kleinigkeiten und die Abteilungen, denen sie zuarbeiteten, waren des Lobes voll.

„Na klar!“ brüllte Paul und erschreckte ein paar Passanten. Im Laufe der Zeit stellte sich nämlich heraus, dass die Kollegin nicht nur außerhalb des Betriebes gut vernetzt war. Auf den Fluren konnte man sie mit den höheren Chargen die Köpfe zusammen stecken sehen und „der schnelle Becker“ aus der Buchhaltung ließ sich zwischen zwei Bissen vom Käsebrötchen vernehmen, er habe gehört, sie sei die Großnichte von einem ganz hohen Tier. „Was solls“ hatte Paul sich gedacht „kann sie ja auch nichts für.“

Und heute morgen war sie dann sehr viel später und sehr viel lebhafter als sonst im Büro erschienen. Regelrecht aufgekratzt hatte sie auf ihr Handy eingetrommelt und gerade als Paul sich nach dem Grund für die gute Laune erkundigen wollte, hatte der Abteilungsleiter in der Türe gestanden. Er sprach von beachtlichen Leistungen, von frischem Wind. Dann änderte sich sein Ton, jetzt ging es um unausweichliche Veränderungen, neue Herausforderungen, denen man sich stellen müsse und Kapiteln in Büchern, die das Leben zu schreiben pflege. Paul verstand immer noch nicht. Der Chef hatte die Klinke schon in Hand, zu Paul gewandt sagte er: „Sie wollen sich sicher in Ruhe verabschieden. Und dann kommen Sie wegen Ihrer Papiere zu mir ins Büro, ja?“

„Verdammter Wichser!“ Paul war angekommen. Er stieß die Türe auf. „Hallo Karlchen“ sagte er leise. Charlotte sagte nichts. Sie legte das Spültuch weg, wischte sich die Hände an der Schürze trocken und stellte die Flasche und das Glas vor ihn auf die Theke. Und dann drückte sie kurz seinen Arm, der im Begriff war, sich einzuschenken.

Hasenpfade ins Gebirge

Anfang der Woche hatte ich dann die Faxen dicke. Der Anbieter von „Dropbox“ informierte mich, dass mein Betriebssystem nicht mehr unterstützt würde. Das wiederum gab mir endlich den Tritt in den Hintern, den es schon lange gebraucht hätte: Es war an der Zeit den Berglöwen, also MacOS 10.8, endlich zu verabschieden und ins Bergland aufzubrechen. Seit Jahren hatte ich mit veralteten Browsern rumhantiert, auf praktische Programme verzichtet und mit Darstellungsfehlern in anderen Applikationen gehadert, immer getreu dem Motto erfahrener IT-Supporter „Never touch a running system“.

Wieso habe ich nicht früher aktualisiert? Einerseits aus prinzipiellen Gründen. Ich sehe Apples Strategie bei der Einführung frischer Systemsoftware, die mehr oder weniger im Jahresabstand erfolgt, äußerst kritisch. Immer dann, wenn die gröbsten Fehler des Betriebsystems beseitigt sind, wird bereits das nächste avisiert, das dann natürlich als fehlerstrotzende Frühgeburt daherkommt. Die Unterstützung älterer Systemversionen durch die Softwareentwickler orientiert sich an diesem fatalen Zyklus, so dass aktuelle Programmversionen beispielsweise unter Windows 7 ohne Probleme installiert werden können, nicht aber auf einem Mac OS, das deutlich jünger als das Produkt aus Redmond ist. Ein großer Ärger.

Zwotens handelt es sich bei meinem Hauptrechner um einen Hackintosh. Folglich erfordert eine Aktualisierung gründliche Recherche, das Entwickeln eines Schlachtplans und gute Nerven, wenn besagter Schlachtplan sich als Sackgasse erweist, was die Regel ist. Im Falle von „Moses“ war der Umstieg vom klassischen BIOS auf UEFI und der Einsatz des neuen Bootloaders „Clover“, der die Legacy-Loader wie „Chimera“ in der Hackintosh-Szene abgelöst hat, erforderlich. Jede Menge lesen, verstehen, ausprobieren. Nicht so schön.

Drittens gilt immer noch das Sprichwort, wonach der Schuster die schlechtesten Schuhe hat: Ich löse den ganzen Tag irgendwelche Computerprobleme für meine Kunden. Wenn ich abends nach Hause komme, will ich meinen Privatrechner einschalten, damit fernsehen oder Musik hören und mich dabei auf einen problemlosen Betrieb und gewohnte Abläufe freuen. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich nie im Leben auf Windows umsteigen würde. Das verwende ich auf meinem Service-Laptop, OK. Windows 7 ist auch sicherlich inzwischen ein prima Betriebssystem (von Windows 10 schweige ich mal lieber), aber es riecht immer nach Arbeit und der nächste Ärger lauert stets hinter der nächsten Ecke. Also Ärger wollte ich nicht, bequem wollte ich es haben.

Als ich mich zum Update entschloss und den Boliden auf den Arbeitstisch gewuchtet hatte, baute ich erstmal ein Laptop auf meinem Wohnzimmer-Schreibtisch auf, schloss meine Eingabegeräte, Lautsprecher und Monitore an, um es während des Umstiegs möglichst kuschelig zu haben. Zu Anfang meiner Hackintosh-Zeit war ein Problem, dass ich beim Rumfummeln meistens keinen funktionierenden Rechner zur Verfügung hatte, um zwischendurch auch mal zu entspannen. Entsprechend legte ich Nachtschichten ein und war oft genug wirklich mächtig genervt. Diesmal wollte ich es mit Ruhe angehen und trotzdem eine funktionale Umgebung für Business und Bespaßung zur Verfügung haben.

Mit Glück fand ich einen Installationsbericht von einem User, der exakt meine Hardware verwendete, abgesehen davon dass er eine Nvidia eingebaut hatte und ich eine AMD-Grafikkarte. Dem maß ich keine große Bedeutung zu und las mit Freuden, dass er die Angelegenheit als „straight forward“ beschrieb und seinen Report mit „a cakewalk“ abschloss. Beschwingt machte ich mich ans Werk.

Am Abend des ersten Tages klappte dann irgendwann der Start vom Installationsmedium.

Am zweiten Tag konnte die frische Installation meine Grafikhardware nicht initialisieren.

Am dritten Tag brachte mich der Clover-Configurator fast zum Schreien.

Am vierten Tag entdeckte ich, dass auf der frisch partitionierten (!) SSD irgendwie Reste der alten Installation überlebt hatten (keine Ahnung, mir unbegreiflich) unter anderem auch ein gammeliger Grafikkartentreiber (Aha!).

Am fünften Tag formatierte ich gründlich, installierte nochmals, passte die Treiber an, richtete das OS ein und spielte meine Benutzerdaten zurück. Das ganze dauerte nicht mal 2,5 Stunden und war wirklich bamperl simpel.

So, jetzt rennt die Kiste. Und jetzt will ich wieder ein paar Jahre Ruhe haben und mit dem Rechner arbeiten und nicht an ihm. So, wie es sich auf einem Macintosh gehört.

Note to self: Et hätt noch immer joot jejange. Musik: Blues Pills, Beth Hart, Chiro, Morbid Angel, Thantifaxath.