TUN vs. ENG 1:2

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: In Wolgograd gabs eine Mückenplage epischen Ausmaßes. Vielleicht war deswegen so viel Tempo im Spiel. Es ging direkt gut los: Doppelchance für die Briten in der dritten Spielminute, da brannte es lichterloh in der tunesischen Box. In der 11. Spielminute gingen die „Three Lions“ dann nach einer Ecke durch Harry Kane in Führung, was für ein Stürmer! Da hatten die Nordafrikaner noch gar nicht richtig angefangen und der tunesische Tormann musste mit kaputter Schulter raus. Er ging weinend, das ging mir ans Herz. Beide Teams kombinierten gut, mit Vorteilen für die Engländer. Aber Tunesien versteckte sich keineswegs und bekam dann einen Elfmeter, warum auch immer – Ausgleich! Nach weiteren Großchancen der Briten gings in die Pause. Die zweite Hälfte verlief ganz anders: Beide Mannschaften spielten auf Ballbesitz, bei den Tunesiern klappte das so lala. Die Engländer beraubten sich dadurch ihrer eigentlichen Stärke, weil sie das Spiel langsam machten. Gefahr ging jetzt nurmehr von Standards aus, Tunesien igelte sich ein. Das ging gut bis in die Nachspielzeit, dann schlug Kane wiederum nach einer Ecke zu – der Killer von den Spurs entschied das Spiel.

Ergebnis gerecht?: Natürlich! Hätte nicht viel gefehlt und ein Schiedsrichterfehler hätte das Spiel entschieden.

Mann des Spiels: Harry Kane, einfach spitze.

Spruch des Spiels: „Uiuiui!“(Steffen Simon nach der Elfmeterentscheidung)

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BEL vs. PAN 3:0

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Liest man die Namen der belgischen Spieler, müssten sie um den WM-Titel spielen, so viel ist klar. Und entsprechend legten sie auch los: Volles Rohr. Dries Mertens zeigte in der 7. Spielminute die bislang schönste Schwalbe des Turniers, sah aber nicht gelb, obwohl der Schiri ansonsten so ungefähr alles pfiff. Panama rührte Beton an und setzte ab und zu kleine Spitzen. Offenbar hatte die Hälfte der Bevölkerung des Kanal-Landes des Weg nach Russland angetreten, denn jedes gelungene Tackling, jeder Befreiungsschlag wurde frenetisch gefeiert. Torlos ging es in die Kabinen, aber schon in der 48. überlistete Mertens mit einem Geniestreich den panamaischen Keeper. Spätestens jetzt packten die Lateinamerikaner die Axt aus, die gelben Karten häuften sich. Aber man versuchte auch, strukturierter nach vorne zu spielen und wagte sich ein bisschen aus dem Schneckenhaus heraus. Die entstehenden Lücken nutzte Belgien sofort und konsequent zum deutlichen Sieg. Ein cleveres Team. Den Nigel-De-Jong-Gedächtnistritt von Kevin De Bruyne in den Brustkorb seines Gegenspielers vergessen wir mal.

Ergebnis gerecht?: Na klar. Panama sammelte immerhin Sympathiepunkte.

Mann des Spiels: Romelu Lukaku, eiskalter Doppeltorschütze

Spruch des Spiels: „Und runter gehts. Die Schere ausgepackt. Den Ball ins Aus geprügelt. Die verteidigen mit allem, was sie haben.“ (Tom Bartels über panamaische Defensivkunst)

SWE vs. KOR 1:0

Gesehen: Die letzte halbe Stunde ohne Ton im Büro

Das Spiel: Der flüchtige Eindruck sagt mir, dass das Endspiel der N11 gegen die Schweden kein Zuckerschlecken werden wird. Körperlich stark und unerschütterlich im 4-4-2, so wie seit 100 Jahren. Das wird hart.

Ergebnis gerecht?: So wie man liest, ja.

Mann des Spiels: Der Videoschiedsrichter

Spruch des Spiels: nicht gehört

BRA vs. SUI 1:1

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Zauberhaft war es nicht, was die Brasilianer in der ersten Hälfte gegen knorrige Schweizer ablieferten. Aber nach dem Traumtor zur Führung durch einen Distanzschuss kontrollierten sie das Spiel über weite Strecken und übten sich ansonsten in Zurückhaltung. Neymar, der die Haare mit Abstand am schönsten hatte, gewohnt mimosenhaft, der Rest gewohnt abgeklärt. Die Schweiz solide aber vorne ungefährlich. Das änderte sich nach dem Seitenwechsel, als die Eidgenossen per Standard zum Ausgleich kamen. Da war dann erst mal Schluss mit „o jogo bonito“. Das Spiel wurde härter und umkämpfter. Gute Abschlüsse waren selten. In der letzten Viertelstunde waren einige Schweizer stehend K.O. und man fing an, extrem Zeit zu schinden. Die Brasilianer verkrampften ein bisschen, hatten aber in der 90. Minute zwei Großchancen, die sie nicht nutzten.

Ergebnis gerecht?: Ja. Weil Brasilien in der ersten Hälfte gar nicht richtig versuchte nachzulegen.

Mann des Spiels: Coutinho, der Traumtorschütze.

Spruch des Spiels: „Das ist der erste schweizer Treffer heute. Volltreffer.“ (Béla Réthy, nachdem ein Brasilianer heftig am Kopf getroffen wurde)

GER vs. MEX 0:1

Gesehen: Natürlich 90 Minuten.

Das Spiel: Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die N11 im defensiven zentralen Mittelfeld eine riesengroße Lücke namens Khedira-Loch hat, dann wurde dies durch die Mexikaner schonungslos aufgedeckt. Dass auch die Herren Kroos, Draxler und Müller gegen den Ball kaum mitmachten, wenn die Mittelamerikaner schnell umschalteten, machte es nicht besser. Nach 45 Minuten hätte es auch 3:0 stehen können. Lag auch daran, dass der Schiedsrichter nicht bereit war, einen Freistoß zu geben, wenn ein Deutscher zu Boden ging, sobald sich der Verlust des Zweikampfs abzeichnete. In der zweiten Hälfte ging das behäbige, pomadige Gekicker munter weiter. Mit Reus wurde es ein bisschen besser (vielleicht auch einfach, weil Khedira nicht mehr mitspielte). Die N11 kam nicht in die Zweikämpfe, schoss schlecht aus der zweiten Reihe und zeigte erhebliche Ungenauigkeiten beim Passspiel. Aber vor allem war bis zur 70. Minute kein Aufbäumen, kein Wille sichtbar, den Bock doch noch umzustoßen.

Ergebnis gerecht?: Sicher! Eine nervenstärkerer Gegner hätte Deutschland 4:0 vom Platz geschickt.

Deppen des Spiels: Das komplette deutsche Mittelfeld.

Spruch des Spiels: „Ja, ich glaube, dass wir in der ersten Halbzeit keine Lösungen gefunden haben.“ (Toni Kroos, ich lache immer noch)

CRC vs. SRB 0:1

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Die Mittelamerikaner zunächst mal mit Guerilla-Taktik gegen etwas hüftsteife Serben. Die versuchten das Spiel zu machen, taten sich aber schwer gegen die dichtgestaffelte Defensive. Erst kurz vor dem Seitenwechsel löste Costa Rica wenigstens ein bisschen die Handbremse. Nach der Pause versuchten die Serben, einen Gang höher zu schalten und mit mehr Tempo und Risiko zu agieren und kamen zu besseren Möglichkeiten. Das Siegtor wieder mal nach einem Standard: Ein sehenswerter Freistoß von Kolarov ließ dem guten Torwart Navas keine Chance, weil die Mauer Costa Ricas etwas bröckelte. Danach taten sich die die Mittelamerikaner schwer damit, die Initiative zu übernehmen, auch weil die Serben immer selbstbewusster wurden und ihre körperlichen Vorteile ausspielten, aber vor allem weil Costa Rica bis zum Schluss mit 5 Mann in der Verteidigung spielte.

Ergebnis gerecht?: Ja. Ein höherer Sieg wäre auch in Ordnung gewesen.

Mann des Spiels: Malang Diedhiou, der Schiedsrichter aus dem Senegal, der bis zum Schluss die Ruhe behielt.

Spruch des Spiels: „Keiner da. Keiner da. Das ist hoffnungslos!“ (Claudia Neumann über Costa Ricas Angriffsbemühungen)

CRO vs. NGA 2:0

Gesehen: 90 Minuten

Das Spiel: Afrikanische Leidenschaft gegen die Strategen vom Balkan. So ungefähr stellt man sich diese Partie vor und so lief sie dann auch ab. Die Kroaten mit ihren Mittelfeldhelden Modric und Rakitic und den Stürmern Kramaric und Mandzukic waren zwar nicht drückend überlegen, hatten aber die klarere Spielidee und gingen nach einem Standard etwas glücklich in Führung. Die Nigerianer agierten hinten ziemlich diszipliniert, waren aber vorne zu harmlos. Außerdem langten die Kroaten ganz schön zu. In der zweiten Hälfte bemühten sich die Afrikaner um mehr Offensivgeist, ohne wirklich Durchschlagskraft zu entwickeln. Die eingespielten Kroaten beherrschten jetzt die Szene. Der sehr gute Schiedsrichter lag auch bei der Elfmeterentscheidung richtig und Lionel Messi darf sich bei Luka Modric abgucken, wie ein Strafstoß geschossen wird.

Ergebnis gerecht?: Klar. Kroatien wurde nicht gefordert.

Mann des Spiels: Luka Modric, Chef auf dem Platz.

Spruch des Spiels: gabs nicht